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Im Bann der Widdersteine


Published by Nyn , 4 July 2020, 06h58. Text and phots by the participants

Region: World » Austria » Nördliche Ostalpen » Allgäuer Alpen
Date of the hike:30 June 2020
Hiking grading: T6- - Difficult High-level Alpine hike
Climbing grading: III (UIAA Grading System)
Waypoints:
Geo-Tags: A 
Time: 11:00
Height gain: 1200 m 3936 ft.
Height loss: 1200 m 3936 ft.

IM BANN
Nur vielleicht 2 Dutzend Meter sind wir von der Stelle entfernt, die sich leider erst einiges später als "doch richtig" herausstellen sollte, als wir zweifeln, ob wir in der unübersichtlichen Querung der Westflanke des Kleinen Widderstein-Südgipfels nicht schon zu tief geraten sind. Da wir seit dem Nordgipfel leider vermehrt in den Wolken stecken und die Sicht dadurch beschränkt ist, können wir nur die nächsten Meter gut abschätzen. Der Widder zeigt uns hohnlachend seine Hörner.

Dieses verflixte Gelände. Selbst Gebietskenner, die diese Überschreitung schon etliche Male gegangen waren, schreiben, sie hätten genau in dieser Querungspassage nie 2x dieselbe Route erwischen können. Zu ähnlich sind sich die Strukturen, es gibt überhaupt keine markanten Punkte außer den oberhalb sich zum Grat stark aufsteilenden Wandstrukturen und unterhalb diese gräußlich noch brüchigere Steilflanke,  - keinerlei Markierungen oder Steinmännchen. Begehungsspuren (Böppel) gibt es allemal stellenweise von Gamsen oder Steinböcken.

So versuchen wir erneut das Gelände zu lesen, klettern ein Stück zurück und höher diese und jene Stelle an, die sich dann als zu schwer, zu steil, zu brüchig oder alles zugleich entpuppt, um darüber in augenscheinlich vielleicht wieder gangbareres und gestufteres Gelände zu kommen.
Wir wissen zwar recht genau, wohin wir müssen, aber wie hoch die Querung durch diese schräg abwärts zur Bewegungsrichtung geschichteten Rippen anzusetzen ist, das können wir wegen der beschränkten Einsichtigkeit und Ähnlichkeit der Strukturen nicht mit Sicherheit sagen. Etliche parallele steilrinnenartige Rampen leiten ein Stück in die richtige Richtung, dann gilt es eine kletterbare Stelle zum Überwinden der teils senkrechten Zwischenabschitte zu finden. Fast alles ist dazu noch ziemlich brüchig.

Wir entscheiden, es zunächst mit einer Art Rückwärtsschleife noch näher an der Grathöhe zu versuchen. Ich stehe dann sogar auf einem Grathöcker vor einer der dortigen Schlüssel-Stellen (III+/IU-?, s. Bild extern ), aber ohne Seil und ohne zu wissen, was dann noch kommt, ist das für uns viel zu heikel.

2TER VERSUCH
Viele Optionen haben wir nicht mehr. Alles zurück und über den Nordgipfel wieder hinab? Nee, das würde ewig dauern.
Folglich: Das zuvor mühsam hinauf und teils im oberen IIer Gequerte müssen wir irgenwie wieder zurück bis zu dem Punkt, wo wir vorhin zweifelten. Dort MUSS es einfach weitergehn.
Es bietet sich an, dazu zunächst eine der schrägen "Steilrinnen" abzuklettern, die wir zuerst im unteren Teil bereits vorher begangen, dann auf der Schleife im ZickZack oberhalb umklettert hatten. Eine Passage dort ist sehr abdrängend. Die unangenehme Unterbrechung der Steilrinne kann ich dank langer Beine halbwegs ausspreizen und stemmend hinab überwinden (eher III-), für yuki ist es sicher noch schwerer.

Am vorigen Umkehrpunkt angelangt klettere ich nunmehr entschlossen noch etwa 30 Meter fast waagrecht weiter und kann eine Art Nase unterhalb umgehen und dahinter aufklettern. Ja, HIER geht es, ENDLICH, das muss einfach richtig sein. Yuki kommt nach. Püh.

Etwas oberhalb ist die die Flanke leicht trennende senkrechte Rinne, die vom Grat herabkommt, gut querbar und mit einigen brüchigen Stufen und zuletzt endlich leichter werdender Schrofenkletterei stehen wir vollends wieder am Grat und nur noch einige grasige Meter trennen uns vom Südgipfel.

Gewonnen! Alle Anspannung fällt von uns ab.

ABSTIEG
Leider ist die Sicht immer noch sehr mässig. Im Vergleich zum eben Durchlittenen ist der noch vor uns liegende Abstieg vom Südgipfel zum und vom Karlstor fast Peanuts.

FAZIT
Der Aufstieg über den Bärenkopf bietet einen schöner Auftakt, der Abstieg nach Westen ab Karlstor ist vergleichsweise unschwer, aber recht mühsam.

Fände man die besten Möglichkeiten an den Kleinen Widdern schnell, dann wäre die Überschreitung wohl kaum schwerer als II. So steht es auch in den meisten Beschreibungen. Mein älterer AV-führer spricht von II+ für den Nordgipfel und mässig schwierig für den Südgipfel. Also, rein klettertechnisch ist der Nordgrat zum NG je nach Variante zwar nicht leicht, aber dort gibt es deutlich klarere Linien und im Schnitt auch besseren Fels als bei der Ü/Flankenquerung zum SG, die wird auch seltener gemacht.

Wer am Karlstor noch nicht genug haben sollte, kann den Nordpfeiler (III+) zum Ostgrat des 'Großen Bruders' anhängen. Aber nicht ohne Seil!

Leider trüben für mich die insgesamt doch eher mässige Felsqualität den Genuss ein wenig. So bleibt diese durchaus reizvolle Überschreitung des Kl. Widders dem geübten Könner vorbehalten. Helm und klettertaugliche Schuhe sind sowieso Pflicht. Trockene Verhältnisse sind unbedingt angeraten.


 


Hike partners: yuki, Nyn


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Comments (11)


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Schubi says:
Sent 4 July 2020, 08h36
Hallo Markus.
Ein spannender Bericht. Glückwunsch zu dieser anspruchsvollen Tour! Wo hast du bei Touren, die viel Handeinsatz erfodern, denn die Kamera befestigt/versteckt?
Frank

Nyn says: RE:
Sent 4 July 2020, 10h52
Danke Frank,
Ich habe eine kleine, passende Kameratasche mit großer Gürtelschlaufe.
Da ziehe ich den Gürtel oder wenn ich keine Hose mit Gürtel trage, den Bauchgurt des Rucksacks durch

Nyn says: RE:
Sent 4 July 2020, 14h38
Auf Bild 12 (Zoomen) sieht man das ganz gut

Nic says:
Sent 4 July 2020, 17h12
Gratulation zur schönen Tour. Hab die Überschreitung als recht gut machbar in Erinnerung und gar nicht so schwierig. Vielleicht lags bei euch am Nebel? IIIer Stellen hatten wir zumindest in der Westflanke keine.

VG Nico

Nyn says: RE:
Sent 4 July 2020, 17h38
Danke, Nic
Bis in den unteren IIIer würde ich sagen bei 2 direkten Varianten am Nordgipfel-Nordgrat und 1x bei unserem unfreiwilligen Geieire in der Westflanke, da waren wir definitiv außerhalb der besten "Route".

Ja, die Wolkeneinhüllung erschwerte uns die Orientierung schon. Das wird auf den Bildern gar nicht so deutlich. Wenn man die Flanke von oben, vom NG, sieht, dann erscheint alles ziemlich logisch, steht man nachher iwo mittendrin in der Waschküche und nur paar Meter falsch...nunja, wir haben es ja schließlich auch gefunden, ein "Schlupfloch".

montanus says:
Sent 17 August 2020, 19h49
Hallo "Nyn",
ich habe in den 1960-er Jahren einige Zeit im Kleinwalsertal gelebt; damals zählte der Kl. Widderstein zu meinen bevorzugten Zielen. Ich habe ihn mind. 10 x bestiegen, habe am Nordgipfel ein Sonnwendfeuer entfacht und dort auch in der Silvesternacht ein kleines Feuerwerk entzündet, den Sonnenaufgang am Gipfel erlebt und 2 Erstbegehungen in der Südwand und der Nordostwand des Nordgratturmes durchgeführt - und bin nie einem anderem Menschen begegnet. Was die Schwierigkeit betrifft - am Grat ca. III; der Weiterweg über den Nordpfeiler zum Gr. Widderstein beinhaltet nach meiner Erinnerung eine Stelle IV; generell ist es sinnvoller die Überschreitung seilfrei zu gestalten (Steinschlag, Zeitersparnis, Gehgelände etc.). Den Südgipfel habe ich auch im Rahmen von Skitouren zum Karlstor bestiegen.
Die "Felsqualität" habe ich nie als störend empfunden, denn der Großteil der Allgäuer Alpen ist aus Hauptdolomit aufgebaut, einem unzuverlässigen Gestein; gerade in den unteren Schwierigkeitsgraden wird dies deutlich.
VG Wolfhard

Nyn says: RE:
Sent 17 August 2020, 20h16
Hallo lieber Wolfhard,
Danke für deine fundierten Gebietskenner-Einblicke und die Einschätzung eines Altmeisters.
Euren Künsten zu diesen Zeiten gebührt mein allerhöchster Respekt!

Meine eigenen alpinen Kletteranfänge liegen auch ein wenig zurück, aber nur ca 35 Jahre...um so erstaunlicher ist dein Erinnerungsvermögen.

Kalk und Hauptdolomit ist mir durchaus vertraut und ich weiß, dass im sog . "Leichten Fels" (Walter Pause) oft "Grünzeug" dabei ist. Zum Glück kann ich ein wenig von den Erfahrungen in schwierigerem Gelände zehren - das hilft mir auch heute noch viel bei seilfreiem Klettern oder Solos in Gras/T6/II-III

Viele Grüße
Markus


Goschi says:
Sent 21 August 2020, 08h28
Klasse Runde die ihr da gemacht habt, steht wie so vieles auch auf meiner Liste.

BG
Gregor

Nyn says: RE:
Sent 27 August 2020, 22h38
Danke dir, Gregor

Eumaex says:
Sent 27 August 2020, 17h04
Schöner Bericht Nyn. Hatte vor 7 Jahren das Glück eine relativ einfache Linie durch die Wand deutlich unterhalb des Grates zu finden. Da wars wirklich maximal II+. Haben aber wahrscheinlich wirklich durch Zufall die richtigen Kamine erwischt. Der Nebel macht den Berg natürlich noch wilder. Eine der richtig schönen Touren im Allgäu. Glückwunsch.

Nyn says: RE:
Sent 27 August 2020, 22h39
Danke dir ebenfalls!


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