16 Gipfel (3): NI - Wurmberg


Publiziert von frmat , 25. September 2015 um 09:49.

Region: Welt » Deutschland » Westliche Mittelgebirge » Harz
Tour Datum:23 September 2015
Wandern Schwierigkeit: T1 - Wandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: D 
Zeitbedarf: 6:30
Aufstieg: 750 m
Abstieg: 750 m
Strecke:27km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:PKW über B4 nach Oderbrück, kostenloser Großparkplatz

16 Länder 16 Gipfel. Mein Projekt, die höchsten Gipfel der deutschen Bundesländer zu besuchen, führte mich diesmal nach Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Der Harz ist das nördlichste Mittelgebirge Deutschlands. Wie die anderen Mittelgebirge auch wurde der Harz während der variskischen Orogenese im ausgehenden Erdaltertum zum Hochgebirge aufgefaltet und unterliegt seither der Erosion bei gleichzeitiger Hebung durch die alpidische Gebirgsbildung. Ein hügeliges Relief mit Rumpfflächen und flachen Kuppen wurde so herauspräpariert. Nur über die Schichtrippen des Niedersächsischen Berglandes mit der Mittelgebirgsschwelle verbunden, liegt der Harz recht isoliert im Norddeutschen Tiefland. Demzufolge besitzt er einige geographische Besonderheiten wie etwa ein sehr eigenes Klima. 
Eine Reise in den Harz ist immer auch verbunden mit spannenden Epochen deutscher Geschichte. Das Thema "Hexen" und Mittelalter ist ebenso omnipräsent wie verschiedene Dichter und Denker. Goethe und Heine waren zu ihrer Zeit im Harz unterwegs. Nicht zuletzt zeigen die Relikte der innerdeutschen Grenze, welch wechselvolle Historie die Region prägte.
Am Anreisetag wollte ich zumindest etwas Kultur erleben und machte einen Schwenk über Quedlinburg. Die Innenstadt ist bis auf ganz wenige Stellen komplett saniert und äußerst sehenswert. Die behutsam restaurierten Fachwerkhäuschen ergeben ein wunderschönes Stadtbild.
Von Quedlinburg ist es noch eine Stunde Autofahrt zur Unterkunft, der Hütte "Am Achtermann" in Oderbrück. In der einfachen aber sehr sauberen und topgepflegten Pension kann man gut und günstig übernachten.

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Am folgenden Morgen begrüßt mich bestes Harzwetter. Es ist nebelig und kalt, keine Seltenheit. Draußen wirkt alles ein wenig gespenstisch und ich habe keine Zweifel, dass gleich diverse Hexen aus dem Wald springen. Über bestens beschilderte Wege beginnt die Tour in Oderbrück sanft ansteigend in den Wald hinein. Oft besteht der Weg aus groben Granitblöcken, die heute morgen eine schöne Rutschpartie abgeben. Keine Dreiviertelstunde, dann ist der erste Gipfel im Harz geschafft. Die Achtermannshöhe besteht oben aus einer kleinen Granitkuppe mit gewöhnlich herausragender Aussicht (40Min). Ich sehe keine 10m weit und mache mich schnell auf den kurzen Rückweg zum Wanderweg.

Nun heißt es erst mal Strecke machen. Die Entfernung zum Wurmberg ist mit 7km angegeben. Über flache und breite Waldwege verliert man rund 230Hm. Während der ganzen Zeit ist man im Nationalpark unterwegs, sodass es links und rechts des Weges doch recht urig aussieht. Einerseits ähnlich aber auch ganz anders als daheim im Schwarzwald. Zudem ist es heute herrlich ruhig, bis zum höchsten Niedersachsen treffe ich nur einen anderen Wanderer. Leider geht der schöne Weg auf den letzten Kilometern in eine Teerstraße über, über die ich zuletzt an einem See entlang die Gipfelstation des Sessellifts erreiche. Wenige Minuten später stehe ich auf dem Wurmberg, 971m hoch (1:30h). Wie sooft bei "höchsten Bergen" ist auch hier ordentlich Betrieb, trotz fehlender Aussicht. Die Schanze wird derzeit abgebaut, nächstes Jahr soll ein neuer Aussichtsturm kommen. Bisher konnte man sich mit dem Schanzenturm noch auf 1001m hochmogeln, heute nicht möglich. 

Ich belasse es bei einem Kaffee zum aufwärmen und mache mich auf in Richtung Landesgrenze. Auf der niedersächsischen Seite verläuft der Ulmer Weg, auf dem man wohl schon zu Zeiten der deutschen Teilung wandern konnte. Nach wenigen hundert Metern zeigt ein Wegweiser nach rechts, "Grüne Grenze". Ich durchstreife kurz einige Büsche und stehe auf dem Kolonnenweg. Das "Grüne Band", der ehemalige Todesstreifen ist nun deutlich sichtbar. Ein geschichtsträchtiger Ort, an dem man unweigerlich ins Nachdenken kommt. Was für eine Schande, dass hier Nachbarn auf Nachbarn geschossen haben, sich verraten haben, nur weil man in Freiheit leben wollte. Wo noch vor 26 Jahren Landminen lagen mache ich heute eine gemütliche Frühstückspause, ein mulmiges Gefühl. Und was für eine Schande, dass es heute immer so viele Leute gibt, die diesen Unrechtsstaat geradezu romantisch verklären. Gut, dass diese dunkle Episode endlich Geschichte ist. Die Wanderung entlang des Kolonnenwegs nach Norden schafft in ihrer Monotonie nochmal Zeit und Raum über diese Epoche nachzudenken.

Am dreieckigen Pfahl ist die Geschichtsstunde dann wieder vorbei. Durchs Brockenfeld passiere ich die Hopfensäcke, zeit große Granitklippen, die vom Wanderweg aus gut zu sehen sind. Ich erreiche den Goetheweg und damit die Hauptroute von Torfhaus zum Brocken. Einsamkeit ade. Entlang des Abbegrabens verliert der Weg kaum merklich an Höhe. Unterwegs kann man noch einen kurzen Schlenker durchs Hochmoor machen. Torfhaus ist einer der touristischen Hotspots im Harz. Neben Lodges, Bars und einer Bank gibt es sogar einen Outdoorladen (2h).

Vom Goetheweg wechsle ich auf den Harzer Hexenstieg, ein weiterer Themenweg in der Region. Ursprünglich hatte ich geplant den Bruchberg noch zu besuchen, sodass die drei höchsten Berge Niedersachsens damit bestiegen wären. Sanft ansteigend erreiche ich die Wolfswarte, ein schöner Aussichtspunkt und Nebengipfel des Bruchbergs, der nun endlich, bei sich besserndem Wetter, diesen Namen auch verdient. Die fehlenden 15Hm zum Bruchberggipfel sind leider nicht durch Wege erschlossen. Im Gegenteil, sämtlich Schneisen sind abgesperrt und da das Gebiet zum Nationalpark gehört, verzichte ich und belasse es bei der Wolfswarte. Der Brunftzeit der Hirsche sei Dank ist der Weg entlang des Clausthaler Wassergrabens heute auch noch gesperrt, sodass noch ein Umweg hinab zum Oderteich fällig ist. Kurze Zeit später ist die Runde in Oderbrück komplett (1:50h).

Fazit: Perfekter Tag im Harz bei nicht perfektem Wetter.

Tourengänger: frmat


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