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Piz Murtaira 2774 m - Lärchengold und Nordflankeneis im Oberengadin


Published by Ivo66 , 20 October 2018, 19h37.

Region: World » Switzerland » Grisons » Oberengadin
Date of the hike:20 October 2018
Hiking grading: T5 - Challenging High-level Alpine hike
Waypoints:
Geo-Tags: CH-GR 
Time: 7:00
Height gain: 1000 m 3280 ft.
Height loss: 1000 m 3280 ft.
Route:Malojapass (Parkplatz südlich) - Lägh da Cavloc - Bosch da Cavloc - P. 2567 m - P. 2511 m - Nordflanke - Piz Murtaira
Maps:1:25'000 Val Bregaglia

Der Piz Murtaira ist ein schwer zugänglicher, kaum je bestiegener Berg auf dem langen Bergkamm auf der Westseite des Val Forno, also auf der Grenze zwischen dem Oberengadin und dem Bergell. Auf den Geschmack für dieses unwegsame Gebiet sind wir letztes Jahr gekommen, bei der Besteigung des Piz Salacina, welcher den langen Grat gegen Norden abschliesst. Heute sollte der Piz Murtaira auch zu seiner hikr-Premiere kommen.

Viel war über eine Besteigung des Piz Murtaira nicht in Erfahrung zu bringen. Das Internet schweigt sich gänzlich aus. Lediglich im etwas in die Jahre gekommenen SAC-Clubführer "Südliches Bergell - Disgrazia" findet er in ein paar Sätzen Erwähnung. Die von uns in Angriff genommene Route ist dort mit der Schwierigkeitsbewertung BG ausgewiesen, was einiges offen lässt, aber kaum auf eine einfache Wanderung hindeutet. 

Oft erhält der Piz Murtaira sicher nicht Besuch. Im gesamten weiträumigen Gipfelbereich waren keinerlei Spuren menschlicher Begehung auszumachen. Selbst ein Gipfelsteinmann fehlt, doch bietet der höchste Punkt mit seinen kaum 1 m2 auch keinen Platz dafür. Die Tour ist aber in jeder Hinsicht lohnend; ganz abgesehen von der völligen Einsamkeit ist man in einer unglaublich wilden und schönen Berglandschaft unterwegs und das Gipfelpanorama darf sich trotz der geringen Höhe des Bergs sehen lassen; besonders imposant ist der Blick ins Bergell, wo heute bei dieser klaren Luft in grosser Höhe die Walliser Alpen im Hintergrund das malerische Bündner Südtal flankierten. Ebenso umwerfend ist das Panorama in Richtung Engadiner Haupttal, welches heute in purem Gold gemalt schien. 

Schöner Herbst und Lärchengold hin oder her: Die jetzige Jahreszeit erwies sich für die Besteigung des Piz Murtaira nicht als optimal. Man ist sehr oft im Schatten unterwegs, insbesondere im Gipfelbereich. Die Route führt dort durch die im Herbst ganztags im Dunkeln stehende Nordflanke. Heute kamen dort sehr heikle Verhältnisse hinzu, waren doch viele der Geröllblöcke mit einer tückischen, gefrorenen Raureifschicht überzogen; meistens immerhin gut erkennbar. Diesem Umstand ist es geschuldet, dass die Besteigung heute ein sehr zeitraubendes Unternehmen war; es war wirklich äusserste Vorsicht am Platz. Auch dort, wo man unter normalen Umständen Tritte in den feinen Schutt hätte setzen können, sah es heute anders aus: Der Boden war durchwegs gefroren und der Schutt hielt zusammen, als bilde er eine Einheit. Dies erschwerte auch den Abstieg. 

Die Freude war gross, die Besteigung bei diesen Verhältnissen gemeistert zu haben. Wie immer unter solchen Umständen beglückwünschten wir uns erst, als wir wieder sicheres Gelände unter den Füssen hatten. Die Sonne lief uns im Abstieg buchstäblich davon. Nur gerade für etwa 10 Minuten konnten wir sie an einem gemütlichen Plätzchen noch etwas geniessen. Aber auch im Schatten kam später der malerische Bergsee Lägh da Cavloc märchenhaft zur Geltung. Im dunklen See spiegelte sich das Engadiner Lärchengold.  

Routenbeschreibung:
Die Schwierigkeitsbewertungen beziehen sich wie immer bei mir auf optimale Verhältnisse ohne Vereisung. Der Gipfelbereich war heute schwierig zu begehen (gefrorener Raureif auf den Geröllblöcken, gefrorener Boden mit zusammengebackenem feinen Schutt in den steilen Bereichen). Ausserdem sind die steilen Grashänge, welche zum Verbindungsgrat zwischen Piz Salacina und Piz Murtaira (P. 2567 m) hinaufführen im Sommer besser begehbar. Das zur jetzigen Zeit stark verdorrte Gras bietet nicht den gewünschten Halt.    

Malojapass - Lägh da Cavloc (T1 - T2)
Die Route ist gut ausgeschildert. Man hat die Wahl, bis zum See dem Fahrsträsschen zu folgen oder dieses auf guten Wanderwegen abzukürzen (ausgeschildert).

Lägh da Cavloc - P. 2511 m (T3 - T4)
Vom See folgten wir dem Wanderweg Richtung "Pass dal Caval", der sich vom westlichen Seeufer in nordwestlicher Richtung den Hang hinauf zieht. Man verlässt den Bergwanderweg ziemlich genau auf 2100 m. ü. M. nach links auf einem guten, aber weder ausgeschilderten noch markierten Pfad. Ohne nennenswerten Höhengewinn folgt man dem Pfad in südlicher Richtung. Man trifft dann auf eine Felsplatte am Boden, welche eine rote Aufschrift "Salecina" mit Pfeil hat. 

In Pfeilrichtung folgten wir dem Pfad hier noch einige Kehren in westlicher Richtung. Dann peilten wir P. 2567 m auf dem Grat an und stiegen etwas links von Felsplatten über recht steile Grashänge in gut gestuftem Gelände zur Grathöhe auf. P. 2567 m überschreitet man und steigt in die Mulde vor dem Gipfelaufbau des Piz Murtaira ab (P. 2511 m).

P. 2511 m - Piz Murtaira durch die Nordflanke (T5)
Über grosse Geröllblöcke gelangt man etwas mühsam an den Beginn der Nordflanke. Wir stiegen dort zunächst in einem grossen Rechtsbogen auf. Das Gelände ist meist gut gestuft, aber anspruchsvoll. Im ersten Drittel querten wir wieder länger nach links, um dann in der Falllinie aufzusteigen. Es sind zwei, drei Kletterstellen im 2. Schwierigkeitsbereich zu meistern, welche wir im Abstieg rückwärts abstiegen. Eine etwas knifflige Stelle über eine steile Platte wartet kurz vor dem Gipfel. Man klettert dort kurz etwas auf Reibung, kann aber von guten Griffen und bestem Fels profitieren.     

Hike partners: Ivo66, Lena


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