Piz Tomül (Wissensteinhorn) 2946m


Publiziert von Bombo , 8. Dezember 2008 um 00:23.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Safiental
Tour Datum: 7 Dezember 2008
Ski Schwierigkeit: WS+
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR 
Zeitbedarf: 3:45
Aufstieg: 1250 m
Abstieg: 1250 m
Strecke:Route 363a: Turrahus - P.2106.7 (Holzkreuz) - Rotflue - Südostgrat - Piz Tomül - Abfahrt über gleiche Route
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Bonaduz - Safiental - Turrahus (achtung, letzte brauchbare Tankstelle in Bonaduz bzw. Versam!!)
Kartennummer:LK 1:50'000, Bl 257 S "Safiental"

Eine weitere Folge von "bombostische Schlumpfentouren", heute:


"Piz Tomül im Safiental - Camel-Trophy?"


Mag ja sein, dass ich hin und wieder Schneehühner sehe und höre, auch dann, wenn meist noch gar keine in Sichtweite sind. Die einen, vorallem einer (gäll Roger), führen das auf ein halluzinöses Whiteout (siehe Wikipedia-Erklärung im Anhang) zurück, andere (also ich) auf die blanke Realität. Doch was wir heute sahen, dies übertrifft so manches Whiteout und ganz bestimmt auch die erwartete Realität...

Doch alles der Reihe nach. Alle guten Dinge sind 3, sagt man... hier unsere heutigen guten 3 Dinge:


1. Kein "Moscht" mehr - also Tank leer - blanke Realität, leider keine Halluzination - dafür aber Rettung in letzter Sekunde bzw. letztem Benzintropfen

2. Schneehühner - es gibt sie eben doch! - blanke Realität, zum Glück keine Halluzination

3. Kamele im Schnee - eine Kombination von Whiteout, Halluzination und irgendwie noch ein Stückchen Fatamorgana - das Besondere: es ist die blanke Realität im Safiental - man glaubt es kaum, doch es ist so.

3+. Gipfel erreicht (aber von dem gehen ja sowieso alle aus...)


Zu Punkt 1: Wer nicht hören oder sehen will, muss fühlen oder noch schlimmer muss bezahlen... Das Safiental ist weit, seeeeeeeehr weit! Wer in diese hinterste Ecke des Erdparadises abtauchen möchte, braucht nicht nur einen guten Geschmack und eine gute Idee, sondern mind. 4 gutgummierte Winterpneus und vorallem viiiiiiiiiiel Benzin! Glaubt nicht Eurer Benzinanzeige, egal, ob Ihr vor 5 Minuten nochmals vollgetankt habt - geht in Bonaduz oder allerspätestens in Versam nochmals volltanken. Man weiss ja nie - es kommt sowieso immer alles anders als geplant. Auf alle Fälle sei gesagt, nach Versam kommt nix und rein gar nix mehr und überhaupt schon keine Tankstelle. Die einzige Tankstelle - und dies auch nur mit viel viel Glück und Ueberredungskunst - stellt vielleicht ein lieber Bauer dar, der eigentlich lieber frühmorgens in den Frühschoppen möchte, als 2 benzinlosen Unterländer sein doch so streng bewachtes bleifreies Gut verkaufen will. Solltet Ihr auch einmal in dieser "wehrlosen" Situation sein, hier der Zauberspruch: "der Preis spielt keine Rolle - es geht um Leben und Tod" - und schon gehören Euch 5 Liter dieses heiligen Gutes - damit kommt ihr immerhin locker zu Eurem Tourenziel-Ausgangspunkt Turrahus und natürlich noch viel lockerer mind. auch bis Chur und noch weiter zurück. Na ja, das ganze hat natürlich seinen Preis, versteht sich, so ein hübsches rotes Nötli mit der magischen Zahl 20 solltet Ihr da schon springen lassen... Schliesslich rettet der liebe Mann Euer Leben - oder mindestens Euren Tourentag - vergesst das nicht :-)

Punkt 2: siehe Fotos (Smaller: jetzt weisst Du, wo Du die Viecher finden kannst)

Punkt 3: Wem die Tour auf den Piz Tomül 2946m noch nicht genügt, der mache von Turrahus kommend beim Ortsausgang von Safien Platz einen Halt. Spätestens dann werded Ihr Zeuge, dass Kamele eben nicht Wüstentiere sind und turbangeknöpfte Araber vor dem Verdursten retten - nein, Kamele sind wintertaugliche Haustiere, welche vom Safier-Bauern mind. als Touristen-Attraktion gehalten werden - die Frage bleibt jedoch unbeantwortet, weshalb beim Hof, wo die Kamele, Lamas und Yaks ihr Unwesen treiben, gross geschrieben steht: "Bio-Fleisch"... Hat jemand Lust auf ein Kamel-Fillet? Also ich nicht...

Zur Tour (Tourenbericht von Schlumpf):

Start in Turrahus 1694m beim Postautowendeplatz, wo es kleinen Stecken-Markierungen folgend, vorbei an der Touristen-Unterkunft "Turrahus", gleich der erste Anstieg zum obersten Stall in Angriff zu nehmen gilt. Dort eher links haltend zur gebüsch- und studenlosen Schneise (wir sind direkt hoch, was jedoch ausser einem Energieverlust nichts einbrachte) und dann in ungefährer direkter Linie leicht links haltend zum P.2106.7, wo ein kleines Holzkreuz diesen auch auf der Landeskarte eingezeichneten Aussichtspunkt markiert.

Von diesem Kreuz leicht links haltens richtung Rotflue - die auf der Landeskarte eingezeichneten Felsen sieht man eigentlich erst, wenn man bereits auf deren Rücken ist. Lässt es die Sicht zu, so ist der kommende Aufstieg klar ersichtlich: alles auf dem Südostgrat entlang - doch achtung, das Gipfelziel, welches schon von Turrahus aus ersichtlich ist, täuscht in der Distanz - so nah, wie man hin und wieder das Ziel vermutet ist es dann eben doch noch nicht...

Vorsicht auch nach stärkeren Schneeverfrachtungen auf dem teilweise sehr schmalen Grat: Wenn's geht immer mitten auf dem Grat bleiben, beim ersten kleinen Hindernis sind wir rechts ausgewichen, später mussten wir einmal links des Grates gehen und weiter oben, beim P.2822 (grosse rote Markierung), umgeht man diesen Fels auf der linken Seite, wo man durch eine kleine Mulde gleich wieder hoch zum Grat kommt.

Jetzt ist es nur noch einen Katzensprung und das Ziel in greifbarer Nähe - noch einmal kurz in eine kleine Mulde herunter und schon steht man bei den beiden grossen Steinmänner, welche zum Gipfel führen. Da heute der Gipfelaufbau teilweise stark verblasen war, legten wir beim 2. Steinmann ein Skidepot an und stiegen über die rutschigen, teilweise plattigen, Steine hoch zum Gipfel des Piz Tomül 2946m, welcher ebenfalls durch einen Steinmann markiert wird. Viel Platz für ein Gruppenfoto hat's dort nicht - vorsicht beim Betreten des Gipfel-Plateaus.

Weil wir wahrsch. die meiste Zeit während dem Aufstieg die Sonne im Gesicht hatten, verschwand diese dann just im Augenblick, wo wir auf dem Gipfel standen und schickte dafür ein paar Nebelschwaden und sonst irgend ein störendes Gebräu. Na ja, im Valser- und Safiental sind wir garantiert nicht das letzte Mal gewesen - die schöne Aussicht dort werden wir noch nachholen.

Da die Lawinenstufe auf "erheblich" war, verzichteten wir auf das Befahren der Ost-Flanke, obwohl diese regelrecht für eine Jungfern-Fahrt einlädt. Eine Gemse, unweit von uns entfernt, machte es vor und zog ihre Spuren in den jungfräulichen Pulver. Gesunder Menschenverstand geht vor, also überliessen wir die Flanke Nachahmern dieser Tour, welche in den kommenden Tagen bei sichereren Bedingungen auf jeden Fall in diesen Genuss kommen. Entsprechend fuhren wir via Südostgrat in etwa unserer Aufstiegsspur entlang runter - vielerorts herrlicher Pulver, mancherorts aber auch deckliges Hauruck-Gemisch - Konzentration wechselte sich mit dem Freudenrausch ab. Ganz herrlich war schlussendlich noch der Schlusshang oberhalb Turrahus - dieser ist von den starken Winden verschont, entsprechend tiefer Pulverschnee begleitete uns direkt bis zum Auto.

Fazit: Eine abenteuerliche und wie immer sehr schöne Tour mit Schlumpf, welcher unter anderem an den Schlüsselstellen auf dem Grat den nötigen Mut und Biss an den Tag legte und uns so eine sichere Spur in den Schnee stampfte. Besten Dank dafür!


P.S. Die Fotos des schlumpfigen Sturzfluges Nr. 1 bis 7 können auch ausgeschnitten und als Daumenkino verwendet werden :-)


Route Nr. 363a - Skitouren Nordbünden, Prättigau, Surselva, Rheinwald - Vital Eggenberger



Whiteout - Erklärung von Wikipedia.org

Whiteout ist ein Phänomen der Meteorologie
, das vor allem in Polargebieten und im Hochgebirge auftritt.

Als Whiteout wird die Helligkeit beschrieben, die bei schneebedecktem Boden und gedämpftem Sonnenlicht (durch Bewölkung, Nebel oder Schneefall) beobachtet werden kann. Es kommt dann aufgrund der starken diffusen Reflexion des Sonnenlichts zu einer sehr starken Kontrastverringerung, d. h. die empfundenen Helligkeitsunterschiede sind sehr gering. Das hat ein Verschwinden des Horizontes zur Folge; Boden und Himmel gehen nahtlos ineinander über. Es sind auch keine Konturen oder Schatten mehr erkennbar, der Beobachter hat das Gefühl, sich in einem völlig leeren, unendlich ausgedehnten grauen Raum zu befinden. Dies führt zu einer starken psychischen Belastung, die sich oft durch Beklemmung und Angstgefühle äußert, physisch macht sich der Whiteout durch Orientierungslosigkeit und die Beeinträchtigung des Gleichgewichtssinns bemerkbar.

Tourengänger: Schlumpf, Bombo

Galerie


Slideshow In einem neuen Fenster öffnen · Im gleichen Fenster öffnen

WS+

Kommentare (2)


Kommentar hinzufügen

Anna hat gesagt: Schöne Foteli
Gesendet am 8. Dezember 2008 um 21:31
Wie viele schöne und lustige Fotos! Viele werden richtig für ein Logo, wir haben nur Angst dass dann wir der Günstlingswirtschaft angeklagt werden.

Viele liebe Grüsse
Anna&Stani

Bombo hat gesagt: RE:Schöne Foteli
Gesendet am 8. Dezember 2008 um 21:34
:-) Nein, ganz und gar nicht - im Gegenteil :-) Ich freu mich doch immer, wenn ich wieder ein neues Logo sehen darf! :-)

Viel Spass und danke "für die Blumen" :-)

Tante Grazie e salutti
Dominik


Kommentar hinzufügen»