Piz Glüschaint, 3594m


Published by Linard03 Pro , 12 August 2019, 10h17.

Region: World » Switzerland » Grisons » Berninagebiet
Date of the hike:26 July 2019
Mountaineering grading: AD-
Climbing grading: III (UIAA Grading System)
Waypoints:
Geo-Tags: CH-GR   I   Sellakamm   Bernina-Gruppe   Corvatsch-Sella-Gruppe 
Time: 2 days
Height gain: 1550 m 5084 ft.
Height loss: 1550 m 5084 ft.
Route:Murtèl - Fcla. Surlej - Coazhütte - Piz Glüschaint - retour, 31.8 km
Access to start point:per ÖV oder PW zur Talstation der Corvatschbahn (Surlej)

Er ist zwar der höchste Berg der Sella-Gruppe, aber in unmittelbarer Nähe der viel prominenteren Berge wie Piz Bernina, Piz Roseg & Co. Wohl deshalb ein Berg, welcher nicht so bekannt zu sein scheint und auch eher selten bestiegen wird. Und dafür gibt’s auch noch einen anderen Grund: die Verhältnisse auf dem Gletscher verändern sind beinahe täglich. Bereits vor ein einigen Jahren wollte ich auf den Piz Glüschaint steigen, als es hiess, unmöglich – d.h. nur mit Eisenleitern, da die Spalten derart gross seien …
 
Dieses Jahr wollte ich es noch einmal probieren. Und siehe da, vor zwei Tagen schien ein Kollege unseres BF’s oben gewesen zu sein. „Nicht ganz einfach, aber machbar“ …
 
Allerdings war es diese Woche auch nicht einfach, einen Bergführer für die schönsten Tage der Woche (Dienstag / Mittwoch) zu finden – ebenso wenig für die weiteren Tage; alle BF’s seien unterwegs … Schliesslich ergab sich kurzfristig doch noch eine Möglichkeit für Freitag. Die Wetterprognosen waren allerdings etwas „durchzogen“; d.h. Gewitterneigung jeweils nachmittags.
 
Am Donnerstag-Nachmittag fuhren wir mit dem PW nach Surlej; Talstation der Corvatschbahn. Mit der Seilbahn hinauf zur Mittelstation Murtèl (2700m). Ab hier nun zu Fuss auf bekannten Wegen: zunächst ein paar Meter absteigend, danach querend und wieder aufsteigend zur Fuorcla Surlej (2753m). Weiter auf dem langgezogenen Höhenweg (auf und ab …) bis zur Coaz-Hütte (2611m).
 
Die freundliche Bewirtung auf der Coazhütte bescherte uns ein feines Dessert, bevor wir unseren BF Martin kennenlernten. Die Tischgespräche während des Abendessens waren sehr interessant und der Abend verging wie im Flug.
Einzig die etwa 12 Kinder, welche ein Höllenlärm im kleinen Aufenthaltsraum veranstalteten, verhinderten ein frühzeitiges zu Bett gehen …
(damit ich nicht falsch verstanden werde: schön, dass auch Familien den Weg in SAC-Hütten finden. Aber viele der heutigen Eltern sind einfach nur egoistisch: die Kinder austoben lassen, bis sie umfallen und ins Bett gesteckt werden können; dann hat man als Eltern auch endlich Ruhe. Ob der Tumult andere stört oder nicht, ist ja eh egal …).
 
Gipfeltag
04.15 Uhr aufstehen, 04.30 Uhr Frühstück – wir waren die einzigen Bergsteiger …
Um 05.10 Uhr ging’s los; vorerst noch im Dunkeln. Es war bereits jetzt erschreckend warm … Nach kurzer Zeit erreichten wir bereits den Gletscher, wo wir uns anseilten und die Steigeisen montierten.
 
Nun über den Vadret da Roseg. Wenn auch dieser Gletscher drastisch zurückgeht, ist er nach wie vor eindrücklich, wenn man sich darauf befindet. Er ist zudem ziemlich zerklüftet, was eben auch deren Querung zuweilen schwierig macht.
 
Erste kurze Trinkpause, bevor ein ziemlich steiler Hang zu erklimmen war. Und schon bald standen wir vor der Schlüsselstelle des Tages: einem grossen Eisabbruch, welcher von weitem als unüberwindbar aussah.
Zunächst musste der BF in die Spalte hinabsteigen, bevor er sich auf der anderen Seite ca. 10-12m senkrecht hochpickeln musste. Das Schwierigste war jedoch, sich über die Kante zu hieven und v.a. danach einen Anker zu bauen: alles Sulzschnee, viel zu weich …
 
Der BF benötigte mind. 45 Minuten, um einen guten Anker zu bauen – wir waren froh, dass es trotz allem gelang. Danach konnten wir natürlich vergleichsweise einfach folgen, wobei zwei Eisgeräte hilfreich gewesen wären … Aber natürlich gelang dies auch mit einem Pickel, zumal wir in den Spuren unseres BF’s raufklettern konnten.
 
Danach wieder entspannt weiter bis zum Einstieg an den Felsen. Nun begann die Kletterei in den Felsen, meist II, einige Stellen III. Einige Stellen waren ziemlich luftig / ausgesetzt. Trotz grossem Zeitverlust am Eisabbruch standen wir bereits um 9.45 Uhr auf dem Gipfel des Piz Glüschaint (3594m). Überraschenderweise waren bereits zwei weitere Bergsteiger auf dem Gipfel. Sie waren sehr froh zu hören, dass unser BF einen Anker gebaut hat, welchen sie nun ebenfalls für das Abseilen benutzen konnten …
 
Wir genossen ein wunderbares Panorama; v.a. die Perspektiven zum Piz Roseg & Bernina waren neu für mich. Bald stiegen wir wieder ab und gelangten ohne Probleme hinunter zum Gletscher. Anseilen und zurück in unseren Spuren, welche uns zum Anker führte.
 
Hier liess uns der BF am Seil über den Eisabbruch ab; wir mussten nicht mal abklettern. Mit einem Spreizschritt gelangten wir auf die andere Seite des Spaltes; die Schlüsselstelle war überwunden. Der restliche Abstieg war unschwierig; wir konnten die schöne Landschaft geniessen.
 
Zurück in der Hütte tranken wir noch etwas, bevor wir uns vom BF verabschiedeten, der ins Rosegtal abstieg. Wir machten uns ebenfalls auf den Weg, denn am Nachmittag drohte erneut ein Gewitter, wie bereits tags zuvor. Und tatsächlich; über Pontresina war es bereits rabenschwarz und es donnerte auch bedrohlich im Berninagebiet.
 
Wir beeilten uns deshalb und erreichten die Fuorcla Surlej, als ein Blitz in nicht allzu grosser Entfernung einschlug … In grosser Hast spurteten wir in Richtung Mittelstation der Corvatschbahn, als es losging: ein paar grosse Tropfen, gefolgt von Hagel (kein Graupel …). Da die grossen Körner doch einigermassen schmerzhaft auf den Kopf prallten, packten wir unsere Helme aus – das war dann ziemlich hilfreich … ;-)
 
Obwohl wir nur ca. 15 Minuten diesem Sauwetter ausgesetzt waren, kamen wir völlig durchnässt bei der Mittelstation an. Die Bahn unterbrach ihren Betrieb wegen des Gewitters für ca. 30 Minuten; das war jedoch egal, Hauptsache im Trockenen …
 
Fazit:
Eine sehr schöne und spannende Hochtour, welche alles beinhaltete: Gletscher-Passagen, Nervenkitzel beim Eisklettern, anregende Felskletterei – so macht’s Spass!
Von den Gipfelbesteigungen sicher das Highlight der diesjährigen Sommerferien.

Bemerkungen:
Man sollte sich beim Hüttenwart der Coazhütte nach den Verhältnissen erkundigen. Er erhält jeweils die neuesten Infos von den Bergführern. Unser BF meinte, unsere heutige Tour sei diese Saison wohl die letzte Möglichkeit gewesen, raufzukommen …

Zeiten:
- Murtèl - Coaz: ca. 2.5 Std. (9.2 km am 1. Tag)
- Coaz - Gipfel: ca. 4 Std. 35 Min.
- Gipfel - Coaz: ca. 2.5 Std.
- Coaz - Murtèl: ca. 2 1/4 Std. (22.6 km am 2. Tag)
 
Tour mit Andri & BF Martin B.

Hike partners: Linard03


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Comments (2)


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Sputnik Pro says:
Sent 12 August 2019, 20h23
Gratuliere, coole Tour. Habe Fotos von Cyrill gesehen, im Winter mit Ski scheint der Berg einfacher zu sein.

Linard03 Pro says: RE:
Sent 15 August 2019, 20h13
vielen Dank ... - genau; im Sommer wird die Tour kaum noch gemacht, im Winter dagegen eher. Ob's tatsächlich einfacher ist, weiss ich nicht ...


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