Bernia Gratüberschreitung (über den Ostgipfel zum Hauptgipfel)


Published by hikemania , 1 April 2017, 21h28.

Region: World » Spanien » Valencia » Alicante
Date of the hike:26 March 2017
Hiking grading: T5 - Challenging High-level Alpine hike
Climbing grading: V- (UIAA Grading System)
Waypoints:
Geo-Tags: E 
Time: 8:00
Height gain: 1000 m 3280 ft.
Height loss: 1000 m 3280 ft.
Route:von den Casas de Bernia zum Brunnen (Font del Bernia), ab Tunnel Wegspuren und verwaschene rote Punktmarkierung zum Ostgipfel und weiter zum Westgipfel, retour via Forat de Bernia und einen um den Rücken laufenden Wanderweg
Access to start point:Von Alicante auf der AP 7 kommend, Abfahrt 63 Richtung Benissa, nach dem Ort rechts Richtung Xalo und an der ersten Kreuzung links Richtung Pinos. Nach einigen Kilometern und dem Ort Pinos kommt an einer Kreuzung links bereits das Restaurant Casas de bernia in den Blick. dort parken
Maps:Rockfax Costa Blanca

Im Kletterführer Costa Blanca von Rockfax sind neben Mehrseillängen und Sportkletterei auch ein paar Grate aufgeführt. Der längste ist dabei die Cresta di Bernia. Bei diesem Grat kommt für mich alles angenehme zusammen:

• Kurzer Zustieg von ca. 1 Stunde
• Anhaltende Kraxelei im ersten bis 2. Grad, dabei auch luftige Passagen, die größtenteils durch gebohrte Haken entschärft werden können. Cams, Schlingen und Keile können ebenfalls gut gelegt werden, da der Bernia-Kalk (ähnlich wie in Dollstein im Altmühltal) recht wasserzerfressen ist und damit sowohl Risse, als auch Taschen und Köpfel zur Absicherung bietet
• ein kurzes technisches Stück mit Kletterei im gehobenen 4. Franzosengrad (ca. 5 UIAA), welches aber so gut gesichert ist, dass man sich mit zwei 120er Schlingen und zwei Schraubern klettersteigartig selbst sichern kann.
• Auf dem Grat ist die Wegführung an fast allen kritischen Punkten durch verblasste rote Markierungen gegeben.

Im deutschsprachigen Netz fand ich exakt 0 Ergebnisse zu diesem Grat. Auf Summitpost war wenigstens die Ridge Traverse zu finden. Über Ukclimbing kam ich dann zu Ryan Glass, welcher eine sehr ausführliche Topo veröffentlicht hatte.

Dieses deckt sich im Wesentlichen mit der Kurztopo im Rockfax Führer.

Hier kurz der Verlauf, Details bei den Bildern:

• Von den Casas de Bernia Richtung Ostgrat gehen (gleicher Weg wie zum Tunnel), auf dem Fahrweg links halten bis zur Quelle Font de Bernia, dort rechts (weiß gelb markiert) über einen deutlich aber teilweise schuttigen Pfad zum Tunnel, direkt vor dem Tunnel zweigt links ein Steiglein ab in Richtung Ostgipfel.

• Auf dem Steiglein gleich zu Anfang die ausgesetztesten Stellen Richtung Rücken. Nach 50 m Gehgelände in Serpentinen bis zum Rücken.
• Dort rechtshaltend in tlw. deutlich ausgesetzter Kraxelei (bis 2. Grad, T5) zum Ostgipfel
• Unterhalb des Ostgipfels wartet ein extrem ausgesetztes Stück mit (beinahe) Reitgratfinale (kann über eine 120er Schlinge, welche einmal verlegt wird, gut selbstgesichert werden, alternativ abseilen oder zu zweit Vorstiegssicherung)
• Danach straffes Kraxelgelände bis zu einer eingerichteten Abseilstelle (abkletternd soll die 20 m-Wand etwa im 6. franz. Grad liegen, beim Abseilen durch die steile bauchige Wand habe ich allerdings keine Lösung in dem Grad gesehen (ggf. wird nicht im Seilverlauf abgeklettert, sondern plattig dem Gratverlauf folgend)
• Danach plattig auf Reibung der linken Gratseite folgend bot sich schöne Kraxelei und ein paar derbe Abstiege (Tritte mussten häufig mit dem Schuh gesucht werden)
• Beiden drei Finnen (siehe Fotos) nah der rechten gehen, bis rechts der hintere Teil der Finne erklettert werden darf.
• Das Kletterstück (4.-5. Grad) ist keine 10 m lang, allerdings ist bei dem der Wand folgenden Messergrat (Handtraverse) die gebotene Trittleiste zu fein für Bergschuhe, sodass ich für diese paar Meter Kletterschuhe anzog.
• Weiter dem Grat folgend warten luftige 2+ Kletterstellen ubd ein abweisender Kaminabstieg auf einen breiteren im März grünen Platz (siehe Bilder), dort zog ich die Kletterschuhe wieder aus und die Bergstiefel an.
• Ab hier längere Kraxelpassagen bis zum Wandbuch der Berniaüberchreitung (leider lagen nur zugekritzelte Zettel im Kasten. Von hier Abstieg über eine glatte Rampe, versehen mit Löcher und horizontalen Dellen (2. Grad).
• Ein Fixseil hift nach einem Pfad beim Ablettern durch eine rampige Verschneidung.
• Bei der breiten Scharte streng geradeaus in eine 2-er Verschneidung und rauf auf den Wetstgipfelgrat. Dieser ist deutlich breiter als der Weg vom Ostgrat, wobei immer wieder kleinere Kraxelpassagen (tlw. mit Fixseil oder Ketten gesichert) warten.

ACHTUNG: Im Track läuft der Weg am Portixol nach rechts weiter (und später wieder zurück, da ich mich nach der Rockfax-Beschreibung ab Portixol möglichst rechts gehalten hatte. Leider hatte ich vergessen, dass der Westgipfel zwar von Osten kommend i.W. auf der rechten Seite begangen wird, aber eben erst nach einem "steep Gully".
Im übrigen ist der Verhatscher nicht sonderlich empfehlenswert, da nach wenigen Minuten gut gangbarem Gelände nur noch lose Schuttrampen kamen (schwache grüne Markierung, später nur noch Steinmärrer).

• Der weitere Wegverlauf ist logisch, dennoch ab und an rote Punktmarkierungen. Nach einigen falschen Gipfeln folgen noch weitere Kraxeleinheiten und der Westgipfel ist erreicht.

• Abstieg weiter Richtung Westen und tlw. schuttig zu einer Linkswendung (nicht verpassen, rechts wirds schnell heikel)
• Nach einer letzten Kettensicherung ging es auf gutem Fels im Zickzack bergab (jederzeit das verfallene Fort de Bernia im Blick. Nach einer längeren Geröllabstiegseinlage ging ich über einen guten Pfad, später Weg um das berniamassiv zurück zur Casa de Bernia (der Laden ist berühmt für seine Paella, die Pfannen auf den Tischen ragten zu beiden Seiten über die Tische. Man sollte zum Essen spätestens 14:00 Uhr dort sein, sonst gibts nichts mehr zu essen)

Zusammenfassung:
Aufgrund der gut absicherbaren Schwierigkeiten auf dem Grat hatte ich großen Spaß an dem Grat. Nur im Kletterstück bei den drei Finnen waren Tritte speckig, ansonsten lag sehr rauer Kalk.

Eingesetzte Ausrüstung:
50m-Einfachseil (die Abseilstelle wird mit 22 bzw. 25 m angegeben)
Gurt
Abseilgerät
zwei 120 cm Schlingen nebst Schraubkarabienern
Kletterschuhe
Bergschuhe
Sonnencreme LSF 50

in Zweierseilschaft können ein paar Exen und ggf. Keile+Friends nicht schaden.




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Comments (8)


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dominik says: Sierra de Bernia
Sent 2 April 2017, 12h02
Salutti

Hast wohl Google nicht genug bemüht: Ich war im Frühling 2016 mit meinem Kumpel Olli dort (Hier sein Bericht - etwas nach unten scrollen!). Wir haben es auch ohne Keile, Friends und Kletterfinken geschafft :-)

Kann die Tour absolut empfehlen. Vor allem die Haifischfinnen sind schon sehr cool zum ansehen und beklettern!

LG,
Dominik

hikemania says: RE:Sierra de Bernia
Sent 2 April 2017, 13h28
Sers Dominik,

In Deinem Bericht kam ich nur bis zur Magic Mystery Tour und hatte dann im Kletterführer gegengelesen...

Tatsächlich brauchte ich auch kein Tradgerödel, beim Gewicht des 70 m Seils war das Zusatzgewicht der Keile&Co. aber auch schon egal.

Die Tour war schon sehr eindrücklich. V.a. Die Spanier mit Sneakern am Westgipfel (sie kamen zwar schlecht vorwärts,sind oft gerutscht, hatten aber dennoch alle ihren Spaß.

Grüße aus Franken,

Der Andi

dominik says: RE:Sierra de Bernia
Sent 3 April 2017, 19h22
Hey Andi

War Ollis Bericht so langweilig oder so anregend, dass Du gleich zum Rockfax übergegangen bist? :-)

Magic Mystery ist schon sehr geil, allerdings ist das mit dem Einstieg so ne Sache, wenn man "ins Unbekannte" an einem 80m hohen Kliff abseilt...

Liebe Grüsse
Dominik

hikemania says: RE:Sierra de Bernia
Sent 3 April 2017, 21h18
Nabend Dominik,

der Bericht war eine schöne Anregung. Ich wünschte mir aber eine Topo, da vornherein klar war, dass ich allein gehen würde.

Darf ich fragen, wie ihr den ersten Einstiegstritt (ein feines Kalkspitzchen auf 50 cm)mit Bergstiefeln rauf gekommen seid? Mit ca. 15kg im Rucksack könnte ich die ersten beiden Tritte nur heikel halten (Lowa Tibet). Mit Kletterschuhen war es dagegen recht gut zu stehen.

In die Trittleiste der Handtraverse kam ich, wie schon geschrieben, nur mit Kletterschuhen. Seid ihr den piazend gequert?

Die Magic Mystery haben wir gar nicht angeschaut. In Mula ,Redovan, Crevillent und Cartagena hatten wir genug vor der Nase.

Grüße

dominik says: RE:Sierra de Bernia
Sent 3 April 2017, 21h42
Uff, da fragst Du mich jetzt was... Ich hab die La Sportiva Ganda Guide angehabt und bin halt einfach hoch; allerdings mit dem Vorteil, dass Olli mich gesichert hat. Du bist ja solo durch!

Bin es von meinen Touren her auch gewohnt, in schweren steigeisenfesten Schuhen zu klettern (Bisher bis ca. 5b) und habe da wenig Berührungsängste :-)

Liebe Grüsse
Dominik

hikemania says: RE:Sierra de Bernia
Sent 3 April 2017, 22h32
Gut möglich, dass die Erfahrung den Unterschied macht. In Franken würde ich die meißten 5er (uiaa) nicht in Bergstiefeln hoch kommen. Alpine Kletterei ist für mich eher selten angesagt.

Grüße

dominik says: RE:Sierra de Bernia
Sent 4 April 2017, 17h32
Musst es halt einfach trainieren :-) Ich kletter regelmässig einfachere Routen im Klettergarten in Zustiegs- oder Bergschuhen um in der Übung zu bleiben. Bin auch schon in MSL auf diese Art eingestiegen und als es mir nach ein paar SL zu schwierig wurde, habe ich halt auf die Kletterfinken gewechselt.

Gerade einfachere Grattouren kletter ich lieber in festen Schuhen, statt stundenlang die Füsse in den engen Kletterfinken vor sich hinschmoren zu lassen. Und die Wahrscheinlichkeit, dass man sich im Eifer des Gefechts irgendwo die Zehen anschlägt, sinkt extrem hahaha



hikemania says: RE:Sierra de Bernia
Sent 4 April 2017, 22h24
Klar, Übung bringts. In Franken latsche ich im Sommer in Crogs zum Fels, da geht nicht mal ein 4er. In steigeisenfesten Schuhen klettert sichs m.E. Wunderbar. Die wären für heimische Verhältnisse allerdings die absolute Hardwareüberdosis im Zustieg....

Ich werde im Sommer hoffentlich noch ein paar Grate können. Der "Pause Im leichten Fels" liegt auch schon zu lang ungenutzt rum...

Grüße


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