Frieder (2050 m) Nordwand - Königlich-Bayerische Eisrinnen-Jagd (1000 Hm, WI 5-, M4)


Published by pete85 , 19 March 2019, 21h18.

Region: World » Germany » Alpen » Ammergauer Alpen
Date of the hike:13 March 2019
Mountaineering grading: D+
Climbing grading: II (UIAA Grading System)
Ice climbing grading: WI4
Waypoints:
Geo-Tags: D 
Time: 7:00
Height gain: 1250 m 4100 ft.
Height loss: 1250 m 4100 ft.


Laut Erstbegeher handelt es sich bei der Frieder Nordwand um die höchste Nordwand der Ammergauer, welche zugleich noch die längste Eisrinne beinhaltet.

Nachdem ich am Vortag einen Blick hinüber in die Nordwand des Frieder werfen konnte und gesehen habe, dass der Eisteil steht, entschied ich es heute zu versuchen.
Auch heute waren die Voraussetzungen zunächst einmal schlecht. Laut Wetterbericht sollte es Nachts noch einmal etwas schneien, bzw. regnen. Es regnete leider immer noch als ich Nachts losfuhr, es regnete die ganze Anfahrt bei Sturmböen und teils deutlichem Aquaplaning, wurde aber am Alpenrand bereits deutlich weniger.
An und für sich sollte es heute zwar windtechnisch bis Stärke 6-7 gehen, dies aber als Westwind. Durch die Lage der Nordwand sah ich ganz gute Chancen zunächst vom Wind verschont zu bleiben (und dem war auch so).
Bei der Ankunft musste ich nur feststellen, dass die Schneedecke aufgeweicht war - und das über mehrere hundert Höhenmeter. Offenbar fiel der Regen auch in größere Höhen und eine Abstrahlung konnte es wegen des bedeckten Himmels noch nicht geben.
So verabschiedete ich mich weitgehend von dem Gedanken, dass der Versuch am heutigen Tag von Erfolg gekrönt sein könnte. Aber hingehen und nachschauen soweit die Lawinengefahr es noch zulässt (also wenigstens bis ans Ende des Steilwaldes) kann man ja mal. Schließlich bin ich schon angereist und ein paar Meter wandern schaden nicht...…
Immerhin blieb ich im Tal (wie geplant) vom Westwind verschont. Oben toben Sturmböen (wie auch schon bei der Hinfahrt, wenn es das Auto auf freiem Feld zur Seite drückt) und unten ist es vergleichsweise ruhig.

Was folgt war langes Schneeschuhtragen (die hätte ich im Nachhinein betrachtet ebenso wie die Stöcke am Auto lassen können) den Forstweg entlang. Hier und da lag zwar Schnee - Schneeschuhe hätten sich aber erst später rentiert und ich wollte sie vor dem Taleingang zurücklassen, um nach dem Abstieg nicht wieder ins Tal aufsteigen zu müssen.

Durch teils sumpfigen Schnee (immer wieder einbrechen bis zum Knie) stieg ich in das Tal bis zu einer geeigneten Stelle, an der man den Bach überqueren kann. Hier bieten sich 2 Stellen an. Eine kleine Stufe etwas weiter vorn und dort wo man eigentlich gut durch den Steilwald aufsteigen kann gibt es eine Lawinenschneise. Hier ist der Bach sicher die meiste Zeit des Winters von einer Schneebrücke bedeckt. Nur im Frühwinter wird man hier u.U. in die Röhre gucken.


Nun beginnt (zumindest laut Erstbegeher) die Frieder Nordwand mit ihren 1000 Hm.
Es folgt zunächst Steilwaldgelände mit 40-50° (dafür hatte ich Zustiegssteigeisen dabei - als Sologänger hat man gern noch ein paar schärfere Zacken für die Eispassagen).
Der Zustieg ist (meiner Meinung nach) nicht schwer zu finden. Trotz des Schneereichen Winters und damit deutlich mehr weiß in der Wand als in so manch anderen Jahren, erkennt man den Eisschlauch von unten und die logische Linie ist auch die richtige. Verlaufen (im größeren Sinne) dürfte schwer werden.
Man steigt also zunächst durch steilen Wald einen Rücken hinauf (bis laut Topo zu einem Orientierungspunkt auf ca. 1430 Metern). Hier ist der Eisschlauch wieder sehr gut sichtbar.
Es folgt eine Querung (bei weniger Schnee sicher eklig, da war viel Schotter drunter) - laut Topo M3. Bei mir heute mit dem Schnee angenehmes Gelände bei ca. 45-50° und etwas Schotter.

Nun folgte ich zunächst der logischen Rinne hoch zum Eisschlauch. War ein wenig blöd - eine gute Linie ließ sich durch die Windverfrachtungen der vergangenen Tage nicht finden und wenn man allein spurt bei diesen Schneemassen ist das sehr anstrengend. So stieg ich auf dem Gratrücken rechts von mir weiter hoch.
Hier folgt erstaunlicherweise noch vor dem Eisschlauch der im Topo angegeben ist noch eine WI 2- Länge (30-40m).

Danach stieg ich die 2 Meter zum Beginn des Eisschlauchs ab und wechselte von Zustiegssteigeisen auf die "Richtigen".
Jetzt kommen 4 SL im Eis (WI3, WI 4, WI 3, WI 5-).
Mit am schwersten fand ich die ersten Meter der 1. SL (wenige Meter senkrecht). Man muss erst reinkommen in die Kletterei nach dem anstrengenden Zustiegsgelände (ich war schon 3 h bis hierhin unterwegs) und durch den vermehrten Stockeinsatz waren auch die Arme die ersten Meter ein wenig lädiert....
Das wurde aber Länge für Länge besser. Mein mitgeschlepptes Material um mich selbst in der WI 5- Passage zu sichern konnte ich im Rucksack lassen. Diese ist aktuell max. WI 4 (und wenn man die Bilder im Jahr der Erstbegehung betrachtet wohl auch da schon max. WI 4+).
Zumindest habe ich mich weniger anstrengen müssen als bei der "Ammer-Valley Weekend News". Damals war das Eis extrem hart und spröde. Heute ließ es sich wunderbar klettern. Es war gut mit dem Fels verbunden und die Lawinengefahr war weit geringer als angenommen. Der Regen der Nacht hatte nämlich fast alles abgehen lassen. Abgesehen von Spindrifts ist keine Lawine heruntergekommen. So dermaßen stabil hatte ich die Verhältnisse am Auto nicht eingeschätzt - aber andernfalls wäre ich auch niemals weiter hoch, sondern wieder abgestiegen.

Nach dem schönen Eisteil steigt man wenige Meter höher und quert etwas ausgesetzt (M2) ums Eck. Ich benutzte das als Kriechband. Etwas mühsam mit Rucksack und der erhöhten Schneelage, aber machbar. (wer sichern möchte - am Ende lässt sich ein Friend unterbringen, Risse für Haken sind auch hier und da gegeben).

Danach geht es über leichtes Mixedgelände (M2-3, heute max. M2) weiter in einer bis zu 55° steilen Rinne.
Oben raus habe ich ehrlich gesagt die im Topo angegebene M4 Stelle nicht gesehen. Vielleicht lag Zuviel Schnee drauf. Die ein oder andere Direktvariante wäre möglich gewesen - aber häufig nicht lohnend bei dem brüchigen Fels und meine guten Steigeisen will ich auch nicht unnötig für 3 Meter Kraxelei zerschrammen.

Schon seit der Eisrinne zog es vermehrt zu, die Spindrifts und der Schneefall (und der Wind zum Gipfel hin sowieso) nahmen zu. Von der angekündigten Sonne gab es heute wenig zu sehen.
So blieb ich auch nicht lang am Gipfel (ist bei Windstärke 6-7 gar nicht möglich), sondern stieg rasch zwischen Frieder und Saurücken ab. Der Normalweg über den Friederspitz war wegen des Whiteout (Schneefall, Böen) nicht erreichbar. Nach ca. 300 Hm raschem Abstieg wurde der Wind schwächer (ich war weit genug ostseitig) und ich konnte entspannter absteigen. Im Gegensatz zum vorherigen Dauerweiß zeigten sich jetzt wieder mehr Kontraste.

Der Abstieg erfolgte so entlang eines Bachbetts, später durch Steilwald (bis 40-50°). Hier war mehr Orientierungsvermögen notwendig, als beim Auffinden des Eisfalls. Aber wer öfter weglos im Gelände unterwegs ist, wird hier keine Probleme bekommen und kann das Gelände ensprechend gut einschätzen ohne in einer Sackgasse oder an einem Abgrund zu landen.


Zeit für die Kletterei (1000 Hm Bachbett-Gipfel):           3:20 h


Fazit:
In meinen Augen eine schöne Tour. Gerade auch als Sologänger gut machbar (zur Not am Eisfall selbst sichern).
Wer als Seilschaft geht:
Ich würde ein 50 Meter Einfachseil einpacken, Schrauben, ein paar Keile/Friends, Haken, Ice-Pitons, Schlingen (es gibt viele Krüppelkiefern zum sichern). Alles in allem aber nicht zu viel, das zieht sich sonst.

Was ich nicht bestätigen kann:  höchste Nordwand der Ammergauer mit 1000 Metern Wandhöhe? Das stimmt nur, wenn man den Vorbau mitzählt. Dennoch gibt es im oberen Teil mit ca. 400 Metern Wandhöhe eine immer noch beachtliche Nordwand. Die WI 5- Passage dürfte wohl auch meist bei WI 4 bis 4+ liegen. Eine WI 5 halte ich für utopisch, so viel Schnee lag dort heute auch nicht.
Auch den längsten Eisschlauch mit 200 Metern wage ich zu bezweifeln. Dafür gibt es in der näheren Umgebung zu viele Eisschläuche. Was aber stimmen kann mit dem längsten Eisschlauch - wenn man in einem schneearmen kalten Winter vom Bachbett aus starten kann. Dann könnte man durch fast die gesamte Wand Eisklettern und spart sich den Steilwald. Das wäre wirklich genial und dann würde ich auch wieder bei der Wandhöhe von 1000 Metern mitziehen.

Nichts desto trotz:   eine schöne Tour in ruhiger Lage. Ein sehr gutes Topo mit Übersichtsbildern und Beschreibung gibt es auf der Seite des Erstbegehers (nordalpenklettern).

Hike partners: pete85


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