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Nur ein Essay – Ein Ende der Missachtung


Published by detlefpalm, 19 May 2020, 23h14. This page has been displayed 741 times.

Ich kenne ein Spiel, das ich nie verliere. Es liegen Streichhölzer auf dem Tisch, und wer das letzte wegnimmt hat verloren. Man spielt um denjenigen zu bestimmen, der die nächste Runde Bier bezahlt, also zum Beispiel in Berghütten, in schummrigen Hafenkneipen, oder auf Weltreisen wenn das Geld ausgeht. Das Spiel ist simpel und daher attraktiv.

Selbst wenn Einstein höchstpersönlich mir gegenüber sitzt, werde ich nicht verlieren; es wird schlimmstenfalls unentschieden enden, und Einstein und ich bezahlen unser eigenes Bier. Jeder andere kann das auch. Wenn du und ich uns nächstes Mal auf einem Berg oder bei einer Radtour treffen, zeige ich dir wie es geht. Zuerst spielen wir, du bezahlst mir fünf Bier; dann verrate ich dir das Geheimnis.

Vermutlich fragst du dich jetzt, warum ich mit diesem bomben-sicheren Spiel nicht reich geworden bin. Ganz einfach. Spätestens nach fünf Runden hat mein Gegenüber die Schnauze voll, und gibt auf. Das ist ok; mehr trinke ich normalerweise nicht. 

Wer sich bis hier durch den Essay gequält hat, ahnt es schon. Ich gewinne das Spiel, weil ich die Regeln setze. Die Regeln garantieren, dass ich gewinne, egal wie mein Gegenüber tickt.

So funktioniert auch der kürzlich veröffentlichte Post: Initiative für mehr Respekt - Konfliktlösung. Die Regeln, wer was wann in dem Thread sagen darf, kennt nur der Autor. Vier der fünf ‘offiziellen‘ Regeln werden gleich über den Haufen geworfen. Was gut oder richtig ist; ob ein Teilnehmer reflektiert hat oder nicht;  wie der Diskurs zu laufen hat; Vergangenheitsbewältigung; all das entscheidet der Urheber des Posts. Kritik wird gelöscht. Selbst-Moderation verschmilzt zum Meinungsdiktat.

Dabei ist das Anliegen völlig legitim: Hasstiraden und Missachtung in Hikr zu verringern.

Der Wanderer, der trotz Corona-Warnung in die Berge ging, wird als Egoist beschimpft. Der, der die Maßnahmen der Regierung gutheißt, ist plötzlich auch ein Egoist, weil er nicht an die Benachteiligten denkt. Wenn es nach den Bloggern geht, gibt es keinen Ausweg.

Es ist Zeit eine Behauptung aufzustellen: In meiner Wahrnehmung – durchaus anfechtbar – sorgen sich diejenigen am lautesten um die Kommunikations-Hygiene, die sie am meisten verschmutzen. Es gilt Aug um Aug; es schallt in den Wald wie hineingerufen wurde; Unterstellungen (du sagt das nur weil…); Eingriffe in die Privatsphäre (kinderlos…); und Diskriminierung als Flachländer (tatsächlich misst der höchste Berg der Eifel stolze 747 Meter). Ich werde beschuldigt, mich nicht um das Wohl der leidenden Menschen zu sorgen, arrogant zu sein oder klug zu scheißen. Mathematiker sind diese Vorwürfe gewohnt. Ich kann dir versichern: die Präferenz, einen Sachverhalt in einem Diagramm darzustellen, ist kein Zeichen von sozialer Inkompetenz. Und, um der nächsten Eskalation gegenzusteuern: auch Mathematiker haben Sex; sehr guten sogar.

Ein gestriger und prompt gelöschter Kommentar enthielt: if you can’t stand the heat, get out of the kitchen. Ich würde es ähnlich sagen: Wenn du auf die Bühne trittst, musst du damit rechnen vorgeführt zu werden. 

Nichts gegen den manchmal passierenden Ausrutscher. Jeder kann mal übertreiben. Das Internet 2020, und wir alle, können das vertragen.

Aber Missachtung der Persönlichkeit muss enden. Zumindest auf hikr. Wir können unser Missfallen an einem Kommentar oder einer Meinung ausdrücken, ohne die Person zu missachten. Nur weil ich mich in Widersprüche verwickele, ist der andere nicht ein Besserwisser. Jeder Beleidigte hat ein Recht zu erfahren warum er beleidigt wurde. Oder warum sein letzter Kommentar als beleidigend empfunden wurde. Löschen ist nicht cool. Niemand braucht einen Maulkorb; und niemand braucht zu beleidigen. Der Dialog muss weitergehen.


Ich erwarte keine Kommentare. Eventuelle Kommentare werden gnadenlos beantwortet. 



Comments (8)


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Winterbaer Pro says: Ich verstehe es nicht!
Sent 20 May 2020, 00h55
> auch Mathematiker haben Sex; sehr guten sogar.

Shocked

Sag mal, was soll das hier? Geht`s Dir nicht gut?

> Aber Missachtung der Persönlichkeit muss enden. Zumindest auf hikr.
>Wir können unser Missfallen an einem Kommentar oder einer Meinung ausdrücken, ohne die Person zu missachten.

Ich verstehe einfach nicht, was du sagen willst! Du bist der Meinung, dass du hier nie eine Person missachtest? Nur andere missachten deine Person, oder wie?

Es hat in den Coronadiskussionen damit angefangen, dass du Usern als Antwortkommentar immer wieder geschrieben hast: so, das war jetzt dein so und so vielter Kommentar, explizit mit Zahlen belegt. "Lass doch mal diesen Quatsch" ist keine Missachtung von anderen? Beschimpfungen, Beleidigungen, die du aussprichst sind vollkommen in Ordnung? Du provozierst die Leute, bis sie auch mal in der Art antworten und dann beschwerst du dich!?

> Man muss natürlich Denkarbeit leisten. Schon etwas schwieriger als durchgeknallte Thesen auf youtube anschauen.

Sehr respektvoll auch dieser Kommentar:-)

Deine besten und bösesten Kommentare sind wahrscheinlich dem Corona-Löschwahn zum Opfer gefallen.

Das ist bei dir keine Missachtung, das ist Hochachtung, Toleranz oder was?

Ich verstehe deine "mathematischen Gedankengänge" oder was das sein soll nicht!

Du meinst, hier alle, die Admins und andere User beraten zu können, wie sie alles besser machen sollen. Die Admins, wie sie die Seite besser und wirtschaftlicher betreiben sollen und die User, wie sie ihre Berichte optimieren können, nach deinen Maßstäben. Haben dir die Admins auf deine tollen Vorschläge eigentlich jemals geantwortet?
In Diskussionen musst du alle belehren, weißt alleine alles besser.

Dann schau ich mal einen Bericht von dir an, was ich sonst nicht tue: da sind irgendwelche kurzen Texte über irgendeine Ausfahrt mit dem E-Bike und genau zwei Fotos: eins von dem E-Bike, eins von einem Schild. Keine Blume, kein Schmetterling, kein Käfer (müsste es ja bei dir auch welche geben?), nur ein E-Bike und ein Schild. Wohlgemerkt das war ein Vollbericht auf der Hikr. Seite, kein Kurzbericht zum Zwecke der eigenen Tourendoku. Weitere "Berichte" hab ich dann nicht mehr angeschaut.

Das hab ich dann als Antwort geschrieben, weil du auch mich beraten wolltest, was ich bei meinen Fotos und Berichten besser machen sollte. Meintest du wirklich ernsthaft, hier allen anderen zu bestmöglichen Berichten verhelfen zu können? Bist du dann wahrscheinlich auch der Meinung, dass deine die besten wären?
Du meinst, 5 Fotos würden hier für einen Bericht immer reichen. Dazu muss man wirklich nichts mehr sagen, oder?

Und dann ist dem Chaeppi der Kragen geplatzt und er hat von Klugscheißer gesprochen. Dabei hab ich den Chaeppi in all den Jahren hier als äußerst geduldigen, friedfertigen Menschen erlebt. Ich kann mich nicht erinnern, dass der jemals überhaupt ausgerastet wäre.....aber wenn der andere lange genug provoziert, kann so manches passieren. Und dann werden auch die anderen mal persönlich und die Hochachtung ist dahin... Wie du mir, so.....!

Ich verstehe wirklich nicht, was du mit diesem Thread hier willst!

Westfale says: RE:Ich verstehe es nicht!
Sent 20 May 2020, 08h35
Wie ein Tourenbericht auszusehen hat liegt glücklicherweise voll im Ermessen des Erstellers. Genau das ist der Charme von hikr.

Die mir bekannte Bandbreite an Fotos liegt bei zwei bis 500+, z.B. von mong. Wann ein Bericht für andere Leser jenseits des eigenen Egotripps interessant wird, ist dabei schon schwieriger zu beschreiben. Möchte ich mir auch nicht anmaßen.

Westfale says:
Sent 20 May 2020, 08h23
"Der Dialog muss weitergehen."

Über Touren, aktuelle Bedingungen, Ausrüstung usw. sicherlich. Ob jemand kinderlos oder Mathematiker, Kommunist oder Hartz IV Empfänger ist, ist dabei vollkommen deplatziert.
In einem Gipfelbuch habe ich mal einen Eintrag von jemand mit vollem akademischem Titel gesehen. Die darauf folgenden Einträge waren voll des Spotts. Nicht ganz zu Unrecht wie ich finde. Wen interessiert das bei dem sich am Gipfel bietenden Panorama?

"Aber Missachtung der Persönlichkeit muss enden."

Ohne Gefallen hierüber zu empfinden: Selber Schuld, wenn man hier über Politik und gesellschaftliche Themen debattiert. Dann geht's eben zu wie im Tal und nicht wie in gepflegter Gesellschaft am einsamen Gipfel.
Macht jetzt hier jeder seinen eigenen Thread auf um vor dem moralischen Verfall zu warnen? Zurück zu den Wurzeln, würde ich sagen. Dann hat sich das Thema erledigt.

Vielhygler says: Literarische Friedensinitiative
Sent 20 May 2020, 12h27
Wenn man hier klickt, erhält man sofort ein kostenloses und literarisch wertvolles Zufallsgedicht, das man dann z.B. bei Hikr.org als Kommentar verwenden kann.

Genial finde ich, daß der Wikisource - Algorithmus unter den 8000 (!) Kandidaten zufällig immer das am besten in den jeweiligen Zusammenhang passende Gedicht auswählt.

Und jetzt noch der Beweis: Zufall, nimm deinen Lauf, KLICK.....


Das Land der Hinkenden

Autor: Christian Fürchtegott Gellert

aus: Sämmtliche Schriften. 1. Theil: Fabeln und Erzählungen,1769

Vor Zeiten gabs ein kleines Land,
Worinn man keinen Menschen fand,
Der nicht gestottert, wenn er redte,
Nicht, wenn er gieng, gehinket hätte;
Denn beides hielt man für galant.
Ein Fremder sah den Uebelstand;
Hier, dacht er, wird man dich im Gehn bewundern müssen,
Und gieng einher mit steifen Füssen.
Er gieng, ein jeder sah ihn an,
Und alle lachten, die ihn sahn,
Und jeder blieb vor Lachen stehen,
Und schrie: Lehrt doch den Fremden gehen!

Der Fremde hielts für seine Pflicht,
Den Vorwurf von sich abzulehnen.
Ihr, rief er, hinkt; ich aber nicht:
Den Gang müßt ihr euch abgewöhnen!
Der Lärmen wird noch mehr vermehrt,
Da man den Fremden sprechen hört.
Er stammelt nicht; genug zur Schande!
Man spottet sein im ganzen Lande.

Gewohnheit macht den Fehler schön,
Den wir von Jugend auf gesehn.
Vergebens wirds ein Kluger wagen,
Und, daß wir thöricht sind, uns sagen.
Wir selber halten ihn dafür,
Bloß, weil er klüger ist, als wir.

wildchip says:
Sent 20 May 2020, 11h59
Du gibst dir selbst die Antwort. Wenn man die Bühne betritt vor Publikum, muss man bereit sein eine Reaktion zu kriegen.

Wobei Bewertungen subjektiv sind, über den Bewerteten und den Bewertenden gleichermassen etwas aussagen können. Ungeachtet dessen, falls man missachtet wird, hat man aber einen Wert als Mensch. Und der elendste Mensch kann geachtet sein und der edelste kann zutiefst verachtet werden.

Vielleicht neigen Leute die durch Missachtung und Abwertung geschädigt wurden, selbst dazu, dass weiterzugeben. Vielleicht fühlt man sich auch als Opfer, und legt daher Härte und Urteilen an den Tag.

Bitterböse Kritik kann auch irrtümlich, und voreilig geschehen.

Andere widerum glauben, wenn sie inhaltlich sachlich kritisiert werden, oder in nicht angenehmem Ton dass ihr Wert angegriffen würde, oder dass Kritik generell in der Öffentlichkeit fehl am Platz ist.

Dann gibt es jene, die nachtragend sind, und nach Konflikten nicht gut überhaupt noch kooperieren können.

Das ganze endet wenn man sich ausloggt und in den Bergen unterwegs ist. Bzw. wenn irgendwann der Deckel zu geht oder man durch den Schornstein geht.

Jedenfalls wird nichts so heiß gegessen wie es gekocht wird, und man sollte einiges nicht überbewerten.

Die Leute sind auch unterschiedlich, und Interessenskonflikte, und Unterschiedlichkeit und Antipathien gehören doch auch mitunter dazu und sind OK. Manches ändert sich auch mit der Zeit.

Hoppla2020 says: Kommentar auf Schweizerdeutsch
Sent 20 May 2020, 17h28
Mani Matter:

E leu, e blöde siech, e glünggi un e sürmel
Hei einisch zämme krach gha, es risegrosses gschtürm
Wüew dr glünggi het zum leu gseit, är syg e blöde siech
Und dä isch sofort zum sürmel, was ja o nid jede miech
Und er het ihm das verzellt und gseit
Dr glünggi syg e sürmel
Und dr sürmu het's em glünggi gseit
U dä macht druus es gstürm uf
Verzellt's em blöde siech, u wo dä drvo het ghört
Het er gseit zum leu, är syg e leu, und das het dise gstört
Und er haut em blöde siech eis um d'ohre, dass es blüetet
U dr glünggi lauft drzue u gryft jitz ou no y u wüetet
U dr sürmel u dr glünggi u dr leu u dr blöd siech
Hen die ganzi nacht lang gschleglet
Bis am andere morge früech

KraxelMax says: Nimm Spiele
Sent 20 May 2020, 17h44
Achja die guten alten NimmSpiele. Jeder der das ganze selber verstehen will, dem seien John Conways amüsante Ausführungen On numbers and games angeraten. Aber besser als mit Streichhölzern ist das ganze mit Northcotts Army, da nicht ganz so leicht durchschaubar.

Vielhygler says: Noch ein...
Sent 20 May 2020, 18h47
...passendes Zufallsgedicht

Wer nicht auf gute Gründe hört,
dem werde einfach zugekehrt
die Seite, welche wir benützen
um drauf zu liegen und zu sitzen.

Wilhelm Busch


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