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Breitgrieskarspitze "Blassengrat" via Hinterkar


Published by bula_f , 21 August 2018, 14h23.

Region: World » Austria » Nördliche Ostalpen » Karwendel
Date of the hike: 8 August 2018
Hiking grading: T6- - Difficult High-level Alpine hike
Climbing grading: IV (UIAA Grading System)
Waypoints:
Geo-Tags: A 
Time: 8:00
Height gain: 1860 m 6101 ft.
Route:21 Km
Access to start point:P an der B2 kurz vor der Grenze
Maps:openstreetmap.org

Die Breitgrieskarspitze entsendet, wie ihre östlichen Anrainer, einen ausgeprägten, langgezogenen Grat nach Süden (Blassengrat), der mit einem breiten Rücken ins Hinterautal abfällt. Diese Grate lassen sich unter moderaten Schwierigkeiten hoch über den Mondlandschaften der drunter liegenden Kare sehr lohnenswert begehen, wobei der weglose Zustieg über die breiten, latschenbewachsenen Rücken meist eine gewisse Leidensbereitschaft voraussetzt. Heute sollte es mir durch eine spontane Planänderung gelingen, die Zustiegsquälerei komplett zu umkraxln und den Blassengrat ohne Latschenkontakt zu begehen.

Prolog: Eigentlich soll es heute mit Wagemut über den Südgrat auf die Larchetkarspitze gehen. Leider muss sich Joseph aber kurzfristig der Beschaffung von Zahlungsmittel widmen. Für mich bleibt der Plan nichtsdestotrotz bestehen: Über den Kohlergraben soll es hoch ins Hinterkar gehen und von dort am Ansatz auf den Südgrat der Larchetkarspitze. Reepschnur und Abseilzubehör habe ich für die Abseilstelle nach dem Gauggturm dabei, Kletterschuhe für möglicherweise schwierigere 4er-Stellen ebenso.

Los geht es am Parkplatz an der B2 kurz vor Scharnitz mit dem Radl ins Hinterautal rein und über die erste kleine Steigung hoch zum Wiesenhof. Hier parke ich das Rad, da ich vor habe über die Pleisenhütte genau hier wieder runter zu kommen.

Zu Fuß geht es über die Gleierschhöhe weiter auf der Fahrstraße ins Hinterautal hinein entlang der jungen Isar und der Nordflanke des Hohen Gleiersch, an der Wildfütterung vorbei bis zum Einstieg in den Kohlergraben westlich/orografisch rechts des Hinterkarbachs (knapp 4,3 km vom Wiesenhof). Weglos, bzw. auf undeutlichen, sich immer wieder verlierenden Pfad-/Wildspuren geht es immer in der Nähe des Bachbetts hoch in den Mischwald und über kurze steilere Stufen weiterhin am Hinterkarbach orientierend, der mittlerweile in einer tief eingeschnittenen Schlucht unter einem fließt, bis zum Eingang ins Hinterkar. Auf einem Rücken kreuzt man bald den Steig, der von hier ins obere Hinterkar führt. Komfortabel geht es auf dem sehr gut ausgeschnittenen Steig ganz kurz in der Sonne (der Rest des Zustiegs vollzieht sich angenehmerweise im Schatten!) in die herrliche Karlandschaft hinein und an den Hinterkarbach hinunter. Man quert den Bach und steigt auf der orografisch linken Seite durch Steinmänner gekennzeichnet in einer Schuttreiße in die Flanke hoch. Nach dem Anstieg in der Flanke geht es an den Felsen des Blassengrats ohne Höhengewinn entlang bis mich hinter einem Vorsprung schönes Kraxlgelände vom rechten Pfad abbringt. Während der Pfad ins obere Hinterkar weiter unten in den Latschen weiterführt, bleibe ich im latschenfreien Bereich zwischen den Felsen des Blassengrats und den Schuttfeldern des Kars, in dem sich schön kraxln lässt.

Noch ist der Plan, an geeigneter Stelle - wenn auch widerwillig - wieder runter zum Steig zu gelangen. Jedoch befinde ich mich in der Höhe schon deutlich über dem hinteren Karboden und dem Steig und muss zudem erkennen, dass der Südgrat der Larchetkarspitze sich aus dem Hinterkar nicht gut gewinnen läßt. Stattdessen müßte ich auf dem Toni-Gaugg-Weg wieder ein beträchtliches Stück zurück nach Westen um den Ansatz des Grats herum zurückqueren. Darauf habe ich keine Lust! Stattdessen werfe ich einen Blick in die westlichen Felswände des Blassengrats, um evtl. eine Durchstiegsmöglichkeit ausmachen zu können. Zum Grat habe ich weiter keine Informationen, außer dass ich von Joseph's Begehung weiß. Somit sollte diese also gut machbar sein und die Planänderung ist beschlossene Sache. Im hintersten Unteren Hinterkar, kurz bevor die Wände über dem oberen Karboden senkrecht hochziehen, meine ich einen gangbaren Weg (bei ca. 1.900 m) durch die Wand zu erkennen. Ich wechsele in meine Kletterschuhe und steige in die ca. 80 - 90 m hohe Wand ein. Nach einer Querung in die Wand auf einem Band geht es in einer Verschneidung im klettertechnisch schwierigsten Abschnitt (4-) gerade nach oben. Oberhalb legt sich das Gelände zurück und ich halte mich in Gehgelände rechts auf einen in der gestuften Wand eingelagerten Schuttplatz zu, in dessen Mitte ein Riß nach oben führt. Diesen steige ich in schöner Kletterei nach oben bis er zunehmend ausgesetzt für mich zu anspruchsvoll wird. In einer ausgesetzten, mental fordernden Querung (3) erreiche ich ein links aufwärts führendes Band, über das ich bald leichteres Gelände erreiche, aus dem durch einen kurzen Kamin auf den Rücken ausgestiegen wird, den man auf dieser Route glücklicherweise genau dort gewinnt, wo  der Latschenbewuchs endet und man über weite Schuttfelder hoch zum Punkt "Am Blassen" steigt.

In der Westwand des Blassengrats findet sich guter bis sehr guter, größtenteils verlässlicher Fels. Natürlich liegt überall eine Menge Schutt rum, da hier nichts ausgeputzt oder abgeklettert ist - insgesamt aber recht schöne Kraxlei bei guter Felsqualität.

Zunächst genieße ich bei toller Aussicht erstmal eine Brotzeit, bevor es schweißtreibend den breiten, grasigen Rücken "Am Blassen" zum Beginn des Blassengrats hochgeht.

Anfangs geht es in eine Scharte und jenseits leicht auf den folgenden Turm (2), von dem steil in die nächste, tiefe Scharte abgestiegen werden muss. Der Aufschwung aus der Scharte zum nächsten Turm sieht so einfach nicht aus, woraufhin ich durch einen Kamin (3-) in die Ostflanke (rechts) absteige. Der weitere Weg in der Ostflanke des Turms ist über Bänder deutlich auszumachen. Leider sind diese Bänder durch tiefe Rinnen unterbrochen. Ich muss also in schuttigem Gelände noch ein paar Meter weiter absteigen bis ich durch einen Kamin (III-) das einfach zu begehende Band erreiche. Danach sind die Schwierigkeiten vorbei und man wandert in wunderschönem Geläuf mit vereinzelten Kraxlstellen (bis 2) in Gelände, das mich an die Hackenkopfüberschreitung erinnert, bis der Normalweg der Breitgrieskarspitze kurz unter dem Gipfel erreicht wird. Auf diesem geht es die letzten Meter hoch zum Gipfel.

Nach der Gipfelrast geht es auf dem teils drahtseilversicherten Normalweg ein Stückchen am Grat zurück bis der Steig in der Westflanke runter ins Obere Hinterkar leitet. Den Gedanken, die Gr. Riedlkar- und/oder Larchetkarspitze noch mitzunehmen, verwerfe ich aufgrund der vorhergesagten nachmittäglichen Gewitterneigung und genieße stattdessen den landschaftlich wunderschönen Abstieg auf dem Toni-Gaugg-Weg durch das Hinterkar mit einem Gegenanstieg um den Ansatz des Larchetkarsüdgrats herum auf dem schön angelegten Steig zur Pleisenhütte, wo ich meinen Durst stille.

Anschließend geht es bei Donnergrollen auf dem Fahrweg mit vielen Abkürzern im Eiltempo runter zum Wiesenhof und mit dem Radl zurück zum Parkplatz jenseits der Grenze, wo ich noch ein erfrischendes Bad in der Isar nehme.

Der Weg durch den Kohlergraben hoch ins Hinterkar ist einfach zu finden, da man sich sehr gut am Hinterkarbach orientieren kann, und hat mir landschaftlich sehr gefallen.

Der Zustieg zum Blassengrat über das Hinterkar hat den großen Vorteil, dass man die ausgedehnten, sich über mehrere 100 Hm erstreckenden Latschenfelder am unteren Rücken des Südgrats umsteigt. Dafür muß man allerdings die Westwand des Grats an geeigneter Stelle in 3 - 4er Gelände ersteigen. Der Fels zeigt sich auf meiner Route von erstaunlich guter Qualität.

Der Blassengrat selbst besteht zu einer großen Mehrheit aus Geh- und einfachem Kraxlgelände, lediglich im Bereich des 2. Grattturms wird zwingend mindestens ein 3er gefordert. Eine Umgehung des Turms ist ausgesetzt sowohl ost- als auch westseitig möglich.

Ab der Breitgrieskarspitze ließe sich die Tour bei stabilem Wetter beliebig in östlicher oder westlicher Richtung mit verschiedenen Gipfeln verlängern. Jedoch ist auch der Abstieg auf dem Toni-Gaugg-Weg zur Pleisenhütte landschaftlich noch mal ein Schmankerl.


Hike partners: bula_f


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