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Schwertkopf (3099m) - unbeachteter Gipfel neben dem Großglockner


Published by BigE17 , 1 July 2020, 12h48.

Region: World » Austria » Zentrale Ostalpen » Glocknergruppe
Date of the hike:24 June 2020
Hiking grading: T4+ - High-level Alpine hike
Mountaineering grading: F
Waypoints:
Geo-Tags: A 
Time: 8:00
Height gain: 1600 m 5248 ft.
Height loss: 1600 m 5248 ft.
Route:16 km
Access to start point:Von Lienz oder von Mittersill über den Felbertauern nach Huben im Iseltal. Hier fährt man nach Osten ins Kalser Tal. Man fährt fast bis zum Taurerwirt, kurz vorher zweigt rechts die mautpflichtige Straße zum Lucknerhaus ab. Dort gibt es einen riesengroßen Parkplatz.
Accommodation:Lucknerhaus, Salmhütte, Glorerhütte

Wenn man sich bei schönem Wetter in der südlichen Glocknergruppe befindet, gibt es einen Gipfel, der allen anderen die Show stielt - den Großglockner. Die Gipfel in seiner Umgebung  werden viel weniger beachtet. Erst, wenn der Glockner in Wolken gehüllt ist, stechen einem andere Gipfel ins Auge - unter anderem das Schwerteck oberhalb der Salmhütte. Östlich von diesem befindet sich ein unspektakulärer, unauffälliger und einsamer Gipfel - der Schwertkopf. Die Tatsachen, dass ein Anstieg ohne Klettern und Gletscherberührung möglich ist, und dass er sehr früh ausapert, ändern nichts daran. Weil ich jedoch alleine gehen musste, war er wegen der geringen Schwierigkeiten und der Nähe zu viel begangenen Wegen meine erste Wahl.

Ich startete um 7:45 beim großen Parkplatz beim Lucknerhaus. Ich folgte dem Wegweiser in Richtung Glorerhütte. Nach einem kurzen Steig erreichte ich einen schmalen Schotterweg. Über diesen ging es vorbei an zahlreichen Kühen und Gattern, bis er zu einem Steig wurde. Ich gewann sehr schnell an Höhe und im Nu war die Glorerhütte erreicht. Hier konnte ich nun auch zum ersten Mal mein heutiges Ziel - den Schwertkopf - auf der anderen Talseite erkennen. Anfangs folgte ich dem markierten Weg Richtung Salmhütte über zahlreiche Schneefelder. Nach kurzer Zeit musste ich mich entscheiden, ob ich den einfachen oder versicherten Steig zur Hütte nehmen wollte. Ich entschied mich für die einfache Variante.

Nun folgte ein Abstieg von ca. 150 Hm hinunter bis zum Bach, wobei hier das eine oder andere steilere Schneefeld lauerte - immerhin war alles super gespurt. Auf der anderen Seite stieg ich nicht mehr zur Salmhütte auf, sondern verließ auf knapp über 2500m den Steig. Ich begann, weglos hinüber zur Südflanke des Schwertkopfes zu queren. Die Wiese war relativ flach, es ging stets leicht Auf und Ab. Schließlich sah ich oberhalb von mir den Wiener Höhenweg, der die Salmhütte und das Glocknerhaus verbindet. Ich stieg zu diesem auf und folgte ihm nur noch kurz.

An einer geeigneten Stelle verließ ich den Weg, um in die Südflanke des Schwertkopfes einzusteigen. Im unteren Teil war sie sehr steil (ca. 45°) daher war hier Vorsicht geboten. Mit der Zeit wurde es immer flacher, aber auch immer schuttiger. Ab ca. 2750m Höhe fand ich dann nur noch Schutt vor. Obwohl der Gipfel schon recht nahe wirkte, zog sich der Weg dann doch noch ordentlich in die Länge. Ich stieg wegen des Schnees im linken Teil der Flanke leicht rechtshaltend durch den mühsamen, zwischen 30 und 35 Grad steilen Schutt auf. Als ich den Südostrücken erreichte, wurde es ein wenig flacher, und es sah so aus, als würde ich schon bald den Gipfel erreichen. Doch der Anblick täuschte erneut. Ich musste noch 200 Hm durch den ganzen Schutt aufsteigen. Schließlich erreichte ich den markanten Felsen, den ich für den Gipfel gehalten hatte. Dieser war es nicht ganz, der eigentliche Gipfel lag wenige Meter nördlich davon, ganz ohne Probleme zu erreichen.

Wegen des guten Wetters erwartete mich eine tolle Rundumsicht: Im Norden und Westen konnte ich die hohen Gipfel der Glocknergruppe erkennen, im Osten Hocharn und Sonnblick, im Süden Schobergruppe und Deferegger Alpen. Der Tiefblick zur Großglockner-Hochalpenstraße und zur Franz-Josef-Höhe war ebenfalls spektakulär. Es war auch zu erkennen, dass am Großglockner einige Bergsteiger unterwegs waren - also auch im Juni ist man da oben nicht alleine unterwegs.

Dann begann ich mit dem Abstieg. Die obersten 350 Hm waren bequem im Schutt abzurutschen, dann erreichte ich wieder die steilen Grashänge. Gottseidank hatte ich mir gemerkt, wo genau ich aufgestiegen war. So konnte ich einfach über genau dieselbe Route wieder absteigen. Ansonsten hätte ich hier einige Zeit investieren müssen, um einen Weg zu finden, der an den Felsabbrüchen vorbeizukommen. So gelangte ich wieder zurück auf den markierten Steig.

Für den Rückweg hatte ich mir überlegt, an der Salmhütte vorbei über den versicherten Steig zurück zur Glorerhütte zu gehen. Auch wenn ich so nicht zum Bach hinuntersteigen musste, war dieser Weg dennoch deutlich länger. Zum Glück waren die letzten, steilen Schneefelder alle gut gespurt, denn insbesondere das letzte Feld war brutal steil (ca. 50°). Danach gab es noch einige versicherte Stellen, dann gelangte ich wieder an die Weggabelung, wo ich beim Aufstieg den anderen Steig ausgewählt hatte. Über flache Schneefelder gelangte ich zurück zur Glorerhütte. Zum Schluss musste ich nur noch die 700 Hm über den angenehm begehbaren Weg zum Lucknerhaus absteigen, das ich um 15:45 erreichte.

Erwähnenswertes:

1. Der gesamte Aufstieg auf den Schwertkopf ist nicht schwierig. Auch die Steinschlaggefahr ist nirgendwo besonders groß. Vorsicht ist im unteren, steilen Teil der Südflanke dennoch geboten.

2. Die Flanke apert sehr früh aus. In der Regel ist der Schwertkopf ab ca. Mitte Juni schneefrei erreichbar.

3. Der kürzeste Zustieg zum Schwertkopf führt vom Glocknerhaus an der Hochalpenstraße über den Wiener Höhenweg bis zum Einstieg. Das Glocknerhaus ist entweder mit dem Auto gegen Bezahlung der Maut, oder auch mit dem Fahrrad erreichbar. Der Anstieg vom Lucknerhaus ist zwar ein wenig länger, aber schöner.

4. Abgesehen von der Südflanke auf den Schwertkopf, bewegt man sich auf sehr beliebten Wegen. Deshalb erlebt man hier keine richtige Bergeinsamkeit.

5. Skitouren auf den Schwertkopf sind zwar möglich, aber nur bei Idealbedingungen. Ist der Schnee zu hart, wird aus der Flanke eine riesige tödliche Rutschbahn. Sollte der Schnee zu weich sein, herrscht große Lawinengefahr. Außerdem ist im Winter der Zustieg sehr lang.

6. Während der Gratübergang zum 3. Leiterkopf noch vertretbar ist (II), sollte man sich vom ausgesetzten, brüchigen Verbindungsgrat zum Schwerteck fernhalten (III). Anstiege von Norden sind auch nicht zu empfehlen.

7. Würde der Schwertkopf nicht im Schatten des Großglockners stehen, würde er gewiss mehr Beachtung bekommen, er wäre aber trotzdem nicht überlaufen. Das liegt an dem mühsamen Anstieg, was ihn für Familien unattraktiv macht. Trotzdem ist der unschwierige Anstieg sehr zu empfehlen. Die Aussicht am Gipfel ist ein Wahnsinn, außerdem kann man danach durch den Schutt nach unter surfen.

Hike partners: BigE17


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