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ABoehlen » Gallery » Tags » Geschichte

ABoehlen » Gallery » Geschichte


Slideshow Hot! · Last favs · By Publication date · By Popularity · Last Comment

Versuch einer Rekonstruktion des Bahnhofareals vor dem Bau des Bahnhofs. Der Abstand der Gitterlinien beträgt 100 Meter. Als Grundlagen dienten folgende historische Stadtpläne aus dem Archiv der Burgerbibliothek:<br /><br />- <a href="http://www.query.sta.be.ch/detail.aspx?ID=369141" rel="nofollow"> Bern, Stadtplan: Schützenmatte und stadtwärts (1826)</a><br />- <a href="http://katalog.burgerbib.ch/detail.aspx?ID=106816" rel="nofollow"> Bern, Stadtplan (1844)</a><br />- <a href="http://www.query.sta.be.ch/detail.aspx?ID=369157" rel="nofollow"> Bern, Stadtplan (1857)</a><br />sowie [2, 3, 4]<br /><br />Als aktuelle Gegenüberstellung kann beispielsweise <a href="http://map.geo.admin.ch/?Y=600000.5&X=199799&zoom=10&bgLayer=voidLayer&layers=ch.swisstopo.swisstlm3d-karte&layers_opacity=1&layers_visibility=true&lang=de" rel="nofollow">map.geo.admin.ch</a> verwendet werden.
Für mich eines der schönsten Bilder aus dem alten Bern: Die Aufnahme von 1868 [9] zeigt den Platz "Zwischen den Toren" (d.h. zwischen dem Obertor (Christoffelturm) und dem Murtentor) mit der Rossschwemme und ihrem Springbrunnen, der genau in diesem Jahr in Betrieb genommen wurde. Er zeigte den Druck des neu zugeleiteten Gaselwassers an. Die Rossschwemme wurde hingegen bereits 1625 angelegt, allerdings befand sich schon vorher ein Wasserbecken an der Nordseite des Platzes. [4]<br /><br />Leider erfreute der Springbrunnen die Berner und die Touristen nicht lange. Bereits 1891 wurde die Rossschwemme zugeschüttet und 6 Jahre später an dieser Stelle das Bubenbergdenkmal eingeweiht. Seither heisst der Platz Bubenbergplatz. Das Denkmal musste allerdings 1930 weichen und fand am Nordende des Hirschengrabens seinen vorerst endgültigen Platz. Der Bubenbergplatz wurde in der Folge immer mehr zur reinen Verkehrsanlage und hat damit den Reiz von einst weit gehend eingebüsst.<br /><br />Grosse Springbrunnen gibt es somit längst keinen mehr in Bern, bis auf ein paar temporäre Ausnahmen: Etwa im September 1983, als für drei Tage im Schwellenmätteli eine 60 Meter hohe Wasserfontäne des Künstlers Carlo Lischetti sprudelte [28]. Oder wenn, wie in diesem Frühling, mal wieder ein Fahrzeug einen Hydranten rammt. "Was Genf schon lange als Wahrzeichen hat, hatte Bern für kurze Zeit auch: Einen Jet d'eau", berichtete der "Blick am Abend" [35]. Ansonsten muss man sich mit dem Wasserspiel auf dem Bundesplatz begnügen.
Die Bären aus Granit standen nicht von Beginn weg auf den Flankenpostamenten am Murtentor. Sie wurden dem Obervintschgauer Franz Abart in Auftrag gegeben und 1828 aufgestellt. Nach dem Abbruch des Murtentors 1881 kamen sie vorübergehend zum Aarbergertor, von wo sie 1894 an ihren heutigen Standort am Helvetiaplatz gebracht wurden, wo sie seitdem den Eingang zum Historischen Museum flankieren. [4]
Noch einmal das Murtentor, diesmal aus der Nähe. Da im Bild Burgerspital und Heiliggeistkirche dominieren, scheint sich auf den ersten Blick nicht allzuviel verändert zu haben.
Die obere Aufnahme wird in der Quelle [9] zwar mit 1870 datiert, jedoch stehen gemäss [4] erst seit 1879 die kupfernen Schwäne auf ihren Kandelabern. Wenn das stimmt, bleibt das Zeitfenster für diese Aufnahme relativ klein, denn bereits 1881 wurde das Murtentor abgebrochen und die granitenen Bären ans Aarbergertor versetzt. Die Zufahrt zum Murtentor erfolgte auf einem Damm, der den Graben überquerte, wobei dieser im rechten Teil des Bildes zum Zeitpunkt der Aufnahme bereits aufgefüllt ist. Hinter dem Tor erkennt man die Rossschwemme auf dem heutigen Bubenbergplatz.<br /><br />Der einstige Aufnahmestandort ist nicht mehr erreichbar, denn dort steht heute das Gebäude, welches das "Starbuck's Coffee" beherbergt. Seine Geschichte ist im Bericht erläutert. Das Bubenberg-Zentrum, links im neuen Bild, wurde in den 60-er Jahren anstelle des so genannten Francke-Hauses erstellt, welches seinerseits erst Ende des 19. Jahrhunderts entstand, und daher auf dem oberen Bild noch fehlt.
Obwohl der Aufnahmestandort nicht bei allen Aufnahmen genau identisch ist, eignen sich diese 4 Bilder doch bestens, um eine Zeitreise über rund 170 Jahre zu machen: <br /> <br />1. Um 1840 (das genaue Entstehungsjahr dieser Aufnahme von Andreas Friedrich Gerber ist offenbar nicht bekannt, siehe Kommentar <a href="http://www.hikr.org/gallery/photo789867.html?post_id=50496#1">hier</a>; danke [u marvel]) gab es noch keinen Bahnhof in Bern. Das Gelände des späteren Kopfbahnhofes, welches durch den Abbruch der vierten Stadtbefestigung entstand, wurde Hundsmatte genannt. Bei den Gebäuden im Vordergrund müsste es sich um die Kavalleriestallungen (links, gemäss [4]) und die Salpeterhütte (rechts, gemäss [3]) handeln. Sie wurden im Rahmen der Arbeiten zum ersten Bahnhof 1856/57 abgerissen. Hinter der Salpeterhütte erkennt man Teile des noch heute bestehenden Burgerspitals und des zugehörigen Kapellentrakts. <br /> <br />2. Der 1860 eröffnete Kopfbahnhof mit seinen 4 Gleisen in einer Aufnahme aus den Anfangsjahren [2]. Hinter dem Christoffelturm sind die Arbeiten an der Überbauung des Areals südlich der Schauplatzgasse (1858 - 1872) im Gang [4]. <br /> <br />3. Über 100 Jahre nach dieser Aufnahme war am 25. August 1965 die Parkterrasse bereits fertig gebaut. Dem alten Kopfbahnhof, seit 1891 als Aufnahmegebäude genutzt, stehen zu diesem Zeitpunkt noch 5 Jahre bevor, ehe er endgültig abgerissen wird. In der Bildmitte dominiert der Kapellentrakt und das Burgerspital. Davor sind die Arbeiten an der Perronplatte in Gang. Quelle: <a href="http://www.bahnforum.ch/index.php?page=Thread&postID=413953#post413953" rel="nofollow">Bahnforum.ch</a> <br /> <br />4. Heute stehen von den historischen Bauten noch das Burgerspital und der zugehörige Kapellentrakt. Davor dominieren die Postautostation und die Überdachung, die zur Nordhalle führt. Links das Aufnahmegebäude, seit 2003 mit neuer Fassade.
Vergleich einst und heute im "Berner Bär" [34] mit einer ersetzten aktuellen Aufnahme. Hinter den Bäumen ist das <i>Albert Einstein-Ludwig Schläfli-Institut für exakte Wissenschaften</i> nur knapp zu erkennen. Der "Berner Bär" irrt jedoch, wenn er das alte Gebäude als "alte Sternwarte" bezeichnet. Diese wurde bereits 1876 abgerissen und mit dem Bau auf der oberen Aufnahme ersetzt. Es handelt sich um das Physikalische Institut, welches allerdings im Volksmund - fälschlicherweise - weiterhin "alte Sternwarte" genannt wurde. Mehr dazu im Bericht.
Bis Mitte November 1965 fuhren die Züge der Solothurn-Zollikofen-Bern-Bahn (SZB, heute RBS) noch vom Berner Bahnhofplatz via Bollwerk-Neubrückstrasse zum Henkerbrünnli (und weiter nach Zollikofen und Solothurn). Nach der Inbetriebnahme des 1200 m langen Schanzentunnels - als Voraussetzung für die unterirdische Einführung der SZB in den Bahnhof Bern - entfiel ab 21. November 1965 die nicht mehr zeitgemässe Strassenmitbenützung. Die Neubrückstrasse war damals noch in beiden Richtungen befahrbar und gepflastert. [33] <br /><br />Rechts erkennt man das Wärterstellwerk am Bollwerk, welches 1962, als die obere Aufnahme entstand, bereits fertiggestellt, aber noch nicht in Betrieb war. Bei der Inbetriebnahme 1964 war es zusammen mit dem baugleichen Befehlsstellwerk an der Laupenstrasse das modernste Stellwerk der Schweiz. [2]
Die Rote Brücke mit einem Personenzuges der Schweizerischen Centralbahn (SCB), gezogen von einer Dampflokomotive der Bauart Engerth. Gut zu sehen sind die Haldensperrmauer und der Blutturm. Die Aufnahme ist nicht datiert, dürfte aber aus den Anfangsjahren stammen. [3]<br /><br />Die Stelle, von der die damalige Aufnahme entstand, ist heute nicht mehr zugänglich. Die heutige Aufnahme entstand daher auf der Lorrainebrücke und zeigt den etwas weiter nördlich liegenden Lorrainehaldeviadukt, wo stets viel Betrieb ist. Ein IC2000-Pendel mit 2 EW IV ergänzt, verlässt eben das Bahnhofgelände, während eine NINA-Doppelkomposition der BLS nächstens in Bern einfahren wird.
Seit 1858 verlaufen die Gleise der Schweizerischen Centralbahn (SCB, ab 1902 SBB) durch das Lorrainequartier zur Roten Brücke. Dies war gleichzeitig der Startschuss zur Besiedlung dieses Quartiers, denn vorher war dieses Gelände von der Stadt aus nur umständlich zu erreichen.<br /><br />Obige undatierte Aufnahme, die um 1930 entstanden sein dürfte [17], zeigt noch die Bahngleise, die ins bereits dicht bebaute Quartier hinausführen. Nach der Eröffnung des Lorrainehaldeviaduktes 1941 wurden die Gleise entfernt und die Strasse ausgebaut. Heute ist von der Bahn nichts mehr zu sehen, nur der markante Turmbau des Restaurant Du Nord zeigt, dass man sich an derselben Stelle befindet.
1930 wurde die nach den Plänen von Ingenieur Robert Maillart parallel zur roten Eisenbahnbrücke erstellte Lorrainebrücke eröffnet. Mit der vierten Hochbrücke erhielt das Lorrainequartier endlich eine direkte Verbindung mit der Stadt. Zuvor mussten Fussgänger und Fuhrwerke im Kasten der roten Brücke die Aare überqueren. Die doppelspurige Eisenbahnbrücke wurde 1941 durch den vierspurigen Lorrainehaldeviadukt ersetzt. [20]<br /><br />Das links im Bild sichtbare <a href="http://www.aareheim.ch/app/details.php" rel="nofollow">Aareheim</a> der Pfadi existiert immer noch, ist auf der heutigen Aufnahme hinter den Bäumen aber nur schwach erkennbar.
Entlang der Haldensperrmauer, dem letzten sichtbaren Teil der Stadtmauer der vierten Stadtbefestigung (abgesehen von den Resten in der Christoffelunterführung), führt der Wanderweg von der Lorrainebrücke steil hinunter an die Aare zum Blutturm.<br /><br />Der Blutturm schloss die vierte, von 1458 bis 1470 verstärkte Stadtbefestigung gegen Norden ab. Blutturm war aber nicht die ursprüngliche Bezeichnung, stattdessen wurden Namen wie Aarethurm, Aarenpulver-, Wasserpulver- oder einfach Pulverturm verwendet. Am Ende des 18. Jahrhunderts heisst der Turm wegen des dort gelagerten Pechs für Fackeln auch Harzturm oder Pechturm. Die Bausubstanz ist heute praktisch noch unverändert erhalten. [4, 5]
Baustelle der Roten Brücke im Sommer 1858 mit einem für die damalige Zeit noch typischen Tretkran, auch "Krakeel" genannt [5]. Das Modell eines solchen Krans ist im Historischen Museum Bern ausgestellt, anhand dessen ersichtlich ist, wie die Konstruktion funktioniert. Laut der <a href="http://static.nzz.ch/files/5/5/3/Kostbarkeiten+Verkehrshaus_1.10219553.pdf" rel="nofollow">NZZ vom 11.08.1968</a> befindet sich auch im Verkehrshaus Luzern ein solches Modell. In diesem Bericht wird auch erwähnt, dass beim Bau der Nydeggbrücke 1841 Sträflinge des Schallenhauses im Tretrad schuften mussten. Ob das auch auf dieser Baustelle der Fall war, entzieht sich meiner Kenntnisse, möglich ist es aber durchaus. Wer übrigens jemanden einen "Krakeeler" nennt, erinnert dabei ganz nebenher an diese ansonsten weitgehend vergessene Maschine.<br /><br />Den Aufnahmestandort für die Gegenüberstellung habe ich bewusst etwas nach Süden verschoben, da beim ehemaligen Standort der Roten Brücke heute alles dicht bewaldet ist. So erkennt man die Lorrainebrücke, die als Ersatz für die Fahrstrasse der Roten Brücke in den Jahren 1928 - 1930 erbaut, und am 17. Mai 1930 eröffnet wurde. Sie ist 178 m lang, 18 m breit und liegt 37.5 m über dem Wasser. Der Hauptbogen von 82 m Lichtweite wurde nach dem Verfahren des Berner Ingenieurs Robert Maillart aus Betonquadern konstruiert. Weitere bekannte Brückenkonstruktionen von Maillart sind nebst der Lorrainebrücke, die Schwandbachbrücke in Rüeggisberg und die Salginatobelbrücke bei Schiers. [4, 18]
Ergänzend zu den Angaben im Haupttext soll hier anhand der Aufnahme des alten Bärengrabens, die Carl Durheim 1856 erstellt hat, erläutert werden, wie sich der Standort einer alten Aufnahme ermitteln lässt:<br />Es geht darum, Objekte zu finden, die sich mit einer senkrechten Linie von oben nach unten verbinden lassen. Diese Objekte liegen also vom gesuchten Standort aus im selben Azimut, d.h. in der gleichen Himmelsrichtung. Folgende Punkte wurden in diesem Fall gewählt:<br /><br /><b>Azimut 95 Grad, rot umrandet:</b> Anatomiegebäude, bei der Stelle, wo nördlich der Kohlerturm eingebaut ist (im Bild ist der Turm von einem Baum bedeckt) und nordöstliche Ecke des Bärengrabens.<br /><br /><b>Azimut 119 Grad, grün umrandet:</b> Nordöstliche Ecke des westlichen Flügels des Grossen Zuchthauses und Dachfirst am westlichen Ende des östlichen Torhauses des Aarbergertors.<br /><br />Überträgt man nun diese Linien auf die Karte, so muss sich zwangsläufig ein Schnittpunkt ergeben. Dies ist die Stelle, wo der Fotograf einst gestanden ist!<br />Da nun auch bekannt ist, wieviel ein Grad im Bildkoordinatensystem entspricht, lässt sich zudem auch das Azimut der beiden Bildbegrenzungen ermitteln.
Die einzige mir bekannte Aufnahme des alten Bärengrabens hat Carl Durheim, der erste in Bern ansässige Fotograf [3] im Jahre 1856 aufgenommen. Sie zeigt einen Teil der Stadt Bern der heute vollkommen anders aussieht. Von den im Bild sichtbaren Gebäuden steht kein einziges mehr (mit Ausnahme des Münsterturms, der noch ohne fertiggestellte Turmspitze über dem Grossen Zuchthaus erkennbar ist). [7]<br /><br />Wo einst die Bären im zu engen, dunklen und feuchten Graben ein tristes Dasein fristeten, rumpeln heute teilweise im Minutentakt Züge über die Gleise der Bahnhofseinfahrt.
Hypermobiler, aber noch automobil- und gleisfreier Verkehr im äusseren Bollwerk um 1900. Alle Gebäude auf der rechten Strassenseite mussten dem Bahnhofneubau von 1957-1974 weichen. Von unten nach oben sind das 1826 erstellte, tempelartige Wachthaus West des äusseren Aarbergertors, die Kavalleriekaserne, das Transitpostgebäude und der alte Bahnhof zu erkennen. [19]<br /><br />Der damalige, etwas erhöhte Aufnahmestandort ist heute nicht mehr erreichbar. Dennoch zeigt sich wie schon im vorherigen Bild die totale Veränderung des Bollwerks.
Von den zum Zeitpunkt der Aufnahme des oberen Bildes (<a href="http://katalog.burgerbib.ch/detail.aspx?ID=102327" rel="nofollow">Burgerbibliothek Bern</a>, 1860) soeben fertiggestellten Gebäuden, steht längst schon keines mehr. Von oben nach unten sind dies der Kopfbahnhof, dessen Gebäude nach dem Umbau zum Durchgangsbahnhof (1889 - 1891) bis zum Abbruch 1970 als Aufnahmegebäude dient. Es folgt das Hôtel du Boulevard, in dessen Mittelteil sich ab 1861 die Hauptpost befindet. 1881 übernimmt die Post das ganze Gebäude. Nach dem Bezug der Bollwerkpost dient das Haus bis zum Abbruch 1966 als Transitpost. Ganz rechts schliesslich die hier am neuen Ort wieder aufgebaute Kavalleriekaserne. Neben der militärischen Verwendung werden auch naturwissenschaftliche Institute der Universität eingerichtet. 1932 bis zum Abbruch 1965 wird sie schliesslich von den PTT benützt. [4]<br /><br />Heute dominieren hier die gläsernen Fassaden der Dienstgebäude Bollwerk Nord und -Süd.
Auf dieser Stereoaufnahme (Erläuterungen im vorherigen Bild) von 1856 ist der Abbruch des 1729 erbauten Schallenhauses bereits weit fortgeschritten (<a href="http://katalog.burgerbib.ch/detail.aspx?ID=101698" rel="nofollow">Burgerbibliothek Bern</a>). Seit dem Bau des Grossen Zuchthauses im Jahre 1836, von dem ein Teil links im Bild sichtbar ist, wurde es nur noch vorübergehend benutzt [4]. Der Bahn stand es zwar nicht direkt im Weg, jedoch wurde an dieser Stelle anschliessend die Kavalleriekaserne wieder aufgebaut, die genau in der Einfahrt zum geplanten Kopfbahnhof lag.
Wer glaubt, 3D-Aufnahmen seinen eine Erfindung unserer Zeit, der irrt. Bereits in den Anfangsjahren nutzten kluge Köpfe das neue Medium Fotografie, um mittels spezieller Stereokameras oder einer normalen, auf einer Stereowippe montierten Kamera, eine räumliche Wiedergabe von Stadt und Landschaft zu erzielen. Zum Betrachten der Bilder diente ein Stereobetrachter, oder man nutzte einfach den so genannten <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kreuzblick#Der_Kreuzblick" rel="nofollow">Kreuzblick</a>, was man auch heute noch ausprobieren kann.<br />Mithilfe geeigneter Software wie dem freien <a href="http://stereo.jpn.org/ger/stphmkr/index.html" rel="nofollow">StereoPhotoMaker</a> kann man heutzutage aber auch sehr einfach Anaglyphenbilder davon herstellen, welche mit einer entsprechenden Stereobrille einen mühelosen 3D-Blick in die Welt vor mehr als 150 Jahren ermöglichen.<br /><br />Im Juni 1856 hat der Abbruch der Kavalleriekaserne (auch Artilleriezeughaus oder äusseres Zeughaus genannt) bereits begonnen (<a href="http://katalog.burgerbib.ch/detail.aspx?ID=101883" rel="nofollow">Burgerbibliothek Bern</a>). Gut zu sehen ist ein Tretkran, der in <a href="http://www.hikr.org/gallery/photo789872.html?post_id=50496#1">Zusammenhang mit dem Bau der Roten Brücke</a> erläutert wird. Rechts im Hintergrund lassen sich schwach die Kavalleriestallungen erkennen, während der Horizont vom vollkommen unverbauten Südhang der Grossen Schanze gebildet wird. Durch das Areal der Kavalleriekaserne und -stallungen verlaufen ab 1858 die Gleise zum Kopfbahnhof. Heute liegt dort das Gleisfeld in der Perronhalle.<br />Die Kavalleriekaserne wurde kaum 200 Meter entfernt, anstelle des alten Schallenhauses wieder aufgebaut und dabei um ein Stockwerk erhöht. 1965 wurde auch dieses Gebäude abgerissen.<br /><br />Heute ragt hier das Dienstgebäude Bollwerk Süd in die Höhe (fertiggestellt Ende 1969), welches im Gegensatz zum gleichartigen Aufnahmegebäude noch die ursprüngliche Fassade zeigt.">
Auf obiger Aufnahme, die wohl um 1859 entstanden ist [6], sind die Arbeiten am Kopfbahnhof noch im Gang. Dahinter ragt der Christoffelturm 55 Meter in die Höhe. Die stadtseitige, spitzbogige Nische ist gut zu sehen. Dort stand seit 1496 eine fast 10 Meter hohe Figur aus Lindenholz. Es handelte sich um den heiligen Christophorus, der im Mittelalter als Schutzpatron der Reisenden galt. Sein Anblick beim Verlassen der Stadt verhiess eine glückliche Reise. Nach dem Zuschütten der Gräben und dem Abbruch der Stadtmauern zu Beginn des 19. Jahrhunderts, wurde der Christoffelturm zum vermeintlichen Hindernis des Fortschritts. Nach langem Streit und einer äusserst knapp ausgegangenen Gemeindeabstimmung (415 Ja gegen 411 Nein) wurde er zwischen Januar und Mai 1865 abgebrochen. Die Figur wurde zersägt. Während der Kopf, die Hände und Füsse ins Museum gelangten (heute Historisches Museum am Helvetiaplatz), wurde der Rest zu Brennholz für die Armen verarbeitet. Eine Kopie des Kopfes steht heute am Ausgang der Christoffelunterführung bei den Fundamenten des Turms und stösst vor allem bei Kindern auf grosses Interesse.<br /><br />Heute präsentiert sich der Bahnhofplatz vollkommen verändert. Nur an der Heiliggeistkirche (erbaut 1726 - 1729) scheint die Zeit mehr oder weniger spurlos vorbei gegangen zu sein.
Menschenleerer Bahnhofplatz an einem frühen Sommermorgen des Jahres 1860 (<a abgebrochen="abgebrochen" alt="alt" der="der" die="die" eigentlich="eigentlich" gar="gar" href="http://katalog.burgerbib.ch/detail.aspx?ID=107266" obere="obere" rel="nofollow" spitalgasse="spitalgasse">Burgerbibliothek Bern</a>). Rund 150 Jahre später wird die Heiliggeistkirche vom Verkehr umzingelt, obwohl dieser am Auffahrtsmorgen weitaus geringer ist, als sonst unter der Woche.<br /><br />Man beachte auch die Häuserzeile an der Spitalgasse, deren grössere Höhe im Vergleich mit der Heiliggeistkirche offensichtlich ist. Es ist dies ein deutliches Indiz, dass die so genannte "Obere Altstadt" eigentlich gar nicht so alt ist. Tatsächlich wurde die "Schattseite" der Spitalgasse 1911 abgebrochen und mit neuen und grösseren Gebäudekomplexen ersetzt. [9]
Wo einst die Bogenbrücke den Stadtgraben beim Christoffelturm querte (roter Pfeil), kann man heute im "Rock Garden" gemütlich einen Kaffee trinken oder etwas essen. Durch eine Glaswand geschützt, bekommt man vom Trubel in der Unterführung nur wenig mit.<br /><br />Etwas weiter nördlich querte eine weitere, nur 2 Meter breite Bogenbrücke den Graben. Sie diente als Aquädukt, mit dem der Stadtbach, von der Rossschwemme her kommend, über den Graben in die Stadt geleitet wurde.
Die Reste eines weiteren halbrunden Turmes sind bei der Migros-Filiale der Unterführung zu sehen. Wie jener beim "Swiss Grill" (siehe vorheriges Bild) gehörte er zur inneren Grabenmauer und diente zur Verstärkung derselben.
Sogar auf einer Weinettikette ist Berner Geschichte festgehalten! Sie zeigt ein Werk, das Jakob Samuel Weibel (1771-1846) nach einer 1740 durch Johann Grimm erstellten Vorlage schuf und welches den Ausblick vom Nachrichtenturm (heute Neuengasstreppe der Bahnhofunterführung) Richtung Heiliggeistkirche und Burgerspital zeigt. Vom Bahnhof ist natürlich noch nichts zu sehen, stattdessen dominiert der Stadtgraben der 4. Stadtbefestigung das Bild. Bemerkenswert ist der halbrunde Turm etwas unterhalb der Bildmitte. Zu Füssen dieses Turmes, wo bis vor rund 200 Jahren Hirsche weideten, verpflegen sich heute die Passanten, welche sich beim "Swiss Grill" oder dem "Suan Long" mit Essbarem eindecken.<br /><br />Hinter diesem Turm, d.h. Richtung Altstadt, lag der so genannte Entengraben, welcher der Bogenschützengesellschaft als Übungsgelände diente. Er wurde wie die Stadtgräben zu Beginn des 19. Jahrhunderts zugeschüttet. Erst beim Bau der Christoffelunterführung kamen 1971-1975 die Reste der 4. Stadtbefestigung wieder zum Vorschein und wurden unter den Schutz von Bund und Kanton gestellt.
Im Oktober 1986 dominierte im vorderen Teil der Christoffelunterführung noch der Billettschalter [2]. In Zusammenhang mit dem Umbaus zur ersten "Rail City" der Schweiz 2001 bis 2003 zogen dort insgesamt 4 Selbstbedienungsrestaurants ein, während der Billettschalter nach vorne in die Empfangshalle zügelte, wo diesen Frühling die Reisezentrale mit der grössten Selbstbedienungszone der Schweiz eröffnet wurde. Gegenwärtig liegt der Billettschalter nun im Stadtgeschoss.<br />Man beachte auch den unterschiedlichen Bodenbelag: Der bald in Verruf geratene Gumminoppenboden ("Pirelli-Teppich") der Siebzigerjahre wurde ab 1997 sukzessive durch einen Granitbelag ersetzt.
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