Island Peak, 6189 m. Teil 2 unseres Khumbu-Trekks


Publiziert von donalpi , 19. September 2015 um 17:31.

Region: Welt » Nepal » Khumbu
Tour Datum: 2 November 1989
Wandern Schwierigkeit: T4- - Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: ZS
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: NEP 
Aufstieg: 1039 m
Abstieg: 1459 m
Strecke:Island Peak Basecamp-Island Peak 6189 m-Chukhung
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Flug Kathmandu-Lukla-Namche Bazar-Chukhung-Island Peak Base Camp-Island Peak
Unterkunftmöglichkeiten:Zelt im Basecamp
Kartennummer:Neue Karte von 2014: Island Peak/Mera Peak

Am 1. November, nachdem Maria und Walti den Rückweg zusammen mit Elsbet zur Krankenstation in Pheriche angetreten hatten, (siehe meinen Bericht vom 22. Mai 2015 "Chuckhung Ri, unser Trekk im Khumbu, Teil 1) verliess ich mit Kaji, Pemba und einem Koch Chukhung in Richtung Basecamp am Island Peak. Walti würde ich erst in ca. 10 Tagen am Gokyosee wieder antreffen, während Maria wegen gesundheitlichen Problemen bis zum Schluss unseres Trekks in Namche Bazar bleiben musste. Elsbet wollte mit dem Tross bis nach Duglha weiterwandern und dort auf mich warten.

Der Weg schlängelt sich durch diese grandiose Gebirgslandschaft, steigt aber nur 420 m bis zum Basecamp. Wir kommen an kleinen Gletscherseen des Imjaclaciers vorbei, zuletzt immer ein bisschen rauf und runter, teilweise auch pfadlos. Rechts beherrschen die Gipfel der Amphuskette und der Amphusglacier die eindrückliche Szenerie. Das Basecamp liegt in einer steinigen Mulde, 5150 m hoch, keine Augenweide, aber was soll`s wir sind ja nicht hier um Ferien zu machen. Es hat einige Zelte, aber beileibe nicht so viele wie wir vermutet hatten. Während unser Koch zusammen mit Kaji unser Zeltlager einrichtet, erkunde ich mit Pemba den Anfang des Weges den wir im Licht der Taschenlampen am nächsten Morgen begehen werden. Es scheint hier keine Probleme zu geben, wir sind überzeugt hier flott aufwärts zu kommen, denn ich kenne Pemba als bärenstarken Sherpa. Bei meinen Mietsteigeisen muss ich noch zusätzliche Fixierungen anbringen, lieber noch hier als auf dem Gletscher.... Nach Dal Bhat und Tee suchen wir frühzeitig unser Nachtlager auf, draussen ist es klar und kalt, ein gutes Zeichen.

Habe hier von Aufstiegszeiten von über 6 und sogar von 11 Stunden gelesen, das kann es aber bei einer Höhendifferenz von nur 1039 m. bis zum Gipfel ja nicht sein, da brauchten die Leute wohl einen Haufen Zeit um Fixseile einzurichten....zudem gibt es dann dort Engpässe das sogenannte "stop and go". Wir starten um 3.30 Uhr morgens mit den Taschenlampen auf dem am Vortage erkundeten Pfad zuerst der Moräne entlang und dann steil links hoch auf Pfadspuren und über Geröll, zuletzt einigen Kraxel- stellen (I) zum Gletscher hoch. Das Wetter ist super, sternenklar, aber kalt. Es waren schon einige Berggänger vor uns gestartet, aber beim Gletscher hatten wir alle hinter uns gelassen. Fühlte mich komplett OK, nix mit Husten und Kopfschmerzen, hatten auch nur leichtes Gepäck dabei, eine Flasche Tee und einen kleinen Lunch, dann ein dünnes Seil, Anseilgurt, Pickel und Steigeisen, sowie 2 Eisschrauben und Karabiner, dazu meine NIKON FE und den THOMMEN-Höhenmesser. Auf dem Gletscher seilten wir uns nicht an, Schnee und Eis waren hart, die Spalten konnten umgangen werden, ausserdem gab es auch eine harte Spur, vermutlich vom Vortag.
Es war ein unbeschreiblicher Moment, als die Sonne hinter dem Makalu auftauchte und die umliegenden Gipfel in gleissendes Licht tauchte, werde diesen Moment nie vergessen. Aber was war denn das? Auf dem Gletscherplateau standen enige Zelte, da gab es doch Leute die machten den Gipfel in 2 Tagen, erinnerte mich an das Matterhorn, wo wir auch viele Leute antrafen, die in der eigentlich nur als Notunterkunft gedachten Solvayhütte übernachteten... Dann sahen wir, dass an der Eiswand, an der am wenigsten geneigten Stelle bereits Leute an Fixseilen in Aktion traten. Wir wollten auch in der Nähe der Fixseile hochklettern, natürlich ohne diese auch nur zu benützen, aber da kamen schon drei, vier Leute und sagten nur "Go! go---go---! Es waren Amerikaner, also die Leute die noch ein Hochlager benötigt hatten, sie scheuchten uns einfach weg! Ich verlor aber mit diesen Leuten kein Wort, sondern wir gingen nach links, wo die Wand natürlich noch steiler war und stiegen ohne angeseilt zu sein zügig nach oben, der Schnee war sehr griffig, daher kein Problem. Pemba stieg mutig hinter mir hoch, ich fragte ob er Ok sei und er bejahte: OK! Was ich da beim Aufstieg sah, grenzte ans Lächerliche: da wurden doch einige "Bergsteiger" an den Fisxseilen zusätzlich wie Kartoffelsäcke von den Sherpas hochgezogen, also wenn das dann noch als "ZS" betitelt wird, ich weiss nicht.....(Die Eiswand ist ca. 50°-55° steil, ca. 100-110 m. hoch) Auf einem Eisbalkon, knapp unterhalb des Grates seilten wir uns an, denn auf dem ganzen Gratstück hatte es Wächten. Wir passierten die sichernden Sherpas mit einem "grins" und waren dann allein auf dem Grat, die Amis mussten wohl noch auf die Ankunft ihres Chefs warten.

Einen schöneren "Höhenweg" habe ich noch selten gemacht, was für eine Umgebung, von der Ama Dablam über die Amphuspeaks, die Riesen Makalu, Baruntse und direkt neben uns die Wände von Lhotse und Lhotse Shar, unglaublich...Aber bitte nicht zuviel Umherschauen, links und rechts geht es senkrecht in die Tiefe, der Grat schmal. (Habe kürzlich auf Fotos gesehen, dass auch hier auf dem Grat noch Fixseile verlegt wurden, Kommentar überflüssig!) Um 08.30 dann ein "Handshakes" auf dem Gipfel, Pemba war überglücklich, denn es war sein erster Sechstausender, das hatte er mir natürlich vorher nicht gesagt. Na was solls, es klappte ja super. Wir hatten knapp 5 Stunden für den Aufstieg benötigt, dazu waren es erst 8 Tage seit unserer Ankunft in Lukhla. Eine halbe Stunde blieben wir auf dem Gipfel, warteten noch auf die ersten Nachfolger, denn jemand musste doch von uns ein Gipfelfoto machen (damals gabe es noch keine "Selfiestangen") Dann ging es vorsichtig über den Grat zurück, denn nun kamen uns die Leute der Expedition entgegen und kreuzen war nicht ungefährlich. Wir kamen wieder bei den Sherpas an der Stelle mit den Fixseilen vorbei und stiegen in unserer Spur langsam zum Gletscherplateau hinab, die Firnverhältnisse waren immer noch optimal. Auf dem Gletscher machte ich dann die meisten Fotos, hatten wir doch genügend Zeit. Bald hatten wir auch wieder "festen Boden" unter den Füssen und stiegen zuerst über die Kraxelstellen und den Pfadspuren und dem Weglein an der Moräne zum Basecamp hinunter. Unser Koch hatte schon gecheckt, dass wir im Anmarsch waren und hatte das Mittagessen vorbereitet, Dhal-Bhat.....Kaji und der Koch hatten auch schon das Zelt zusammengepackt, so konnten wir noch am gleichen Tag wieder Chukhung erreichen. Pemba und ich waren überglücklich, denn ich wollte um jeden Preis den Gipfel erreichen, dazu hatten wir natürlich auch das entsprechende Wetterglück, zudem hatten wir den Gipfel auch "by fair means" bestiegen, auch darum schmeckte uns das Bier in Chukhung dann noch doppelt so gut....... Fazit: Ein lohnender Gipfel, aber auch hier wieder viele Leute die hinauf wollen, aber vorher im ganzen Leben noch keine Eistour oder Ähnliches gemacht haben und dann in ganzen Gruppen an Fixseilen hochgezogen werden, schade. Schwierigkeit: T4, I, ZS (mit Fixseilen WS-)

Die Karte auf dem Bild zeigt unsere ganze Tour von Lukla aus. Es gibt eine neue Karte von 2014: Island Peak/Mera Peak (Vielen Dank für den Hinweis von ABoehlen) Diese Karte ist erhältlich bei der Webseite  www.climbing-map.com Tel. 0041 31 3011 692 und kostet CHF 25.--
 

Tourengänger: donalpi


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