24h Karwendelüberschreitung Scharnitz - Achensee


Publiziert von kneewoman , 23. September 2015 um 19:47.

Region: Welt » Österreich » Nördliche Ostalpen » Karwendel
Tour Datum: 9 August 2015
Wandern Schwierigkeit: T4- - Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 17:30
Aufstieg: 3500 m
Abstieg: 3500 m
Strecke:53km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Ich empfehle in diesem Fall die öffentlichen Verkehrsmittel! Mit der Werdenfelsbahn von München nach Scharnitz. Ausgangspunkt:Ortszentrum Scharnitz. In Pertisau mit dem Bus (fährt von der Talstation Karwendelbahn) nach Kufstein und weiter mit dem Zug nach München.
Unterkunftmöglichkeiten:Man kann die Tour in diese Richtung an drei Stellen ab- oder unterbrechen: Pleisenhütte, Breitengriskar-Biwak (keine Decken), Karwendelhaus.

Nachdem ich von der jährlich in den Berchtesgadener Alpen stattfindenden 24h-Wanderung gehört hatte, war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis es mich nicht mehr losließ, ob ich so was auch schaffen würde. Da ich aber kein Großgruppenwanderer bin, musste ich mir wohl oder übel meine eigene Ausdauertour zusammenstellen. Entsprechend der Vorgaben aus Berchtesgaden also etwa 3000hm und 60km, zumindest der nächtliche Teil sollte hinsichtlich der Wegbeschaffenheit und -findung unschwierig sein.

Meine Wahl fiel auf eine Abwandlung der klassischen Karwendeldurchquerung, die nach offiziellen Angaben in 21,5h reiner Gehzeit zu machen. Der erste Teil des Weges war angenehm anspruchsvoll und zudem Neuland für mich. Der zweite Teil dafür bekannt und auf fahrradtauglichen Wegen. Einziger Nachteil sind unterschiedlicher Ausgangs- und Zielpunkt, wobei ich nach der Tour eh nicht mehr hätte autofahren wollen.

Und los gehts...

... um 11:15 in Scharnitz unter der Unterführung durch dem Wegweiser "Karwendeltäler" folgend. Nach den Parkplätzen auf breitem Forstweg weiter der Isar entlang bis zum Schönwieshof, wo es nach links, erstmals mit nenenswerter Steigung Richtung Pleisenhütte (Pause: 13:30-14:00) geht.
Nach vorsorglicher Energiezufuhr durch Gulaschsuppe + Kuchen ging es dann weiter Richtung Breitengrieskarscharte, wobei die Abzweigung zur Pleisenspitze recht früh links liegen gelassen wird. Der Pfad, der zunächst nur wenig an Höhe gewinnt ist zwar schmal, erdig und teilweise steinig, aber immer unschwierig. Dabei bieten sich tolle Einblicke in Mitter- und Hinterkar, sowie in zum Glirschkamm im Süden. Nach etwa 2h gelangt man zu einer Engstelle - der Kuchl (14:50) - aus der der Weg ins Hinterkar hineinleitet. Während zu Beginn des Hinterkars in weiten, aber regelmäßigen Abständen rote Markierungen zu finden sind und die Orientierung auch prinzipiell recht einfach ist (immer auf die Scharte zwischen dem Südausläufer der Großen Riedlkarspite und den imposanten Felsformationen der Breitengrieskarspite zu), wird die Wegfindung im oberen Bereich des Kars etwas komplizierter. Hier ist eigentständige Orientierung anhand der oben genannten Landmarken nötig und zielführender als das Suchen nach Markierungen. Daher könnte dieser Bereich bei Nebel ordenlich Nerven kosten. Schwierig ist er jedoch auch nicht. Bis hierher nochmals 1:30h.
Von der Scharte führen dann aber wieder Pfadspuren zunächst in Richtung Süden querend auf den Südgrat der Breitengrieskarspitze (16:40). Diese kann mit einem Zeitaufwand von 30-40min (hin und zurück auf gleichem Weg) in leichter Kraxelei (I) mitgenommen werden. (Das Gipfelbuch freut sich sicher über etwas mehr Besuch!)

Der Abstieg erfolgt nun ostseitig der Breitengrieskarspitze, zunächst recht steil und felsig (I, teilweise Drahtseile) und quert unter dem Gipfelaufbau nach Norden in die Breitengrieskarscharte mit der gleichnamigen Biwakschachtel (alter Transporteraufbau mit dünnen Matten, aber ohne Decken). Von dort aus geht es weniger mühsam als der viele Schutt vermuten lässt zur Seekarscharte (17:30). Hier führt ein gut erkennbarer und markierter Weg ins Marxenkar hinab, was mir, vor allem angesichts der sich immer höher auftürmenden Quellwolken, sehr gelegen kam. Im Eilschritt also nach Osten durchs Marxenkar, die Abstiegsmöglichkeit zur Angeralm links liegen gelassen und immer auf den Nordausläufer der Ödkarspitzen zu. Der felsige, Drahtseil-gesicherte Übergang über diesen bei Nieselregen und Wetterleuchten blieb mir jedoch trotz aller Eile nicht erspart (18:30). Dementsprechend erleichtert war ich, als ich die Wiesenhänge unterhalb des Schlauchkars, also sichereres Terrain erreichte. Nun - stimmungsvoll begleitet durch das Gewitter über der Seekarspitze - in einem großzügigen Bogen, auf gleichbleibender Höhe unter dem Schlauchkar entlang zum Karwendelhaus (19:30).

Wetterbedingt legte ich dort eine mehrstündige Pause ein und brach erst wieder auf als sich das Gewitter gelegt und der Regen fast vollständig aufgehört hatte (22:00). Auf breiten Wegen ging es nun mit Stirnlampe in Richtung Ahornboden. An einer Wegkreuzung kann man entscheiden, ob man auf dem Mountenbikeweg oder dem Wanderweg gehen möchte. Beides ist völlig unschwierig und leicht zu finden. Eventuell ist der Fahrradweg weniger steil, was für mich günstiger gewesen wäre, da mir diese Etappe zur Falkenhütte physisch am meisten zugesetzt hat. Unterwegs überkamen mich erstmals Zweifel, ob ich die Idee durchziehen kann - zumindest wenn sich meine Kondition nicht im Laufe der Nacht wieder erholt. Nach 2:30h gabs aber erst mal auf einer Bank unweit der Falkenhütte die langersehnte Pause unter dem mittlerweile herrlichen Sternenhimmel (Pause: 00:30-01:00).
Da ich mit nachlassender Ausdauer rechnete, hatte ich die nächste Pause bei der Binsalm oberhalb von Eng, also nach geplanten 2:30h Gehzeit, anberaumt. Der Weg wurde jedoch wieder interessanter und ich anscheinend munterer, sodass ich dort - trotz etwas aufwendigerer Wegfindung (viele Markierungen, die allerdings im Dunkeln Aufmerksamkeit benötigen) und einem kleinen Verhauer am Hohljoch - bereits um 03:00 ankam. Angesichts der nun lockeren Zeitplanung habe ich meinen Biwaksack ausgepackt und - nach der Energiezufuhr - tatsächlich eine halbe Stunde neben dem Holzschuppen der Binsalm gepennt, bevor der Wecker zum letzten Teil der Tour rief (Pause bis 04:00).
An den Weg von der Binsalm zur Lamsenjochhütte habe ich ehrlich gesagt nicht besonders viele Erinnerungen. Auf jeden Fall war der Weg nicht anspruchsvoll und auch in meinem halbwachen Zustand sehr gut machbar. Die Zeitersparnis, die ich sonst gegenüber den angegebenen Marschzeiten reinlaufe, waren jedoch nicht mehr drin und so erreichte ich die Abzweigung ins Gramaital kurz vor der Lamsenjochhütte um 06:00 Uhr.
Hier konnte ich zwar keine wirkliche Pause mehr machen, weil ich dabei sofort eingeschlafen wäre (mindestens dreimal ist nicht das Käsebrot in meinem Mund, sondern mein Kopf auf dem Käsebrot gelandet), aber mit Hilfe von musikalischer Unterstützung (geht leider nur bei Tageslicht) bin ich in etwa 2h zur Gramaialm und noch einer weiteren Stunde nach Pertisau abgestiegen (09:00). Nachdem ich mit Hilfe des Tourismusbüros meine Heimreise organisiert hatte, bin ich letztlich im Bus eingeschlafen, wurde aber netterweise von einem Passanten, der sich zuvor nach meiner Tour erkundigt hatte, vor der Haltestelle Kufstein-Bahnhof geweckt :-)

Meine Wanderung hat also insgesamt 22 Stunden gedauert bei 4:30-5:00h Pause. Vor allem im Nachhinein ist es schon eine außergewöhnliche Erfahrung gewesen, die ich nicht missen möchte. Wiederholen möchte ich sie aber auch nicht - das habe ich mir zumindest in Pertisau geschworen. Und auch wenn es mir jetzt gar nicht mehr so wild vorkommt - ich glaube ich sollte dieser zeitnahen Beurteilung vertrauen...

Tourengänger: kneewoman


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Kommentare (4)


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Vielhygler Pro hat gesagt:
Gesendet am 23. September 2015 um 23:01
Eine anschauliche Beschreibung und...schöne Wolkenstimmungen. Tag und Nacht im Karwendel - sehr sportlich. Ein fast romantisches Trekkingvorhaben!

©bergundradlpeter hat gesagt:
Gesendet am 24. September 2015 um 16:05
fette Tour, Gratulation hierfür und
herzlich Willkommen bei HIKR

Viele Grüße
Peter aus Herrsching

kneewoman hat gesagt: RE:
Gesendet am 24. September 2015 um 20:39
Vielen Dank für das herzliche Willkommen! So motiviert werde ich sicher in den kommenden Tagen/ Wochen ein paar weitere Erlebnisse mit Euch teilen.
Gibt es eigentlich eine Funktion mit deren Hilfe man auf neu eingestellte Touren aufmerksam gemacht wird?
Gruß,
Sarah

©bergundradlpeter hat gesagt: RE:neue Berichte
Gesendet am 25. September 2015 um 09:03
Hi Sarah,
ja das geht.
Einfach im Menü "Präferenzen" -> News und My Hikr ->
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Viele Grüße
Peter


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