Dent Blanche - spontan von der Cabane de la Dent Blanche zur Schönbielhütte


Published by N_Altitude , 23 September 2019, 19h46.

Region: World » Switzerland » Valais » Mittelwallis
Date of the hike:20 September 2019
Hiking grading: T5 - Challenging High-level Alpine hike
Mountaineering grading: AD+
Climbing grading: III (UIAA Grading System)
Waypoints:
Geo-Tags: CH-VS 
Time: 12:00
Height gain: 850 m 2788 ft.
Height loss: 1700 m 5576 ft.
Route:Cabane de la Dent Blanche - Dent Blanche - Wandfluhlücke - Schönbielgletscher - Schönbielhütte
Access to start point:Bus bis Les Hauderes, Alpentaxi bis Ferpecle, Staumauer
Access to end point:SBB bis Zermatt, evt. mit Gondeli bis Furi oder Schwarzsee
Accommodation:Cabane de la Dent Blanche, Schönbielhütte SAC, div. Unterkünfte in Les Hauderes und Zermatt

Es ist September, das Wetter ist gut, die Verhältnisse top und die Bergwelt friedlich, da die "grosse" Saison vorbei ist. 3 Tage mit meinem Bergführer des Vertrauens stehen an. In den letzten beiden Jahren waren wir jeweils zu dritt, da ein guter Freund von mir jeweils dabei war und mit dem ich es unheimlich geniesse, ein(ig)e schöne Tour(en) mit unserem lieben Guide zu unternehmen. Dieses Jahr hat es nicht geklappt und ich werde die 3 Tage alleine mit Dani verbringen. Ich stehe vor der Wahl; zu gerne würde ich via Arete du Blanc auf das Zinalrothorn, auch wenn die Mountet Hütte und die Rothornhütte soeben ihre Türen geschlossen haben. Vom Blanc de Moming aus, wo ich diesen Sommer war, habe ich den Nordgrat gesehen und seither ganz hoch oben auf meiner Touren-Wunschliste. Wie üblich, telefonieren Dani und ich relativ kurzfristig vor der anstehenden Tour, um den 'Schlachtplan' zu besprechen :-D  ... Er schlägt mir den Eiger oder das Bietschhorn vor und sagt, er sei sich nicht sicher, ob der Nordgrat des Zinalrothorn nicht allenfalls schon etwas winterlich sein könnte. Wir wer-weissen einen Moment, natürlich auch in Anbetracht dessen, dass man eigentlich ganz gerne wo hin gehen möchte, wo noch eine bewartete Hütte vorhanden ist. Kurzerhand bringe ich die Cabane de la Dent Blanche, ergo, die Dent Blanche ins Spiel, am besten mit Abstieg in die Schönbielhütte, um dann dort am dritten Tag noch 'etwas' zu tun. Und Überschreitungen bzw. einen Abstieg in ein anderes Tal finde ich grundsätzlich immer reizvoll. Beide Hütten sind noch offen und bewartet und haben noch genügend Platz. Na denn! Versuchen wir's :) Die Dent Blanche stand eigentlich nicht "oben auf meiner Wunschliste", aber "öpis rächts" wollte ich schon unternehmen, wenn ich schon mal in den Genuss von Dani's Führung komme.

Am Donnerstag reisen wir also nach Les Hauderes und fahren mit Alpentaxi bis zur kleinen Staumauer von Ferpecle hinauf, wo wir den eher lang ausfallenden Hüttenanstieg in Angriff nehmen. 5 Stunden sind veranschlagt - man liest hier und dort, es solle einer der längsten Hüttenanstiege sein. Ich empfinde den Anstieg als sehr abwechslungsreich und landschaftlich sehr schön. So merke ich gar nicht, dass der Weg so lang ist... Der Zustieg ist durchgehend bestens markiert, bloss einmal muss man sich im Moränensaustall etwas zurecht finden... Das letzte Stück führt über Gletscher, dieser ist jedoch aper und auf der markierten Route vom Roc Noir zur Hütte befinden sich keine Spalten, wie man somit sehen kann. Also bleibt das Seil in Dani's Rucksack. Der Gletscher ist 'crispy', also lassen wir auch die Steigeisen weg. Die 5 Stunden "netto" halten wir gut ein und kommen kurz nach 17 Uhr bei der Hütte an. 

Marcel, der Hüttenwart, welcher nun in der Nebensaison alleine bewartet, ist ein ganz feiner Kerl, begrüsst uns herzlich und lädt danach die 8 anwesenden Gäste zu einem Apero auf der von der Abendsonne verwöhnten Terrasse ein. Die Hütte ist eine klassische SAC Hütte mit einem Anbau (welchen er offensichtlich schon abgeschlossen hat - alle Gäste übernachten in der 1. Etage direkt über dem Essraum, Schlafplatz darf ausgesucht werden...). Hier möchte ich lieber nicht bei Vollbelegung nächtigen. Es ist aber sehr gemütlich hier und mit seiner liebevollen Art würde Marcel sowieso alles wieder wett machen :)  Das Znacht ist super fein, danach setzt er sich zu uns allen an den Tisch und gibt noch Infos bezüglich der Verhältnisse. Das habe ich so selten erlebt - wirklich vorbildlich und fürsorglich. Später trudeln noch 4 weitere Personen ein, die ebenfalls die Dent Blanche besteigen wollen, ein frankophones Päärchen und ein deutsches Paar. 

Die Nacht fällt kurz aus, um 04:30 gibts bereits Frühstück. Kurz nach 5 sind Dani und ich startbereit und machen uns auf den Weg auf den Grat, der direkt hinter der Hütte in Richtung Firnkuppe der Wandfluhlücke hinauf führt. Am Anfang in leichter Kletterei, wird der Grat später etwas schmäler und es sind einige II-er Kletterstellen  zu meistern. Nach gut 20 Minuten stehen wir vor dem Firngrätchen, Steigeisen an und hinauf mit uns. Es ist eine dieser Touren, die gleich "los" gehen, ohne gemütliches Einlaufen, die Pumpe arbeitet und die Atmung läuft haha ;)  Nach etwa weiteren 20 Minuten sind wir auf der Wandfluhlücke und sehen schon im Dunkeln die Silhouette des Matterhorns. Das Wetter ist perfekt, keine Wolke und ein prächtiger Sternenhimmel über uns. Nach der Wandfluhlücke kommen wir zum ersten Blockgrat, davor ist noch ein kleiner Bergschrund zu überwinden, was tip top geht, es ist alles pickelhart gefroren. Steigeisen wieder aus, locker-flockig über den Grat bis wir bei P. 3882 wieder auf Steigeisen wechseln für die erneute Firnpartie. Nebst uns sind noch eine Führerseilschaft sowie 2 andere Seilschaften unterwegs. Während die meisten der Spuren direkt nord-östlich steil auf die Firnkuppe führen, holen wir etwas westlich aus, um dann sanfter wieder in östlicher Richtung aufzusteigen. Dani ist überzeugt, dass der Grat nicht mehr überwächtet ist, und so steigen wir ganz auf die Schneide auf und können dort relativ gemütlich auf der Firnschneide laufen, wo es nicht so steil ist, wie in der Flanke, wo wiederum die meisten Spuren durchführen. Ich bin immer wieder von seiner Routenwahl und Erfahrung beeindruckt, auch wenn es schlussendlich sein Job ist. Ich kenne viele Bergführer, die eher "der Masse" folgen, obwohl sie es besser wissen könnten ;)

Aufgrund Marcel's Verhältnisinfos entledigen wir uns der Steigeisen nach der Firnpartie und deponieren diese inkl. Pickel und folgen weiter dem noch einfachen, blockigen Südgrat. Es geht, wie man auf der Karte sehen kann, einen guten Moment, bis man dann den Fuss des Grand Gendarme (P. 4097) erreicht, aber ich habe in meiner Müdigkeit gar nicht mal so richtig gemerkt, dass wir bereits in die Querung zum Couloir westlich des Gendarmen eingestiegen sind und sage "aah, simmer scho bim Grand Gendarme"... Slow News Day meinerseits... ;) Ich empfinde die Querung als nicht all zu anspruchsvoll. Wie in der Führerliteratur ersichtlich ist, gibt es auch noch die Variante den Gendarmen direkt zu erklettern, was aber klettertechnisch etwas schwieriger ist. Es sieht von hier auch sehr luftig aus. Bei nicht zu vielen Seilschaften ist die westliche Umgehung wohl vertretbar, muss aber vor Ort entschieden werden.Als wir dann schon fast aus dem Couli draussen sind, hören wir hinter uns massiven Steinschlag und sehen auf dem Gendarmen eine Seilschaft. Vermutlich haben diese den Steinschlag ausgelöst, wir stellen beide fest, dass wir froh sind, dass wir bereits oberhalb dieser Seilschaft sind. Die folgenden Türme werden fast alle überklettert, hier folgen ein paar einzelne knifflige Kletterstellen - es gibt zwar hie und da einen Bohrhaken, jedoch nicht viele. Ich stelle fest, dass ich dies wohl im Vorstieg selber nicht ohne weitere Hilfe (Friends, Standplatzsicherung) machen würde. Punkto Wegfindung über bzw. an den Türmen vorbei muss ich das selbe feststellen wie bereits vor einem Jahr am Matterhorn: das Topo von Silbernagel oder die Beschreibung im SAC-Führer kann noch so genau sein, vor Ort die Orientierung zu erlangen und zu behalten ist einfach sehr schwierig. Hinzu kommt, dass ich möglichst nicht rumtrödeln und Dani rasch folgen will, also bin ich eher mit Klettern und Kraxeln beschäftigt, als mich um die Routenfindung zu kümmern. Man merkt hier auch wirklich, wer mit Bergführer unterwegs ist und wer auf eigene Faust klettert; knapp vor uns die andere Führerseilschaft, etwas unter uns an einem der Türme ärgern sich die frankophonen und immer noch (!) auf dem Firnfeld am Schrauben die deutsche Seilschaft.

Nach dem letzten Turm wird das Gelände wieder lieblicher und man kann über einfache Blöcke den "Gipfelsturm" angehen. Etwa um 09:30 Uhr, nach etwas mehr als 4 Stunden, stehen wir auf dem Gipfel der Dent Blanche. Es ist ein Traumberg mit einer Traumaussicht und ich freue mich riesig, hier zu sein. Wir albern auf dem Gipfelkreuz herum und machen gemeinsam mit der anderen Führerseilschaft Fotos voneinander und gratulieren. Der Röschtigraben existiert wieder einmal nicht, viel Sympathie und Freude herrscht. Nach einer knappen halben Stunde Gipfelgenuss machen wir uns an den Abstieg. Kurz unterhalb des Gipfels treffen wir die frankophone Seilschaft mit Kletterfinken an. Dani macht eine seiner üblichen witzelnden Bemerkungen und wir wünschen ihnen einen guten Restaufstieg und einen guten sicheren Abstieg. Jeder wie er will...  An vielen Stellen lässt mich Dani nun 'am Seili abe' - der Abstieg geht so ruck-zuck von statten und so sind wir rasch wieder in der Wandfluhlücke, wo wir uns von der zweiten Führerseilschaft verabschieden, sie steigen nach Ferpecle ab.

Jetzt folgt für uns sozusagen die "zweite Tour", denn der Abstieg von der Wandfluhlücke auf den Schönbielgletscher hat es in sich. Ich habe zwar das Topo von Silbernagel und die SAC-Beschreibung gelesen, aber vor Ort sieht es hatl nun wieder etwas anders (und steiler!!) aus. Ich frage Dani nochmal, ob er mir das zutraut und er meint locker "naja, Du wirst etwas fluchen, aber es geht schon". Ich mag seine ehrliche Art sehr und weiss nun, dass es wohl kein Zuckerschlecken wird, aber wenn er es mir nicht zutrauen würde, würde er diesen Abstieg nicht mit mir machen - dazu kennt er mich denke ich mittlerweilen auch gut genug. Kurz: die obere Hälfte des Abstiegs BLEIBT man auf der (von unten gesehen) rechten Rippe. Weder in das Couloir zwischen den beiden sichtbaren Rippen, noch nördlich in die Sandlandschaft steigen. Auf der Rippe ist der Fels mehr oder weniger fest, und es findet sich tatsächlich immer ein Durchschlupf. Die Kletterei befindet sich im II. Grad und ich denke, für gute Routenspürnasen bleibt es auch dabei, ich empfand, dass wir hier und da eine Stelle III hatten. Irgendwann folgt eine nicht-ausgeprägte Rampe, die etwas nach Süden hinabzieht, bis zu einer Terrasse. Auf dieser angekommen, sehen wir Steinmänner, welchen wir weiter hinab folgen, bis ein eher wenig ausgeprägtes, schuttiges Band nach links (im Abstiegssinn) führt. An dessen Ende steig man wieder etwas auf steilen Wegspuren ab, bis man zu einer Platte kommt. Diese überquert man bis zu einer Felswand, wo man wieder in sandigem Gelände endet und sich eine Abseilstelle befindet. Wohl ist hier der Abstieg einfacher, wenn es noch etwas mehr Schnee hat. So wie es jetzt daher kommt, lässt mich Dani knapp 50m ab, bis ich auf dem Gletscher/Schutt lande. Er klettert das ganze durchs brüchige Gelände ab. Dieser Abstieg war wirklich sehr ermüdend und ich empfand diesen als unangenehm - ich habe denn auch, wie von Dani prognostiziert, ein paar mal geflucht. Diese Route ist wohl eher selten begangen und deshalb auch die Wegfindung nicht einfach. Ich bin mir abermals nicht sicher, ob ich das "alleine" (bzw. ohne Bergführer) hätte meistern können. Den Abstieg empfinde ich als lang und etwas zermürbend, weil man immer wieder neu schauen muss, wo man weiter absteigen soll. Dani's Kommentar dazu: "Das ist halt Bergsteigen" ;) Dass ich es geschafft habe (notabene mit seiner Sicherung von oben), macht mir aber Mut, beim "Bergsteigen" dran zu bleiben und weiter anspruchsvolle Ziele zu verfolgen - zum Umkehren bin ich mir mittlerweilen nicht mehr zu schade.

Nun folgt also noch ein gemütlicher Spaziergang über den Schönbielgletscher - da dieser grösstenteils aper ist, gehen wir seilfrei bis zu P. 3137 hinüber, wo wir eine grosse Pause einlegen, den Moment und die Sicht auf Matterhorn und Dent d'Herens geniessen und uns sämtlichen technischen Materials entledigen. Danach gelangen wir über einen guten Pfad hinunter zur Schönbielhütte, wo uns Yolanda herzlichst empfängt. Bei der Reservation habe ich nur "Nick und Bergführer" angegeben - sichtlich freute sich Yolanda, Dani zu sehen (er hat scheinbar einen positiven Eindruck bei ihr hinterlassen)... mehrfach sagt sie in herzlichstem Ton und mit einem sonnigen Gesicht, wie schön es ist, dass wir da sind. Solche Menschen muss man einfach gern haben! Ich fühle mich, wie tags zuvor, willkommen wie selten zuvor und stifte dann auch einen satten Zustupf ans Kässeli als Dankeschön für die wirklich liebevolle Gastfreundschaft.

Für den Folgetag hatten wir geplant, noch die Pointe de Zinal zu überschreiten, nach diesem 12-stündigen Unternehmen von heute war ich jedoch geschafft, insbesondere weil es bei der Tour selten gemütliches Gehgelände gibt (abgesehen von der letzten Stunde zur Schönbielhütte) - man ist ständig gefordert. Also entschieden wir am Folgetag, gemütlich dem Äbihorn einen Besuch abzustatten... davon mehr in einem anderen Bericht :)

Fazit:
- Die Tour auf die Dent Blanche ist ein grosses alpines Unternehmen und wohl einer der grossen Klassiker in den Westalpen
- Der Abstieg (bzw. auch Aufstieg) von der Schönbielhütte via Wandfluhlücke ist anspruchsvoll und sollte nicht unterschätzt werden.
- In Dani's Worten ist die Tour auf die Dent Blanche mit Abstieg oder Aufstieg von/zur Schönbielhütte eher "anderthalb" Touren, nicht nur eine - was ich gerne bestätige :)
- Der Südgrat ist die Normalroute und ist mit ZS+ bewertet, das hat diese Route verdient. Es lohnt sich, sich die Topos zu den Türmen und dem Grand Gendarme gut einzuprägen und sich beim Aufstieg nicht verleiten zu lassen, einfach drauflos zu klettern, sondern umsichtig zu sein und auch gut darauf zu achten, wann welche Stelle kommt, eher man "schon dran" ist...
- Der Grat ist kompakt aber Steinschlag ist hier, wie überall, ebenfalls allgegenwärtig
- Die beiden Hütten, Cabane de la Dent Blanche und Schönbielhütte, kann ich nur wärmstens empfehlen
- Der Ausblick ist einfach TOP!!! :)

Herzlichen Dank an meinen Bergführer Dani, welcher mir mit seiner ruhigen und geduldigen Art und seinem liebevollen Wesen immer wieder wundervolle Momente in unserer schönen Bergwelt schenkt.

Euch allen weiterhin viele schöne Touren!
Viele Grüsse
Nick


Hike partners: N_Altitude


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