Pizza Grossa 2939 m - Bei winterlichen Verhältnissen im Gipfelbereich


Publiziert von Ivo66 Pro , 12. September 2015 um 21:10.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Oberhalbstein
Tour Datum:12 September 2015
Wandern Schwierigkeit: T4+ - Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR 
Zeitbedarf: 8:00
Aufstieg: 1750 m
Abstieg: 1750 m
Strecke:Tinizong - Val d'Err - Bartg - Lai Tigiel - Cotschen - Pizza Grossa - Laiets (Lai Mort) - Egipta - Val d'Err - Tinizong
Kartennummer:1:25'000 Savognin

Der Pizza Grossa ist einer unserer Hausberge im Oberhalbstein und seit einiger Zeit mit einem Gipfelbuch versehen. Höchste Zeit also, wieder mal vorbeizuschauen, wie das Buch den Winter überstanden haben wird und was sich auf dem Gipfel in der Zwischenzeit so alles getan hat.

Lohnend ist die anstrengende Bergtour allemal, bietet doch der Gipfel eine Top-Aussicht auf die Bergüner Stöcke - insbesondere die sehr beeindruckende Dolomitwand, welche den Piz Mitgel mit dem Corn da Tinizong verbindet. Und der Dritte dieser abweisenden Berggruppe, der mächtige Piz Ela, trohnt dazu über einer offenen und wilden Berglandschaft, die an Schönheit seinesgleichen sucht.

Eine Gipfelbesteigung, mit der man im Tagesverlauf aufgrund der Bedingungen kaum mehr gerechnet hat und bei der sich zudem das Wetter stets verbessert, ist etwas vom Schönsten, das es gibt. Und genau so war es heute wieder mal: Ein eiskalter Wind begleitete uns im gesamten Aufstieg vom Talboden bis über den hochgelegenen Lai Tigiel hinaus und düster lag die spätsommerliche Berglandschaft unter dem dunkelgrauen Himmel. Alles andere als gemütliche Verhältnisse trafen wir also zu Beginn an, und auch der Blick zum oberen Gipfelbereich sorgte nicht gerade für Freudensprünge: Hartnäckig hatte sich der gefallene Neuschnee in der Nordflanke gehalten. Ob die mitgeführten Pickel etwas nützen würden?

Schliesslich hellte der Himmel immer mehr auf und genau zur Ankunft auf der Grathöhe dominierte inzwischen ein freundliches Blau über uns und beleuchtete die herrliche Landschaft um die Bergüner Stöcke in hellem Licht. Wir näherten uns dem Schlussaufstieg, der durch die schneebeladene, recht steile Nordflanke hinaufführt. Die Pickel leisteten hier tolle Dienste - wir schlängelten uns stets auf der Suche nach bestmöglich begehbarem Gelände dem Gipfel entgegen.

Obwohl das Gelände nicht besonders ausgesetzt ist, war schon Vorsicht geboten, denn der Untergrund unter dem teilweise zwar angenehm zu begehenden Schnee war unterschiedlicher Beschaffenheit und wechselte zwischen glatten Platten, Schutt und einem Gemisch aus feinem Schutt und Erde. Auf die glitschigen Platten war besonders zu achten, im übrigen gestaltete sich das Hochsteigen recht angenehm und für den Abstieg sollten wir vom Vorteil profitieren, wieder unseren Spuren folgen zu können.

Schliesslich waren wir bei der Gipfelankunft doch etwas überwältigt, da wir vor gut einer halben Stunde nicht mehr damit gerechnet hatten. Wie Edward Whymper bei der Erstbesteigung des Matterhorns schwang ich im kurzzeitigen Übermut den Pickel in die Höhe. Dann galt aber die ganze Aufmerksamkeit unserem Gipfelbuch: Wie neu präsentierte es sich - der Winter konnte ihm in der zuverlässigen Gamelle nichts anhaben und zu unserer Überraschung war unser Eintrag bereits der 10. in diesem Jahr. Besonders freuten uns dabei die mehreren persönlichen Grüsse an uns. Im Gegensatz zu anderen Gegenden werden auf den wilden Bergen Graubündens Gipfelbücher noch geschätzt und gut behandelt, und schon gar nicht gestohlen.  

Der Abstieg durch den schneebedeckten Gipfelbereich ging erstaunlich gut - wir nahmen uns die notwendige Zeit. Die landschaftlichen Schönheiten bleiben auf dieser Tour bis zum Schluss auf hohem Niveau, insbesondere, wenn man die Variante über die unglaublich schöne Hochebene Laiets am Fusse des Piz Ela wählt. Nach einem steilen Abstieg über ein steiniges Weglein, erreicht man bald ein Fahrsträsschen, welches über die malerische Alp d'Err nach Tinizong hinunterführt.


Routenbeschreibung:

 
Die Schwierigkeitsbewertungen in diesem Bericht und der untenstehenden Beschreibung beziehen sich auf schneefreie, trockene Verhältnisse. Heute lag im Gipfelbereich auf über 100 Höhenmeter Neuschnee. Bei solchen Verhältnissen ist ein Pickel sehr zu empfehlen.

Tinizong - Lai Tigiel (T2)
Von Tinizong folgt man dem Fahrsträsschen durch das Val Mulegna. Die Route zum Lai Tigiel bzw. Pass digls Orgels ist ausgeschildert. Oberhalb von der Maiensässsiedlung Bartg ist der Pfad nicht immer gut zu erkennen, aber eigentlich ausreichend markiert und bei genügender Aufmerksamkeit nicht zu verfehlen.

Lai Tigiel - Pass digls Orgels (T3)
Vom Lai Tigiel ist der markante Pass digls Orgels mit seinen an Kirchenorgeln erinnernden Felszacken gut zu erkennen und nicht mehr weit. Der Wegweiser zeigt allerdings in die entgegengesetzte Richtung (!). Ein aufmerksamer Berggänger hat dies mit einem schwarzen Filzstift inzwischen offenbar korrigiert.

Die Route führt vorwiegend über grosse Geröllblöcke und erreicht zuletzt im Zickzack durch Schutt die Passhöhe.

Man kann auch auf einer ausgeprägten grasigen Rippe direkter zum Verbindungsgrat zwischen dem Pass digls Orgels und dem Pizza Gross aufsteigen, wie wir das heute machten (T3+) und den erwähnten Pass links liegen lassen. Früher führte offenbar eine markierte Route hindurch, wie wenige, veraltete Markierungen zeigen.

Pass digls Orgels - Pizza Grossa (T4+)
Man folgt der weiterhin markierten Route in Richtung "Pass Ela" durch Geröll. Im Bereich, wo der Pass Ela sichtbar wird und die Route dorthin flach wird, verlässt man die Markierungen und steigt weiter über Geröll hinauf zu P. 2829 m (Cotschen). Dort ist der Grat bereits überblickbar, der zum Gipfelaufbau des Pizza Grossa führt.

Am besten hält man sich auf der Grathöhe - der Grat selbst könnte auch links umgangen werden, in allerdings zum Teil abschüssigen Gelände. So oder so muss man den Grat etwa in der Mitte kurz verlassen und ihn über eine kurze Steilstufe ostseitig umgehen (T4+). Man kehrt aber gleich wieder zurück zum Grat.

Kurz vor Erreichen des Gipfelaufbaus wichen wir nochmals ganz kurz auf schiefrigen Platten in die Ostflanke aus. Anschliessend trifft man ab und zu auf Pfadspuren im Schutt und steigt mehr oder weniger in der Falllinie durch zum Teil etwas mühsam zu begehenden Schutt hinauf und steht unvermittelt auf dem Gipfel des Pizza Grossa.

Abstieg zum Seelein P. 2647 m (T3)
Zunächst steigt man auf gleicher Route ab und kann, sobald man den Verbindungsgrat zum Cotschen erreicht hat, direkt durch steiles Geröll und Schutt zum nicht zu übersehenden Bergseelein absteigen.

Seelein P. 2647 m - Motta d'Err (T3) - Tinizong (T1)
Man wandert weiter eben aus zum Lai Mort, wo man auf den Wanderweg tritt, dem man - kurz etwas ansteigend - in südlicher Richtung folgt und bald auf einen Wegweiser trifft, der u. a. die Abstiegsroute nach Tinizong anzeigt. Bald geht es steil hinunter, bis man in einer Talebene auf ein Fahrsträsschen trifft, welches schliesslich unterhalb der Alp d'Err vorbeiführt und nach Tinizong hinunterführt. 

Tourengänger: Ivo66, Lena


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Kommentare (6)


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CampoTencia Pro hat gesagt: Wow!
Gesendet am 12. September 2015 um 22:33
Ihr macht uns ja richtig neidisch, das hätte uns auch sehr gut gefallen! Danke für euren Bericht und die Bilder!

LG Herbert u. Ella

Ivo66 Pro hat gesagt: RE:Wow!
Gesendet am 13. September 2015 um 00:01
Vielen Dank Euch. Ja, die Gegend ist schon einmalig schön. Auch beim x-ten Mal gerät man ins Staunen - es wird nie langweilig... und das praktisch vor der Haustür - unglaublich...

LG Ivo und Lena

Peter23 hat gesagt: Zucker und mehr
Gesendet am 13. September 2015 um 19:36
Hallo Ivo und Lena
Eure Tour auf Zucker und Schnee vermag zu begeistern. Schön dass Ihr noch mit Sonnenschein belohnt wurden.
Ivo, Du hast ein paar neue Fans gewonnen! Angehende T5-Bergsteiger, die ich in den Alpstein eingeführt habe und die von Deinen Tourenbeschreibungen begeistert sind.
Beste Grüsse
Peter

Ivo66 Pro hat gesagt: RE:Zucker und mehr
Gesendet am 14. September 2015 um 17:43
Hallo Peter

Vielen Dank für Deine Rückmeldung. Bei Dir sind angehende T5-Bergsteiger im Alpstein in besten Händen. Es freut mich natürlich sehr, dass die Tourenbeschreibungen hilfreich sind - dann erfüllen sie doch ihren Zweck.

Beste Grüsse
Ivo und Lena

Linard03 Pro hat gesagt:
Gesendet am 20. September 2015 um 09:17
Hallo Ivo,

ich war die letzten 2 Wochen auf Reisen und habe Deinen Bericht erst jetzt entdeckt ... - absolut phantastische Fotos habt ihr da mitgebracht; merci!

Gruss,
Richard

Ivo66 Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 20. September 2015 um 20:04
Hallo Richard

Willkommen zurück:-). Vielen Dank für das Kompliment. Das war tatsächlich ein schöner Herbstauftakt.

Gruss Ivo


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