Über das Sunnig Grätli zum Jakobiger


Publiziert von Zolliker Pro , 11. September 2015 um 22:50.

Region: Welt » Schweiz » Uri
Tour Datum: 8 September 2015
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-UR 
Zeitbedarf: 6:00
Aufstieg: 1250 m
Abstieg: 1250 m

Wer von Flüelen ins Reusstal blickt, entdeckt bei Silenen eine mehrstufige Talsperre. Während sich linker Hand gleichmässig die mächtige Pyramide des Bristens erhebt, baut sich das Gebirge rechts in drei Stufen auf. Zuerst kommt die Ebene des Arnisees, weiter oben das waagrechte Sunnig Grätli, schliesslich der Ruchälplistock und der Jakobiger. Da will ich heute hin. Ein Urner Highlight der anspruchsvolleren Sorte mit luftiger Aussicht, hübschen Seeli und genügend Beizli.

Die kleine Bahn in Intschi ist manchmal auch wochentags ein Engpass. Eine Gruppe fröhlicher Ticinesi ist vor mir da, so warte ich eben zweimal 7 Minuten. Im „Alpenblick“ an der Bergstation hole ich mir einen Nussgipfel und ziehe los. Gleich vom Arnisee steigt die Route steil durch den duftenden Wald hoch zum Sunnig Grätli. Die Frische des frühen Herbstmorgens erleichtert den anstrengenden Anstieg über viele Wurzeln und Steinstufen. Rasch erreiche ich die Baumgrenze und freue mich über den weiten Blick ins Reusstal. Autobahn und Bahnlinie haben hier nur noch Märklincharakter, es ist wunderbar still. Auf dem etwas flächeren, verwaldernden Weg zum Sunnig Grätli überlege ich mir, ob hier früher wohl gewirtschaftet wurde. Das aufstrebende Nadelgebüsch sieht noch jung aus und vermittelt eine skandinavische Stimmung.

Dann erreiche ich die kleine Hochebene, die von hübschen, sumpfigen Seelein geprägt ist und die so elegant mit dem quer zum Reusstal stehenden Sunnig Grätli abgeschlossen wird. Das Hüttli ist zu meiner Überraschung noch bewartet, natürlich kehre ich kurz ein.

Der Blick vom Grätli ist atemberaubend. Nach seinem ausgiebigen Genuss suche ich die blau-weiss markierte Spur, die vom vielbegangenen Höhenweg zur Leutschachhütte zur Gipfelroute abzweigt. Bald stehe ich auf dem Grat und werde empfangen mit der grossartigen Sicht ins wilde Leutschachtal mit dem ihn dominierenden, zerklüfteten Mäntliser.

Der Ruchälplistock kommt näher, und nun sind die Hände gefragt. Die Kraxelpassagen übersteigen zwar den I. Schwierigkeitsgrad nicht, aber die Route verläuft ziemlich luftig. Nicht einmal die Gämsen unter mir scheinen sich ihrer Sache ganz sicher zu sein. Ich bin dankbar für die Stahlseile an den heikelsten Stellen. Der Aufstieg im schönen Fels mit seinen festen Griffen macht grossen Spass, der Gipfel kommt für meinen Geschmack fast zu schnell.

Dort angekommen schlucke ich allerdings zuerst zweimal leer: Die Route setzt sich auf der Nordseite fort, die Steine sind mit gefrorenem Schnee und Schwarzeis überzogen. Mit grösster Vorsicht überwinde ich diese heikle Passage, auch der folgende Abstieg über eine steile, felsige Grasflanke ist heute nicht besonders appetittlich. Dann kommen aber die Sonnenstrahlen zurück und mit ihnen die besseren Verhältnisse. Die nördliche Umgehung des namenlosen Gipfels „2453“ gestaltet sich weniger schwierig als befürchet. Erleichtert steige ich über eine sonnige Grasflanke auf das Tagesziel, den Jakobiger. Fazit: bis hierhin grossartig, aber beim nächsten Mal lieber ohne Schnee und Eis.

Der Abstieg zum Leidsee und die kleine Gegensteigung zum Leidseepass sind ein weiteres Highlight. Der schwarzblaue Leidsee liegt wie eine Badewanne in einem Felsbecken, links und rechts fallen die Flanken steil ab, eine schöne Laune der Natur. Am Beginn des ebenfalls gut gesicherten, exponierten Abstiegs ins Leutschachtal hat ein Witzbold eine Tafel „Velo und Mofas anstellen verboten“ montiert. Ich lache – etwas Zivilisation in der steinigen Wildnis. Ein Biker wird hier kaum je vorbei kommen.

Die Leutschachhütte ist ebenfalls noch bewartet und so freue ich mich über eine frischgebackene Rösti und ein grosses Schorle. Meinen Wasservorrat werde ich wohl wieder hinuntertragen. Der Abstieg erfolgt über den Hüttenweg. Dieser ist ebenfalls ein Leckerbissen. Zuerst passiert man den Nidersee mit seinem einzigartigen, grünblauen Wasser, danach folgt ein steiler Abstieg entlang dem Bach zur nächsten Talstufe. Hier wartet bereits das nächste Bäsebeizli einer geschäftstüchtigen Bauernfamilie, das ich nun aber mangels Hunger und Durst links liegen lasse. Der Weg wird breiter und im gemütlichen Downhillgang strebe ich dem Talausgang zu.

Wenig später begrüsst mich der Arnisee, der in diesem sanften Herbstlicht schlicht umwerfend daliegt. Auf einer Bank sauge ich zusammen mit ein paar pensionierten Einheimischen die Idylle auf. Im „Alpenblick“ hingegen orchestrieren die Ticinesi ihre Gespräche im 90 Dezibel-Bereich, sodass ich das verdiente Bier auf die Terrasse des „Schäfli“ an der Talstation in Intschi verlege.

Den vollbebilderten und mit interaktivem Kartenausschnitt versehenen Tourenbericht findest Du auf meinem Wanderblog:http://www.edwinwandert.com/2015/09/ueber-das-sunnig-graetli-zum-jakobiger/

Tourengänger: Zolliker


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Kommentare (4)


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ma90in94 hat gesagt:
Gesendet am 12. September 2015 um 14:39
Hallo Edwin
Da sind sich am Jakobiger zwei Hikr begegnet ohne es zu ahnen. Ich war schon da und bin nach Dir wieder retour zum Ruchälpelistock.
Wenn ich Deine eindrückliche Beschreibung lese, merke ich erst wie schön es eigentlich war. An diesem Tag war ich nämlich gar nicht so aufmerksam für alles schöne.
Leider war der nächste Tag wettermäßig nicht so gut,
und meinen 3. Tag habe ich gleich im Vorfeld gestrichen.

Zolliker Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 12. September 2015 um 21:04
du bist ein netter Kerl und ich war froh, dass du am Ruchälplistock vorgespurt hast!

Zolliker Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 12. September 2015 um 21:08
...aber jetzt weiss ich immer noch nicht wie du heisst... sei trotzdem herzlich gegrüsst!

ma90in94 hat gesagt: RE:
Gesendet am 12. September 2015 um 22:45
Dachte erst, oha, da kommt einer zum Gipfel und schon bimmelt das Mobile. Deine Argumentation hat mich aber vollständig überzeugt.
Gruß Günter


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