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Piz Scalotta 2992 m - Über den wilden Nordgrat


Published by Ivo66 Pro , 24 September 2016, 20h38.

Region: World » Switzerland » Grisons » Oberhalbstein
Date of the hike:24 September 2016
Hiking grading: T5 - Challenging High-level Alpine hike
Waypoints:
Geo-Tags: CH-GR 
Time: 5:45
Height gain: 1300 m 4264 ft.
Height loss: 1300 m 4264 ft.
Route:Bivio - Sur Ragn - Plang - P. 2425 m - Muntognas digls Lajets (P. 2867 m und P. 2904 m) - P.2850 m - Nordgrat - Piz Scalotta - Val Gronda - Radons - Bivio
Maps:1:25000 Bivio

Der Piz Scalotta ist ein Berg, der vorwiegend im Winter bestiegen wird und mitten im populären Skitourengebiet von Bivio beheimatet ist. Die Winterroute durch das lange Val Gronda ist im Sommer aufgrund des vielen Gerölls eher mühsam zu begehen. Bei unseren bisherigen Ausflügen auf die benachbarten Muntognas digls Lajets haben wir schon oft den weiteren Gratverlauf ins Auge genommen, der schliesslich als Nordgrat auf den Piz Scalotta hinaufführt. 

Die Schwierigkeitsbewertung im SAC-Clubführer dieser im letzten Abschnitt steilen Route lautet "BG", was nicht ohne weiteres eingeschränktes Vergnügen garantiert. Auch der Umstand, dass die Route erst im Jahre 1915 erstmals begangen wurde, lässt darauf schliessen, dass uns kein Spaziergang erwarten würde. Das war aber auch nicht das Ziel der heutigen Unternehmung, denn dieser schöne Herbsttag verlangte nach einer attraktiven Besteigung. Auf hikr.org. ist die Route bisher nicht beschrieben worden und sie dürfte im Allgemeinen sehr selten begangen werden; es finden sich keine Spuren menschlicher Begehungen.

Der anstrengendste Teil der Tour war aber nicht der anspruchsvolle Nordgrat selbst, sondern der Zustieg zu demselben. Man muss sich - vom nördlichen Dorfausgang von Bivio ausgehend - nach Verlassen des markierten Bergwanderwegs regelrecht durch steile Halden mit abwechslungsweise hohem Gras, Geröll, hartnäckigem Gebüsch aus Alpenrosen und Wachholder hochkämpfen - eine sehr kraft- und zeitraubende Angelegenheit, die sich aber dennoch lohnt, erwartet einen doch eine sehr attraktive und aussichtsreiche Gratüberschreitung mit Kletterei im 2. Schwierigkeitsgrad in durchaus passablem Fels.

Der Nordgrat macht einen abweisenden, düsteren Eindruck mit seinem schwarzen Gestein und ich hielt es zunächst für wenig möglich, dass unser Aufstieg von Erfolg gekrönt wurde. Schon der Aufstieg zu P. 2904 m durch steile, brüchige Felsen verlangte doch einiges an Konzentration und einen guten Tritt - jene Stelle ist in der Routenbeschreibung des SAC-Clubführers nicht einmal erwähnt; die Schlüsselstelle wartete also noch.

Nach einem ziemlich abenteuerlichen Ausflug in die abschüssige Westflanke beim Einstieg in den Schlussteil aus dem Sattel von P. 2850 m richtete sich der Nordgrat ziemlich steil auf. Aber genau an den steilsten und ausgesetzteren Stellen präsentierte sich der Fels recht gutmütig für diese Gegend und die Kletterei bot viel Spass. Zuletzt einfacher als erwartet gelangten wir auf den Gipfel. Der Kletterschwierigkeitsgrad II wird nirgendwo überschritten.

Nach kurzer Rast traten wir den Abstieg über die Winterroute nach Bivio an. Im oberen Teil ziemlich mühsam über steiles Geröll waren wir hier froh um die Routenkenntnisse und gelangten auf der Idealllinie auf den vom Stallerberg nach Bivio herab führenden markierten Bergwanderweg.

Routenbeschreibung:

Bivio - Sur Ragn (T2)
Wir starteten vom nördlichen Dorfrand bzw. etwas ausserhalb (Parkmöglichkeiten an der Julierpassstrasse im Bereich der Brücke bei P. 1762 m), überquerten die Strasse und folgten dem markierten Bergwanderweg (gelber Wegweiser). Bald wechselt man bei einer Abzweigung die Richtung und folgt der Route nach Nordwesten, wo man sanft ansteigend die Maiensässsiedlung Sur Ragn erreicht.

Sur Ragn - P. 2425 m (T4)
Man folgt dem kleinen Strässchen eingangs der Siedlung nach Südwesten und erreicht die letzten Hütten bei Plang. Nun wird es sehr unbequem: Wir kämpften uns durch hohes Gras, Geröll und Sträucher nördlich des Bachs "Eva Cheda" in westlicher Richtung die steilen Hänge hoch. Das Gelände wird ab ca. 2200 m. ü. M. sanfter und wird dann auch gut begehbar. In der Routenwahl ist man frei. Weglos gelangt man in die Gegend bei P. 2425 m.

Aufstieg zu P. 2867 m (Muntognas digls Lajets) T3
Über Grashänge, zwischendurch einfache Schrofen, gelangt man auf offensichtlicher Route über eine Art Grasrippe zu P. 2867 m, wo unsere Gratüberschreitung begann.

Weiter zu P. 2904 m (Muntognas digls Lajets) T4+
Nach einfachem Abstieg über Gras steigt man durch brüchige Felsen recht steil Richtung P. 2904 m auf. Eine offensichtliche Route ist kaum auszumachen, man ist in der Wahl frei, tut aber gut daran, Untergrund und Griffe auf ihre Festigkeit zu prüfen.

Abstieg zu P. 2850 m (T4)
Man steigt dem Grat entlang ab. Einen felsigen Abschnitt kann man beidseits umgehen - wir umgingen die erste Stelle ostseitig und stiegen in der Folge über den gut gestuften Felsgrat oder in dessen Nähe zur Einsattelung ab.

Aufstieg über den Nordgrat zum Piz Scalotta (T5)
Den ersten Grataufschwung umgingen westlich in steilem Schuttgelände. Auch anschliessend wichen wir etwas weiter in die Westflanke aus mit kurzem, heiklen Abstieg über schmale Bänder, um in der Folge durch eine steile Rinne zum Grat zurückzukehren.

In der Folge hielten wir uns stets auf der Gratschneide, die schöne Kletterei in passablem Fels bietet. Die Schwierigkeit II wird dabei nicht überschritten. Es sind zwei Steilaufschwünge und ein ziemlich ausgesetzter felsiger Abschnitt zu meistern. Im oberen Teil wird der Grat wieder einfacher, man könnte dort die letzten Schwierigkeiten in der schuttigen Westflanke umgehen.

Piz Scalotta - Bivio (durch das Val Gronda) T3
Auf der Skiroute stiegen wir nach Bivio ab. Man hält sich in der weglosen Val Gronda dort, wo es am wenigsten unbequem scheint. Es sind einzelne Steinmännchen und sogar (allerdings inoffizielle) weiss-rot-weisse Wegmarkierungen vorhanden. Auf dem vom Stallerberg herkommenden markierten Bergwanderweg gelangt man einfach zurück nach Bivio.

Hike partners: Ivo66, Lena


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