Heiterwand Gesamtüberschreitung von West nach Ost


Published by Nyn , 14 July 2019, 17h37.

Region: World » Austria » Nördliche Ostalpen » Lechtaler Alpen
Date of the hike:13 July 1986
Hiking grading: T6 - Difficult High-level Alpine hike
Climbing grading: IV (UIAA Grading System)
Waypoints:
Geo-Tags: A 
Time: 1 days

In meiner "Sturm-und Drangzeit" im Alter von ca. 25 Jahren und auch später noch habe ich diverse anspruchsvollere Grat-Überschreitungen fast ausschließlich im Solo gemacht, deren eine diejenige über die ganze Heiterwand war. (1986)

Die Vorgaben sind klar: Kletterei bis ca IV, sehr oft II-III, dazwischen auch mal Gehgelände.
Aufstieg bis zum Maldongrat auf markiertem und tw versichertem Steig. Dann immer gratentlang, Ausweichen nach Bedarf. Abstieg vom Heiterwand - Hauptgipfel auf dem "Normalweg" zur Heiterwandhütte. Dann irgendwie zurück...

Nähere Informationen darüber waren damals ziemlich dürftig. Außer einer Darstellung im AVF von H.Groth (Ausgabe 1981) gab es nichts. Um so mehr freut mich die ausgezeichnete und bebilderte Schilderung von Ali, da  mir außer einem Gesamteindruck und anschließendem gehörigem Muskelkater nur wenige prägnante Stellen halbwegs im Gedächtnis geblieben sind.

Zu dem Zeitpunkt war ich sportklettermässig im Vorstieg bis zum unteren 7ten Grad unterwegs, alpin nur wenig weniger schwer und kletterte im Klettergarten mir bekanntere Routen (Donautal) bis etwa 5 auch mal solo. Im Bregenzerwald, LQG, und Allgäu kannte ich bergsteigerisch schon so Einiges.
Das schien mir als Rüstzeug genug, um mich im Alleingang an die Heiterwand zu wagen.

Ich startete die Tour nach einer Übernachtung am Hahntennjoch beim ersten Büchsenlicht.

Ausrüstung: Leichtkletterschuhe von Hanwag, profiliert

Schwerste Stellen für mich waren im Bereich des Abstiegs, wo Ali abseilte und manche Passagen am Heiterwandkopfes und an den Alpeilspitzen. Die dürften um IV gewesen sein. Im Solo kein Spaß, aber dort war der Fels überwiegend fest. Alles andere war für mich ein Frage der Spürnase, um den jeweils günstigsten und schnellsten, bzw. sichersten Weg zu finden. Bei guter Sicht kein allzugroßes Problem.
Allerdings sollte man sich in einem II-IIIer Gelände, das kaum zu sichern ist, wohl fühlen, absolut trittsicher und schwindelfrei sein und sich, sobald es mal etwas leichter wird, sehr zügig bewegen können.

Was mir schon zu schaffen machte, war die pure Länge des Grates (7.5km) und die für die Art der Steigerei nötige andauernde Konzentration aufrecht zu halten. Zwischendurch war ich fast  ein wenig wie in Trance und spulte viele Kletterstellen fast mechanisch ab, um mich in den leichteren Gehpassagen mental wieder etwas zu erholen.

Dafür wurde meine Kondition abschließend auf eine harte Probe gestellt, die letzten Gegenanstiege machten sich heftig bemerkbar, die Schuhe drückten  und da die Heiterwandhütte am Grubigjöchl (2017m) ohne Besucher und für mich ohne AV-Schlüssel verschlossen war, nahm ich noch leichten Herzens, aber noch deutlich schwerer werdenen Schritts den Abstieg nach Obertarrenz in Angriff.

Man mag darüber lachen, aber ich hatte nicht einmal eine Uhr dabei (nur die im Fahrzeug, das am Hahntennjoch stand)

Der Herrgott hatte dann ein Einsehn mit mir, als wolle er mich für das wackere Tagwerk belohnen.
Es muss schon nach 20 Uhr gewesen sein. Noch ein gutes Stück oberhalb von Obertarrenz auf ca 1100m Höhe traf ich einen Mann, der noch vor kurzem weiter oben auf dem Forstweg geparkt hatte und nun eben mit dem Jeep an mir vorbei talwärts fuhr. Ich sprach ihn an und er fragte mich, wo ich herkäme. Ich erzählte meine Geschichte und er war davon so angetan, dass er mich mitnahm und den ganzen Weg hinab, durch Tarrenz und den Pass wieder hinauf bis zu meinem Fahrzeug am Hahntennjoch fuhr. Dort fiel ich fast sofort in den Schlafsack.
Richtig danken habe ich diesem "Engel" gar nicht können.

Nachtrag: Meine Kletterzeit betrug ab Hahntennjoch zur Heiterwandhütte ca 10.5 h







Hike partners: Nyn


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