COVID-19: Current situation

Ich nehm‘ gewiss den langen Weg bis Quis (Chvístec)


Published by lainari , 16 October 2018, 17h56.

Region: World » Tschechien » Dokeská pahorkatina
Date of the hike:11 October 2018
Hiking grading: T2 - Mountain hike
Waypoints:
Geo-Tags: CZ 
Time: 6:00
Height gain: 475 m 1558 ft.
Height loss: 475 m 1558 ft.
Route:20 km
Access to start point:Auto bis Holany
Maps:1:50.000, KČT Nr. 15 Máchův Kraj

Daubaer Schweiz - Burgen, historische Plätze und Herbstsonne
 
Der warme und sonnige Herbst biegt auf die Zielgerade ein, starker böiger Wind und die anhaltende Trockenheit arbeiten gegen die Pracht der Laubfärbung. Ich mache mich auf nach Tschechien und fahre ins Dokeská pahorkatina (Hirschberger Hügelland). Der heute zu durchquerende Teil der Landschaft Kokořínsko (Daubaer Schweiz) liegt abseits der touristischen Hauptrouten, bietet dem Interessierten dennoch einige Abwechslung.
 
Ich erreiche meinen Startpunkt in Holany (Hohlen) und parke beim zentralen Wanderwegweiser bzw. dem Platz neben der alten Kaufhalle. Wohlweislich nur leicht bekleidet, starte ich bei lauen 13° C in den strahlend schönen Morgen. Ich folge der grünen Markierung entlang einer Straße. Den späteren Abzweig des Wanderweges ignoriere ich und laufe weiter entlang der Talstraße. Nach einer Weile zeichnet sich in Laufrichtung rechts ein kleines Seitentälchen ab. Ich quere Talboden und Bach. Dies gestaltet sich heute problemlos, in feuchteren Jahren dürfte es hier sumpfig und verkrautet sein. Nun steige ich ein Stück das Seitentälchen hinauf und wende mich dann steil bergwärts. Oben treffe ich genau auf den Halsgraben von Hrad Loubí (Burg Lauben). Früherer Name und Erbauer der Burg sind unbekannt, es existieren keine urkundlichen Belege über die Anlage. Archäologische Funde belegen eine Besiedlung von der 2. Hälfte des 13. Jh. bis zum Anfang des 14. Jahrhundert. Die Bauten der Burg dürften somit aus Holz bestanden haben, außer dem Halsgraben sind auch keine anderen Spuren sichtbar. Vorsichtig steige ich an anderer Stelle wieder talwärts. Der steile, lockere und trockene Verwitterungsboden, der mit Nadeln durchmischt ist, bietet sehr wenig Halt. Zurück an der Straße halte ich mich am kommenden Abzweig nach links. Nach einer kurzen stärker steigenden Felsenpassage biege ich unmittelbar am Ortsanfang von Sušice (Oschitz) nach links ab. An einem trockenliegenden Teich gehe ich nach rechts und steige durch ein Felsental hinunter in das Tal des Dolský potok (Gründelbach).
 
Kurz vor der Dolský mlýn (Gründelmühle) quert ein Pfad durch Schilfgras hinüber auf die andere Talseite. Dort gibt es einen Wegweiser und den markierten Burgzugang. Auf Grund der Trockenheit ist der Aufstieg heikel und wegen steigender Temperatur schweißtreibend. Oben treffe ich auf die Reste der Chudý hrádek, die keinen offiziellen deutschen Namen hat, aber in etwa mit „Dürftige Burg“ übersetzt werden könnte. Die Burg ist eine Gründung der Berkové z Dubé aus dem 14. Jh. und wurde 1622 letztmalig urkundlich in einem Güterverzeichnis erwähnt. Ich besichtige die Mauern des Hauptgebäudes, den Keller und schaue nach dem Brunnen. Dann lasse ich mich zur verdienten Pause nieder. Bei böig auffrischendem Wind muss ich mich vor herunterfallenden Eicheln in Acht nehmen. Gestärkt setze ich meinen Weg fort. Ich bleibe an der Talkante und folge einem aufgehobenen Wanderweg, dessen alte Markierungen hier und da noch vorhanden sind. Manchmal verliere ich wegen Jungwuchs und Verbuschung den Pfad, finde ihn aber jedesmal wieder. Durch ein Privatgrundstück mündet der Weg in die Siedlung Hradiště (Radisch) hinein. Im Grundstück finden gerade Bauarbeiten statt und ich grüße freundlich die Arbeiter, die an meinem Erscheinen keinen Anstoß nehmen. Nur wenig entfernt erhebt sich am Talboden eine felsige Anhöhe, die ich sogleich erklimme, auch um mich vor einem herumstreunenden Hund in Sicherheit zu bringen. Aber auch er nimmt an meinen Aktivitäten keinen Anstoß. Auf der Felsenzunge befand sich einst Hrad Vřísek, eine Besitzung der Berkové z Dubé (Berka von Dauba) mit erster urkundlicher Erwähnung von 1402. Archäologische Funde belegen eine Erbauung in der 1. Hälfte des 14. Jahrhundert. Um 1543 wurde die Anlage aufgegeben. Der Burgname Vřísek wird fälschlicherweise auch für das Renaissanceschloss Vítkovec, das bei Holany in einem Wildpark liegt, verwendet, was häufig zu Missverständnissen führt. Von der Burg Vřísek haben sich geringe Mauerreste, eine Gebäudevertiefung und ein teilweise überbauter Halsgraben erhalten.
 
Nach der Besichtigung durchquere ich die Ortslage Drchlava (Dürchel). Hinter der Kirche, durch deren scheibenlose Fenster traurig der Wind heult, biege ich nach links auf einen Feldweg ab. Auf einer bewaldeten Anhöhe mache ich noch einen Schlenker um eine kleine Kapelle und trete dann ins Offenland hinaus. Mittlerweile hat sich der Wind zum Sturm entwickelt, der Staubfahnen über die knochentrockenen Äcker weht. Nach einer Weile Wüsten-Feeling komme ich nach Pavlovice (Pablowitz). Auch hier ist die Kirche nur eine bessere Ruine. Dafür wird an anderer Stelle im Ort alte Bausubstanz von privater Hand maßvoll renoviert. Über den Felsenweg Dlážděná cesta aus dem 17. Jh. verlasse ich den Ort talwärts fallend. Unten im Tal angekommen biege ich nach links und gehe ein Stück die Straße entlang. Hinter den kommenden Grundstücken auf der rechten Seite verbirgt sich der Zugang zu einem Seitentälchen. Auf einem Pfad steige ich auf die Hochfläche hinauf und komme in die Wüstung der Einschicht Quis/Chvístec. Das Kaiserpflichtexemplar weist für die Siedlung 1843 drei Hausnummern aus, eine davon war ein größeres Anwesen. Namensforscher halten es für möglich, dass der Ortsname eine sprachliche Verschleifung aus dem deutschen „gewiss“ darstellt. Da die Wüstung einen Wildeinstand bildet, plagen mich hier die lästigen Hirschläuse. So strebe ich ins Offenland hinaus, gehe einen Feldweg bis zur gegenüberliegenden Waldkante und biege dort nach links ab. Im Verlauf komme ich an eine Fahrstraße, der ich nach rechts folge. In Sichtweite von Borek (Regersdorf) lasse ich mich auf einem Holzlagerplatz zur Mittagspause nieder.
 
Gestärkt folge ich später der Waldkante mit dem Zaun des riesigen Wildgeheges Obora Vřísek, in dem der tschechische Staatsforst Mufflons und Bezoarziegen eingesetzt hat. Diese halten sich natürlich im Inneren des Geheges verborgen und gehen nicht am Zaun spazieren. An der Hauptzufahrt zum Objekt biege ich nach rechts und wandere einen endlosen geraden Weg entlang durch einen alten Landschaftspark, der einst eine Fasanerie beherbergte. Fast an der Waldkante biege ich abermals nach rechts und passiere den heute trockenliegenden Fasangartenteich, das alte Forsthaus und komme anschließend zur Ruine des Zahrádecký letohrádek/Letohrádek v bažantnici. Das Jagdschlösschen mit rundem Grundriss wurde 1825 errichtet. Ich kehre zum Hauptweg zurück und besichtige an der Waldkante die Barbořin kamenný most, eine alte Steinbrücke über den Bobří potok (Bieberbach). Nun trabe ich die lange Gerade in Gegenrichtung und folge einer blauen Wanderwegmarkierung bis zum Weiler Sádky (Behälter). Der eigenartig anmutende Name weist auf eine Fischhälterung der nahen Teichwirtschaften hin. Ein kurzer Abstecher bringt mich noch zum Skalní tvrz Jiljov. Das Ensemble besteht aus einem länglichen und einen schmalen hohen, natürlichen Felsen, welche zu einer Art Aussichtsturm umgearbeitet wurden. Das heutige Aussehen geht auf 1820 durch den Neugartener Schlossherren Vincenc Karel Kounic veranlasste Arbeiten zurück. Für die Örtlichkeit Jiljov ist jedoch auch eine mittelalterliche Befestigung urkundlich geworden. Ob sie sich hier befand und die Felsen ein Teil davon waren, ist ungeklärt. Die Felsen sind aber von einer Aufschüttung umgeben, die von einem Graben begrenzt wird. Am Rande der Aufschüttung wurden Reste einer mit Lehm verfugten Sandsteinmauer ausgegraben, die nicht von der Gestaltung aus dem 19. Jh. stammt. Ich kehre schließlich zum Hauptweg und auf ihm nach Holany zurück.
 
Die pausenbereinigte Gehzeit betrug 6 h. Die Schwierigkeit variiert zwischen T1 und T2. Der fakultative Aufstieg zur Hrad Loubí hat abweichend die Schwierigkeit T3.

Hike partners: lainari


Minimap
0Km
Click to draw, click on the last point to end drawing

Gallery


Open in a new window · Open in this window

T2
14 Jun 15
Kokořínsko (Daubaer Schweiz) · lainari
T2

Post a comment»