Riffelkante und Riffelköpfe – unterwegs auf der Schneide zwischen Höllentalkar und Riffelkar


Publiziert von algi , 13. September 2015 um 10:43.

Region: Welt » Deutschland » Alpen » Wetterstein-Gebirge
Tour Datum:12 September 2015
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: IV (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: D 
Zeitbedarf: 7:30
Aufstieg: 1100 m
Abstieg: 1600 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Talstation "Zahnradbahn zur Zugspitze" am Eibsee

Seit der Überschreitung des Waxensteinkamms habe ich die Riffelkante auf dem „Schirm“, lediglich der lange Hatscher durch das Höllental bis zum Einstieg hat mich bislang abgeschreckt. Auf einer Wanderung hinauf zur Riffelscharte bin ich dann auf die nordseitigen Einstiegsvarianten aus dem Riffelkar, so um 1920 von Hannemann bzw. Spindler erschlossen, aufmerksam geworden. Die höhlenartigen, wohl nicht besonders angenehmen Kamine der Hannemann-Führe, werden von der Spindler-Variante umgangen, damit war mein „Schlachtplan“ bereits fast fertig geschmiedet: Aufstieg von der Haltestelle Riffelriß auf die Riffelscharte, und von dort noch ca. 250 m Abstieg bis zum Einstieg der Spindler-Variante, der Rest würde sich dann vor Ort ergeben.

Die erste Zahnradbahn  ( 8:45 Uhr ) bringt mich vom Eibsee zur Zwischenstation, so dass ich bereits gegen 10:30 Uhr einsteigen kann, vom Normalweg hinunter ins Höllental gelange ich, durch Querung eines kleinen Geröllfeldes, völlig problemlos an den Beginn des nach Osten ziehenden Plattenbandes.

Die Kletterschuhe ziehe ich bereits an, vergesse aber den Klettergurt anzulegen, was ich im späteren Verlauf mal wieder büßen muss. Zunächst geht es ca. 20 m über gestuftes Gelände aufwärts, nun auf dem plattigen, sehr kompakten und mit Graspolstern durchsetzten Fels, nach links hinüber zu dem markanten Kamin. Ich gehe es etwas zu hoch an, so dass beim Hineinklettern in den Kamin bereits eine schwierigere Stelle zu bewältigen ist, 5 m weiter unter wäre es deutlich einfacher gewesen. Im Kamin ca. 25 m hinunter bis man, zunächst über gestuftes Gelände in den gewölbten Pfeiler, der die beiden Kamine voneinander trennt, hineinqueren kann. In Pfeilermitte ist eine kurze Wandstelle zu meistern, die schwierigste Passage, eine kleingriffige Platte, muss jedoch ganz zum Schluss, vor dem Übertritt an die andere Kaminwand bewältigt werden. Eine lange Reepschnur, von einem 20 cm dicken Moospolster überwuchert, hängt noch an einem Haken. Vmtl. hat man die Schnur damals als Griffersatz genutzt. Nun über 2 Klemmblöcke im Kamin aufwärts bis in die Scharte hinter dem markanten Zacken, die nun auch den Einstieg der Original-Führe, aufsteigend aus dem Höllentalkar, darstellt.

Ca. 8 – 10 m knapp links der Kante aufwärts, kurze Querung nach rechts auf ein Köpfl, und weiter rechts in eine Art Rissverschneidung die man verfolgt bis eine glatte Platte den Weiterweg versperrt. Als ich den Haken inmitten der völlig glatten Stelle sehe, bin ich etwas geschockt und auch ratlos wie ich sie bewältigen soll. Mist, der Klettergurt ist noch im Rucksack, was für eine Dummheit, es hilft nichts, auf engstem Raum und in abdrängendem Gelände muss ich, auf 2 kleinen Graspolstern stehend, den Klettergurt anziehen. Mit einer Reepschnur und 2 Expressen kann ich eine ca. 1,5 m lange „Sicherungskette“ basteln und in den Haken klinken. So gesichert, fühle ich mich bei der genauen Inspizierung dieser Stelle nun deutlich wohler. Es gibt natürlich eine „delikate“ Lösung, die ich hier aber nicht verraten will ( andere wollen ja auch noch ihren Spaß haben ). Nur soviel: nicht Kraft sondern Balance hilft weiter. Durch eine Verschneidung gelangt man schließlich auf eine Schulter, von der man links der Kante auf den nächsten kleinen Einschnitt gelangt ( Vmtl. Punkt 1996 ). Lt. Führer kann man von hier aus ins Riffelkar absteigen, sieht aber nicht besonders einladend, sondern eher wie ein Himmelfahrtskommando aus.

Eine plattige Rinne führt schließlich zu einer Schulter, hinter der man über eine weitere Rinne wieder auf den Grat gelangt. Die größten Schwierigkeiten sind nun vorbei und man überschreitet in anregender Gratkletterei einige Köpfe. Obwohl der Abstieg von diesen meist nicht von oben einsehbar ist, gibt es nord- bzw. südseitig immer eine einfache Möglichkeit.

Wann ich nun den östlichen und mittleren Riffelkopf überschreite ist mir nicht so ganz klar, spielt aber letztlich es auch keine entscheidende Rolle. Schließlich führt noch ein scharfer Grat hinüber zum westlichen Riffelkopf, der Übergang gestaltet sich viel einfacher als ich es, von Weitem gesehen, vermutet hätte. Beim Übergang vom westl. Riffelkopf zu den Geröllfeldern unterhalb der kleinen Riffelwandspitze merke ich nun doch, dass ich mich der Zugspitze nähere, den jetzt wird auch der Fels richtig brüchig. Da die Schwierigkeiten jedoch max. den II-ten Grad erreichen, ist das Risiko akzeptabel.

Die Geröllfelder bringen mich schließlich schnell und komfortabel wieder zurück zur Riffelscharte.

 

Fazit: durchaus empfehlenswerte Gratüberschreitung in überwiegend festem Fels mit einer delikaten Schlüsselstelle. Da der Fels sehr kompakt und eher klemmkeil-feindlich ist, kann die Mitnahme von ein paar Haken in der Seilschaft nicht schaden.

 

Viele Grüße

Albert


Tourengänger: algi


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Kommentare (5)


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frehel hat gesagt:
Gesendet am 14. September 2015 um 15:43
Klingt wirklich nach einer sehr schönen Grattour, aber ganz schön luftig...
Der Normalzustieg aus dem Höllentalkar ist wahrscheinlich deutlich harmloser, oder?

algi hat gesagt: RE:
Gesendet am 15. September 2015 um 07:46
Ich habe den Normalzustieg noch nicht gemacht, daher kann ich deine Frage nicht verbindlich beantworten. Rein optisch sah es jedoch nach Schrofengelände aus. Dies deckt sich auch mit der Zustiegsbeschreibung aus dem Führer.

VG Albert

frehel hat gesagt: RE:
Gesendet am 20. September 2015 um 09:52
Ah danke, so hatte ich es mir nach Lektüre des AV-Führers schon gedacht. Mal schauen, vielleicht probiere ich die Riffelköpfe nächstes Jahr auch mal, aber eher übers Höllentalkar.

Sehr interessieren würde mich ja der weitere Weg über den Riffelwandkamm Richtung Zugspitze. Vermutlich ist der Grat zur Großen Riffelwandspitze aber ziemlich brüchig. Hast du dir das schon mal angeschaut?

VG,
Moritz

algi hat gesagt: RE:
Gesendet am 21. September 2015 um 10:25
Hallo Moritz,

den Übergang von der großen zur kleinen Riffelwandspitze hab ich schon 2 mal im Abstiegssinne gemacht. Bis auf eine ca. 15 m hohe Wandstufe, die wir mittels Abseilen überwunden haben, sind wir damals alles abgeklettert. Sooo schlimm kann's also nicht gewesen sein. Da die beiden Touren aber schon 35 Jahre zurückliegen, kann ich mich an Details leider nicht mehr erinnern.

VG Albert

ReinerD hat gesagt: RE:
Gesendet am 21. September 2015 um 12:07
Servus Albert ,
Du solltest aber dann auch erwähnen dass Dein Aufstieg
davor u.a die Schoberroute war (mit Stefan) , da fällt einem hinterher der Übergang zur kl. Riffelwandspitze vergleichsweise leicht.
In 30 Jahren hat sich viel neues an Bruch aufgetan , vor allem gibts auch viel mehr Schuttauflage , was wiederum, selbst bei grösster Vorsicht , unvermeidbaren direkten und indirekten Steinschlag auslöst.
Solange es gen Eibsee abgeht kein Problem, aber auf Höllentalseite haben sich die Begehungszahlen mind.
verdreifacht und da sollte man schon überlegen wo und
vor allem zu welchen Zeiten man am Riffelkamm rumkraxelt.
Nicht überall am Riffekamm ist zudem einsehbar ob grad untendrunter Leute auf der Höllentalroute sind.

@Moritz
Beim Normalzustieg zur Riffelkante kannst Du heutzutage nicht mehr garantieren dass Dir in dem steilen Schorfengelände nix abgeht und nicht umsonst steht extra in der Beschreibung dass man keinen Steinlag auslösen soll , da die Steinchen dann unmittelbar auf die Leute im Bereich vom Brett treffen.
Zudem sieht man von oben wegen der Latschen nicht ob grad welche auf dem Weg dahin sind.
Also lieber ein paar trockene Tage abwarten und dann
Albertes Version hier angehn (lohnend) , oder erst ab Oktober wenn es wieder ruhiger im Höllental wird.
Den Punkt p1996 /1997 der seit ewiger Zeit in den Texten erwähnt wird, kann man streichen, hat keine Bedeutung. Wo man erstmalig am Grat gen Höllental oder Riffelkar einfach absteigen kann ist vor Ort gut
erkennbar (etwa dort wo Albert offenbar Brotzeit) gemacht hat )
@Albert
ansonsten sehr schön Dokumentiert. Hoffe es ist ok, wenn ich die bergsteigerisch unbedeutenden Wegepunkte Mittlerer-u. .Westlicher- Riffeltorkopf korrigiert habe.
Gruss ReinerD



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