Nepal: Gokyo-Khumbu-Trek; Teil 3


Published by Linard03 Pro , 27 December 2019, 07h30.

Region: World » Nepal » Khumbu
Date of the hike:11 November 2019
Hiking grading: T2 - Mountain hike
Waypoints:
Geo-Tags: NEP 
Time: 2 days
Height gain: 1179 m 3867 ft.
Height loss: 1202 m 3943 ft.
Route:Dzongla - Lobuche - Gorak Shep - Kala Pattar - Lobuche - Dingboche, 26.4 km

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Wir nähern uns langsam dem Höhepunkt des Trekkings – und müssen weitere Ausfälle  beklagen …
 
Dzongla (4700m) – Gorak Shep (5140m)
 
Die Schlafräume von Dzongla waren mehr eine Art Baubaracke. 5-6 Schlafräume waren hintereinander angebracht und wenn jemand im hintersten Schlafraum etwas sagte, war dies auch noch im Vordersten zu hören … - es war also ziemlich ringhörig … ;-))
 
Heute mussten wir mal nicht so früh raus; das Frühstück war um 7.30 Uhr angesetzt, wie eigentlich meistens. Zunächst wanderten wir auf einer Art Höhenweg und durften dabei die gewaltigen Wände des Cholatse zu unserer Rechten bestaunen.
 
Bald bogen wir „um’s Eck“ ins Khumbu-Tal. Dabei faszinierte uns schon bald ein anderer Gipfel: der Pumori (7145m) – was für ein Berg! Das Gelände war einfach und nicht zu anstrengend, sodass wir die Aussicht geniessen konnten.
 
Wir erreichten mit Lobuche (4940m) den nächsten Ort, wo wir unser Mittagessen einnahmen. Hier war für zwei weitere Personen Endstation (aus unterschiedlichen Gründen); wobei „Endstation“ nicht ganz zutreffend ist: es machte für die beiden zwar keinen Sinn, weiter aufzusteigen, wir werden sie jedoch am nächsten Abend in Dingboche wieder treffen.
 
Auch mein Zimmergenosse ist weiterhin am Leiden (starker Husten, teilweise kraftlos), geht jedoch weiter mit. Wir waren jetzt also noch zu fünft, als wir von Lobuche aus weiter aufstiegen. Die Durchquerung des Khumbu-Gletschers bzw. dessen Moränen war ein ziemliches Auf- und Ab und zog sich arg in die Länge … Etwas später als sonst (ca. 15.30 Uhr) trafen wir schliesslich in der nächsten Lodge in Gorak Shep (5140m) ein.
 
Es ist die höchstgelegenste Lodge der ganzen Tour. Und leider gleichzeitig auch Mieseste: zum einen liegt rund um’s Haus überall Müll herum; die Einrichtung ist generell ziemlich schmuddelig. Zudem ist es diejenige Lodge mit Toiletten-Einrichtungen der „unterirdischen“ Art. Dies sei zwar seit längerem bekannt, geändert hätte sich in den letzten Jahren trotzdem nichts. Schade eigentlich – und nur am fehlenden fliessenden Wasser kann’s ja auch nicht liegen, dass die Lodge einen derart schlechten Ruf geniesst …
Das einzige positive an dieser Lodge: der Hüttenwart machte den DJ und spielte Beatles, Queen, etc. – die Stimmung im Aufenthaltsraum war echt toll an diesem Abend!
 
Aufgrund mangelnder Zimmer müssen wir uns ausnahmsweise mal mit einem 3er-Zimmer begnügen. Ist ja grundsätzlich absolut kein Problem – nur geht’s meinem Zimmergenossen immer schlechter, fühlt sich erschöpft und der Husten nimmt langsam ein beängstigendes Ausmass an ...
 
Wir dürfen heute Abend einen phantastischen Sonnenuntergang am Nuptse & Everest geniessen. Dieses Licht! Irgendwie eine ergreifende Szene, wenn die letzten Sonnenstrahlen den Everest als letzten Berg berühren. Da vergisst man sogar die Kälte …
 
Gorak Shep (5140m) – Kala Pattar (5545m) – Dingboche (4400m)
 
Die Lodge war voll und alle wollten den Sonnenaufgang auf dem Kala Pattar erleben. Wohl deshalb sind bereits um 03.30 Uhr ca. 20-30 Leute aufgestanden und rücksichtslos umhergetrampelt; es war eine ziemlich unruhige Nacht … Wir versuchten dennoch, bis ca. 04.45 Uhr zu dösen.
Im letzten Bericht sprach ich von der „richtigen“ Strategie am Kala Pattar … Tja, zum Glück hatten wir unseren IT-Spezialisten dabei, der die ersten Sonnenstrahlen am Kala Pattar genau errechnen konnte … ;-))
 
Für meinen Zimmergenossen hat’s leider nicht gereicht; er musste Forfait geben und blieb in der Lodge zurück. So waren wir nur noch zu viert (von ursprünglich 9 …!), als wir um ca. 5.30 Uhr starteten (eine Stunde später als alle anderen). Es war sehr kalt, aber erträglich – wir hatten für heute Morgen eine zusätzliche Schicht angezogen.
 
Als es langsam heller wurde, erblickten wir in der Ferne gefühlte 100 Leute, welche sich am Gipfel tummelten. Sie belagerten die Bergspitze wie Ameisen. Und sie waren alle eine Stunde zu früh dran; nur wussten sie es noch nicht …
Der effektive Sonnenaufgang war zwar schon einiges früher, bis jedoch die Sonne über den Nuptse kommen wird, wird’s halt 07.43 Uhr …
 
Während des weiteren Aufstieges kamen uns immer mehr Leute entgegen, sie hatten alle in der Kälte aufgegeben und stiegen ab. Als wir schliesslich den Gipfel des Kala Pattar (5545m) erreichten, waren wir fast alleine …
Da wir lediglich ca. 15 Min. „zu früh“ waren (zu „schnell“ aufgestiegen?), konnten wir noch einige Fotos vom Wahnsinns-Panorama schiessen: Pumori, Everest, Lhotse, Nuptse, etc. – ich war sprachlos. Das war auch der Moment, wo sich mein Wunschtraum erfüllte: einmal vis-à-vis des Mount Everest zu stehen! Näher geht nicht für den Normal-Bergsteiger … Viele Jahre hatte ich auf diesen Moment gewartet; nun war es also soweit. Es war nicht nur für mich ein sehr emotionaler Moment.
 
Und wenige Minuten später kam dann die Sonne hinter dem Nuptse hervor – ein richtiger wow-Effekt! Mit der Sonne wurde es auch sofort wärmer und machte den Aufenthalt am Gipfel um einiges angenehmer. Nachdem wir uns satt gesehen hatten und die letzten Fotos gemacht waren, stiegen auch wir wieder ab.
 
Zurück in der Lodge gab’s erst mal Frühstück. Danach brachen wir wieder auf, denn wir hatten noch einen langen Weg vor uns … Zunächst ging’s auf demselben Weg zurück nach Lobuche, wo wir wiederum eine Mittagsrast einlegen werden. Auf dieser Wegstrecke sind wieder viele Leute unterwegs (u.a. auch „unsere“ Franzosen- und Spaniergruppen …).
 
Im Gletscher-Labyrinth überholen wir die vor uns gehenden Leute zügig, denn die meisten sind am Palavern und bringen keinen Fuss vor den anderen … Auch wenn wir es nicht eilige hatten; das war uns dann doch etwas zu mühsam … Nach Lobuche brachten wir die uns bereits bekannte „Staub-Autobahn“ hinter uns, bevor wir „links“ (bzw. nach SE) auf einen weniger stark frequentierten Pfad abbogen.
 
Wir gelangten schliesslich zu einer Gedenkstätte für Bergsteiger, welche (zumeist) bei den 8000er-Unternehmungen tödlich verunglückt sind. Hier waren wieder einige Leute von diversen Gruppen um die Gedenksteine versammelt. Dennoch war es still; es herrschte eine eigenartige, bedrückte Stimmung.
 
Etwas später erreichten wir die Yak-Weiden – einer der schönsten Strecken-Abschnitte des ganzen Trekkings: vor uns die beherrschende Pyramide des Ama Dablam, sowie weitere 6000er und das Khumbu-Tal. Die Yak-Weiden waren zudem eine willkommene Abwechslung zu den sonst beherrschenden Steinwüsten.
Auf diesem Wegabschnitt liess ich mich etwas zurückfallen, stand immer wieder still, um die Landschaft zu bestaunen. Es gelingt mir an dieser Stelle nicht, in Worte zu fassen, was ich gesehen habe bzw. wie ich die Landschaft erlebt habe …
 
Mittlerweile waren wir ganz alleine unterwegs; alle anderen hatten offensichtlich einen Abstieg nach Pheriche auf dem Programm. An der Stupa oberhalb von Dingboche hatten wir nicht nur einen schönen Blick auf ebendiesen Ort, sondern auch auf den Lhotse (8516m) und erstmals sahen wir nun auch den Island Peak (6189m).
Gegen 16 Uhr erreichten wir unsere Lodge in Dingboche (4400m), wo uns wie gewohnt ein welcome-Drink erwartete. Nach dem Zimmerbezug war zunächst mal wieder etwas dösen angesagt (Blick vom Bett auf Ama Dablam!!).
 
Am Abend genossen wir einen schon beinahe kitschig-schönen Sonnenuntergang am Lhotse. In Anbetracht der Tatsache, dass am nächsten Morgen mal ausschlafen angesagt war, gingen wir ausnahmsweise für einmal „sehr spät“ ins Bett – nämlich erst um 21.30 Uhr … ;-)
 
Fortsetzung folgt …
 
Bemerkungen:
Weshalb so viele Leute um diese Jahreszeit zum Everest Base Camp pilgern wollen, erschliesst sich mir nicht ganz …: dieses Camp ist im Herbst total verwaist, man sieht nichts (ausser allenfalls einen grossen Müllberg). Zudem sieht man das Everest Base Camp auch vom Kala Pattar aus bestens …
 
Zahlen:
10. Tag: ↑549m, ↓282m, 10.2km, 5 ½ Std.
11. Tag: ↑630m, ↓920m, 16.2km, 7 ¾ Std.

Hike partners: Linard03


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Comments (4)


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alpstein Pro says:
Sent 27 December 2019, 08h48
Bravo, Richard!

Ein weiterer wunderschöner Bericht samt Fotos. Man fühlt sich richtig auf die Tour mitgenommen, danke.

Beste Grüße
Hanspeter

Linard03 Pro says: RE:
Sent 27 December 2019, 18h09
Danke Dir Hanspeter für die netten Worte.
Es freut mich natürlich, wenn die Berichte gefallen ...

Ein (voraussichtlich) letzter Bericht wird noch folgen ...

Beste Grüsse,
Richard

gero says: wieder ...
Sent 28 December 2019, 03h54
... ein toller Bericht, ich kann mich Hanspeter nur anschließen: wir sind in Gedanken dabei und schlendern durch den eindrucksvolle Khumbu-Himal.

Eine Frage hätte ich noch: welches Kartenmaterial hast Du verwendet? Die "alte" Everest-Karte des DAV?

Gruß vom gero, Vorfreude auf den angekündigten Bericht Nr. 4

Linard03 Pro says: RE:wieder ...
Sent 28 December 2019, 09h39
Hallo Georg,

vielen Dank für Deine Rückmeldung.
Da wir ja in der Gruppe & organisiert unterwegs waren, war ich nicht auf genaues Kartenmaterial angewiesen. Aber wir alle erhielten diese "Trekking Map 1:75,000" mit dem Titel "Everest Base Camp & Gokyo"; eigentlich eine ganz gute Karte.
Teilweise irritieren die bereits erwähnten, unterschiedlichen Höhenangaben, verglichen mit anderen Karten oder Infos aus dem Internet ...

Beste Grüsse,
Richard


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