Tgiern Sogn Gions 2677 m - Eine wilde Aussichtsbastion über dem Val Medel


Published by Ivo66 Pro , 21 August 2019, 19h08.

Region: World » Switzerland » Grisons » Surselva
Date of the hike:21 August 2019
Hiking grading: T4 - High-level Alpine hike
Waypoints:
Geo-Tags: CH-GR 
Time: 6:30
Height gain: 1050 m 3444 ft.
Height loss: 1050 m 3444 ft.
Route:Sogn Gions P. 1660 m - Stavels - Barschau - Tegias Miez - Alp Gannaretsch - P. 2560 m - Südwestgrat - Tgient Sogn Gions P. 2977 m
Maps:1:25'000 Oberalppass

Der Tgiern Sogn Gions - auf Deutsch etwa St. Johanns-Horn - ist im weitesten Sinn ein Gratausläufer der wilden Bergkette, welche nördlich des Lukmanierpasses das Val Medel vom Val Nalps abgrenzt. Da fast alle Gipfel in diesem Bereich nur sehr mühsam erreicht werden können, werden sie dementsprechend selten besucht. Bergwanderwege sucht man hier vergebens. So kam der Tgiern Sogn Gions heute zu seiner hikr-Premiere

Die gestrigen Regenfälle sorgten dafür, dass das Gelände bis weit in den Tag hinein durch und durch nass war. Überall floss Wasser von den Felsen, im hohen Gras - neben oder in den zahlreichen Bächen. Das für heute auserkorene Gipfelziel erwies sich dadurch bald einmal als nicht optimal, verlaufen doch die ersten gut 600 Höhenmeter entweder auf einem schmalen, vielerorts durch Farnkraut überwachsenem Pfad durch dichtes Buschwerk oder später in hohem Gras. Bald einmal waren wir klatschnass und der ziemlich dichte Nebel sorgte ebenso wenig für gute Laune. 

Mehr als einmal waren wir dran, die wilde Tour abzubrechen, doch letztlich siegte wieder einmal der Kampfgeist, denn die Hoffnung auf etwas Sonnenschein und Sicht starb bis zuletzt nicht. Tatsächlich wurden wir belohnt: Kurz vor Erreichen des kleinen Sattels am Ende eines langen, einsamen Tälchens zwischen der Hauptkette und dem Tgiern Sogn Gions lichtete sich der Nebel und erste blaue Flecken am Himmel sorgten für die Anhebung der Stimmung. Was war das wieder für ein Schauspiel, und erst jetzt bemerkten wir, in welch prächtiger Gegend wir unterwegs waren. 
 
So genossen wir im Schlussaufstieg über den Südwestgrat eine eindrucksvolle Sicht über das Nebelmeer. Die prominenteren Nachbarn waren allesamt in Wolken eingehüllt. Bald war der einsame Gipfel erreicht und als zweite in diesem Jahr trugen wir uns ins Gipfelbuch ein, welches aus dem Jahre 1996 stammt und nur wenige Seiten voll hat. 

Im Abstieg lichtete sich der Nebel immer mehr und wir konnten nun die gesamte Aufstiegsroute einsehen. Inzwischen war die Vegetation auch recht gut abgetrocknet. Trotz des ziemlich unübersichtlichen Geländes hatten wir keine Orientierungsprobleme; die entscheidenden Stellen hatten wir uns zuvor im Aufstieg gut eingeprägt. 

Es war eine fantastische Bergtour, obwohl wir froh waren, als wir das Auto an der Lukmanierpassstrasse wieder erreicht hatten. Diese technisch an sich nicht schwierige Alpinwanderung kann nur empfohlen werden, wenn erstens trockene Verhältnisse herrschen und dazu noch, wenn die Vegetation nicht auf dem Höhepunkt ihres Wachstums ist.

Routenbeschreibung:

Sogn Gions P. 1660 m (Passstrasse) - Alp Gannaretsch (T3)
Man kann das Auto auf einer Fläche neben der Strasse abstellen, bei P. 1660 m etwa 700 m südwestlich von Sogn Gions. Dort folgt man dem Fahrsträsschen zum Fluss hinunter und überquert diesen auf der einzigen Brücke. Man folgt dem zunächst breiten Weg, der im Verlauf schmaler wird und im Zickzack nach oben führt. Es handelt sich dabei nicht um einen offiziellen Wanderweg und er ist auch nicht markiert. 

Wo sich in Aufstiegsrichtung gesehen links oben eine längere Mauer befindet, darf man nicht der deutlicher scheinenden Spur folgen, welche den Hang quert, sondern hält sich links und steigt ziemlich steil im Zickzack durch den Schutthang bis zum Fusse der Mauer an deren nördlichen Ende auf. In der Folge führt der nun schmale Pfad durch dichtes Buschwerk und ist teilweise stark überwuchert.

Vor der deutlich sichtbaren Wasserfassung mit einem kleinen Steinhäuschen quert man den Bach. Achtung: Wir hatten auf dem Rückweg grösste Mühe, den Bach zurück zu überqueren, da inzwischen etwa die doppelte Wassermenge den Bach hinunterfloss. Die Wasserfassung scheint die Wassermenge zu regulieren und hatte offenbar eine zusätzliche "Schleuse" geöffnet.  

Man folgt nun dem rechten Bachufer und steigt in nordwestlicher Richtung ziemlich steil zur Alp Gannaretsch hoch. In einem längeren Bereich ist ein relativ guter Pfad vorhanden, der sich in der Folge aber verliert. 

Alp Gannaretsch - Sattel P. 2560 m (T3)
Immer dem nördlichen Bachufer entlang steigt man nun weglos zunächst über Alpweiden mit hohem Gras, später über Schutt und Geröll in einem langen Linksbogen zum Sattel P. 2560 m hoch. Hier lagen noch etliche Altschneefelder, die trügerisch zum Auf- und Absteigen einladen. Man muss sehr gut darauf achten, inwieweit und wo diese Schneefelder unterhöhlt sind. 

Sattel P. 2560 m - Tgiern Sogn Gions (T4)
Man folgt dem Südwestgrat bis zum höchsten Punkt. Das Gelände ist nur wenig ausgesetzt und ist oft grasdurchsetzt. Bei zwei Absätzen werden die Hände gebraucht. 

Hike partners: Ivo66, Lena


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