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Piz dal Ras 3028 m - Ein wilder Berg in einer wilden Umgebung


Published by Ivo66 Pro , 19 August 2016, 20h53.

Region: World » Switzerland » Grisons » Basse Engadine
Date of the hike:19 August 2016
Hiking grading: T5 - Challenging High-level Alpine hike
Waypoints:
Geo-Tags: CH-GR 
Time: 7:30
Height gain: 1580 m 5182 ft.
Height loss: 1580 m 5182 ft.
Route:Strasse (Susch - Zernez) westlich der Holzbrücke P. 1447 m - P. 1483 m - God Sassella - Alp Mundeis - Mundeis P. 2415 m - Ostflanke - P. 3011 m - Südgrat - Piz dal Ras P. 3028 m
Maps:1:25'000 Zernez

Der Piz dal Ras ist kein bekannter Berg und wird selten bestiegen, vorwiegend von Einheimischen. Aber jeder, der über den Flüelapass fährt und einen Blick auf die Berge südlich des Tales auf der Engadiner Seite wirft, der wird von ihm beeindruckt sein. Immer wieder ist er uns bei unseren Ferienfahrten ins Unterengadin ins Auge gestochen und früher oder später wollten wir ihm einmal einen Besuch abstatten.

Ein Blick in die Landkarte verrät, dass die Zustiege zu diesem schroffen Gipfel von der Distanz her zwar nicht sehr weit sind, aber vorwiegend in unwegsamem Gelände verlaufen - insbesondere markierte Bergwanderwege versucht man in dieser Gegend vergeblich. Auch die Höhendifferenz ist beträchtlich. Und gerade dies macht den Reiz seiner Besteigung aus: Man ist stundenlang in einer einsamen und ursprünglichen Gegend unterwegs, ohne je einem Menschen zu begegnen und dies, obwohl sich der Gipfel nur etwas mehr als 1 Kilometer Luftlinie von der Flüelpassstrasse befindet.

Schon früh morgens trafen wir am Ausgangspunkt der Tour ein, mit den Wetterprognosen im Kopf, welche einen prächtigen Tag versprachen. Im Unterengadin herrscht aber ein eigenes Klima, welches ab und zu seine eigenen Wege geht, denn gerade bei unserem Eintreffen begann es zu regnen. Wir warteten fast eine Stunde ab und starteten unseren Aufstieg durch den klatschnassen Wald. Kurze Zeit später traf erneut eine Regenzelle ein, die uns aber nicht besonders störte, denn der Himmel schien allmählich aufzureissen. Oberhalb der Waldgrenze waren die Felsen und Geröllblöcke bereits abgetrocknet, wenn auch die Sonne nicht gerade ihr bestes gab und die Wolken den ganzen Tag am Himmel Vorherrschaft hatten.

Hat man die einsame Alp Mundeis erreicht, bewegt man sich in einer lieblichen Berglandschaft. Wir verliessen den recht gut ausgebauten Jägerpfad in einem Tälchen und stiegen fortan weglos dem Südgrat des Piz dal Ras entgegen. Beeindruckt traten wir in den riesigen Trichter ein, welcher östlich vom Piz dal Ras selbst flankiert und im Norden sowie Süden durch zwei lange Grate begrenzt ist.

Wir steuerten eine Schwachstelle in der steilen Ostflanke an, kämpften uns über Schutt und Geröll hoch und erreichten schliesslich ziemlich schweissgebadet den Südgrat und bald darauf den Vorgipfel P. 3011 m. Wie erwartet, lag dort der Hauptgipfel noch nicht gerade ums Eck und machte einen ziemlich abweisenden Eindruck. Zu unserer Überraschung bot dann aber die Überschreitung zu P. 3028 m keine besonderen Schwierigkeiten. Stets fand sich ein geeigneter Durchschlupf, so dass wir bald vor dem langen Gipfelkopf standen, welcher einen ziemlich verwitterten Eindruck macht. Aber auch dieser liess sich problemlos überschreiten mit einer etwas kniffligen Stelle unmittelbar vor dem letzten Aufschwung.

Schliesslich standen wir nach einem langen Aufstieg auf dem Gipfel des Piz dal Ras und zogen das kleine, hübsche Gipfelbuch auf der Gamelle. Es berichtet von jährlich zwischen vielleicht 3 und 7 Besteigungen. Leider hat die Gamelle einen kleinen Blitzschaden in Form eines Löchleins an der Oberseite. Wir versorgten es deshalb bewusst, in dem wir das kleine Loch mit einem kleinen Schieferplättchen abdeckten.

Gerade rechtzeitig zur Gipfelankunft hellte es am Himmel etwas auf und die Sonne liess die herrliche Berglandschaft in neuem Glanz erstrahlen. Zeitlich bedingt mussten wir aber bald den Abstieg ins Tal antreten. Diese Tour wird aber aufgrund ihrer wilden Ausstrahlung unvergessen bleiben.

Routenbeschreibung:

Strasse Susch-Zernez - Alp Mundeis (T2)
Genau 2,1 km nach dem Dorfausgang (Ortsschild) von Susch Richtung Zernez befindet sich auf der westlichen Strassenseite eine Parkmöglichkeit. Von dort führt eine Forststrasse (Fahrverbot) in den Wald. Man folgt dieser und behält auch bei der Verzweigung P. 1483 m die Richtung. Nach der nächsten scharfen Linkskurve beginnt nach etwa 50 m der unmarkierte Steig, welcher dort scharf nach rechts abzweigt. Die Abzweigung selbst ist kaum zu erkennen; man erblickt den Pfad aber mit etwas Aufmerksamkeit bald. Der Steig führt meist recht steil durch den Wald hoch und erreicht bei P. 2019 m die Jagdhütte auf der Alp Mundeis.

Alp Mundeis - Mundeis P. 2415 m (T3)
Der Pfad führt an der Hütte vorbei, immer noch deutlich, und steigt in einigen Kehren hoch, bis er auf etwa 2200 m. ü. M. nach Süden quert und in ein Tälchen einbiegt (der Pfad ist auch hier kaum zu verfehlen). Wir verliessen den Weg unmittelbar nach dem mit etwas Mühe zu querenden Bach und stiegen in westlicher Richtung durch Heidelbeersträucher noch zu P. 2415 m, wo man in die grosse Mulde "Mundeis" eintritt.

Mundeis P. 2415 m - Südgrat P. 3011 m (T4-T5)
Wir stiegen südlich des markanten Felsriegels (P. 2640 m) weiter auf, meist über recht angenehm zu begehendes Grasland mit einigen Geröllblöcken. Erst oberhalb des kleinen Tümpels muss man für kurze Zeit durch etwas umständlich zu begehende Geröllblöcke hindurch steigen. Wir wählten dort anschliessend eine Schwachstelle in den Felsen des Südgrats und stiegen durch eine recht steile Rinne mit viel losem Schutt zum Südgrat auf. Man ist in der Routenwahl ziemlich frei und wählt nach Möglichkeit die am wenigsten unangenehm scheinenden Varianten. Der Aufstieg über den hier breiten Gratrücken zu P. 3011 m ist dann ziemlich gemütlich.

P. 3011 m - Hauptgipfel (T5)
Von P. 3011 m steigt man dem plattigen Grat entlang ab. Er sieht von oben wilder aus, als er es in Wirklichkeit ist. Den nächsten markanten Aufschwung kann man problemlos in der Westflanke umgehen. Vor dem Gipfelaufbau senkt sich der Grat nochmals; man kann dort durch eine fast senkrechte, etwas brüchige Steilstelle (rechts) absteigen oder diese Stelle links, etwas ausgesetzt umgehen. Der Gipfelaufbau sieht ziemlich zertrümmert aus, besteht aber aus recht festem Fels. Wir stiegen vom Grat ausgehend durch eine Art Rinne etwas nach rechts hochziehend auf - auch hier gibt es viele Varianten. Den letzten Felszacken vor dem Gipfel kann man beidseitig umgehen (links etwas einfacher, als rechts). Der kurze Schlussaufstieg erfolgt dann in Gehgelände.

Hike partners: Ivo66, Lena


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Comments (2)


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Peter23 says: Perlen im Unterengadin
Sent 21 August 2016, 12h22
Hallo Ivo und Lena
Ganz tolle Touren habt Ihr da bewältigt. Da kommen bei mir schönste Erinnerungen hoch (sogar von gebirgigen Ausflügen im Militär-Tenü).
Beste Grüsse
Peter

Ivo66 Pro says: RE:Perlen im Unterengadin
Sent 21 August 2016, 18h41
Hallo Peter
Ja, es war eine tolle Woche... Wenn schon ins Militär gehen, dann im Unterengadin;-)

Beste Grüsse
Ivo


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