Corn Alv 2980/2992 m und Muot Cotschen 2864 m - Zwischen Dolomitfelsen und Edelweissen


Published by Ivo66 , 13 July 2019, 20h37.

Region: World » Switzerland » Grisons » Oberhalbstein
Date of the hike:13 July 2019
Hiking grading: T5 - Challenging High-level Alpine hike
Waypoints:
Geo-Tags: CH-GR 
Time: 5:00
Height gain: 900 m 2952 ft.
Height loss: 900 m 2952 ft.
Route:Julierpass - P. 2598 m - Corn Alv P. 2980 m und P. 2992 m - Nordostgrat - Fuorcla Alva - Muot Cotschen - Südwestgrat - Julierpass
Maps:1:25'000 Bivio

Die Gegend um den Julierpass ist wie jedes Jahr menschenleer, sobald die Schneedecke soweit geschmolzen ist, dass keine Skitouren mehr möglich sind. Heuer hat dies etwas länger gedauert und auch jetzt will man noch nicht glauben, dass schon Mitte Juli ist angesichts der doch noch vielen vorhandenen Schneefeldern. Hinderlich sind diese allerdings kaum mehr. 

Wir peilten heute wieder den Corn Alv an, eine Dolomitburg mitten im beliebten Skitourengebiet. Der Sommer ist noch nicht richtig in Fahrt gekommen und nimmt sich bereits eine erste Auszeit. Ein eiskalter Wind empfing uns beim leeren Parkplatz nahe der Passhöhe. Den ganzen Tag sollten wir mit zwei Jacken unterwegs sein; wenn sich die Sonne hinter den Wolken versteckte wurde es empfindlich kalt. In der Nacht ist bis unterhalb von 3000 m. ü. M. gar etwas Neuschnee gefallen. 

Der Winter liegt noch nicht lange zurück und was wir etwas befürchtet hatten, ist nun wohl eingetreten: Viele Murmeltiere haben das Ausbleiben des Frühlings dieses Jahr nicht überlebt. Die einen werden tatsächlich verhungert sein, andere dürften leichte Beute für Fuchs und Adler geworden sein, auf der langen Suche nach Futter. Anders ist es nicht zu erklären, dass wir heute nur vereinzelte Murmeltiere beobachten konnten, wo normalerweise dutzende hätten unterwegs sein müssen.

Wir wählten heute anstelle des normalen Zustiegs durch das Val d'Agnel den kleinen Parkplatz oberhalb des Berggasthauses La Veduta als Ausgangspunkt. Dadurch resultiere ein weit weniger bequemer Zustieg zum Gipfelgrat durch scheinbar endlose Geröllfelder. Letztlich waren wir froh, endlich die Grathöhe erreicht zu haben, wo wir den stellenweise ausgesetzten Grat direkt begingen und immer wieder schöne Kletterstellen meistern konnten. 

Nach dem Besuch des Mittelgipfels erreichten wir wenig später den Hauptgipfel und waren wie immer gespannt auf das Gipfelbuch, welches wir im Jahre 2015 dort im Steinmann deponiert hatten. Es präsentierte sich in tadellosem Zustand und weiss von 7 - 8 Einträgen pro Jahr zu berichten.   

Weiterhin begleitete uns ein lästiger Wind; meist hatten wir die Kapuzen hochgezogen. Statt über die Normalroute direkt wieder zum Ausgangspunkt abzusteigen, setzten wir die Tour noch fort über den Muot Cotschen, mit dem anschliessenden Abstieg über den uns als Edelweissparadies bekannten Südgrat. Wir wurden nicht enttäuscht und erfreuten uns an hunderten dieser symbolträchtigen Alpenblumen.

Wie praktisch immer sind wir auch heute keinem einzigen Menschen begegnet. Das Oberhalbstein zeigte sich zwar bei kühlem Wetter und vielen Wolken nicht von seiner schönsten Seite. Die Einsamkeit und Ruhe ist aber unerreicht und die Blumenpracht sucht ohnehin seinesgleichen.
 
Routenbeschreibung:

Julierpasstrasse - Corn Alv (Mittelgipfel und Hauptgipfel) T5
Vom Parkplatz in der ersten Kurve nordöstlich des Gasthauses stiegen wir weglos den recht steilen Grashang in nördlicher Richtung auf, wo man ein Hochtal erreicht. Links des Bachs westlich von P. 2602 m trifft man auf eine mehr oder weniger deutliche Spur, welche weiter das Tälchen hinaufführt. Im Bereich von P. 2598 m stiegen wir direkt in nördlicher Richtung, leicht links haltend über Schutt und Geröllblöcke zum Gipfelgrat zwischen P. 2927 m und P. 2980 m hoch. 

P. 2980 m (Südwestgipfel) erreichten wir schliesslich ziemlich direkt, meist über den Grat mit einigen Aufschwüngen, wobei einige Stellen II zu meistern sind. Der Schlussaufstieg zum Südwestgipfel erfolgt über einen etwa 3 Meter hohen, fast senkrechten Absatz in gutem Fels (II+), ist aber nicht ausgesetzt (T5).

Die weitere Gratüberschreitung zum Hauptgipfel P. 2992 m ist wieder einfacher und erfordert kaum mehr Kletterei. Wir folgten aber auch heute ziemlich konsequent dem Grat mit einigen schönen Kletterstellen (I, kaum ausgesetzt). In einem kurzen Abschnittvor dem Hauptgipfel ist der Grat etwas schmal aber gut begehbar. Meist Gehgelände (T4).

Abstieg zur Fuorcla Alva (T3+)
Teilweise auf Wegspuren erreicht man die Einsattelung am Fusse des Nordostgrats P. 2865 m . Man erreicht über angenehm begehbares Schuttgelände ohne Schwierigkeiten die Fuorcla Alva.

Aufstieg zum Muot Cotschen (T3)
Auf offensichtlicher Route erreicht man eine Hochebene und über den Nordostgrat ohne Schwierigkeiten den Gipfel des Muot Cotschen.


Abstieg über den Südwestgrat (T4+)
Ziemlich direkt stiegen wir steil über den Grat in direkter Linie ab, wobei wir in der Folge linkshaltend in ein grasdurchsetztes Couloir wechselten. Der Grat wird im unteren Bereich breiter und geht in einen breiten Rücken über. An beliebiger Stelle kann in der Folge zum Pfad abgestiegen werden, welcher zum Ausgangspunkt zurückführt. 

Hike partners: Ivo66, Lena


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