Segnes-Runde


Published by Runner , 17 September 2018, 22h23.

Region: World » Switzerland » Glarus
Date of the hike:15 September 2018
Hiking grading: T3+ - Difficult Mountain hike
Height gain: 2343 m 7685 ft.
Height loss: 1794 m 5884 ft.
Route:18.7 Km: Elm - Segnespass - Grischsattel - Elm

Die heutige Tour führt uns direkt ins Sardona Weltnaturerbe (Tektonikarena Sardona). Hier - im Herzen der Glarner Hauptüberschiebung - kann man die Entstehung der Alpen hautnah miterleben.
 
Wir starten unsere Runde in Elm. Wer nicht mit den ÖV anreist, findet u.a. beim Gemeindehaus oder aber direkt an der Talstation der Luftseilbahn auf die Alp Tschinglen genügend Parkplätze. 
 
Ab Talstation werden bis hoch zum Segnespass 5 Stunden Gehzeit veranschlagt. Wer sich den Weg zur Alp Tschinglen sparen will, der nehme hier die Seilbahn. Man spart dadurch gut 1 1/2 Stunden ein, verpasst jedoch eine wunderschöne Strecke durch die Tschinglenschlucht. Der stets gute, wenn auch stellenweise recht steile Pfad, windet sich immer dem Abgrund entlang. Nah genug, um immer wieder einen Blick in die bedrohliche Tiefe zu werfen, sicher genug, um nicht dem Gefühl einer drohenden Gefahr ausgesetzt zu sein - auch nicht schwindelfreie Wanderer dürfen es wagen. An besonderen Stellen wurden Schautafeln angebracht, welche einem die Glarner Hauptüberschiebung näherbringen. Wer hätte gedacht, dass wir uns hier vor Jahrmillionen auf dem Grund eines Meeres bewegt hätten?
 
Auf der Alp Tschinglen bietet sich eine erste Gelegenheit zur Rast, denn hier befindet sich die beliebte Tschinglen-Wirtschaft. 
 
Von nun an führt der Weg durchwegs steil nach oben. Immerhin sind ab hier noch immer gut 1100 Höhenmeter zu bewältigen und die haben es in sich. Landschaft allerdings entschädigt für die Mühen und immer wieder fasziniert der Blick aufs berühmte Martinsloch. Dieses weist uns auch den Weg, denn der Segnespass befindet sich nun wenig links davon entfernt, geografisch also etwas östlicher. 
 
Das Martinsloch bietet zweimal im Jahr, nämlich im Frühling und im Herbst, ein Naturspektakel der besonderen Art. Dann nämlich scheint die Sonne für kurze Zeit durch dieses Felsentor direkt auf den Kirchturm von Elm!
 
Wir konzentrieren uns aber auf unser erstes Zwischenziel, die Passhöhe des Segnes. Schon von weit unten erblicken wir die Baracke, bekannt als ‘Mountain Lodge’, welche sich an den Grat schmiegt und kurz vor Ende des zweiten Weltkrieges zu militärischen Zwecken erstellt wurde. Äusserst einfach eingerichtet bietet sie heute noch einen in den Berghütten mehr und mehr verloren gegangenen Charme. Wer hier übernachten möchte, der tut gut daran rechtzeitig zu reservieren. Die Hütte bietet gerade einmal 12 Schlafplätze an und geizt nicht mit einer grandiosen Rundsicht ins Bündner- und Glarnerland. Und auch kulinarisch wird mehr geboten, als hier oben erwartet werden dürfte. Wer den Brotsack daheim gelassen hat, der muss nicht Hungern!
 
Wir lassen uns Zeit und geniessen den Augenblick. Dann aber wird es Zeit für den Abstieg. Dieser wird gleich zu Beginn durch eine mit Ketten abgesicherte Treppenpassage erleichtert. Auch hier braucht der schwindelanfällige Wanderer keine Angst zu haben, denn steil ist es zwar, aber um zu Tode zu kommen müsste es mit dem Beelzebub zugehen. 
 
Die nun folgenden Schwemmebenen Segnas Sara und Segnas Tut scheinen karg und leblos, beherbergen jedoch eine Moorlandschaft, welche wohl vielen Tieren und Mikroorganismen den idealen Nährboden bietet. Die Südflanke des Segnespass ist deutlich flacher und das bündnerische Films kann in knapp 3 Stunden erreicht werden. 
 
Wir halten uns gen Westen und steuern die Seilbahnstation Grauberg an. Diese liegt etwas oberhalb der Segneshütte, einem Bergrestaurant ganz am südlichen Rande der Segnas Sut. Von hier führt die Strecke weiss-blau-weiss markiert immer nordwärts. Zu Beginn folgt man der deutlichen Wegspur, welche sich im immer derberen Geröll allmählich verliert. Die Markierungen und Steinmänner weisen die Richtung. Ab und an findet man alte Holzstangen oder auch mal eine verrostete, orangefarbene Tafel. Deutliche Hinweise darauf, dass hier im Winter Skitourengänger unterwegs sind. Auch die Schneeschuh-Tour Nr. 211 führt hier durch. 
 
Nach einer letzten Kraftanstrengung im Geröllhang ist der Grischsattel auf 2759 m ü.M. erreicht. Er liegt knapp 134 Meter höher als der Segnespass, bietet aber keine Möglichkeit zur Verpflegung. Genügend Proviant ist Pflicht und wer Stöcke mit sich führt ist eindeutig im Vorteil, zumal sich der Abstieg zur 700 Höhenmeter tiefer gelegenen Martinsmadhütte (SAC Sektion Randen) recht anstrengend gestaltet. 
 
Kurz nach der Gratüberschreitung ist eine Steilpassage im rutschigen Gelände zu bewältigen. Die Wegfindung ist jedoch anhand der Markierung einfach. Erst der nachfolgende Felsriegel bietet eine kleine Herausforderung. Das schiefrige und bei Nässe unangenehm rutschige Gelände kann dank kunstvoll angebrachten Stahlketten gefahrlos überwunden werden. Ohne diese Sicherungshilfen wäre der Gang durch den Fels recht unangenehm.
 
Wenig später ist die Martinsmadhütte erreicht, wo uns das verdiente kühle Bierchen erwartet. Der Abstieg auf die Alp Tschinglen dauert dann noch knapp zwanzig Minuten (Berglauf) oder ca. 1 Stunde wandernd. Von hier an gönnen wir den Füssen eine Pause und den Betreibern der Seilbahn den Verdienst - die Fahrt mit der blauen Kabine dauert knapp 10 Minuten und bietet einen berauschenden Blick in die Tiefen der Tschinglenschlucht - eine fabelhafte Landschaft!
 
Hinweise:Die Route führt durch hochalpines Gelände. Man schenke den in den Bergen rasch wechselnden Bedingungen Beachtung. Genügend Proviant ist genauso wichtig wie eine gute Ausrüstung auch für Notfälle! Regenhosen / Jacke, Mütze und Handschuhe gehören bei mir zur Grundausrüstung, ebenso wie eine kleine Apotheke, das Biwacksäckli und eine warme Jacke für Zwischendurch.
 
In der Segnes Mountain-Lodge kann ausschliesslich in bar bezahlt werden. Dasselbe gilt in der Regel auch für die SAC-Hütten.
 
Stöcke bieten nicht nur eine gewisse Sicherheit im Abstieg, sie erleichtern auch den Aufstieg in den gerölligen Steilpassagen und schonen die Gelenke ungemein. Man sei sich also nicht zu eitel, solche Hilfen in Anspruch zu nehmen.
 
Die Bemerkungen zur Schwindelfreiheit beziehen sich auf meine persönliche Empfindung. Dieses unangenehme Phänomen wirkt sich jedoch bei jedem Betroffenen  unterschiedlich aus. So habe ich persönlich kein Problem, solange Hilfen  wie Fixseile, Ketten, Leitern etc. vorhanden sind. Andere kommen hier möglicherweise dennoch in Schwierigkeiten. Diesbezüglich kann die beschriebene Passage im Abstieg vom Grischsattel problematisch sein. Wie erwähnt ist sie jedoch sehr gut abgesichert.
 
Interessante Informationen zur Tektonikarena findet man - wie könnte es anders sein - über die Suchmaschine Google oder direkt unter www.unesco-sardona.ch


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Comments (4)


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Sent 18 September 2018, 11h05
>Ab Talstation werden bis hoch zum Segnespass 5 Stunden Gehzeit veranschlagt. Wer sich den Weg zur Tschinglen-Alp sparen will, der nehme hier die Seilbahn. Man spart dadurch gut 3 Stunden ein [...]

Hmm, steht das so auf den Wegweisern? Ich würde sagen, durch Benutzung der Bahn spart man bei normalem Tempo 75-90 Minuten. Es sind knapp 500Hm ohne grössere Flachetappen.

Runner says: RE:
Sent 18 September 2018, 13h44
Sali Bergamotte, Du hast natürlich recht. Es sind ca. 1 1/2 Stunden und nicht 3. Rund 3 Stunden dauert die Wanderung - gemäss Wegweiser - ab Talstation bis hoch zur Martinsmadhütte.

Gruäss
Runner

Schlomsch says:
Sent 19 September 2018, 21h38
Vom Segnespass zum Grischsattel oder Ofen gibt es Abkürzungen. Als "Runner" kommt für dich nur die Passage durchs "Il Von" in Frage. Hikr-Berichte dazu *hier und *da.

Jedenfalls herzliche Gratulation zur Tour und deiner Fitness!

Runner says: RE:Abkürzung
Sent 19 September 2018, 22h05
Merci - da war ich mir nicht sicher, ob es weiter oben ginge. Obwohl: Eine Karte hatte ich auch im Rucksäckli. Nach Deinem Bericht ist nun aber klar, dass das eigentlich gut funktioniert hätte :-)

Gruäss
Runner


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