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Lipská hora, Setenka a Pákova hora (Hora Berg, Setenken Berg und Pakowa Berg)


Published by lainari , 13 November 2019, 20h46.

Region: World » Tschechien » České středohoří
Date of the hike:10 November 2019
Hiking grading: T3 - Difficult Mountain hike
Waypoints:
Geo-Tags: CZ 
Time: 2:45
Height gain: 385 m 1263 ft.
Height loss: 385 m 1263 ft.
Route:7,5 km
Access to start point:Auto oder Bus (DÚK, linka 662) nach Medvědice
Maps:1:50.000, KČT Nr. 10 České středohoří západ

Eine Kurztour im Nebelfenster des Böhmischen Mittelgebirges
 
Herbst im České středohoří (Böhmisches Mittelgebirge), die Formen, die Farben, das Licht und die Ungewissheit wo und in welcher Menge Nebel auftauchen wird, all das hat schon ein gewisses Suchtpotenzial. Deshalb unternahm ich heute eine weitere Tour in diese Region, allerdings hatte ich dafür nur einen halben Tag eingeplant. Dies sollte sich nachträglich als gute Entscheidung herausstellen, denn dadurch passte meine Runde zeitlich und örtlich genau in ein sich auftuendes Nebelfenster. Am Vortag hatte es geregnet und abends aufgeklart, was die Temperaturen in den Frostbereich sinken ließ. So begab ich mich am frühen Morgen so schnell wie es eben ging über vereiste und bereifte Straßen durch die Nebelsenke am Fußes des Erzgebirges. Der Paškapole sedlo (Paschkapole-Pass) im Zielgebiet war erneut nebelfrei und südlich davon breitete sich das Nebelmeer der Elbe-, Moldau- und Egerniederung aus.
 
Ich erreichte meinen geplanten Startpunkt in Medvědice (Nedwieditsch) und parkte an der Kirche. Zügig verließ ich den Ort auf dem rot markierten Wanderweg. Vom Berghang aus sah ich einen grandiosen Sonnenaufgang. Dann tauchte ich in einen zerfurchten Wald ein. Die etwa parallel zum genutzten Weg verlaufenden Gräben sortierte ich zunächst als alte Wegspuren ein. Die Häufigkeit ihres Vorkommens und die Gleichmäßigkeit ließ mich diesen Gedanken verwerfen. Die konsultierte topografische Karte S-1952 1:10.000 Blatt M-33-52-B-d-3 verzeichnete die Strukturen ansatzweise aber gab keine Anhaltspunkte über die Art der vorgefundenen Objekte. Mögliche Bergbauversuche/Stein- oder Mineralgewinnung konnte ich vor Ort nicht verifizieren. Das Areal wird in der Karte schaurig mit Půlnoční strana (Mitternachtsgegend) bezeichnet - huaaa. Da auf die Schnelle keine Aufklärung zu erwarten war, setzte ich meine Tour zügig fort.

Nachtrag:
Der Boden besteht hier aus Sediment, welches in dieser Region als Sekundärlagerstätte für Böhmischen Granat (Pyrop) in Betracht kommt. Somit wird es sich wahrscheinlich um historische Granat-Schürfen handeln.
Mitternachtsgegend ist ein altertümlicher Ausdruck für Norden/die Nordseite. Er steht in Verbindung mit dem lateinischen septem triones, was die sieben hellsten Sterne des Sternbildes Großer Bär, besser bekannt als Teilsternbild Großer Wagen bezeichnet.

Der begangene Hohlweg bot keinen Anlass zur Freude, da sein steindurchsetzter und laubbedeckter Boden von Wildschweinen aufgewühlt war. So turnte ich meist am feuchten und schmierigen Rande des Grabens entlang. An einer Verzweigung wechselte ich auf den Stichweg, der über einen steilen Bergpfad auf den Gipfel der Lipská hora (Hora Berg) führte. Unterwegs begegneten mir zwei Fotografen mit umfangreicher Ausstattung auf dem Rückweg von ihrer Sonnenaufgangs-Session. Der aus Trachyt bestehende felsige Gipfelaufbau bot einen schönen Ausblick in südliche Richtung und auf das dort wogende Nebelmeer. Der deutsche Name des Berges mutet etwas kurios an. Während alle Ortsnamen der Umgebung im Zuge der deutschsprachigen Besiedlung um 1620 in Laut-Transformation umgewandelt wurden, also sprachlich den böhmischen Originalen nahestehen, wich man beim Berg davon ab. Zutreffender währe wohl Lippai(er) Berg gewesen aber man hat hier einen doppelten „Berg Berg“ daraus gemacht. Vorsichtig bewegte ich mich über die teilweise vereisten Felsplatten der Gipfelregion und stieg dann über den Zugangsweg wieder ab.
 
Wo der weiterführende Wanderweg einen scharfen Linksknick machte, lief ich auf einem unmarkierten Flurweg geradeaus weiter. Rechts des Weges wurde in der Folge ein von frischen Lichtungen teilweise freigelegter kleiner Höhenrücken sichtbar, den ich sogleich erklomm. Über seinen Verlauf kam ich zu einem kleinen Kegel, der von Gesteinsbrocken bedeckt war. Oben angekommen, befand ich mich auf dem Gipfel der Setenka (Setenken Berg). Der Berg wies keinen TP und keine Markierungsstange auf. Nördlich des Berges verließen einige Stücke Damwild den Tageseinstand. Ich lief weglos in der zuvor schon eingeschlagenen Südwestrichtung weiter und überquerte einen Forstweg. Dahinter folgte der Anstieg zur Gipfelfläche der Pákova hora (Pakowa Berg). Hier gab es eine Steinpyramide und einen TP. Nördlich des Berges verließen einige XXL-Wildschweine in Begleitung ihres Nachwuchses den Tageseinstand. Die Kleinen hatten ihre Rallyestreifen schon abgelegt, was sie aber nicht weniger schnell machte. Die Geräuschkulisse der Alten aus Fauchen und Grunzen ließ jeglichen Anflug von Spaß an der Natur schnell verfliegen. Ich war recht glücklich, dass sie genug Platz zum Ausweichen hatten und rasch verschwanden. In südlicher Richtung stieg ich vom Berg ab, wobei ich noch einen mir wesentlich sympathischeren Damhirsch beobachten konnte.
 
Dann bog ich auf einen Flurweg auf. Dieser war von Wildschweinen zerfurcht und mit Brennnesseln verwachsen und bereitete wenig Freude. Am Waldrand überquerte ich eine Wiese und wanderte auf einer kleinen Fahrstraße nach Lhota (Lhotta). Hier folgte ich kurz dem roten markierten Wanderweg bergwärts. Mittlerweile zog von Süden eine hohe Nebelwand heran und umschloss alles mit feuchter Null-Grad-Kälte. Wo der weiterführende Wanderweg einen scharfen Linksknick machte, lief ich auf einem unmarkierten Pfad geradeaus weiter. Abwechslungsreich, soweit man das mit eingeschränktem Sichtbereich beurteilen konnte, ging es leicht fallend hinunter nach Lipá (Lippai/Lipai). Dua war heute offenbar nicht zu Hause. Aber wohnt die überhaupt in Lipá? Und wieso eigentlich „zwei Linden“, es gab doch nur eine und die auch nur in Lhota. Es wurde immer nebulöser. An einer Straße spurtete ich schließlich zurück nach Medvědice und konnte nur durch die Rückfahrt über den Erzgebirgskamm dem Nebel des Grauens entfliehen.
 
Die pausenbereinigte Gehzeit betrug 2 h 45 min.
Die absolvierte Wegstrecke ist teilweise nicht als Wanderweg markiert und größtenteils mit T1 zu bewerten. Der Zugang zur Lipská hora ist abweichend als T2 und die weglosen, unmarkierten Zugänge zur Setenka sowie Pákova hora als T3 einzuschätzen.

Hike partners: lainari


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 46781.kml Manuell gezeichnete Wegstrecke

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T3
T2
29 Dec 13
Lipská hora (688 m) · pika8x14

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