Velika Rudoka / Maja e Njerit 2661m


Publiziert von Sputnik Pro , 24. September 2015 um 20:50.

Region: Welt » Mazedonien
Tour Datum: 4 September 2015
Wandern Schwierigkeit: T2 - Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: MK   RKS 
Zeitbedarf: 11:00
Aufstieg: 1700 m
Abstieg: 1700 m
Strecke:Zirka 25km (total)
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Von Скопје (Skopje) mit dem Bus bis Тетово (Tetovo). Ab dort mit dem Taxi bis ins kleine Dorf Ѓурѓевиште (Gjurgjevište).
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Analog Zufahrt zum Ankunftspunkt.
Unterkunftmöglichkeiten:Keine unterwegs; Hotels in Гостивар (Gostivar) und Тетово (Tetovo).
Kartennummer:Република Македонија - Агенција за катастар на недвижности: http://gis.katastar.gov.mk/arec

HÖCHSTER KOSOVARE: MAJA E NJERIT / ВЕЛИКА РУДОКА (VELIKA RUDOKA) 2661m

Da wir wegen der politischen Lage in der Türkei nicht den Büyük Ağrı Dağı (Ararat) besteigen konnten - die Absage kam etwa zwei Wochen vor der Abreise - mussten wir eine Alternative finden. Auf dem Balkan fehlte mir der neue höchste Berg vom Kosovo als letzter Landeshöhepunkt aller Balkanländer. Bis vor wenigen Jahren galt die 2656m hohe Gjeravicë / Đeravica noch als höchster Berg Kosovos. Als die Grenze zu Mazedonien genau definiert und Mazedonien exakt vermessen wurde, sah man, dass ein Grenzberg zum Kosovo fünf Meter höher ist als die Gjeravicë. Auf der Gjeravicë war ich schon vor 4 Jahren gewewsen (Bericht: Zweithöchster Kosovare); nun ergab sich die Möglichkeit, den höchsten Gipfel Kosovos zu besteigen. So reisten Felix und ich von Griechenland nach Mazedonien um von dort aus die Velika Rudoka / Maja e Njerit zu besteigen. Anschliessend reisten wir wieder über Bulgarien in Richtung Türkei.

Allgemeines zur Velika Rudoka / Maja e Nerit

Der 2661m hohe Gipfel heisst auf Mazedonisch Велика Рудока (Velika Rudoka), auf Albanisch Maja e Njerit oder Rudoka e Madhe. Über seinen Gipfel verläuft die Grenze zwischen Mazedonien und Kosovo – vom Kosovo ist er der höchste Gipfel. Der Berg liegt im südlichen Teil des Gebirges Шар Планина (Šar Planina) das auf Albanisch Bjshkët e Sharrit heisst. Im nördlichen Teil des Gebirges liegen die höchsten Gipfel in Mazedonien während im südlichen Teil der Grenzkamm über den Hautkamm verläuft. Der Gipfel besteht zum grössten Teil aus Granit aber ist grösstenteils mit Gras bewachsen da die Flanken kaum Felsstufen zeigen. Von den umliegenden Tälern ist er schlecht sichtbar da er entweder durch andere Gipfel verdeckt wird und sich einige Hochebenen um den Hauptkamm ausbreiten. Bis etwa 1600m Höhe sind die Bergflanken bewaldet, darüber breiten sich weite Graslandschaften die vom Schafhirten bewirtschaftet werden. Die obersten dreihundert Meter bestehen aus wenig genutztem, postglazialem Gelände das ebenfalls grasbewachsen ist. Die letzte Eiszeit hinterliess zudem einige kleinere Seen in Umgebung des Gipfels von denen der grösste Bergsee Црно Езеро (Crno Ezero; 2169m) im Nordosten des Gipfels liegt. Der Gipfel wird eher wenig besucht. Vom Kosovo und Mazedonien kann er einfach (Schwierigkeit T2) erwandert werden wobei zu bemerken ist dass die Wege sehr weit sind wenn man in einem der kleinen Dörfern losgeht. Mit einem Allradfahrzeug ist es jedoch möglich bis auf etwa 2000m hochzufahren um so die Tourenlänge deutlich zu reduzieren.

Tourenbericht

TAGE 1-3 (31.8-2.9): Türkei, Teil I

TAGE 3 UND 4 (2./3.9.): Griechenland

TAG 4 (3.9.): Griechenland - Bitola - Ohrid - Tetovo

Von Griechenland überquerten wir zu Fuss die Grenze nach Mazedonien. Die Kontrolle userer Pässe war rasch erledigt, nun brauchten wir nur noch ein Taxi in die nahe gelegene, nächstgrössere Stadt Битола (Bitola). Ein Arbeiter der scheinbar für den Unterhalt der Grenzstation verantwortlich ist rief uns ein Taxi. So kamen wir schnell weiter; ausserdem haben wir eine Stunde gewonnen, da wir uns in Mazedonien in einer anderen Zeitzone als in Griechenland befinden. Der Taxifahrer erklärte uns, dass wir sehr viel schneller und nur zum doppelten Preis als mit dem sehr billigen Bus weiter nach Охрид (Ohrid) fahren können. So verluden wir in Bitola unser Gepäck in ein alter VW-Kombi deines privaten Taxifahrers und schon ging die rasante Fahrt los. Felix hatte Mühe mit der Fahrweise unseres Fahrers denn Verkehrsregeln interessierten ihn nicht, es gab keine Sicherheitsgurte im Auto und wegen seinem Bleifuss auf dem Gaspedal wurden wir während der ganzen Fahrt nie überholt. Das ging ja flott nach Ohrid! Dort tranken wir zuerst ein Bier und Felix musste sich von der Fahrt zuerst einmal erholen. Der Fahrer der uns nach Ohrid brachte vermittelte uns einen anderen Fahrer der uns nach Тетово (Tetovo) bringen sollte. Felix war zuerst skeptisch. Doch es stellte sich heraus dass wir nun in einem neuren Auto unterwegs sein werden und dass es Gurte zum Anschnallen hat. Der Fahrer machte einen seriösen Eindruck und so fuhren wir bald nach dem Bier weiter. Der zweite Fahrer fuhr gemächlicher und Felix konnte nun auch die schöne mazedonische Landschaft geniessen. Da die Fahrt deutlich länger war als die Erste machten wir auf dem Pass Стража (Straža; 1220m) eine Pause. Bequem erreichten wir später Tetovo wo wir im Hotel Lirak im Stadtzentrum ein Zimmer bezogen. Am Abend spazieten wir durch die Oberstadt und genossen im wunderschönen serbischen Restaurant Бела Миа (Bela Mia) ein hervorragendes Nachtessen.

TAG 5 (4.9.): Tetovo - Gjurgjevište - Velika Rudoka - Gjurgjevište - Tetovo

Heute sollte der Gipfeltag sein was mich eigentlich freuen sollte - doch leider wachte ich mit einer laufenden Nase und leichten Halsschmerzen auf, was natürlich ob der anstehenden langen Tour keine Freude war. Nun, ich konnte die Situation nicht ändern und so brachte uns ein Taxi nach dem Frühstück ins Dorf Сенокос (Senokos) am Fusse der Berge. Dort machten wir mit dem Fahrer ab, dass er für einen kleinen Aufpreis uns weiter die Berghänge hinauf fährt womit er auch einverstanden war. Da er sich dort nicht auskannte, fragte er sich zuerst in Senokos durch nach der richtigen Abzweigung. So fuhren wir mit dem Taxi bis auf knapp 1000m hinauf ins Dorf Ѓурѓевиште (Gjurgjevište).

Wir starten unsere Tour direkt bei der Moschee des albanisch geprägten Dorfes. Schon nach wenigen Meter verengte sich der Fahrweg und wir wanderten vorbei einer Schule in einigen kleinen Kehren bergauf bis wie auf ein Fahrsträsschen trafen. Da ich mich wegen der Erkältung etwas schonen wollte folgte ich dem Fahrsträsschen während Felix dem Fussweg folgte. Als sich beide Wege wieder verinigten wanderten wir nun gemeinsam über den direkten Fussweg bergauf. Nach ¾ Stunden Wandern erreichten wir einen Brunnen an dem wir die erste rotweisse Wandermarkierung entdeckten. Bald darauf wurde der Wald immer dichter und der Weg war nun eindeutig nucht mehr zu verfehlen denn die Markierungen wurden immer zahlreicher. Nach etwa einer Stunde rasteten wir ein erstes Mal im Schatten des Waldes. Anschliessend wurde der Weg zum Waldrand hin stets etwas steiler und wir kreuzten das Fahrsträsschen etliche Mal. Am Waldrand legte sich das Gelände zurück und wir sahen einen unglaublich langen und breiten Grasrücken vor uns der bis unter die ebenfalls begrasten Ostflanke des Бриставец (Bristavec) hinaufreicht.

Nachdem wir ein letztes Mal das Fahrsträsschen kreuzten wanderten wir den Rücken hinauf. Wir brauchten dabei lediglich Fahrspuren im Gras zu folgen. Dabei trafen wir eine Schafherde an und hatten Glück dass der Hirt anwesend war und den Herdenhund zurück pfiff. Irgendwann oberhalb der Schafherde rasteten wir nun ein zweites Mal. Nach gefühlten tausend Stunden Marsch standen wir unter der Flanke. Felix fand gleich den richtigen Weg der aufsteigend die Flanke nach links oben querte. Inzwischen waren glücklicherweise meine Halsschmerzen verflogen - doch quälten mich nun meine neuen Schuhe. Die Socken hatten meine Fersen und Achillessehnen aufgescheurt so dass sich Blasen bildeten. Glücklicherweise hatte Felix Pflaster dabei und ich konnte mich verarzten. Da der weiche, grasbedeckte Untergrund es erlaubte, lief ich nun lediglich in Socken weiter, was überraschend gut ging!

Auf einem gut sichtbaren Pfad querten wir die Bristavec Ostflanke nach links oben bis wir bei P.2195m die Geländekante erreichten und auf die Südflanke wechselten. Nun waren nicht mehr so deutliche Spuren zu sehen. Wir traversierten non immer etwa auf gleicher Höhe die Südflanke und passierten dabei hoch am malerischen Bergsee Crno Ezero vorbei ins dahinter liegende Tälchen. Nun trafen wir wieder auf Wegzeichen. Wir folgten nun den rotweissen Markierungen immer etwa im Talgrund bergauf bis wie schliesslich zum ausgetrockneten namenlosen Bergsee P.2427m gelangten. Auf der anderen Seite des Sees trafen wir wieder auf einen klaren Pfad der in ein Sättelchen hochführt wo auch die Grenze zum Kosovo überschritten wird. Hier rasteten wir nochmals und ich zog mir wieder meine Schuhe an. Für den Schlussaufstieg deponierte ich meinen Rucksack und nahm nur etwas zum Trinken mit. Auf kosovarischem Territorium wanderten wir nun weglos die Rudoka-Ostflanke querend hinauf und erreichten so den Südwestgrat. Der breite Grat leitet mässig steil direkt zum Gipfel. Den höchsten Punkt mit dem Grenzstein sahen wir allerdings erst auf den letzten Meter. Müde, durstig und ungewohnt abgekämpft erreichte ich den Gipfel. Dennoch, die Tour war wunderschön und die Landschaft entschädigt alle Strapazen.

Den langen Abstieg bewältigten wir auf der gleichen Route und erreichten Gjurgjevište als es schon fast Nacht war. Ein Dorfbewohner fuhr uns zurück nach Tetovo. Doch der junge Mann war ein mühsamer Geselle denn wir machten vor der Fahrt einen Preis von 600 Denar ab, so viel wie ein Taxi kosten würde. In Tetovo wollte er dann plötzlich einen Wucherpreis von 50 Euro! Ich gab ihm nochmals 100 Denar (knapp 2 sFr) und sagte mehr gibt es nicht. Er liess nicht locker uns Felix wurde nun richtig unagenehm. Wir gingen dann einfach und er fuhr genervt weg. Zum Abschluss des Tages tranken wir noch zwei Bier in einer Bar – zum Essen waren wir einfach zu müde!

TAG 6 (5.9.): Tetovo - Skopje - Bulgarien

Heute sollte es in die bulgarische Hauptstadt София (Sofija) weitergehen. Nach dem Frühstück auf dem Balkon unseres Hotels in Tetovo packten wir unsere Sachen und liefen zur Busstation. Schnell war ein Ticket nach Скопје (Skopje) gekauft und unser Bus stand auch schon da. Der Bus war leider überfüllt so dass ich bis kurz vor der mazedonischen Hauptstadt stehen musst. Felix hatte mehr Glück und ergatterte einen der letzten Sitzplätze. Die Fahr dauerte nicht sehr lange bis Skopje. Hier erfuhren wir dass erst am späteren Nachmittag der nächste Bus nach Bulgarien abfahren würde. So kauften wir unsere Fahrscheine und gingen zuerst einmal ein erfrischendes Bier der lokalen Marke Скопско (Skopsko) trinken. Der Kellner war auch so nett, so dass wir unsere Sachen im Restaurant deponieren konnten. So schlenderten wir bequem durch die schöne Altstadt, schauten uns die Festung an und genossen einfach den Tag. Am späteren Nachmittag fuhr schliesslich unser Bus pünktlich mit dem Ziel Bulgarien ab.

TAGE 6 UND 7 (5./6.9.): Bulgarien

TAGE 8 BIS 11 (7.-10.9.): Türkei, Teil II

TAGE 11 BIS 17 (10.-16.9): Aserbaidschan

Genaue Gipfelroute: Ѓурѓевиште - Точка 1258м - Точка 1736м - Точка 1814м - Точка 1905м - Точка 2195м - Црно Езеро (на север) - Точка 2275м - Езеро 2427м - Точка 2629м - Велика Рудока / Maja e Njerit - Abstieg wie Aufstieg.

Tourenbericht von Felix: Велика Рудока / Maja e Njerit

Wichtige Links zur Velika Rudoka / Maja e Njerit

Wetter: Šar Planina
Summitpost: Velika Rudoka

Anmerkung: Alle Zeiten der Fotos sind in OESZ, für die lokale MESZ muss bei allen Aufnahmezeiten eine Stunde abgezogen werden.

Tourengänger: Sputnik, Felix


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Kommentare (2)


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pika8x14 Pro hat gesagt:
Gesendet am 25. September 2015 um 15:52
Hallo Andi,

herzliche Gratulation zur Rudoka und damit zu allen Landeshöhepunkten auf dem Balkan - auch wenn die Umstände ja etwas kurios waren (Socken, … ;-).

Bezüglich des Namens fragen wir uns übrigens immer noch, ob "Maja e Njerit" tatsächlich eine offizielle Bezeichnung ist oder eher doch nicht? Auf all unseren Karten und auch auf der von Dir recherchierten Online-Version ist immer nur "Rudoka" bzw. "Рудока" eingetragen (siehe auch die "philosophische Betrachtungen" in unserem Bericht). Außerdem wäre auch einmal interessant, welcher Gipfel in der Umgebung eigentlich die "Kleine Rudoka" sein soll - wenn es denn schon eine "Große" gibt ;-).

Viele Grüße, Andrea + André.

Sputnik Pro hat gesagt:
Gesendet am 27. September 2015 um 12:58
Hallo Zusammen,

Ja ich habe eure Ausführungen auch gelesen. Ich denke, dass die "Kleine" Rudoka ist Vorgipfel ist oder sie existiert schlicht nicht. Wieso der Berg "Velika Rudoka" heisst ist mir ebefalls unbekannt, auf verschiedenen Karten findet man nur "Rudoka" - nun ja, ich habe den Namen "Velika Rudoka" jedenfalls übernommen. Maja e Njerit ist wahrscheinlich schon der albaische Name, nur eben stehen auf den alten Jugoslawien-Karten keine Albanischen Namen, ebenso fehlen sie auf Mazedonischen Karten... und brauchbares kosovarisches gibt es nicht.

Danke der Gratulation - und Sockenwandern geht wirklich solange es nicht kalt, nass oder steinig ist :-)

Viele Grüsse,

Andi


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