Meh Sex? My Socks? Nein, Misox: Padion & Campel


Publiziert von Polder , 21. September 2015 um 15:23.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Misox
Tour Datum:20 September 2015
Wandern Schwierigkeit: T5- - anspruchsvolles Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: Gruppo Forcola-Arsa   CH-GR   Gruppo Balniscio-Forcola   Gruppo Val Cama 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 2600 m
Abstieg: 2550 m

Nach einschlägigen Erfahrungen von Zaza zahlt es sich aus, die Titel mit einem gewissen Sex-Appeal zu versehen - versuchen wir das also auch einmal, wenngleich es hier im Gegensatz zu welschen Gipfelzielen namens "Sex..."  etwas plumperer Verrenkungen bedarf...
Wie dem auch sei, wir hatten jedenfalls zwei Tage "kinderfrei" und daher Zeit und Lust, wieder mal ein Tessiner oder Misoxer Hüttchen kennen zu lernen. Weil im Tessin noch Jagd ist/war, die Misoxer Jäger hingegen  Bettagspause machen mussten, kam letzteres zum Zuge. Auf telefonische Vorabklärung hin sollte Campel Alt (jäger-)frei sein - Abendsonne inklusive...

Ersteres stimmte, letzteres ganz und gar nicht - wie die Konsultation des Radars zeigte, installierte sich just in einem Streifen Lugano - San Bernardino zwischen 18 und 21 Uhr eine intensive Niederschlagszone.... Immerhin reichte es grad knapp, Campel Alt nicht allzu nass zu erreichen - dies über den alten, eindrücklichen Pfad via Cran - Lombrèd. Er ist nicht markiert, aber im Allgemeinen gut zu sehen, ausser vielleicht in den grasigen Passagen Lobrèds. Der Anfang befindet sich genau dort, wo nördlich von Cabbiolo die waldige Spitze eines Rückens vis-à-vis eines Kieswerks ans Strässchen links der Moesa trifft. Die Strickleiter, welche die alte Treppe über die Schlüsselstelle ersetzt, ist in bestem Zustand, und oben finden sich sogar neuere Kunstbauten. Wir kommen dennoch nicht allzu schnell voran, weil wir immer wieder von Pilzen gestoppt werden - selten so einen pilzreichen Wald gesehen!

Auf Montogn fängt es leicht zu regnen an - glücklicherweise erst ein leichter Vorgeschmack auf den grossen Regen, der am Abend kommen sollte. Das lange Gras im Aufstieg auf dem undeutlichen Weg nach Campel Alt - durch die reichlichen Niederschläge der letzten Tage ohnehin nicht unterversorgt - wurde natürlich dennoch nass... Das neue Hüttli auf Campel Bass scheint fertig zu sein; es ist offen, hat ein Hüttenbuch und sieht recht gemütlich aus!

Da sich die Schneefallgrenze auf ca. 2400m zu installieren scheint, ist es in der grossen, nicht heizbaren Hütte von Campel Alt recht kalt; immerhin können wir uns nach dem reichhaltigen Pilzgericht am offenen Feuer wärmen, bevor wir uns, immer umrahmt vom auf's Blechdach trommelnden Regen, unter die Wolldecken verkriechen.

Am nächsten Morgen starker Wind, aber klarer Himmel. Ab 2400m ist es weiss, und so sehen wir vom Pass aus auch, dass die Plattenschüsse zum Grat Pizzo della Forcola - Padion und der luftige Grat selbst natürlich auch eingeschneit sind. So entscheiden wir uns, lediglich den einfachen Vorgipfel 2524 anzupeilen - der Nordföhn hat immerhin dafür gesorgt, dass das Gras einigermassen trocken ist, sodass wir den Grat und damit den ersten Schnee und die ersten vereisten Platten trockenen Fusses erreichen. Wunderbar die Ambiance auf dem frisch verschneiten Rücken, mit Blick hinunter ins Grüne und hinüber zu den anderen weissen Bergspitzen und Plattenfluchten.
Wegen dem starken, kalten Nordföhn verweilen wir nicht lange und halten die erste Rast wieder unten auf Campel Alt ab. Von dort statte ich der verlockenden Pyramide des Piz de Campel noch einen Besuch ab - der luftige Grat überzeugt durch festen Fels und beste Stufung, oftmals bewegt man sich auf Gemswechseln unmittelbar unter der Gratkante (der südlichen natürlich, nordwärts bricht der Grat in eindrücklichen Plattenfluchten ab). Der reinste Genuss also, der Grat, zumal der Piz eine hervorragende Aussichtsloge in der Misoxer Talachse darstellt.
Da wir zeitig zurück sein müssen, muss ich die Gipfelrast beschränken und der Frau Gemahlin nacheilen, die bereits den Abstieg über die Stiegen und weiter nach Quarnei angetreten hat. Bis dort kaum oder nur noch rudimentäre Wegspuren, aber das weite, einstmals bestossene Gelände ist (noch) gut begehbar. Wunderbar auch die weiten Weiden auf Crasteira, bevor der eindrückliche, immer noch mit Grossvieh begangene Weg schattig sich in die Schlucht hinabwindet - dort ist die Brücke einem Felssturz zum Opfer gefallen; über die Blöcke ist die Bachquerung dennoch gut möglich.
Beim Ausmarsch nach Soazza endlich wieder an die warme Sonne, ein kurzer Gegenaufstieg ins museale Dorf, wo uns alsbald das Poschi nach N mitnimmt.

An einem prächtigen Sonntag auf teilweise markierten Wegen keine Menschenseele getroffen - das kann (fast) nur MISOX sein!


Tourengänger: Polder


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