Pizzo Nero Südgrat halbe & Gallina ganze: Wo sich selbst Hühner die Hörner abstossen


Publiziert von Alpin_Rise , 2. Oktober 2015 um 11:13.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Oberwallis
Tour Datum:26 August 2015
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: III (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-TI   CH-VS   Gruppo Pizzo Gallina   Gruppo Grieshorn 
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Nufenenpass Achtung: reservationspflichtige Postauto-Kurse von Nunfenen!

Wer nicht mit den Hühnern aus den Federn und trotzdem die dreitausend Meter-Grenze knacken möchte, wird am Nufenenpass glücklich. Einmal mehr verdanke ich die Tourenidee den wohlbekannten Recken Zaza und 360, letzterer hat die Tour treffend mit Viel Berg für wenig Höhenmeter" betitelt. In der Tat ist die Runde sehr lohnend, wenn auch recht viel Kraxelarbeit in nicht gerade einladendem Gelände ansteht.

Eine kleines Upgrade kann der vielgelobten Gallina-Tour nicht schaden: Als Apero gönne ich mir den Südgrat am Pizzo Nero, im Alpinkletter-Führer Best of Keepwild als "Plaisir ohne Borhaken" angepriesen. Leider vergällt eine angebliche Abseilstelle die komplette Begehung ohne Seil; ich plane darum, den Grat nur in seiner oberen Hälfte zu begehen - ganz so viel Plaisir bereitete mir der Grat dann doch nicht...


Klassische Alpinwanderkost am Nufenen mit würziger Vorspeise

Kurz nach 10 Uhr starte ich am Nufenenpass, ein paar Hundert Strassenmeter auf die Tessinerseite runter und in der ersten Haarnadelkurve in Richtung Pizzo Nero. Das Gelände kann beliebig begangen werden und die verwunschene Wasserlandschaft mit Seen und Schwemmebenen lädt zu Pausen und Fotosessionen ein... Anschliessen am Gletscherschwund-Seelein vorbei gegen die Nördliche Gonerlilücke, kurz davor, auf 2700m, Querung im mühseligem Geröll zum Pizzo Nero Südgrat, und auf diesen durch ein Couloir (T4) zwischen 3. und 4. Turm. Der Aufstieg zum vierten Turm in wenig erbaulichem Gemisch aus Platten, Gras und Erde, T5, II. Luftig am Höchsten Punkt, dann gehts hinunter in die Lücke vor dem Hauptgipfel über unzuverlässige Blöcke und Bänder, ebenfalls um T5, II.
Nicht gerade einladend präsentiert sich der Schlussaufstieg zum Gipfel, einige Meter über kompakte Platten führen zu einer Verschneidung linkerhand. Diese ist voller nicht sehr vertrauenswürdiger Blöcke, für mich solo zu heikel. Ich weiche in die Nordflanke aus und gelange so nach einer heiklen Querung (T6, II) auf den Normalweg von Westen, die letzten Meter einfacher im T4/T5 Gelände vollends zum Pizzo Nero. Das Gipfelbuch - bzw. seine Überreste - findet sich im dümmstmöglichen Behälter...

Leider drücken die Wolken von Süden immer mehr hinüber, so mache ich mich bald an den leicht zu findenden Abstieg in die (östliche) Gonerlilücke, erst über einige Stufen (kurz T5, I), dann über Schutt.

Der Grat um P. 2844, welcher zur westlichen Gonerlilücke führt, wird zuerst auf der Schneide, dann etwas mühsam über Bänder in der Nordflanke angegangen, T5, I.
Die folgende Steilstufe mit dem Kamin rechterhand ist dann erstaunlich einfach und gut gestuft, T5. Nachher über Schutt hinauf, einen Turm rechts, den nächsten links (südseitig) umgehen und schon bald steht man auf dem Pizzo Gallina. Nur habe ich hier defintiv nicht mehr viel zu Gackern, wolkenumhülllt in steifer Bise rächt sich, dass die Windjacke zu Hause liegt...

Ganz geschlagen will ich mich noch nicht geben und hänge noch das Mittaghorn an. Ein leichter Schuttgrat (T4) führt in die Lücke hinunter und wiederum wenig schöne Kraxelei in losen Blöcken, vielfach in der Südflanke ausweichend, bringt mich aufs Mittaghorn, T5, I. Da ich mir meine Hörner in diesem Gelände schon abgestossen habe, lasse ichs für heute gut sein und verzichte auf den anspruchsvoll anmutenden Grat hinüber zum nahen Galmihorn. Wer hat diesen mal angetestet?

Dem Südgrat entlang gehts in Richtung Hammer, oben recht hübsch im T5-Gelände kraxelnd, später kann grosszügig in der Westflanke auf teils mühsamen Bändern umgangen werden, T5. Bei den Militäranlagen von Hammer - wer weiss mehr darüber? - bin ich doch recht "uf de Schnorre". Im weiteren Abstieg unterlässt man es besser, die Wegschleifen ins Chumm hinunter abzukürzen. Dies bringt zeitmässig nichts - doch mir eine sehr interessante Tierbegegnung mit Steinböcken und Murmeltieren. Ein letzter kleiner Effort hoch zur Nufenenpassstrasse und darauf zur Passhöhe, wo kurz darauf der reservationspflichtige Bus nach Ulrichen eintrifft.

Fazit: In der Gesamtheit und aussichtsmässig eine lohnende Tour, auch wenn das Highlight nicht in der Felsqualität liegt. Den Südgrat zum Pizzo Nero begeht man am besten zu Seilhandling-Übungszwecken, Genusskraxeleien diesem Schwierigkeitsgrad gibt's definitiv schönere!

Tourengänger: Alpin_Rise


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