Le Chamossaire über Aigle


Published by Kik Pro , 9 June 2019, 19h40.

Region: World » Switzerland » Vaud » Waadtländer Alpen
Date of the hike: 8 June 2019
Hiking grading: T3 - Difficult Mountain hike
Waypoints:
Geo-Tags: CH-VD 
Time: 6:30
Height gain: 1320 m 4330 ft.
Height loss: 980 m 3214 ft.

Der Chamossaire ist bekannt als erstklassiger Aussichtspunkt. Seine Westseite ist bahnfrei, herdenschutzhundefrei und fast schneefrei.
 
Von der Haltestelle Exergillod verläuft der Wanderweg auf dem Waldsträsschen zu den einsamen Höfen von Hauta Crêta. Was für ein Gegensatz zum Häusergewirr von Leysin vis à vis! Gleich hinter dem oberen Hof verschwindet der Weg im hohen Gras. Markierungen sind generell spärlich, das Trassee ist aber bis zum Plan Rossier gut ausgeprägt. Wo der Wald steil wird, ist der Weg deutlich. Auf 1500m kreuzt er den Sentier des Eaux. Hier wird in einer halb eingestürzten Kaverne Wasser gefasst. Der nächste Wegabschnitt ist abschüssig, zum Glück hat es keinen Schnee mehr. Nach Lurtier führt er durch ein Gewirr von Bergsturzblöcken mit tiefen Löchern dazwischen, die mit Altschnee und Fallholz gefüllt sind. Auf einem Holzschild steht Conche Azog. Ohne einem solchen Unwesen begegnet zu sein, erreiche ich das Jägerhüttchen La Case. Es ist offen, hat eine Liegestatt mit Decke, einen Kamin, einen Tisch, aber kein Wasser. 

Als ich den steilen Grashang dahinter quere, überrasche ich zwei Gemsen, die mit einem Pfiff in den Wald springen. Wenig danach poltert es aus den senkrechten Wänden des Chamossaire. Ich bin froh, dass der Weg nun auf eine Rippe zieht; die Steine rumpeln in das schneegefüllte Tälchen am Fuss der Westwand. Dann öffnet sich der Blick nach Westen zum Grammont und Genfersee. Der nächste kleine Kessel mit dem Bächlein, den Sumpfdotterblumen und den vielen Krokus ist trotz Skilift sehr schön. Über Schnee stapfe ich zu den Anlagen auf dem Roc d'Orsay hoch, zur Zeit alle geschlossen. 
 
Auch am Gipfelhang des Chamossaire liegen noch Schneeflecken, dazwischen Teppiche mit weissen und violetten Krokus. Ich kehre der Antenne den Rücken zu, bewundere den Mont Blanc und die Dents du Midi, sehe ein kleines Stück Genfersee und direkt auf den Bahnhof Aigle hinab. Über dem Tal von Ormont und dem Col du Pillon zeigen sich Eiger und Jungfrau von ungewohnter Seite, zwischen den eindrücklichen Diablerets und dem Muveranmassiv das Weisshorn und davor die Becs de Bosson. Von Bretaye her sind vier Engländer hochgestiegen, die gleich zum Petit Chamossaire weitergehen und eine jüngere Waadtländerin, die mir die unzähligen Wandermöglichkeiten um Villars und Gryon schildert, die einzigen andern Touristen des Tages. 
 
Zum Abstieg wähle ich den prächtigen Südwestrücken via La Truche nach Chesière. Der Weg ist in der Karte gelb eingetragen, hätte aber rot-weiss verdient. Zwar sind die ersten steilen 40 Höhenmeter um Pt. 1907 mit Treppenstufen, Geländer und sogar Kette gesichert, aber auch danach ist der Weg bis zum Col d'Argnaules abschüssig, braucht Trittsicherheit und ist bei feuchten Verhältnissen heikel. Der Aufstieg zum wunderbaren Plan Savoireu ist noch knietief im Schnee, man kann ihn auf dem mit Raupen planierten Zufahrtssträsschen nördlich umgehen. Bei Le Perrey passiere ich die letzten Schneeflecken, gleich darauf ist der Hang voll von Enzianen, Stiefmütterchen und Knabenkräutern. Von Le Crot halte ich gegen Chesière zu, weil mir die Bushaltestelle "Hotel du Soleil" einen Kaffee vorgaukelt. Der direkte Weg ist durch Baustellen versperrt, ich verirre ich mich im Chaletbrei. Im Hotel du Soleil residiert nur noch ein Immobilienhändler, im Haus daneben ein weiterer. Offenbar ist es in Chesière einfacher, ein Chalet zu kaufen als einen Kaffee.

Das nächste Mal würde ich von Crot nach Huémoz absteigen, um das Chaletgewirr zu umgehen, womit die aussichtsreiche, erstaunlich einsame Tour perfekt wäre.

Hike partners: Kik


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