COVID-19: Current situation

 Short report 

Bekannte Wege und abwegige Theorien - Roß- & Buchstein


Published by ZvB , 19 May 2020, 19h33.

Region: World » Germany » Alpen » Bayrische Voralpen
Date of the hike:17 May 2020
Hiking grading: T4- - High-level Alpine hike
Climbing grading: II (UIAA Grading System)
Via ferrata grading: F
Waypoints:
Geo-Tags: D 
Time: 6:00
Height gain: 940 m 3083 ft.
Height loss: 940 m 3083 ft.
Route:9,4km

Nein, diese Tour ist sicherlich kein Geheimtipp oder eine hikr-Neuheit. Verfügbare Zeit und günstiges Wetter machten diese beiden bekannten Münchner Hausberge zu einer Option für eine nachmittägliche Halbtagestour. Allein ist man hier keinesfalls, außer man wartet bis zur Sperrstunde ...

Die Fahrt zum Wanderparkplatz verläuft abgesehen von der unvermeidlichen Haftreibung der Pneus reibungslos. Ab Wildbad Kreuth fährt man dann durch die Spalier parkenden Autos. Mein Parkplatz wird just im Moment meines Eintreffens frei. Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert!

Die 622 Höhenmeter zur Sonnbergalm absolviere ich innerhalb von einer Stunde und vier Minuten, und das trotz zahlreichem Gegenverkehr und gleichzeitiger Beantwortung von vielfältigen Fragen wildfremder Personen zu meinem Fotoapparat. Hoffentlich hab ich da jetzt nichts falsch erklärt...

Wie von Ameisen werden Roß- und Buchstein bevölkert. Das Gewusel ist unübersichtlich. Der Brotzeitfelsen steht unter Dauerbeschuss der Smartphone-Kameras. Als ich jedoch zum Westgrat des Roßsteins abbiege wird es schlagartig still um mich herum, zum Glück nicht dunkel. Kurz wäge ich ab, ob ich die direkte Variante oder die leichtere Umgehung nehmen soll. Die Latschenkiefer spricht zu mir: "Komm mir nicht zu nahe!" Also die leichte Variante (T4-, I)! Man muss im Schofengelände sehr behutsam voranschreiten, um nicht versehentlich auf Aurikel oder stengellosen Enzian zu treten.

Am Ausstieg aus der Zwergerlrutschbahn beobachte ich drei Bergsteiger bei den Vorbereitungen zum Abseilen. Ich schaue ihnen geradezu ostentativ zu und sage nichts, da bemerken auch sie schlussend-lich, dass der Tube doch anders ins Seil gehört. Beruhigt ziehe ich zum unruhigen Gipfelgetümmel weiter...

Zwei Burschen diskutieren darüber, wie denn der Berg jetzt heißt, auf dem sie gerade stehen. Ich frage lieber nochmal nach, ob das eine ernstgemeinte Frage sei. Ja, das ist sie. Ich verrate nichts. Eine Generation, die sich ohne digitale Gehirnprothese und ohne Handyempfang nicht mehr auskennt, verdient meine fachliche Expertise einfach nicht ... Wenigstens gescheid raten hättet ihr können!

Auf dem Buchstein wird es dann stiller. Das liegt vielleicht auch an der IIer-Rinne, in der schon so manche Novizin oder mancher Novize erste alpine Angstmomente erlebt hat. Dem vorangegangenen Satz fehlt leider die Einbeziehung des dritten Geschlechts, aber auch ich bin bewusst unbewusst fehlbar (Transgender war doch die Filmreihe, bei der sich Lkw in Roboter verwandeln können, oder?).

Also zurück nochmal zum Buchstein. Genau, still ist es hier. Die wenigen Kletterer, die aus der Südwand hier heraufhüpfen, sind angenehme Gesprächspartner. "Nein, die Kamera hat keine HDR-Funktion, verdammt nochmal!"

Ich schaue beim Abstieg noch an der Roßsteinnadel vorbei. Die letzte Seilschaft feiert ihren Erfolg bei Dosenbier und einem nervigen Quadrocopter-Rundflug.
Eben jene Kollegen versuchen etwas später - den Sonnberg habe ich gerade hinter mir gelassen - auch mich von ihren Corona-Theorien zu überzeugen:
"Was die Abstandsregeln mit den Kindern machen", sagt einer, der Bier aus Weißblechdosen trinkt. Hauptsache die Generation Greta kann sich ohne Abstand in den Armen liegen, wenn sie gegen den vermüllten Planeten und fehlende Atemluft protestiert.
"Man müsse auch auf die vielen menschlichen Einzelschicksale der Krise Rücksicht nehmen", sagt ein anderer, der kurz zuvor allen anderen Wanderern mit einer Drohne auf die Nerven gegangen ist.
"Die Demokratie ist in Gefahr, weil man zwei Monate nicht in die Kirche konnte." Gut, es mag sein, dass ich hier jetzt in der Retrospektive etwas durcheinander bringe...
Ja, es gab Ausgangsbeschränkungen, aber niemmand hat die Demokratie oder das Denken verboten. Die Logik der Verschwörungstheoretiker ist absurd, ja abwegig: Weil zu wenige Menschen gestorben sind, waren bzw. sind sämtliche Maßnahmen völlig falsch.

Ich persönlich finde ja, dass wir vor einem Impfstoff gegen Corona noch einen Impfstoff gegen etwas ganz anderes suchen sollten.
Interessant wäre auch ein Coronavirus, von dem nicht ältere Personen mit Vorerkrankung, sondern dümmere Menschen ohne Vorbildung stärker bedroht werden...

Päh, fragen die mich auch noch, ob ich hier Urlaub machen würde. Ich spreche Hochdeutsch! Die Einheimischen (einer war definitiv aus dem Osten der Republik) kennen dann aber nicht einmal den Guffert. S'Kuppal wird zum Kipferl...

Ich bin so was von durch mit den Münchner Hausbergen.

n.b.: Ausschließlich das SOFT-COUNTRY-Rezept auf Basis der ASTIA-Simulation verwendet. Die Farbsättigung auf -1 gestellt. Allein nur mit einem 10-24mm Objektiv unterwegs zu sein, schränkt die Möglichkeiten arg ein. Meist bewegt man sich am oberen Rand der Brennweitenskala. Für richtig weites Weitwinkel sind die Gelegenheiten doch eher rar, besonders in den eher sanften Münchner Hausbergen.

Hike partners: ZvB


Minimap
0Km
Click to draw, click on the last point to end drawing

Gallery


Open in a new window · Open in this window