Grat von der Melkerscharte zum Rotkopf (Versuch)


Published by helmoudo , 9 September 2018, 23h47.

Region: World » Austria » Zentrale Ostalpen » Zillertaler Alpen
Date of the hike: 3 September 2018
Hiking grading: T6 - Difficult High-level Alpine hike
Waypoints:

Eigentlich wollte ich die Zigmondyspitze machen, aber es hat tagelang geregnet, zum Schluss auch runter geschneit. Der Fels ist noch nass. Darum will ich als Ausweichtour den Grat von der Melkerscharte zum Rotkopf machen.
Von der Melkerscharte über einen harmlosen Blockgrat zum Plattenkopf Hauptgipfel (Gipfelsteinmann). Von hier kann man den weiteren Gratverlauf gut einsehen. Es geht am Grat nach Südwesten hinab in eine Scharte. Gegenüber der Scharte baut sich der niedrigere Südwestgipfel auf, den man an der Ostkante ersteigen muss. Sieht schwierig aus. Ich hole den AVF Zillertaler Alpen von 2013 raus und lese nochmals nach (R1692): „Weiter über den Grat auf den Rotkopf zu“. Da der Südwestgipfel mit keinem Wort erwähnt wird, wird sich das wohl irgendwie harmlos auflösen…
Der Abstieg in die Scharte ist I-II, ohne irgendwelche Begehungsspuren.
Aus der Scharte steil, aber gut kletterbar an die Kante, die sich als Reibungsproblem erweist. Zum Greifen hat man rechts die stumpfe Kante (kein Henkel!), für die linke Hand gar nix. Da die Platte links der Kante nur mäßig geneigt ist, geht es zunächst. Ich muss mich aber schon überwinden. Sowas ausgesetztes auf Reibung mit Bollerschuhen und Restnässe steigert den Adrenalinpegel deutlich. Ich passiere einen zurückgelassenen Klemmkeil. 3m drüber komme ich nicht mehr weiter. Die Platte links der Gratkante ist nun steil und trittlos wie die rechte Kantenseite. 1½  Meter weiter würde in der Platte ein Tritt warten. Ich müsste  nur die stumpfe Kante mit beiden Händen fassen, nach links schwingen, mit beiden Füßen gegen die Wand treten, mich hangelnd einen halben Meter weiter bewegen und schon könnte ich den Tritt spreizend erreichen...
Hab mich nicht getraut und bin vorsichtig wieder in die Scharte abgeklettert.
Das war für einen IIer klar zu schwer.
Ich versuche eine Umgehung in der Nordflanke. Dazu wäre eine schmale und steile Rinne 20 hm abzusteigen, dann würde man flacheres Gelände erreichen, wo man queren kann.
Bin in die Rinne eingestiegen. Übler Steilbrösel (T6). In den Brösel sind Brocken aller Größen eingelagert. Von der Neigung her schon machbar, aber viele der Tritte und Griffe geraten bereits bei vorsichtiger Belastung in Bewegung. Hab nach 5m abgebrochen, bin wieder zum Plattenkopf aufgestiegen und hab dort Gipfelbrotzeit gemacht.

Die Beschreibung im AVF kann man jedenfalls vergessen. Wahrscheinlich haben die Begeher von damals den Südwestgipfel nordseitig umgangen. Keine Ahnung, welche Bedingungen hier vor 100 Jahren geherrscht haben. Wenn die Bröselrinne mit bequemem Firn gefüllt ist, kommt man eventuell runter.  Wenn ich mal viel Zeit habe, schaue ich mir im Alpinmuseum an, seit wieviel Generationen der Text unverändert weiterkopiert wurde.
 
Abstieg in guter Laune und für mich ungewohnter Bummelei. Die Vielfalt der Gesteinsarten in so einem Blockfeld ist schon toll.

Ein Abstecher von der Melkerscharte zum Plattenkopf ist auch für Normalwanderer machbar. Voraussetzung sind etwas Schwindelfreiheit und Sicherheit im Blockgelände. ca T3+

Hike partners: helmoudo


Minimap
0Km
Click to draw, click on the last point to end drawing

Gallery


Open in a new window · Open in this window

T5
25 Jun 21
Berliner Höhenweg Juni 2021 · AlpineAdventure
T4 F
T5 PD+ III
27 Jul 20
Zsigmondyspitze · Plauscher
T5- PD II
T4 PD II

Post a comment»