Höfats Südwestgrat


Publiziert von pete85 , 24. September 2015 um 09:03.

Region: Welt » Deutschland » Alpen » Allgäuer Alpen
Tour Datum:21 September 2015
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: IV (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: D 
Zeitbedarf: 14:30
Aufstieg: 1500 m
Abstieg: 1500 m

Schon seit ca. einem Jahr (vorher kannten  wir das Gebiet kaum) bestand der Wunsch auch mal den Südwestgrat an der Höfats zu begehen.
Leider hat es die Tage zuvor geregnet, und nach einem sehr sonnig angekündigtem Montag sollte es auch wieder weiterregnen. Angesichts eines kompletten Sonnentages und der Hoffnung, dass der Grat rasch abtrocknet, entschieden wir uns doch kurzerhand in diese schöne Tour einzusteigen - zum Glück!

Quacamozza hat diese Tour bereits in diesem Jahr gemacht und hier http://www.hikr.org/tour/post96981.html bereits ausführlich beschrieben. Ich versuche mit dem Bericht noch auf ein paar Punkte zu ergänzen, u.a. welches Sicherungsmaterial sollte mitgeführt werden.



Leider lief nicht alles glatt, aber der Reihe nach:

Zunächst begannen wir (für uns) ungewöhnlich spät, wenn man eine solche Tour angehen will und weder Zu- noch Abstiegswege zum Westgipfel der Höfats kennt. Start war um 7:30 Uhr und ein gemächliches Tempo wurde angeschlagen, da wir erst zwischen 11-12 Uhr unsere Ankunft am Grat planten, damit die Sonne ihre trocknende Wirkung auch entfalten konnte. Für den Zustieg planten wir nassen Gras ein, das war uns klar. Dementsprechend fanden Steigeisen im Rucksack und Pickel außen am Rucksack ihren Platz.

Wie schon beschrieben ließen wir uns zunächst gewollt Zeit um die Szenerie zu genießen und nicht zu früh am Grat zu sein. Das Gras im Zustieg war selbstredend komplett nass, so als ob es gerade erst gegossen hätte. Leider kamen wir kurze Zeit später (ohne es zu merken) vom eigentlichen Weg ab und spurten uns gerade die steile Wiese hoch. Das ganze war bei nassem Gras und ohne Steigeisen grenzwertig - für den Abstieg schworen wir uns lieber die Eisen anzuziehen. So kam es dann, dass wir an einer Platte einer falschen Fährte direkt nach oben folgten, anstatt weiter dem eigentlichen Weg zu folgen (der aber zu verdämmern schien. Der Weg war durch das nasse umgeworfene Gras generell nur schwer zu identifizieren).
Das ganze hatte dann Steilgras bis ca. 60° (komplett feucht versteht sich) und kurze felsige Passagen bis 3- zur Folge. War zwar alles machbar (schließlich wollten wir auch den SW-Grat begehen, da beschwert man sich über solch ein Gelände nur geringfügig), dennoch sprach ich innerlich jedem Begeher des Westgipfels Respekt aus, dass sich viele Berggeher das im Auf- und Abstieg zutrauen.
Abgesehen von der verfrühten Belastung für Körper und Psyche, hat uns diese "Variante" auch einiges an Zeit gekostet, so dass wir erst nach 5:30 h den Grat erreichten.



Südwestgrat:

Zuvor steigt man entlang der Bäume Richtung Grat hoch (siehe Bilder), dort kann man auch den Gurt und das Sicherungsmaterial an- und eine ausgiebige Pause einlegen. 
Zunächst zieht sich die grasige Rippe weiter hoch, bevor man links um's Eck in die Nordflanke des Grates quert und in dieser hoch zum Grat kraxelt. Meine Freundin und ich haben direkt vom Start weg mit dem Sichern angefangen (gleitendes Seil), wobei sich wenig Möglichkeiten bieten. Hier und da gibt es ein festes Felsköpfel (die meisten sind lose) und meine Freundin hat auch einen alten Haken gesehen. Leider war der Nordteil unerfreulich nass, häufig gab es kein gutes Gras sondern eher Moos und brüchig war es sowieso. Kurz vor dem Grat gibt es eine kurze Stelle im 3. Grad über ca. 2-3 Meter. Diese kann man entweder an guten Griffen (unten bleiben) oder an guten Tritten (höher steigen) bewältigen. Darüber kann man an einem Köpfel Stand beziehen und sich das Sicherungsmaterial des ersten Abschnittes übergeben lassen. Insgesamt war dieser (wenn auch kurze) nordseitige Abschnitt nicht sehr schön, meist hatte man Dreck, Moos und Schlamm in den Händen - dieser könnte aber auch umgangen werden, indem man südseitig über Gras direkt auf den Grat quert und hinter dem Stand auf den Grat kommt.
Anschließend kommt leichteres Schrofen - und viel Grasgelände. Dieses war nicht mehr feucht und gut zu begehen. Sicherungstechnisch verändert sich nicht viel. Man muss in diesem Gelände sicher unterwegs sein, man schafft es aber regelhaft eine Zwischensicherung zu legen um - für den Fall des Falles - einen Totalabsturz der Seilschaft zu verhindern. Häufig bieten sich Felsnasen an, die meisten sind locker. Dies ändert sich erst ab dem Felsteil, dann gibt es deutlich mehr Sicherungsmöglichkeiten bis zum Gipfel.

Der Grasteil endet dann an einem kurzem steilen Aufschwung - dort kann man Stand beziehen an einem Felsblock und einem Grashaken. Von dort steigt man etwas ausgesetzter aber einfach weiter bis in eine Scharte vor dem Felsteil und der ersten "richtigen" Seillänge. Stand wird an einem Gras- und 2 Normalhaken bezogen. Am zuverlässigsten erscheint mir der Grashaken.

Dann folgt die erste SL im Fels - zunächst geht es grasig - brüchig - und in unserem Fall da nordseitig auch wieder sehr feucht - nach oben. Die Tritte sind aber gut, die erste Rostgurke nicht weit weg. Ich habe dann noch einen Link-Cam gelegt und weiter oben eine Bandschlinge. Dann geht es an der Kante an festerem Fels weiter, dieser ist wieder trocken und dementsprechend viel Spaß macht das Ganze. Insgesamt gibt es 4 Zwischenhaken, kurz vor'm Stand geht es noch einmal 4-5 Meter nach oben, angeblich mit der Schlüsselstelle. Ich bin nicht direkt in der Verschneidung (also in Falllinie des Standes) sondern 1 - 1,5 Meter links daneben in der Wand geklettert. Eine 4+ für diese SL kann ich damit nicht bestätigen, bzw. das Ganze ist auch für Bergschuhe sehr human bewertet.
Anschließend folgt SL 2 mit einer luftigen Querung auf der Gratschneide, dann folgt erneut ein steilerer Aufschwung (Stand an Bandschlingen). Dieser ist weitgehend fest, bietet viele Sicherungsmöglichkeiten (1 NH hab ich gesehen) und auch hier kann ich die 4- nicht unbedingt bestätigen. Hätte mir jemand gesagt die Tour ist 2-3 bewertet, ich hätte nicht wiedersprochen. Meine Freundin hingegen findet die Bewertung o.k., also wiederspreche ich mal nicht.   ;)
Aber bitte nicht falsch verstehen:  Sportklettern ist das da oben nicht, egal ob 3 oder 4!

Nach diesem steilsten und ausgesetztesten Teil der Tour folgt Schrofengelände bis II und Steilgras, welches sich aber besser absichern lässt als der untere Teil (alles wieder am laufendem Seil).
Was ich empfehlen würde: nehmt einen Satz Haken mit, ich habe auch 2 geschlagen, wenn auch nur aus Bequemlichkeit. Das geht in manchen Bereichen schneller als nach einer soliden Möglichkeit für eine Bandschlinge zu suchen! Mit von der Partie war noch ein Strang unseres 60m-Doppelseils. Das bringt Länge und spart Gewicht (gibt eh kaum Kanten in der Tour).

Was noch erwähnt werden sollte:  der Grat ist übersäht von Edelweiß - ein wunderschöner Anblick. Im Schnitt kommt man wahrscheinlich auf 5 Edelweiß pro m².

Bis zum Gipfel haben wir 4:45 h benötigt. Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit musste eine Überschreitung leider entfallen.

Abgesehen davon kannten wir auch den Normalweg auf den Westgipfel nicht und gingen dementsprechend neugierig an den Abstieg. Dieser bietet zwar maximal Kraxelstellen bis II, ist dafür aber deutlich ausdauernder und kontinuierlicher in seiner Schwierigkeit als der Normalweg auf den Ostgipfel. Von oben kommend fanden wir trotz des schwindenden Lichtes im Bereich des Waldes den richtigen Weg, der auch wirklich einem Weg entsprach. Kein Vergleich zu unserem Aufstiegsweg. Die Steigeisen konnten dementsprechend weiter im Rucksack bleiben.
Nach 2:30 h waren wir wieder unten auf dem Fahrweg.
Eine ausgiebige Pause und ein bequemer/langsamer Abstieg im Dunkeln folgen.


Tourengänger: pete85


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Kommentare (5)


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Andy84 Pro hat gesagt:
Gesendet am 24. September 2015 um 09:42
Glückwunsch zur genialen Grattour !!

dominik hat gesagt:
Gesendet am 24. September 2015 um 11:31
Tolle Tour! Kommt es mir nur so vor, oder geht ihr gewaltig lange Abstände am laufenden Seil?

pete85 hat gesagt: RE:
Gesendet am 24. September 2015 um 11:40
Danke für die Glückwünsche, war wirklich eine wunderschöne Tour bei bestem Wetter.

@dominik:
Wir haben die vollen 60 m genutzt. Sonst wäre das auch mit den Zwischensicherungen nicht gegangen. Die Alternativen wären: wie ein Bergführer mit Gast am kurzen Seil (2-3 m) oder von Stand zu Stand sichern. Da wir aber recht sicher in dem Gelände unterwegs waren, ist mir die Variante mit den 60 m am liebsten. Da haben wir beide unsere Bewegungsfreiheit, sind aber dennoch gesichert.

mfg,
pete.

ReinerD hat gesagt:
Gesendet am 28. September 2015 um 13:35
Glückwunsch zur Tour.

Musste allerdings zweimal lesen ob das wirklich von pete85
ist (?) - Sicht >50m , statt weisse Hosen -> Edelweiss ..

Ein schöner, nachvollziehbarer und vollständiger Tourbericht.





pete85 hat gesagt: RE:
Gesendet am 3. Oktober 2015 um 11:05
Hi Reiner,

es werden auch wieder Touren mit schlechten Sichtverhältnissen folgen. Das war uns selbst etwas unheimlich, so gutes Wetter haben wir selten. ;)

mfg,
pete.


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