Einmal hinauf und um den Sodenberg (481 m) herum - Adonisröschen, Basalt und ein paar Steilhänge


Published by DiAmanditi , 11 May 2017, 21h06.

Region: World » Germany » Westliche Mittelgebirge » Rhön
Date of the hike: 9 April 2017
Hiking grading: T2 - Mountain hike
Waypoints:
Height gain: 500 m 1640 ft.

Vor etwa einem Jahr waren wir in Arnstein nördlich von Würzburg unterwegs, da fiel uns ein Tafelberg in der Ferne auf, der ganz und gar nicht in die Umgebung passte. Also fuhren wir ein paar Wochen später wieder nach Arnstein, um dem Geheimnis nachzugehen. Es folgte eine wilde Fahrt in die vermutete Richtung unseres Rätselberges, bis wir schließlich vor diesem standen und auf der Karte den Namen desselben lasen: Sodenberg. Für eine ausgedehnte Wanderung reichte die Zeit nicht mehr, für eine kurze Ersteigung jedoch schon. Und schon bald merkten wir, dass der Berg mehr zu bieten hat, als man eigentlich denkt. Einmal sind das nämlich zweifelsfrei die Adonisröschen, die im Naturschutzgebiet Gans ziemlich häufig vorkommen und deswegen überregional bekannt sowie das weniger bekannte, aber sehr beeindruckende ehemalige Basaltwerk Sodenberg, das einen knapp 100 Meter tiefen Krater in der Nordflanke bildet. Desweiteren sind dadurch tolle Steilhänge mit Neigungen bis zu 45° entstanden. Das Basaltvorkommen ist auf die Rhön zurückzuführen, die vor allem aus diesem Gestein besteht und deren Berge sich auf der anderen Seite des Saaletals erheben. Doch wenn der Sodenberg nicht zur Rhön gehört, wozu dann? Das ist schwierig zu sagen, denn eigentlich liegt der Sodenberg jenseits der Fränkischen Saale und befindet sich demnach nicht mehr in der Rhön, jedoch ist er mit 481 Metern mit großem Abstand höher als die umliegenden Erhebungen und gehört geologisch auch eher zur Rhön. Wie dem auch sei, der Sodenberg hat so einiges zu bieten und schon kurz darauf hatten wir beschlossen, unbedingt noch einmal wiederzukommen.

Beim ersten Mal hatten wir den Sodenberg von Morlesau aus in Angriff genommen, nun haben wir uns die idyllisch am Ufer der Fränkischen Saale liegende Roßmühle als Ausgangspunkt ausgesucht. In der dortigen Gaststätte kann man sich auch sehr gut stärken. Nun beginnt der Anstieg zunächst nach Weickersgrüben. Hierzu steigt man über eine Wiese nahe des Parkplatzes zu einem Weg knapp jenseits des Waldrands auf, dem wir unterhalb eines schönen bemoosten Blockfeldes folgen. So erreichten wir bald den kleinen Ort Weickersgrüben, wo es bald über Wiesen und dann durch den Wald unterhalb des Sodenbergs weitergeht. An einer Kreuzung wählten wir den rechten Weg, um zum Südhang zu queren. Im Wald sahen wir außerdem einen Schwarzspecht und machten eine interessante Beobachtung, die uns bislang noch nie aufgefallen ist, nämlich, dass Buchenkeime eine besondere, den erwachsenen Buchen überhaupt nicht ähnelnde Blattform haben (siehe Fotos). Nach einiger Zeit verließen wir den Wald und gelangten auf die Felder am Südhang. Hier liegt das Gut Sodenberg, welches für die meisten Wanderer Ausgangspunkt einer Tour in diesem Gebiet ist und es somit ab jetzt belebter wurde.

Denn im Trockenrasen der "Gans" wachsen die berühmten Adonisröschen. Doch bevor wir diesen einen Besuch abstatteten, besuchten wir den auf 415 Metern Höhe gelegenen höchsten Punkt der Gans, von dem man eine vorzügliche Aussicht ins Hügelland des Maindreiecks und die Rhön hat. Nun wollten wir aber endlich die Adonisröschen sehen, die sich etwas unterhalb ausbreiten. Und kaum waren wir die ersten Meter bergab gegangen, sahen wir auch schon die ersten. Wirklich wunderschön sind diese Blumen, vor allem, da sie hier zusammen mit der Küchenschelle in sehr dichten Beständen wachsen. Dementsprechend ist hier auch sehr viel los, was aber kein wirkliches Problem istt. Ein weitaus weniger beachtetes, aber durchaus interessantes Ziel liegt direkt neben dem Trockenrasen: Das heilige Kreuz auf dem Sodenberg. Es wurde einst hier von Gisela von Thüngen aufgestellt und um 1515 durch Philipp von Thüngen erneuert. Mit der Aufstellung dieses Kreuzes verbindet sich folgende Sage:

Einst lebte im Schloss von Rieneck der junge Ritter Gerhard. Entgegen der Sitte, die ihm von der stolzen Familie der Rienecker vorgeschrieben wurde, stieg er öfters vom Schloss hinab und vergnügte sich mit den Menschen und war auch sonst immer freundlich und fröhlich gesinnt, was seinen stolzen Verwandten überhaupt nicht gefiel. Zudem besuchte er oft das Schloss Burgsinn, welches damals im Besitz der Thüngener war, die kaum etwas mit den Rieneckern zu schaffen hatten, da letztere sich für etwas Besseres hielten. So kam es, dass sich Gerhard in Gisela, die Tochter des Herrn von Thüngen verliebte und deshalb bei ihrem Vater um die Hand der Geliebten warb. Dieser stimmte zwar zu, Gerhards Vater aber wollte das nicht zulassen. Der Herr von Thüngen wurde wegen dieser Beleidigung wütend auf alle Rienecker - auch auf Gerhard - und schickte Gisela auf die Burg Kilianstein am Sodenberg, damit sie für immer von ihrem Geliebten getrennt sei. Einige Jahre später kam die Nachricht ins Land, dass Gerhard bei einem Kreuzzug ums Leben gekommen sei. Daraufhin ließ Gisela bei der Gans ein steinernes Kreuz errichten, um dem Verstorbenen zu gedenken und den Herrgott zu bitten, sie mit ihm im Tod zu vereinen. Ihr Gebet wurde erhört und bald verschied auch sie aus dem Leben. Das Kreuz steht allerdings heute noch und spendet dem Wallfahrer in schweren Zeiten Trost.


Der nächste Höhepunkt der Wanderung ist das ehemalige Basaltwerk Sodenberg. Wie schon zu Anfang beschrieben ist der Sodenberg teils aus Basalt aufgebaut, der zusammen mit der Rhön aus erloschenen Vulkanen entstanden ist. Um den Basalt zu gewinnen, grub man ab 1904 eine 70 Meter tiefe Senke in den Berg, bis die Steinschlagsgefahr zu groß war, um weiterzuarbeiten. Durch den Bergbau verschwand auch die Burg Kilianstein, die auf dem vorher 506 Meter Gipfel des Sodenbergs stand. Mit der Zeit eroberte die Natur sich das Bergwerk zurück und so ist die Grube jetzt teils mit Bäumen bewachsen und unter Steinmassen begraben, hat aber von ihrer Tiefe recht wenig eingebüßt. Der heute existierende Krater entspricht in etwa dem Vulkankrater, da dort der meiste Basalt zu finden war. Kurz gesagt ist das Bergwerk durch seine Felswände im Gegensatz zu den sonst sanft geformten Hügeln einfach nur gewaltig und hat meiner Meinung nach eigentlich mehr Bekanntheit verdient.

Ob sie durch den Basaltabbau, die damit zusammenhängenden Aufschüttungen oder auf natürliche Weise entstanden sind, ist mir nicht bekannt, jedenfalls gibt es ein paar Meter weiter einige recht steile Grashänge, die natürlich von mir sogleich erkundet werden mussten. Für die meisten Wanderer mag dies ein unwichtiges Detail sein, ich jedoch finde derartige Landschaften sehr interessant. Nachdem wir hier kurz verweilt hatten, ging es endlich an die Besteigung des Sodenbergs, welche leider schlecht ausgeschildert ist und der eigentliche Gipfel auch nicht als solcher erkennbar ist. Durch mehrere Schneisen links des Wanderweges nähert man sich dem höchsten Punkt, ihn zu finden ist dann noch einmal eine Schwierigkeit für sich, denn der Sodenberg ist eigentlich ein Doppelgipfel und die Information unserer Karte stimmte nicht mit unserem Empfinden und der Karte des bayerischen Vermessungsamtes überein. Der höchste Punkt und damit der eigentliche Gipfel liegt jedenfalls nach unseren Erkundungen ca. 30 m östlich der idillysch gelegenen Waldkapelle Sodenberg. Von hier hat man leider keine Rundumsicht, kann aber in Richtung Norden die Rhön erkennen und hat einen Tiefblick in das nahe Basaltwerk. Nach einem weiteren Abstecher, um sicher zu gehen, dass wir den Gipfel nicht verpasst haben, machten wir uns an den Abstieg über einen kleinen Forstweg, welcher bald auf die schon vorher erwähnte Kreuzung trifft. Ab hier ist es nicht mehr weit und so ist man schnell wieder im Saaletal an der Roßmühle angekommen.

Schwierigkeiten:
Meist T1, manchmal auch knapp T2

Fazit:
Der Sodenberg ist ein ziemlich interessanter Berg, der in vielerlei Hinsicht ein lohnendes Ziel ist. Auf dieser Route kommt man an den meisten sehenswerten Orten vorbei, sodass ich die Tour wirklich empfehlen kann.


Hike partners: DiAmanditi


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