Arnigrat Rundtour von Melchtal aus


Published by Chrichen , 28 June 2017, 08h18.

Region: World » Switzerland » Obwalden
Date of the hike:13 June 2017
Hiking grading: T4- - High-level Alpine hike
Waypoints:
Geo-Tags: Westliche Melchtaler Alpen   CH-OW 
Time: 10:15
Height gain: 1830 m 6002 ft.
Height loss: 1830 m 6002 ft.
Route:ca. 22 km
Access to start point:Mit dem ÖV: Zug bis Sarnen / Bus bis Melchtal, Dorf
Access to end point:Gleicher Weg umgekehrt. In der Saison fährt der Bus ab Stöckalp, wobei der Fahrplan zu beachten ist.

Der Arnigrat gehört zweifelsohne zu den Klassikern unter den Voralpen-Gratwanderungen. Im engen Sinn handelt es sich um den gut 1.5 km langen Grat zwischen dem P.2028 und dem Wandelen. Nimmt man aber den Weg vom Höch Dossen bis zum Heitlistock unter die Füsse, kommt man in den Genuss einer ca. 5 km langen Gratwanderung, von der mehr als die Hälfte der Strecke stets über schön schmale Grasgrate führt. Dabei werden zahlreiche Aufschwünge und Gipfelchen überschritten.

Mit den ÖV empfiehlt es sich, den Start in Melchtal und das Ziel bei der Stöckalp zu wählen (andere Varianten sind möglich). Da zum Zeitpunkt meiner Begehung noch der Fahrplan für die Zwischensaison gültig war, fuhr das Postauto nur bis Melchtal, Dorf. Deshalb musste ich als Ausklang der Wanderung den Rückweg von der Stöckalp zurück nach Melchtal zu Fuss bewerkstelligen.

Hilfreicher Begleiter bei der Planung war der *herrvorragende Bericht von Felix, dessen Lektüre sich nur schon wegen den schönen und aussagekräftigen Bildern lohnt.

Melchtal - Büel - Lehbergwald - Oberebnet (T2)
Morgens um 08:15 starte ich bei der Haltestelle Melchtal, Dorf. An der Kirche vorbei gehe ich dem Wanderweg folgend über Treppen hinab zur Melchaa, welche mittels einer schmalen Brücke überquert wird. An den Häusern bei Büel vorbei führt ein unscheinbarer Pfad an den Bach, der sich aus dem Büelgraben ergiesst. Dem Bach kann man nun auf breitem Weg ein Stück aufwärts folgen, bis ein Wegweiser "Ebnetalpen" nach rechts weist. Auf eher unauffälliger Wegspur wird der Bach sogleich überquert, danach geht es auf einem teils stark überwachsenen Pfad durch den schönen Lehbergerwald. Der Wanderweg scheint nur wenig unterhalten zu sein. Oft ist die Pfadspur schmal. In Abschnitten durch Weiden verliert sie sich bisweilen fast vollständig. Markierungen sind nur sporadisch vorhanden. Der erdige Weg führt durch einige steilere Flanken, was eine Begehung bei Nässe vermutlich zu einem unangenehmen Unterfangen macht.

Bei den Alpen Unterebnet und Oberebnet angelangt verliere ich den Weg kurz vollständig und laufe direkt zur Fahrstrasse hoch, um dieser folgend nach Oberebnet zu gelangen. Das Alpgebäude ist mit grossen Kuhglocken geschmückt. Einige Restwolken und frische Quellwolken zieren den feuchtegeladenen Himmel. Ich bade mich bereits im Schweiss.

Oberebnet - Ebnetzüg - Chaltibrunnen - Schafberghüttli - Höch Dossen (T2)
Weiter geht es nun via Ebnetzüg nach Chaltibrunnen P.1428. Es wird gerade am (vermutlich neuen) breit angelegten Strässchen gebaut. Deshalb ist dieser Abschnitt wenig reizvoll. Den Abzweiger direkt neben einem kleinen Gebäude gilt es nicht zu verpassen. Anschliessend geht es gut markiert in zahllosen Serpentinen durch Wiesen und lichten Wald bis zum Schafberghüttli hoch. Der Aufstieg ist heute äusserst schweisstreibend wegen der schwülen Luft.

Von der Hütte aus zweigen gleich mehrere Wege in verschiedene Richtungen ab. Ich wähle denjenigen nach Nordosten, der später in einer Kurve ausholend zum kleinen Sattel zwischen dem P.1877 und P.1885 führt. Der Wegweiser dort ist mit "Höch Dossen" beschriftet, was natürlich nicht ganz stimmt. Der Höch Dossen ist der P.1885. Zunächst mache ich aber einen kurzen Abstecher zum nördlichen Ausläufer P.1877, von wo man einen schönen Blick zum Sarnersee geniessen kann (ca. 5 Minuten retour). Nun beginnt die lange und langersehnte Gratwanderung!

Höch Dossen - Hohmad (T4-)
Wieder zurück beim Wegweiser folge ich einigen schwachen Tritten auf den kleinen Aufschwung unmittelbar daneben. Gleich beginnt ein schmaler und leicht exponierter Grat, der hier noch mit einigen Bäumchen bewachsen ist. Nach dem langen Aufstieg ist es ein seltsames Gefühl plötzlich auf Grasmessers Schneide zu stehen. Immer schön auf der Gratschneide - manchmal an Bäumchen vorbei - geht es zum P.1885, dem Höch Dossen, den ich als solchen gar nicht erkenne. Der Wanderweg würde eigentlich weiter unten in der Nordflanke verlaufen. Auf dem Grat ist es aber definitiv schöner.

Kurz nach dem Höch Dossen folgt eine einfach zu erreichende Senke, wo rechts ein steiler schrofiger Aufschwung wartet. Felix und Ursula haben diesen überstiegen. Ich umgehe ihn dem Wanderweg folgend auf der linken Seite, denn oben drauf ist der Aufschwung doch ziemlich stark bewachsen. Sogleich gewinnen vorhandene Trittspuren wieder den Grat, und weiter geht es bis zur Hohmad, die durch eine Stange mit Gipfelbuch markiert ist.

Hohmad - P.1987 - P.2028 - Astelhorn (T4-)
Kurz nach der Hohmad würde der Wanderweg den Grat unter Verlust von ca. 80 Höhenmetern nach Südwesten verlassen. Ich bleibe jedoch weiterhin auf dem Grat und folge den vorhandenen Begehungsspuren in Richtung P.1918. An einer Stelle versperrt ein grasbewachsener Felskopf den Weiterweg. Diesen kann man vermutlich rechtsseitig umgehen (Spuren). Ich entscheide mich ihn direkt zu übersteigen wie Felix und Ursula. Durch steiles Gras steige ich über gute Tritte auf den oben recht schmalen und mit zahlreichen Blumen geschmückten Kopf hinauf. Hier versorge ich die Stöcke (hätte man besser vorher machen sollen), denn der exponierte Abstieg erfordert Handeinsatz. Den Abstieg vom Felskopf über ein schmales felsiges Gratstück (ca. 2m) und eine kurze Kraxelstelle (ca. 1.5 - 2m) empfinde ich als den schwierigsten und unangenehmsten Teil der gesamten Tour. Rein gefühlt wird hier knapp die T5 erreicht. Danach geht es sofort wieder einfacher in eine kleine Scharte hinab und über einige kleine Aufschwünge hinweg via P.1918 der markanten Erhebung P.1987 entgegen.

Auf schönem Gratabschnitt kann nun der P.2028 erreicht werden, wo der eigentliche Arnigrat beginnt. Wie auf der gesamten Überschreitung ignoriere ich manchmal die leicht in der Flanke verlaufende Wegspur und überschreite die meisten einfachen Aufschwünge direkt auf der Schneide. Oft lässt es sich dort sogar besser gehen. Eine Seite des Grates fällt oft einige Meter fast senkrecht ab.

Traumhaft präsentiert sich das Herzstück vom Arnigrat vor mir, und ich freue mich schon auf die Überschreitung der zahlreichen Erhebungen auf dem schmalem Grasgrat. Einen felsigen Aufschwung umgehe ich der Pfadspur folgend. Er wird belagert von einem Schneehuhn, das ich nicht stören möchte. Auf der gegenüberliegenden Seite fällt der Aufschwung in brüchigem Gestein steil ab. So bin ich froh, dass ich ihn nicht mitgenommen habe. Kurz darauf, ca. beim P.1972 begegnet mir ein Pärchen, das gerade vom Astelhorn her kommt. Es wird heute die einzige Begegnung bleiben bis kurz vor der Stöckalp. Steil geht es nun dem Astelhorn entgegen. Von weitem sah es fast unbezwingbar aus. Von nahem ist es erstaunlich einfach zu erklimmen.

Astelhorn - Wandelen (T4-)
Ich spüre schon etwas die vielen Aufstiegshöhenmeter und die zahlreichen kleinen Grataufschwünge in den Beinen. Zuerst überlege ich, auf dem Astelhorn Mittagsrast zu machen. Wie ich aber von dort das Gipfelkreuz mit Bänklein auf dem Wandelen sehe, gibt es kein Halten mehr. Noch einmal geht es schmal weiter, bis sich der Grat wieder etwas verbreitert und auf eine nächste kleine Schlüsselstelle zusteuert. In brüchigem Gestein führt der Weg beim P.2069 in Kurven ausholend etwas ausgesetzt in eine kleine Scharte hinab. Danach ist der Wandelen schnell und einfach erreicht. Ich geniesse die verdiente Rast und stärke mich mit dem mitgeführten Proviant, während ich die dunstige und dampfende Aussicht geniesse.

Wandelen - Wengenhorn - Wandelen (T2)
Heute bin ich schon fast übermotiviert und nehme zusätzlich noch die Überschreitung zum Wengenhorn in Angriff (retour ca. 80 Höhenmeter). Es handelt sich dabei wohl um eines der unspäktakulärsten Unterfangen in den zentralschweizer Voralpen. Dem sanften W-Grat folge ich hinab zum Sattel P.2060, und dann wieder hinauf zum Gipfel. Einzig der am Boden liegende Stacheldrat stört etwas. Wie häufig bei unmittelbar benachbarten Gipfeln ist auf dem Wengenhorn alles ganz anders als auf dem Wandelen. Regenbogenfarbene Einhörner, fliegende Schweinchen, ganz fern am Horizont der Kilimanjaro. Immerhin hat man eine schöne Sicht auf den Sarnersee. Eine alte Feuerstelle zeigt, dass man es sich hier gemütlich machen kann. Eigentlich müsste man nicht bis ganz zurück zum Wandelen, denn es gibt einen Weg in der Flanke. Mich hat aber die Gratwut gepackt, und ich möchte keinen Meter verschenken :-).

Wandelen - P.2050 - Heitlistock (T3)
Vom Wandelen steige ich dieses Mal in Richtung Süden ab. An ein paar Gratzacken vorbei geht es dem P.2050 entgegen. Dieser kann (zu Beginn recht steil) direkt über die Kante erreicht werden. Der auf der Karte eingezeichnete Weg ist vor Ort nur schwach zu erkennen. Vom P.2050 geht es wieder ein Stücklein hinab, bis der lange rampenartige Grasgrat zum Heitlistock erreicht wird. Der prächtige Gipfelsteinmann war schon von weitem zu erkennen. Auf deutlichen Spuren laufe ich unweit der Abbruchkante bis zum Gipfel, wo ich nochmals eine gemütliche Pause einlege.

Heitlistock - P.1970 - Innenbach - Stepfen - Stöckalp (T3)
Vom Heitlistock gehe ich via SW-Grat hinab zum Sattel beim P.1970. Dabei kann ich es nicht lassen, noch schnell einen Abstecher zum Vorgipfel zu machen. Es lohnt sich mindestens ein Stück weit diesem entgegenzugehen, denn die Einsicht in die Abbrüche vom Heitlistock ist spektakulär. Zuoberst wird der Vorgipfel schmal und etwas exponiert. Der Weg hinunter zum Sattel führt durch steiles Gras, ist aber gut gangbar. Beim Sattel (eigentlich nicht genau beim P.1970) führt ein Wanderweg durch eine Rinne hinab in Richtung Alp Innenbach. Der Durchschlupf ist leicht zu finden. Danach geht es weglos oder auch breiten Wegen entlang hinab zu den Alpgebäuden.

Von dort aus zweigt nach einem kurzen Gang in Richtung Nordost der Wanderweg zur Stöckalp ab. Zuerst führt er (an einer kurzen Stelle sogar mit Fixseil ausgestattet) steil hinab zum Innebach. Dem Bach folgend geht es nun in wilder Landschaft talauswärts, Mehrere Male wird der Bach ohne Brücken überquert, manchmal verläuft der Weg sogar kurz im Bachbett. Beim P.1529 verzweigen sich die Wege in Richtung Chlisterli und Stepfen. Ich nehme den Pfad zur Alp Stepfen. An einem schattigen Ort setze ich mich ein Weilchen auf einen Stein um abzukühlen. Die feuchte Luft lässt den Schweiss selbst beim Abstieg fliessen. Bald schon ist die schöne Alp mit vielen Schafen erreicht.

Der Wanderweg ändert nun nochmals seinen Charakter und wird recht abenteuerlich. Eine mit Geländern gesicherte Querung führt in den Wald hinein, wo sich der Weg in sehr steilem Gelände hinabwindet. Die zahlreichen Holzgeländer und Drahtseile, die vor Absturz sichern sollen, machen einen teils recht verfallenen Eindruck. Hie und da liegen sie am Boden. Der Weg selbst ist aber mit der nötigen Vorsicht gut zu begehen. Manchmal helfen kurze Treppen. Der wilde Wald beeindruckt. Nach einer letzten langen Treppe einer Felswand entlang legt sich das Gelände, und es geht gemütlich weiter durch Wald und später Wiesen bis zur Stöckalp, die ich über ein kurzes Stück auf der Teerstrasse erreiche. Noch herrscht Zwischensaison-(nicht)Betrieb. Und so kann ich meine fast aufgebrauchten Trinkvorräte leider nicht aufstocken.

Stöckalp - Melchtal (T2)
Der Wanderweg nach Melchtal beginnt beim untersten Parkplatz nach Überqueren des Bachs über ein Brücklein. Es folgt eine gemütliche Talwanderung an einigen Alpen vorbei, zuerst auf schönem Wanderweg, später auf einer breiten Schotterstrasse. Stets ist der Weg gut angeschrieben. Diesen Teil der Wanderung habe ich bei der Planung eher als notwendiges Übel betrachtet, schlussendlich hat sich dieser Ausklang einer langen Wanderung als durchaus schönes Erlebnis herausgestellt. Dennoch freue ich mich, wie ich wieder Büel erreicht habe, und nur noch über die Brücke zur Postautohaltestelle zurücklaufen muss. Diese erreiche ich 20 Minuten vor Abfahrt der letzten Verbindung. Auch in Melchtal haben Dorfladen und Restaurant geschlossen, was den Bahnhofskiosk in Sarnen umso mehr freuen wird.


Der Arnigrat ist in der gewählten Variante eine recht lange aber lohnende Tour. Besser als ein heisser Sommertag ist wohl der Herbst geeignet. Zum Zeitpunkt meiner Begehung war auf 2000m Höhe der Bergfrühling in vollem Gange. Dementsprechend war der Grat mit tausenden von Alpenblumen verziert, was sehr schön war. Ich habe mich beim Fotografieren der Blumen stark zurückgehalten, sonst wäre ich vermutlich noch heute auf dem Grat - total ausgehungert. Faszinierend ist, dass es trotz schmalem Grat fast keine Kraxelstellen gibt, sondern stets einfaches Gehgelände vorherrscht. Wie genau man sich an die Gratschneide halten will, ist dabei jedem freigestellt. Auch wenn die Schwierigkeiten nicht allzu gross sind, sollte man dennoch schwindelfrei sein für diese Wanderung.

Hike partners: Chrichen


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Comments (4)


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Stevo47 says:
Sent 28 June 2017, 09h10
Toller Bericht mit äusserst genussreicher Bildstrecke - Hammer! Danke und bis bald, Steve

Chrichen says: RE:
Sent 28 June 2017, 17h33
Hi Steve!
Vielen Dank! Die Wanderung ist übrigens noch viel länger als die Bildstrecke :-). Bin schon gespannt auf unsere nächste gemeinsame Tour!
Viele Grüsse, Christian

roger_h Pro says:
Sent 28 June 2017, 18h18
Coole Sache der Arnigrat, war ich schon lange nicht mehr. Wird wieder mal Zeit!

Gruss
Roger

Felix Pro says:
Sent 29 June 2017, 09h52
dein schöner Bericht hat mich gern erinnert an unsere damalige Gratbegehung - eine sehr lohnenswerte Tour; danke auch für die Blumen ;-)

lg Felix


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