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Überschreitung des Laliderer Falk - vom Blausteig- ins Falkenkar


Published by bula_f , 21 July 2016, 15h22.

Region: World » Austria » Nördliche Ostalpen » Karwendel
Date of the hike:20 July 2016
Hiking grading: T5+ - Challenging High-level Alpine hike
Climbing grading: III (UIAA Grading System)
Waypoints:
Geo-Tags: A 
Time: 10:00
Height gain: 1600 m 5248 ft.
Height loss: 1600 m 5248 ft.
Route:17 km
Access to start point:P6 Rißtal

Der Laliderer Falk ist mit 2.428 m der höchste Gipfel der Falkengruppe. Er wird üblicherweise aus dem Blausteig- oder Falkenkar begangen, wobei beide Routen einen relativ langen Zustieg von den Parkplätzen im Rißtal erfordern und der Gipfel nicht ohne etwas Kraxelei zu haben ist. Aus diesen Gründen ist der Laliderer Falk ein relativ selten besuchter Gipfel. Jedoch lassen sich die beiden genannten Anstiege zu einer Überschreitung kombinieren, die absolut lohnenswert ist.

 

Los geht es am frühen Morgen am Eingang zum Laliderer Tal, in das man ca. 3,5 km in südlicher Richtung hinein wandert. Bald kreuzt der Forstweg den Laliderer Bach und man erreicht die Weidefläche der Gumpenalm. Zur Rechten bauen sich eindrucksvoll die Ostflanken von Toten-, Turm, Laliderer und Steinfalk auf, während links die NW-Wand des Gamsjochs zu beeindrucken weiss. Aus diesem alpinen Ambiente lassen sich durchaus Rückschlüsse auf den Charakter des weiteren Verlaufs der Überschreitung ziehen.

 

Nach der gemütlichen Wanderung bis zur Gumpenalm, geht es bei dieser zur Rechten weglos in einem breiten Bach-/Geröllbett an die Wände und leicht links haltend zu einem vom untersten Boden des Blausteigkars herab fliessenden Wasserfall. Der Wasserfall ist taleinwärts kommend nicht zu sehen, da er hinter einer Felsnase in den massiven Wänden versteckt liegt. Es gilt nun den Steilaufschwung des Wasserfalls zum unteren Boden des Blausteigkars zu gewinnen. Der Fels ist bestens fest und meist gutgriffig (einige Stellen mit abwärts gerichteten Griffen). Ich entschied mich für eine Route auf der Rippe direkt neben dem Wasserfall (Stelle III-). Weiter oben legt sich das Gelände zurück und man folgt dem Bachlauf in einfacher Kraxelei, bis man diesen nach links überquert. Gradeaus zieht das Bachbett zur Ostrampe und dem NO-Grat des Laliderer Falk empor. 

 

Der weitere Anstieg erfolgte über schöne Platten etwas rechts haltend nach oben. Die Umgehung der wenigen Latschen entlang des Bachbetts und der weitere Aufstieg durch einen Ast des Selbigen würde ich nicht empfehlen, da die Kletterei über die Platten (höchstens II) auf direkterem Weg schöner nach oben führt. Nach den Platten durchschreitet man auf wenigen Metern und sehr breiten Gassen die paar wenigen Latschen und gelangt so an das trockene Bachbett, das aus dem oberen Blausteigkar herunter kommt. Ab hier ist der Weg somit vorgegeben. Nach oben wird das Gelände immer blockiger und angenehmer zu gehen. Bald öffnet sich der weite Kessel zwischen Steinfalk und Laliderer Falk und man hält sich nach der Umrundung des Südgratansatzes des Laliderer Falk am besten rechts an den Wänden des Selben. Nun steuert man den Einstieg zur Sprungrinne an, die zwischen der plattigen Südwand und der Westflanke des Südgrats bis knapp unter den Gipfel des Laliderer Falk führt. 

 

Es ist empfehlenswert auf der ostseitigen Begrenzungsrippe der Rinne einzusteigen - nicht nur wegen des massigen Altschneefelds zu Beginn der Rinne -, sondern hauptsächlich weil der Fels hier sehr Spass zu klettern macht. Nach einiger leichterer Kraxelei (bis II) gelangt man zu einem flacheren grasigen Teil unterhalb eines großen Felsblocks. Die Sprungrinne führt links des Blocks weiter nach oben, man kann jedoch auch durch einige Verschneidungen rechts herum in Richtung Südgrat aufsteigen (Stellen bis III). Ich entschied mich für letzteres und kann die Kletterei über schöne Platten und einen gutgriffigen, steilen Aufschwung nur empfehlen. Oben quert man dann über Platten auf den Südgrat und ersteigt den folgenden Aufschwung durch eine Rinne auf der Ostseite des Grats (rechts). Danach befindet man sich in Gehgelände auf dem Südgrat, durchsetzt mit kurzen, einfachen Aufschwüngen, und erreicht bald den Gipfel des Laliderer Falk. Ein herrlicher Blick in alle Richtungen belohnt für die Mühen des Anstiegs.

 

Den Abstieg vom Haupt- Richtung Nordgipfel nahm ich nach wenigen Schritten Richtung Norden in der Westflanke in Angriff. Man steigt in hier leider brüchigem Gestein einige Meter ab und quert dann in die Scharte zwischen den beiden Gipfeln nach Norden. Auf der Südseite des Nordgipfels führt ein Band einfach aus der Scharte auf die Ostseite des Nordgipfels. Man erkennt dieses Band bereits deutlich vom Hauptgipfel aus und gelangt über dieses schnell und unschwierig auf den Nordgipfel.


Von diesem geht es bröselig die weite Flanke zur Scharte vor dem Turmfalk hinab. Ich entschied mich gegen einen Versuch diesen direkt von Süden zu ersteigen, obwohl der mögliche Weg durch eine Rinne auf der Ostseite deutlichst vorgegeben ist. Die Unklarheit über den Abstieg ins weit unten liegende Falkenkar, der von hier aus gehörig respekteinflössend schien, und die Anstrengung des bisherigen Wegs ließen mich die Entscheidung, den Turmfalk lieber in Zukunft mal zu besuchen, schnell treffen. Ich querte in Folge entlang den Wänden des Turmfalks in der Westflanke auf deutlichen Pfadspuren bis in die Scharte zwischen Turm- und Totenfalk. Von hier geht es auf einer grasigen Rippe geradeaus nach unten. Man kommt dann zu einigen Latschen und fängt hier an sich rechts zu halten. Vereinzelt findet man Steinmänner. Ziel ist der linke Rand (Latschen) eines großen Schuttplatzes direkt über den Abbrüchen ins Falkenkar. Von dort quert man ganz einfach waagrecht kareinwärts bis auf den Boden des Falkenkars, das man in seiner Mitte auf einem mit Steinmännern gut markierten Steig verlässt.

 

Fazit und Schwierigkeiten

Man bewegt sich auf dieser Tour größtenteils abseits markierter Wege in absoluter Einsamkeit in häufig unübersichtlichem Gelände. Ab der Steilstufe beim Wasserfall ist man - bis auf einige Stellen in der Sprungrinne - während der gesamten Tour der Sonne ausgesetzt. Am Wasserfall bietet sich auch die letzte Möglichkeit vor dem Falkenkar, die Trinkflaschen zu füllen. In der Sprungrinne herrscht sehr hohe Steinschlaggefahr. Gamsen schossen einige Male große Brocken zu mir runter, so dass ich einen Helm dringend empfehlen muss. Leider schwenkt die Gesteinsqualität in dieser Gehrichtung im Abstieg in das komplette Gegenteil zu den Kletterstellen im Aufstieg um, so dass man weiterhin stets konzentriert bleiben sollte.

 

Jenseits dieser Anforderungen erwarten einen wirklich schöne Kletterei im Aufstieg zum Laliderer Falk in bestem Fels und wundervolle Impressionen in der einmaligen Falkengruppe. Die Anforderungen müssen dabei je nach gewählter Route bis auf eine kurze Stelle III- beim Wasserfall den II. Grad nicht überschreiten. Insgesamt eine sehr lohnende Unternehmung, die ich eher für etwas kühlere Tage empfehlen würde.

P.S. Mein GPS fiel leider ab dem Gipfel des LF aus, deshalb gibt es eine Lücke im Track bis ich dies bemerkte.


Hike partners: bula_f


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Comments (4)


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kardirk says:
Sent 21 July 2016, 17h55
Gratuliere,

zu der klasse Tour. Ich kenne den L.Falk bisher nur aus dem Falkenkar. Der Zustieg aus dem Blausteigkar war mir bisher am Einstiegswasserfall bei einem ersten Versuch dann doch zu zapfig. Muss ich nochmal probieren.

Viele Grüsse
Dirk

bula_f says: RE:
Sent 21 July 2016, 20h25
Hallo Dirk,

danke Dir!

Der Aufschwung am Wasserfall sieht schwieriger aus, als er es dann ist. Ich glaube, dass es direkt an der Rippe neben dem Wasserfall etwas leichter - dafür ausgesetzter - nach oben geht als weiter rechts, etwa in der Verschneidung.

Beste Grüße, Carsten

DHM123 says: Schöne Tour,
Sent 22 July 2016, 16h42
hätte nicht gedacht, dass hier so festes Gestein ist.
Schaut toll und solide aus, recht untypisch fürs Karwendel ;)
Scheint aber eine recht verwickelte Routenführung zu sein. Selbst ausgedacht, oder Führer ?
LG, Detlev

bula_f says: RE:Schöne Tour,
Sent 22 July 2016, 20h47
Hallo Detlev,

danke Dir! Der Fels ist im Aufstieg auf dieser Route echt super, im Abstieg mau, man kommt im Schnitt also auf normales Karwendelniveau ;-)

Teilstücke der Route findet man im Netz und auch hier bei hikr, z.B. den Zustieg ins Blausteigkar. Die Variation nach Osten aus der Sprungrinne zum Südgrat wird im AVF Karwendel als Tour 2282 beschrieben. Die Route des Abstiegs vom Hauptgipfel des LF ist im Aufstieg auf hikr bestens beschrieben. Insgesamt lässt sich sagen, dass im Aufstieg die Wegfindung kein Problem darstellt, dafür muss man etwas höhere technischen Schwierigkeiten bewältigen, im Abstieg war für mich die Wegfindung - besonders wenn man das Gelände nicht vom Aufstieg kennt - die größte Schwierigkeit. Allerdings war das nicht weiter problematisch, man muss sich nur genug Zeit lassen und das Gelände lieber einmal mehr als weniger inspizieren.

BG, Carsten


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