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Jonkershoek Twins 1515 m


Published by basodino , 1 May 2017, 18h49.

Region: World » South Africa
Date of the hike:23 April 2017
Hiking grading: T5- - Challenging High-level Alpine hike
Climbing grading: II (UIAA Grading System)
Waypoints:
Geo-Tags: ZA 
Time: 8:30
Height gain: 1400 m 4592 ft.
Height loss: 1400 m 4592 ft.
Access to start point:via Stellenbosch via Jonkershoek Road bis ins Nature Reserve, Gate öffnet ab 7.30 Uhr, Permit dort erhältlich, Achtung: Gate schließt um 18.00 Uhr
Access to end point:siehe oben
Accommodation:an der Route keine
Maps:keine

Vor 20 Jahren stand ich schon einmal vor den Jonkershoek Twins. Wenn man diese Felszähne vor sich aufragen sieht, möchte man sie auch besteigen. Das war vor 20 Jahren so und ist so geblieben. Damals war ich bewaffnet mit einer Beschreibung in Afrikaans, welches ich nicht sprechen oder verstehen kann und ohne brauchbare Landkarte, aber mit viel Enthusiasmus. Im Heftchen gab es aber eine schlechte Schwarz-Weiss-Aufnahme, die den Einstieg der Routen kennzeichnete. Wie sich jeder vorstellen kann, scheiterte das Unternehmen und zwar schon nach gut 1,5 Stunden, da ich den Einstieg nicht finden konnte.

17 Jahre später habe ich versucht im Vorfeld der Südafrikareise 2014 diese Tour zu organisieren. Aber entweder waren die Menschen, die ich kontaktierte, nicht fähig oder willens mir weiterzuhelfen. Die Tour auf die Twins blieb mir verwehrt.

Im Jahr 2017 fand ich 5 Tage vor Abflug heraus, dass meine Cederbergpläne nicht aufgehen würden, da durch ein Buschfeuer ein Drittel des dortigen Gebietes gesperrt war, was zu einer hektischen Internetrecherche am späten Abend führte. Obwohl ich gar nicht nach Touren ausserhalb der Cederberge suchte, stolperte ich über ein Angebot eines lokalen Bergvereines, der die Tour auf die Twins am 23.04. anbot. Ich habe sofort eine Email geschrieben und innerhalb von 2 Stunden waren Tourinette, LionsHead und ich angemeldet. Bestätigung kam um 0.30 Uhr. Wow, manchmal fällt einem etwas vor die Füsse, was man sonst mit großer Anstrengung nicht erreichen konnte.

Die Tour selber fordert aber dann doch einiges ab. Tourinette war immer noch leicht verschnupft und nach der gestrigen Tour aus dem Rennen. LionsHead musste nach 2,5 Stunden wegen müder Beine aufgeben. Ich wollte es mir aber nicht nehmen lassen.

Vorab vielen Dank an Anton, der zur Tour eingeladen hat, und mich mitgenommen hat, obwohl ich leicht erkennbar der Langsamste der Gruppe sein würde. Es fanden sich 12 weitere Aspiranten ein, vom Trailrunner bis zum erfolgreichen 7-Summits-Bergsteiger. Dagegen würde ich nicht viel aufbieten können, ausser der Versicherung, dass ich es schon irgendwie schaffen würde.

Die Tour begann gleich mit einer Abzweigung direkt hinter der Gate nach links, um durch eine Abkürzung auf eine Forststraße zu kommen. Nach ca. 4 Minuten hatten mich die anderen bereits abgehängt, da sie mit einem Mordstempo abgingen, während ich noch nach dem Rhythmus suchte. Apropos Rhythmus, das sollte noch ein Thema werden.
Nach 20 Minuten bogen wir auf eine Spur ab, die entlang eines Baches durch ein stark bewachsenes Tälchen aufwärts führte. Schnell stellte sich heraus, dass dies nicht lange unser Weg sein würde. Als eine Mountainbikeabfahrt unseren Weg kreuzte, nahmen wir diese auf, und gingen diese trotz erheblichem Risiko von schnell abfahrenden Mountainbikern bis ca. 620 m hinauf. Dort findet sich für das geübte Auge eine schwache horizontale Spur, die ähnlich dem Contour Path am Tafelberg, das gesamte Tal durchläuft. Hier bogen wir nach rechts ab und gingen weiter bis zu zwei bewaldeten Rinnen, an denen sogar Wasser erhältlich war. In der Schnittstelle des Contour Paths und des zweiten Baches (des rechten, wenn man von unten auf den Berg schaut), machten wir eine erste kurze Pause. T2, 1 h 30 min

Nicht schlecht staunte ich, als Anton genau hier ohne ersichtliche Spur eben diesen Bach empor stieg. Der Bach als solches verschwindet bald oberhalb. Was bleibt, ist eine mit Steinen jeglicher Größe (Kiesel bis Kleinbus) durchsetzte Rinne (Bachbett), die auch immer wieder durch Bäume und Sträucher verstellt ist. Wenn man in den ersten Minuten noch manchmal eine Spur erahnen mag, ist das später nicht mehr möglich. Diese Rinne stiegen wir gut 400 Höhenmeter hinauf. LionsHead musste nach einer Stunde umdrehen, da seine Beine ihm deutlich zeigten, dass es heute vielleicht nicht ganz reichen würde. Eine Viertelstunde später erreichte ich das Ende der Rinne. Man zweigt nach rechts auf ein sehr steiles, breites, mit hohem Gras bewachsenes Band (ca. 1.020 m), wo es für die anderen eine zweite Pause gab, für mich eher einen kurzen Stop. T4+, 1 h 35 min (für mich +10 Minuten)

Man quert weiter hinauf bis zu einer Schulter, über die man nach links in eine Art Rinnenverschneidung kommt. Diese steigt man links der Furche bis ganz nach oben auf. Ist sie unten noch grasig, wird sie im mittleren Teil fast komplett felsig. Einfache Kletterei bis II ist gefragt und ein Fehler würde hier nicht trivial enden. T5-, II, 0 h 45 min

Man überschreitet eine Art Scharte und steigt jenseits wenige Meter ab. Man kehrt zurück in die Rinne vom Anfang, wobei man den Grund aber nicht mehr erreicht, sondern rechts über Bänder, Balkone und Terrassen aufsteigt. Hier wurde es richtig mühsam. Im Prinzip gibt es ab dem Contour Path kaum mehr Phasen, wo man rhythmisch mit selbst gewählten Schrittgrößen ansteigen kann. Das Gelände zwingt einen andauernd zu hohen, manchmal ZU hohen Schritten. Die Hände greifen hin und wieder an den Fels, häufiger aber auch in ein Dornengebüsch. Und die Sonne scheint nun gnadenlos vom Mittagshimmel. Der Anstieg wurde für mich zur Tortur. Ohne Rhythmus zieht es mir doch schnell den Stecker. Eine gefühlte Ewigkeit später erreichte ich einen Sattel, den Tiefpunkt zwischen den beiden Twins (ca. 1440 m). T4, 0 h 55 min

Ab dem Sattel beruhigt sich das Gelände sichtlich. Man biegt nach rechts ab und vermutet sich beinahe auf einer Spur. In selbst gewählten Kehren und über niedrige Felsstufen erreicht man bald den Gipfel. Das Gipfelsignal steht nicht auf dem Gipfel, sondern etwas tiefer, wo es aber vom Tal aus besser gesehen werden kann. Der Gipfel enthält in einer Holzkiste ein Gipfelbuch. T3, 0 h 15 min.

Die gewählte Aufstiegsroute heißt Sentralekloof im afrikaansen Führer. Der anstehende Abstieg ist unter dem Namen Nerinakloof beschrieben.

Anton gewährte mir eine halbe Stunde Pause, die ich auch wirklich nötig hatte.

Danach ging es wieder hinab zwischen die beiden Twins. Den niedrigeren Nordgipfel haben wir uns geschenkt. Ich war ganz auf Abstieg eingestellt, aber den gab es so schnell noch nicht. Zunächst umrundeten wir den Nordgipfel gegen den Uhrzeigersinn, was schon ganz kleine, aber in den Muskeln spürbare Gegenanstiege enthielt. Danach stiegen wir zwar in eine sehr schmale Rinne ab, verließen diese aber gleich wieder rechts aufwärts über ein schmales Band, um zu einem Felsbogen (Fenster) zu gelangen, den man auch durchkraxelt. Dahinter geht es noch ein wenig über die Felsen, bevor man sehr steil nach links in eine kleine Scharte absteigt, von der nach rechts eine Rinne abfällt, die man hinabsteigt. Hier findet sich eine ganz kurze Kletterstelle (I-II). Danach in verbranntem und bröseligem mit Felsen durchsetzen Gelände hinab zu einer zweiten Rinne, die breit nach links abfällt. Hier erreichten wir erstmals wieder Schatten. T4+, I-II, 1 h 30 min

Der Rinne folgt man überraschend einfach über eine teilweise wegähnliche Anlage bis die Rinne schmaler und stärker bewachsen wird. Nun noch durch wilde Farne und über einige Stufen hinab, in eine schmale und sehr dunkle Furche (manchmal Wasser). In diesem Abstieg war ich zum ersten Mal nicht der letzte. T3+, 35 min

Zu meiner Überraschung wählt der Weg nun ein schmales Band und steigt an. Man muss wieder hinauf auf eine Schulter und von dort hinab in eine zweite weit weniger ausgeprägte Rinne, durch die ein regelgerechter Weg hinabführt. Nur finden sich auch hier viele Stufen am Stück (durch Rundhölzer befestigt), die pro Schritt zwischen 40-60 cm nach unten führen. Letztlich wird man nach rechts in weniger steiles Gelände hinausgeführt und einige Minuten später erreicht man wieder den Contour Path. T3, 30 min

Von hier stiegen wir über eine schwache Spur direkt zu einer Forststraße, folgten dieser nach rechts und nahmen die Mountainbikeabfahrt wieder auf, die uns bis nahe der Gate führte. T2, 50 min

Letztlich hatte ich als Langsamster der ganze Gruppe das Ziel in 9 h 58 min erreicht bei einer Gehzeit von 8 h 40 min. Uns war die Wanderung angekündigt worden als "möglicherweise andauernd bis in die Dunkelheit". Das konnte ich verhindern, denn um 17.51 Uhr waren es noch 25 min bis zum theoretischen Sonnenuntergang.

Mit sehr müden Beinen aber innerlich einer sehr hohen Zufriedenheit wurde ich von LionsHead abgeholt. Nicht jeden Tag kann man ein Kapitel beenden, welches 20 Jahre vorher begonnen hatte.

Hike partners: basodino, LionsHead


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