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Piz Scalotta 2992 m - Über den Nordgrat


Published by Ivo66 Pro , 16 September 2018, 18h56.

Region: World » Switzerland » Grisons » Oberhalbstein
Date of the hike:16 September 2018
Hiking grading: T5 - Challenging High-level Alpine hike
Waypoints:
Geo-Tags: CH-GR 
Time: 6:00
Height gain: 1250 m 4100 ft.
Height loss: 1250 m 4100 ft.
Route:Bivio - Eva da Sur Ragn - Leg Saragn - Nordgrat - Piz Scalotta - Val Gronda - Radons - Bivio
Maps:1:25'000 Bivio

Der Piz Scalotta ist eine bedeutende Erhebung auf dem langen Verbindungsgrat zwischen den Muntognas digls Lajets im Norden und dem Piz Surparé im Süden. Er wird vorwiegend im Winter bestiegen, denn der lange Zustieg von Bivio aus über die Normalroute durch das kaum enden wollende Val Gronda mit seinem vielen Schutt und Geröll findet im Sommer nur wenig Freunde.  Eine attraktive Alternative dazu ist der Nordgrat, welcher weitgehend unerforscht ist und die eine oder andere anspruchsvolle Stelle aufweist, wo Hindernisse im 2. Kletterschwierigkeitsgrat zu bewältigen sind und dazu in ausgesetztem Gelände.  

Wir nutzten die kurze Jagdpause, um in dieses abgeschiedene wildreiche Gebiet einzudringen, wo man ausserhalb der Jagdzeit niemals Menschen antreffen wird. Erstmals statteten wir auch dem hübschen Bergsee Leg Saragn einen Besuch ab, der mit seinem türkisblauen Wasser für einen schönen Kontrast sorgt. Von weitem erblickten wir bereits ein grösseres Rudel Gämse in der Ostflanke unter dem Grat, den wir anpeilten. Immer mehr Tiere tauchten auf und bald stellte sich heraus, dass auch viele Steingeissen mit ihren Kitzen unterwegs waren. Während sich die Gämse rasch aus dem Staub machten, konnten wir die Steingeissen später auf dem Grat ausgiebig beobachten und staunten wie immer über ihre Fertigkeit, sich im abschüssigen Schuttgelände fortzubewegen.

Nun wartete aber der spannende Nordgrat, das Dessert der heutigen Tour. Mit etwas mehr Respekt als zuvor die Steingeissen tasteten wir uns an das Unternehmen heran. Vor zwei Jahren sind wir diese Route erstmals begangen, damals noch über den ganzen Grat von den Muntognas digls Lajets her. Die schwierigsten Stellen befinden sich aber in Gipfelnähe und lagen somit noch vor uns. In den ausgesetztesten Abschnitten ist das Gestein glücklicherweise zuverlässig, was in anderen, immer noch anspruchsvollen Passagen nicht immer der Fall ist.

Bald war der Gipfel mit seinem gewöhnungsbedürftigen Eisenkreuz erreicht. Die letzten Einträge im etwas ramponierten Gipfelbuch waren jene von Djenoun vom 5. August und zuvor jener von Roald vom 9. Juli.

Längst hatten dunkle Wolken den blauen Himmel verdeckt, Regen schien in der Luft, weshalb wir uns rasch an den Abstieg durch das Val Gronda aufmachten. Jetzt wäre man um Skier an den Füssen und eine dicke Schneedecke froh gewesen, welche das viele unstabile Geröll im Winter verdeckt. Der Piz Scalotta ist aber auch im Sommer ein lohnendes Gipfelziel; Einsamkeit ist garantiert und das Panorama darf sich durchaus sehen lassen. Die Route über den Nordgrat werden wir ohnehin wiederholen. 


Routenbeschreibung:

Bivio -Leg Saragn (T3)
Wir starteten vom nördlichen Dorfrand bzw. etwas ausserhalb (Parkmöglichkeiten an der Julierpassstrasse im Bereich der Brücke bei P. 1762 m), überquerten die Strasse und folgten dem markierten Bergwanderweg (gelber Wegweiser). Bald wechselt man bei einer Abzweigung die Richtung und folgt der Route nach Nordwesten. Vor der kleinen Brücke, welche den Bach Richtung der Maiensässsiedlung Sur Ragn überquert, verliessen wir den Wanderweg und stiegen weglos in südwestlicher Richtung auf. Auf etwa 2000 m. ü. M. auf einer kleinen Ebene überquerten wir den Bach Eva da Sur Ragn und stiegen an dessen anderem Ufer weiter auf, teilweise auf Pfadspuren durch Gebüsch. Bald folgten wir dem nördlich verlaufenden Bach Eva Cheda und folgten diesem bis zum Leg Saragn. 

Leg Saragn - Nordgrat (T3)
Südlich des Sees gelangten wir in westlicher Richtung in ein Tälchen, wo wir in der Folge über Schutt zum Nordgrat des Piz Scalotta aufstiegen. 

Aufstieg über den Nordgrat zum Piz Scalotta (T5)
Den ersten Grataufschwung bei einem markanten Felsklotz umgingen westlich in steilem Schuttgelände. Auch anschliessend wichen wir etwas weiter in die Westflanke aus mit kurzem, heiklen Abstieg über schmale Bänder, um in der Folge durch eine steile Rinne zum Grat zurückzukehren.

In der Folge hielten wir uns stets auf der Gratschneide, die schöne Kletterei in passablem Fels bietet. Die Schwierigkeit II wird dabei nicht überschritten. Es sind zwei Steilaufschwünge und ein ziemlich ausgesetzter felsiger Abschnitt zu meistern. Im oberen Teil wird der Grat wieder einfacher, man könnte dort die letzten Schwierigkeiten in der schuttigen Westflanke umgehen.

Piz Scalotta - Bivio (durch das Val Gronda) T3
Auf der Skiroute stiegen wir nach Bivio ab. Man hält sich in der weglosen Val Gronda dort, wo es am wenigsten unbequem scheint. Es sind einzelne Steinmännchen und sogar (allerdings inoffizielle) weiss-rot-weisse Wegmarkierungen vorhanden. Auf dem vom Stallerberg herkommenden markierten Bergwanderweg gelangt man einfach zurück nach Bivio.

Hike partners: Ivo66, Lena


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