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Neuer Weg (Panoramaweg) zur Monte Rosa Hütte


Published by N_Altitude , 3 September 2019, 22h32.

Region: World » Switzerland » Valais » Mittelwallis
Date of the hike: 1 September 2019
Hiking grading: T4 - High-level Alpine hike
Mountaineering grading: F
Climbing grading: I (UIAA Grading System)
Waypoints:
Geo-Tags: CH-VS 
Time: 4:30
Height gain: 400 m 1312 ft.
Height loss: 400 m 1312 ft.
Route:Rotenboden - Gornergletscher - ob dem See - Monte Rosa Hütte SAC
Access to start point:Gornergratbahn bis Rotenboden
Access to end point:Gornergratbahn bis Rotenboden
Accommodation:Monte Rosa Hütte SAC, Hotel auf dem Gornergrat, Hotels in Zermatt und Umgebung

Ein guter Freund von mir wollte schon immer einmal die Monte Rosa Hütte besuchen. Gletscher sind für ihn Neuland. Bevor also die Saison schon wieder vorbei ist (die in vielen Walliser Hütten ja meist ziemlich strikte nach Datum eingehalten wird, egal wie Wetter/Verhältnisse sind...), wollte ich die Gelegenheit nutzen, mit ihm dieses Hüttentrekking und für mich somit 2 gemütliche "Plegärär"-Tage zu geniessen. Und damit der Genuss noch etwas gesteigert wird, haben wir unsere Übernachtung für Sonntag-Montag geplant, um möglichst einen ruhigen Hüttenabend geniessen zu können :)

So fuhren wir also am Samstag nach Zermatt und besuchten als Tageswanderung noch die Hörnlihütte, wo ich auch nochmal meine Matterhornbesteigung vom September 2018 Revue passieren und den Ort und die Umgebung nochmals so richtig ausgiebig geniessen konnte. Auch Roli war fasziniert von der Szenerie und wir verbrachten noch einige Zeit damit, die Rückkehrer mit den grinsenden Gesichtern am Einstieg zu beobachten. Übernachtet haben wir im Hotel Silvana bei der Station "Furi" des Matterhorn-Express. Das ist sehr zu empfehlen wenn man den Touristenströmen im Dorf Zermatt etwas ausweichen, und nach der Unternehmung noch etwas im hübschen Wellness-Pool plantschen will :)

Am Sonntag gings dann um 8 Uhr richtung Gornergratbahn - der nette Hotelmanager brachte uns mit dem Elektromobil zur Station Findelbach und sicherte zu, uns am Folgetag unser Hotelgepäck an den Bahnhof Zermatt zu bringen "auf Bestellung". DAS ist mal ein Service! Wir waren ganz baff und gaben ein nettes Trinkgeld für die Personalkasse mit. Danach gings auch gleich mit der Zahnradbahn nach Rotenboden, wo unsere Wanderung beginnen sollte. Noch kurz am Riffelsee Halt gemacht und das typische Matterhorn-Foto-Sujet mit den ersten Frühaufstehern unter den asiatischen Touristen, Influencern und vor der Kamera posierenden Vloggern begutachtet (und natürlich auch mit der Spiegelung fotografiert haha).

Der Weg hinunter zum Gornergletscher ist gut angelegt und viel begangen. Bei P. 2649 kam dann nun neu die Abzweigung. Ein Schild mit der Beschriftung "Neuer Weg" und ein zweites Schild mit der Beschriftung "Panoramaweg" suggerieren, hier geht's lang. Auch der "alte" Weg ist noch beschriftet. Gemäss Auskunft in der Hütte wird der Weg aber ab sofort nicht mehr unterhalten und die Markierungen nicht mehr geprüft. Ab 2020 solls dann also der "Panoramaweg" sein. Kurz nach P. 2649 geht's dann auch gleich auf den aperen Gornergletscher. Der Zustieg ist hier sehr angenehm und flach. Danach gehts etwas "obsi" und beim "Knick" (die genaue Route über den Gletscher kann auf der Website der Monte Rosa Hütte eingesehen werden) gibts dann ein bisschen Spalten-Zick-Zack. Es gibt hier doch die ein oder andere etwas ausgesetzte Passage zu bewältigen. Hier kommen uns die etwa 100 Gäste entgegen, die von Samstag auf Sonntag auf der Hütte übernachtet haben. Viele in 5er, 6er - Seilschaften (und mehr...). Einige Einzelgänger sind auch dabei. Einige auch ohne Steigeisen (eher nicht zu empfehlen)...  Diese Passage sollte definitiv nicht unterschätzt werden. Stangen markieren zwar den besten Weg durch die Spaltenzone, aber natürlich nicht jeden einzelnen Schritt und jede Abzweigung. Es gibt denn manchmal auch mehrere Varianten. Bei dichtem Nebel kann ich mir auch durchaus vorstellen, dass die Stangen hier sogar genug weit auseinander sind, dass man "die nächste" nicht mehr sehen kann. Wie gesagt, diese Passage ist bestimmt die anspruchsvollste des neuen Panorama-Zustiegs. 

Ziemlich bald nach dieser Passage verlässt man den Gletscher und es folgt Moränengelände. Ab hier ist der Weg bis zur Hütte durchgehend und unübersehbar markiert, in den erdigen Teilen bereits gut ausgetreten und über plattige Passagen und steile Absätze helfen Klammern in den Felsen, Seile und Drähte. Alle ist hier tip top abgesichert und der Weg wird 2 mal durch hübsche Brücken unterstützt, wovon die zweite (in Hütten-Zustiegsrichtung) sogar etwas luftig und "gwagglig" ist. Ich finde, der Weg ist wunderschön angelegt und sehr gut "im Schuss". Für Alpinwander-Neulinge bestimmt ein tolles Abenteuer! So geht es denn auch meinem Gspähnli, er ist immer wieder mal gefordert (aber nie "über"-fordert), was mir sehr gefällt, da Roli dadurch ein wirklich tolles Erlebnis mitnehmen kann.

Ab dem Ausstieg vom Gletscher benötigen wir zur Hütte fast nochmal 2 Stunden, dies ist aber hauptsächlich auf unsere Gemütlichkeit zurückzuführen. Mit 4h ab Rotenboden ist seitens Hütte eine meiner Ansicht nach  für Bergsteiger und Alpinisten realistische Zeitangabe gemacht worden. Für Alpinwanderer würde ich eher etwas mehr Zeit einrechnen. Unser früher Start hat sich denn auch gelohnt, bei (entgegen dem Wetterbericht) mehrheitlich blauem Himmel erreichen wir die eindrückliche Hütte und erkunden nach obligatem Kuchen noch den Weiterweg zur Dufourspitze ein Stück weit, bis es dann doch noch etwas zuzieht. Der Weg ist bestens mit Steinmännern und Markierungen versehen, damit man den Weg im Dunkeln findet. Ich bin mir noch unschlüssig, ob ich den höchsten Punkt der Schweiz mit Ski oder im Sommer besuchen werde, aber dass ich das in absehbarer Zeit tun will und versuchen werde, steht sowieso fest :)

Bei der Hütte werden wir herzlichst von Selina empfangen, die die erste Saison auf der Hütte arbeitet. Sie verwöhnt uns direkt und da nur 8 Leute angemeldet sind, geniessen wir ein 8er-Zimmer mit nur 2 anderen Gästen. Wir suchen uns zwei Betten mit Fenster aus - direkter Blick zum Matterhorn, was will man mehr? ;) Kurz vor dem Znacht treffen noch 3 Besucher aus München ein, die es nicht für nötig hielten, sich vorab telefonisch oder per Online-System anzumelden. Eine Stunde vor dem Znacht... Obwohl es zwischen Gornergrat und der Hütte stets perfekten Handy-Empfang hat, scheint es die Jungs nicht zu kümmern, dass man ein bisschen kalkulieren muss für das Abendessen... Gefragt, warum sie sich nicht telefonisch gemeldet haben, kommt ein flaches "wir haben ja gesehen, dass es noch 120 freie Plätze gibt..." Naja. Ich find das nicht so die feine Art, aber scheinbar muss hier öfters mit speziellen Gästen umgegangen werden, denn die Jungs werden anstandslos mit einem eigenen Zimmer und Znacht wie alle anderen verwöhnt. Ich hoffe, die Jungs haben sich dann noch zumindest herzlich bedankt für die spontane Gastfreundschaft.

Das Essen ist sehr fein, es gibt wie üblich Suppe, Salat, einen Hauptgang und ein feines Dessert. Die Hütte gefällt mir sehr! Es herrscht hier ein unglaubliches Ambiente. Punkto sanitären Anlagen herrscht hier sogar Luxus, es gibt Duschen und WCs/Waschräume auf jeder Etage, und die Zimmer bieten genug Platz und Stauraum - auch bei Vollbelegung stelle ich mir vor, dass es immer noch "gäbiger" ist als in vielen klassischen SAC-Hütten, obwohl ich deren "Charme" hier etwas vermisse ;) Die grossen Fensterfronten und die ausgeklügelte Bauweise, Versorgung und Innenarchitektur ist jedoch grossartig - es fühlt sich also auch ohne den "alten Charme" sehr gemütlich an und wenn ich dann mal die Dufourspitze auf dem Menu habe, werde ich hier sicher noch eine Nacht anhängen, um die Tour ausklingen zu lassen.

Am nächsten Morgen frühstücken wir um 7 und machen uns kurz vor 8 bei etwas Bewölkung auf den Weg zurück. Zwischendrin gibts (ebenfalls entgegen des Wetterberichts) immer wieder blauen Himmel, als wir den Gletscher erreichen gar strahlenden Sonnenschein... auch in diese Richtung ist der Weg toll zu begehen und die Wegfindung durch die Spaltenzone ist natürlich nun aufgrund der Kenntnisse des Vortags einfacher. Einem amerikanischen Päärchen aus Colorado, welches auch auf der Hütte war und mit denen wir ausgesprochen nette Unterhaltungen hatten, helfen wir hie und da über die etwas ausgesetzten Passagen, wo ein grosser Schritt (oder en "Gump") nötig ist. Sie sind beeindruckt von dem Weg - hatten sie doch am Vortag den "alten" Zustieg begangen und fanden diesen nicht besonders schön... ("Chüderhuufe" konnten sie trotz meinen Lehr-Versuchen dennoch nicht aussprechen haha)...

Zurück bei P. 2649 nahmen wir nun den direkten Aufstieg zum Gornergrat. Ein gut angelegter Weg, aber steil, und gefühlt lang. Knapp eine Stunde benötigen wir hoch auf den Verbindungsgrat Hohtälli -Gornergrat, auf welchem man etwa 5-10 Minuten vom Gornergrat entfernt ankommt. Auf dem Gornergrat ist nicht viel los, es hängen schon den ganzen Morgen Wolken hier und das übliche grosse Gewusel hält sich heute ausnahmsweise mal in Grenzen. So essen wir noch eine feine Käseschnitte "mit allem" und machen uns dann bald auf den Heimweg mit dem Bähnli.

Fazit:
- Der neue Panoramaweg ist wunderschön angelegt und durchgehend gut und (mehr als) ausreichend markiert, auf dem Gletscher mit Stangen
- Die Gletscherquerung sollte nicht unterschätzt werden. Steigeisen sind aus meiner Sicht unerlässlich!
- Wir hatten Seil und Gstältli im Rucksack, haben es aber nicht benutzt. Trittsicherheit ist nötig, es gibt evt. 3-4 kurze Stellen, wo man etwas aufpassen muss (je nach dem, wie man sich den Weg durch die Spaltenzone bahnt). Unsichere Mitwanderer werden mit Vorteil angeseilt.
- Ich hatte einen Pickel dabei, aber die Bergführer haben dort, wo nötig bzw. sinnvoll, bereits schöne Tritte geschlagen
- Die Wegfindung ist (abgesehen vom Gletscherteil) absolut problemlos. Auf dem Gletscher könnte es aber in (ganz dichtem) Nebel hier oder dort mal etwas anspruchsvoller werden, falls man die nächste(n) Stange(n) nicht sieht
- Der Weg erscheint mir objektiv sehr sicher, es gibt keine allzu ausgesetzte Passagen, ich denke, wenn es nicht gerade eine Sintflut ist, kann der Weg auch noch bei Regen relativ gut begangen werden. Den Bachquerungen "ob dem See" ist dann allerdings besondere Beachtung zu schenken, genau so wie den plattigen Passagen zwischen "ob dem See" und der Hütte
- Der Weg wird seinem Namen absolut gerecht. Das Panorama von hier aus ist wundervoll! :)

Euch allen weiterhin viele schöne Touren!
Viele Grüsse,
Nick

Hike partners: N_Altitude


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