Traumtag am Weissmies 4017m


Publiziert von Bergamotte Pro , 28. September 2015 um 20:13.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Oberwallis
Tour Datum:26 September 2015
Hochtouren Schwierigkeit: WS-
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS 
Zeitbedarf: 8:30
Aufstieg: 2350 m
Abstieg: 2350 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Saas-Almagell, Post
Unterkunftmöglichkeiten:Almagellerhütte 2894m / Almagelleralp 2194m / Saas-Almagell 1670m
Kartennummer:1329 Saas

Das dritte Jahr in Folge darf ich eine Sommersaison mit der Solobegehung eines 4000er krönen. Ansonsten sind die Hochalpen eher weniger mein Ding. Wobei, bei guten Bedingungen wie heute kann man bei der Südgratroute am Weissmies nicht von einer Hochtour im klassischen Sinn sprechen. Grösstenteils bewegt man sich im gehobenen Gehgelände, nur vereinzelt findet man einfache, wenig ausgesetzte Kletterpassagen. Und Gletscher sucht man vergebens; bloss den luftigen Firngrat zum Schluss gilt es im Auge zu behalten.

Noch am Freitagmorgen war der Weissmies mehr Gedankenspiel denn konkreter Plan. Doch nach dem Anruf auf der Hütte hatte es mir den Ärmel reingezogen. Also über Mittag kurz nach Hause, um hurtig das Material zu packen. Leider kam ich nicht vor halb Sechs aus dem Büro, womit der vorabendliche Aufstieg zur Almagelleralp (geschweige denn zur -hütte) gestorben war. Doch der trainierte, akklimatisierte Alpinist kann den Weissmies auch als Tagestour ab Saas-Almagell begehen.


Aufgrund der sternenklaren Nacht ist es frostig kalt, als ich um 5:45 vo m Dorfplatz in Saas-Almagell (1670m) loslaufe. Doch im Gegensatz zur Alpennordseite verschont die Bise das Wallis und so kann ich trotzdem im Hemd aufsteigen. Unterwegs kreuze ich einen Jäger. Er ist auf der Pirsch nach einer kleinen Gams, die fehlt ihm noch für die Plakette. Auf der Almagelleralp (2194m) teilt sich der Weiterweg vorübergehend. Ich wähle die obere (nördliche) Variante, was gemäss Schild zehn Minuten schneller ist. Unterhalb der Almagellerhütte (2894m) fülle ich am Bach meine Wasservorräte auf. Des happigen Tagesprogramms wegen habe ich nur das Nötigste dabei: Stöcke, Leichtpickel, Steigeisen, ein paar Trockenfrüchte und Gels sowie die üblichen Kleider. Auf der Hütte sind um diese Zeit natürlich keine Gäste mehr zugegen, die zogen bereits vor Stunden los.

Auf dem Zwischbergenpass (3268m) erreiche ich die Sonne. Es ist windstill, man kann im T-Shirt pausieren. Ich blicke nach Osten Richtung Italien, das unter einer Nebeldecke liegt. Bereits von hier erkennt man die guten Verhältnissen am Südgrat: Der Neuschnee vom Mittwoch ist praktisch verschwunden. Bis auf eine Höhe von knapp 3500m halte ich mich östlich vom Grat, das ist einfaches Gehgelände. Das geht zunächst auch auf dem breiten Grat nahtlos so weiter. Erst als sich der Grat gegen P.  3972 aufsteilt, kommen die Hände zwingend zum Einsatz. Meist bleibt dies im Kraxelbereich, vereinzelt erreicht man eine harmlose II, aber nirgends ausgesetzt. Das ist kein Vergleich zu meinen luftigen Grattouren in den Voralpen. Natürlich kann sich das zügig ändern, wenn Schnee oder gar Eis liegt. Unterwegs überhole ich zwei Berggänger, welche die Firnflanke dem Grat vorziehen. Sie sind arg am Kämpfen und bleiben alle fünf Schritte stehen. Ich werde ihnen im Abstieg - nach ihrer Umkehr - nochmals begegnen.

Zuoberst - kurz vor P. 3972 - geht der Fels in Schnee über und ich montiere die Steigeisen. Der Aufstieg zum Vorgipfel präsentiert sich äusserst gutmütig, es liegt eine gute Spur. Das trifft gleichermassen auf den abschliessenden Firngrat zum Hauptgipfel zu. Kurz vor 11:15 steh ich auf dem Weissmies (4017m): keine Menschenseele, windstill, angenehm warm - ein perfekter Bergmoment. Und von Höhenbeschwerden bleibe ich gänzlich verschont. Immerhin hab ich aus vergangenen Fehlern gelernt, will heissen: gemütliche Anreise am Vorabend, eher lange schlafen, zügiges, aber konstantes Tempo, regelmässig Wasser und Zucker aufnehmen. Und die x-1000 Höhenmeter diesen Sommer haben sicher auch ihren Teil dazu beigetragen.

Ein Soloabstieg über den gefährlichen Triftgletscher (Spalten, Eisschlag) steht für mich nicht zur Debatte, also alles zurück über die gleiche Route. Den breiten Felsgrat kann ich äusserst zügig und effizient abspringen. Einen kurzen Abstecher auf die Firnflanke breche ich sogleich wieder ab, zu eisig. Freudig und hungrig betrete ich die Almagellerhütte (2894m). Doch Kuchen gibt's keinen und statt Saft tropft vor allem Schaum aus dem Zapfhahn... Also nach kurzer Pause weiter talwärts, wo sich der Bergherbst von seiner goldigen Seite zeigt. Gut neun Stunden nach meinem Aufbruch auf dem Dorfplatz von Saas-Almagell (1670m) findet meine Tour an gleicher Stelle ihr Ende.


Epilog: Nach Lagginhorn und Mönch hab ich mit dem Weissmies auch den dritten 4000er begangen, der sich - bei perfekten Verhältnissen - über eine gletscherfreie, unschwierige Route erreichen lässt. Der Weissmies weist zwar den längsten Zustieg auf von den dreien, ist aber bezüglich der Verhältnisse weit berechenbarer. So ist der Südgrat oft schon im Hochsommer praktisch aper. Auf den WSW-Grat am Lagginhorn trifft das - wenn überhaupt - bloss einige Tage im Jahr zu. Und auch die Schlüsselstelle am Mönch zeigt sich die meiste Zeit im Jahr heikel.
Weitere Gipfel mit ähnlicher Höhe und Anforderungsprofil sind mir nicht bekannt, als nächsttieferes Ziel kommt mir der Balfrin in den Sinn. Für Anregungen wäre ich Euch sehr dankbar. 



Zeiten
3:00  Zwischbergenpass
2:25  Weissmies
1:35  Almagellerhütte
1:25  Saas-Almagell

Tourengänger: Bergamotte

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Kommentare (3)


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Felix Pro hat gesagt:
Gesendet am 28. September 2015 um 20:43
einfach herrlich, fantastische Fotos - ich gratuliere!

lg Felix

Bergamotte Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 30. September 2015 um 19:23
Danke Felix. Nach diesem herrlichen Saisonhöhepunkt sind meine Gedanken bereits bei den Skitouren.

Alpenorni Pro hat gesagt:
Gesendet am 30. September 2015 um 11:29
Starke Leistung, super-schnell unterwegs und tolle Bilder.
Danke für diesen schönen Bericht von einer Tour, mit der ich auch noch liebäugele, für irgendwann einmal.
Gruß aus dem Norden
Martin


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