Dannelspitze 2806m - Unter Seinesgleichen


Publiziert von georgb Pro , 13. September 2015 um 10:58.

Region: Welt » Italien » Trentino-Südtirol
Tour Datum:12 September 2015
Wandern Schwierigkeit: T3+ - anspruchsvolles Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: I 
Zeitbedarf: 7:00
Aufstieg: 1400 m
Abstieg: 1400 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Pustertal-Vintl-Pfunders-Dun
Kartennummer:tabacco Pfunderer Berge

Mit der Hoffnung auf einen sonnigen Bergtag mit prächtigen spätsommerlichen Ausblicken ziehe ich ins geliebte Pfunderer Tal. "Im Laufe des Vormittags lösen sich die Hochnebel schnell auf", höre ich mit Freude im Radio!?
Das Brenningerbiwak ist mein erstes Ziel. Kurz hinter der Egger-Böden-Alm zweigt links eine Spur ab, unmarkiert, aber kaum zu verfehlen, führt sie Richtung Weißsteinkar und Pfunderer Höhenweg. Dort steht mit dem Biwak eine großzügig eingerichtete Notunterkunft auf dem langen Abschnitt von der Brixner zur Edelrauthütte. 200 Meter darüber treffe ich auf den Höhenweg, der etwas ausgesetzt und mit Seilen gesichert zur Dannelscharte zieht. Die erhofften Auflockerungen bleiben aus, unentschlossen blicke ich mich um, wo zieht es mich als nächstes hin? Ein paar winzige Punkte an der Dannelspitzostflanke ziehen meine Aufmerksamkeit an. Das Display bestätigt meine Vermutung, eine Herde Steinböcke! Mit der Hoffnung auf eine nette Begegnung ziehe ich nach kurzem Abstieg über steile Hänge dem Gipfel entgegen. Der Name täuscht, die Dannelspitze ähnelt mehr einem Buckel und ist ohne Kletterei erreichbar. Tatsächlich steht unvermittelt ein einsamer Jungbock vor mir, in aller Seelenruhe zieht er an mir vorbei, mit ruhigem, gleichmäßigem Schritt. Es ist ein Genuss, ihm zuzusehen, beinahe meditativ.
Ich tue es ihm gleich und nehme die letzten Meter zum Gipfel in Angriff. Um mich herum leider nur Wolken. Eine geschlagenen Stunde warte ich frierend auf Fotomotive, die da wären: Wilde Kreuzspitze, Olperer, Hochfeiler, Rieserferner, Dolomiten, usw. Mit einem Fluch Richtung Bozner Wetterdienst auf den Lippen verabschiede ich mich vom Gipfel, ironischerweise mit einer Wetterstation bestückt!
Über einfaches Gelände, diversen Schafspuren folgend, stehe ich wenig später wieder am Pfunderer Höhenweg. Von Süden ziehen die Wolken weiter gemütlich über mich hinweg, so belasse ich es bei meinem Pensum und steige ab zur Engbergalm. Durch zauberhafte Almwiesen, vorbei an magischen Felsformationen, ist die Alm bald erreicht. Niemand zuhause, schade! Keine Menschenseele weit und breit, wenigstens ein paar Kühe begleiten mich auf dem Rückweg. Schon beginne ich sie mit Vornamen anzureden, freundlicherweise am linken Ohr vermerkt. Bevor ich gänzlich zum Tier mutiere, holen mich die ersten Touristen am Parkplatz in Dun wieder auf mein Menschsein zurück. Doch ein Teil von mir wird Steinbock bleiben und die Begegnung mit Meinesgleichen immer ein besonderes Erlebnis sein.


Tourengänger: georgb


Galerie


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