Pizza Grossa 2939 m - Das Gewitter, das nicht kam...


Published by Ivo66 Pro , 3 June 2017, 19h20.

Region: World » Switzerland » Grisons » Oberhalbstein
Date of the hike: 3 June 2017
Hiking grading: T4 - High-level Alpine hike
Waypoints:
Geo-Tags: CH-GR 
Time: 7:15
Height gain: 1750 m 5740 ft.
Height loss: 1750 m 5740 ft.
Route:Tinizong - Pensa - P. 1913 m (Motta d'Err) - Ragn da Cotschna - Parnoz - Südgrat - Pizza Grossa - Ostgrat - P. 2666 m - Ragn da Cotschna - Tinizong
Maps:1:25'000 Savognin

Im Jahre 2011 haben wir auf der Pizza Grossa ein Gipfelbuch deponiert. Da ist der Drang gross, früh im Jahr zu diesem tollen Gipfel aufzusteigen, um nachzuschauen, wie das Büchlein den Winter überstanden hat. Der Berg liegt praktisch vor unserer Haustüre, aber dennoch über 1700 Höhenmeter darüber.

Letzten Herbst haben wir eine ziemlich direkte Route über den Südgrat entdeckt; diese wiederholten wir heute und erreichten den Gipfel nach gut 4 1/2 Stunden Aufstiegszeit. Ab etwas über 2000 m. ü. M. ist der Aufstieg durchwegs steil und erfordert dementsprechend viel Kraftaufwand. Dafür ist man hier mit grösster Wahrscheinlichkeit immer alleine unterwegs. Das Gipfelbuch - es hatte die Winterruhe in einwandfreiem Zustand hinter sich gebracht - berichtet von um die 10 Einträgen pro Jahr. Platz hat es noch für mehrere Jahrzehnte. Wir waren im 2016 die Letzten und im 2017 die Ersten - nicht ganz unerwartet.

Heute galt die Aufmerksamkeit nicht nur der Route, sondern vor allem dem Wetter, welches einen ziemlich labilen Eindruck machte. Schon früh am Morgen bauten sich mächtige Quellwolken auf und die Wetterprognosen waren bezüglich des Zeitpunktes der Gewitter sehr vage. Also galt es, immer wieder den Himmel zu beobachten und einen Blick auf das Wetterradar zu werfen. 

Das Gewitter kam nicht, auch wenn es im Abstieg über den Ostgrat ganz leicht zu tröpfeln anfing. Dies reichte aber nicht einmal aus, den warmen Schiefer etwas anzufeuchten. Der Bergfrühling im Oberhalbstein ist weit fortgeschritten; es ist bis weit hinauf bereits grün, und am Südgrat blühte der Alpenmannschild bis auf 2900 m. ü. M. hinauf mit seinem unverkennbaren Duft nach Honig. Die Bergseen befreien sich allmählich vom Eis - es ist angerichtet: Das Oberhalbstein hat bereits Sommersaison und niemand merkt es...   

Routenbeschreibung:

Tinizong - Südflanke Pizza Grossa (T2)

Auf markierten Bergwegen, vielerorts auch auf Fahrsträsschen erreicht man P. 1913 m in einer Kurve bei der Motta d'Err. Wir verliessen hier das Strässchen und stiegen direkt entlang dem Fusse der Pizza Grossa in östlicher Richtung weiter auf, bis die Südflanke einen Aufstieg jenseits der steilen felsdurchzogenen Hänge zuliess.

Südflanke / Südgrat - Pizza Grossa (T4)
In einem Rechtsbogen stiegen wir über steile Grashalden hoch, östlich von P. 2400 m zwischen einigen Felsen hindurch. Weiter oben wird das Gelände wieder weniger steil, bäumt sich dann aber vor dem Beginn des eigentlichen Südgrats nochmals etwas auf. Wir stiegen immer etwas nach Gefühl auf; man ist in der Routenwahl weitgehend frei und erblickt schon von weit unten die anzupeilende Gratroute.

Allmählich geht das Gelände in Schutt über und bald sind auch einfache Felsen zu durchsteigen. Ab und zu kommen die Hände zum Einsatz, das meiste ist aber Gehgelände und die Steilheit ist ziemlich konstant.

Wo sich der Südgrat mit dem Ostgrat vereinigt, steigt man nach links weiter über den fast flachen Schlussgrat und erreicht ohne Schwierigkeiten den Gipfelsteinmann.

Pizza Grossa - Ostgrat - P. 2666 m (T4)
Man kehrt auf dem Schlussgrat zurück, folgt dann aber der offensichtlichen Route über den Ostgrat, wobei man sich vorwiegend südlich des Grats aufhält. Es sind einige Steilstufen in brüchigem Gelände zu meistern, besonders ausgesetzt ist es aber nirgendwo.

P. 2666 m - Furnatschs - Ragn da Cotschna (T3)
Zunächst steigt man über Schutt und Geröll, später durch steiles Gras auf beliebiger Route in den Talboden bei Cotschna ab. Dort kann man dem markierten Bergwanderweg, vorwiegend auf Fahrsträsschen, nach Tinizong folgen.

Hike partners: Ivo66, Lena


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Comments (4)


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Primi59 says:
Sent 5 June 2017, 13h15
Hoi Ivo
darf ich dich fragen wo du das Gipfelbuch gekauft hast, ich mache jeweils beim Schilt den "Buchwechsel" und kaufe dann irgend ein gutes Buch das auch gut in den Behälter passt, allerdings ist das nicht so einfach, entweder zu dick, zu gross, zu klein usw. gibt es irgendwo so etwas wie eine "Anlaufstelle" ?

lg
Priska

Ivo66 Pro says: RE:
Sent 5 June 2017, 20h16
Hoi Priska

Für mich ist fast entscheidender, in welches Behältnis das Gipfelbuch kommt. Ich verwende immer die klassische Militär-Gamelle. Die Büchlein kaufen wir jeweils in der Papeterie. Da gibt es Büchlein in allen möglichen Grössen... Eine Gamelle bietet genügend Platz und vor allem auch Luft, was sehr wichtig ist. In Graubünden muss ein Gipfelbuch schon mindestens 50 Jahre überleben können...

Liebe Grüsse
Ivo

Primi59 says: RE:
Sent 6 June 2017, 10h57
Hoi Ivo

Danke für deine Antwort, ja klar muss es in den Behälter passen sonst ist alles vergebens. Ich hab auch einigen Jahren eine Gamelle platziert mit einem Buch das wirklich gut passte, leider hat jemand die Gamelle nicht richtig verschlossen, jedenfalls war das Büchli durchnässt, zum Glück hatte ich ein neues dabei :-)
50 Jahre, in der Gamelle ? das ist unglaublich lange, bei "meinem" Berg reicht es für knapp ein Jahr, je nach Besucher.....

liebe Grüsse
Priska

Ivo66 Pro says: RE:
Sent 6 June 2017, 18h22
Hoi Priska

Ja, das ist immer ärgerlich, wenn jemand keine Sorge zum Buch trägt (bzw. die Gamelle nicht richtig schliesst...).

"Meine" Bündner Berge werden tatsächlich sehr selten bestiegen - im Schnitt kommen pro Jahr etwa 5 - 15 Einträge hinzu. Daher die Hochrechnung auf 50 Jahre...

Liebe Grüsse
Ivo


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