Hintere Stangenspitze 3225m


Publiziert von Cubemaster , 10. September 2015 um 18:16.

Region: Welt » Österreich » Zentrale Ostalpen » Zillertaler Alpen
Tour Datum:10 August 2014
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 2100 m
Abstieg: 2100 m

Am 9.8. fuhr ich ins Zillertal, um mich mit meinem Freund und Arbeitskollegen Patrick zu treffen, der dort Urlaub machte. Wir wollten die Gelegenheit nutzen, eine gemeinsame Wanderung zu unternehmen und natürlich wollte ich einen Gipfel mitnehmen, wenn ich einmal da war. So fiel unsere Wahl auf eine Tour zur neuen Kasseler Hütte.

Wir fuhren mit dem Auto die Mautstraße hinauf und wanderten vom Stillup-Stausee durch das Tal hinauf, wobei ich mein Fahrrad mitschob, um am nächsten Tag etwas Zeit zu sparen. Am Talschluss angekommen deponierte ich mein Fahrrad an der Talstation der Materialseilbahn. Von dort aus geht es nur noch zu Fuß weiter und wir erreichten am frühen Nachmittag die Hütte. Patrick stieg nach kurzer Zeit wieder ab (bis ganz unten nach Mayrhofen) da er nicht auf der Hütte übernachten wollte. Wie er mir später erzählte (und ich auch oben schon ahnte) ist er dabei in einen fürchterlichen Regen geraten...

Ich verbrachte einen recht netten Hüttenabend in der doch sehr vollen Hütte. Zwischendurch rief der Hüttenwirt von sich aus alle Gäste zusammen und gab uns Informationen über das Wetter und die Verhältnisse auf den Wanderwegen. (Ein toller Service, das hatte ich bis dahin noch nicht erlebt!) Er befragte dann auch die Gäste, wo sie hingehen wollten und wie sich herausstellte war ich der einzige, der auf die Hintere Stangenspitze wollte. (Na ja, das überraschte mich nicht wirklich...)

Nach einer Nacht mit viel zu wenig Schlaf und etwas hineingezwängtem Frühstück ging ich dann los. Ich folgte dem Wanderweg in südöstlicher Richtung bis zu einem kleinen See auf ca. 2500m Höhe. Hier verließ ich den Weg, wie es mir der Hüttenwirt empfohlen hatte und stieg links ein großes Geröllfeld hinauf, was ziemlich anstrengend war. Als ich oben über die Kuppe kam, konnte ich das Tagesziel erstmals sehen. Vor mir erstreckten sich große Schneefelder, die in den ersten Sonnenstrahlen glitzerten. Ein schöner Anblick, insbesondere, da ich nicht auf den Hüttenwirt gehört hatte und Steigeisen und Pickel doch dabei hatte!

Ich stieg dann in nördlicher Richtung das Schneefeld hinauf in Richtung der Schwachstelle einer kleinen Geländestufe. Das Schnefeld war am Ende relativ steil und ich musste ca. 3 Meter einen wasserführenden Einschnitt hinaufklettern (II). Das anschließende Geröllfeld war ebenfalls recht steil und sehr instabil. Später habe ich durch Betrachtung des Geländes vom Grat aus eine viel bessere Möglichkeit gefunden: Es gibt ein Geröllband durch die Wandstufe viel weiter links (also westlich), das von unten überhaupt nicht zu sehen ist. Man sollte das Schneefeld also viel früher nach links verlassen und unterhalb einer steilen, hohen Wand über das Geröllband nach links oben queren. Ich hab diesen Weg im Abstieg genommen was super funktioniert hat (Gehgelände und vielleicht etwas einfache Kraxelei).

Ich war nun also auf einem kleinen Plateau angelangt, von dem eine steile Geöllrinne hinauf auf den Grat führt. In oberen Teil lag in der Mitte noch Schnee, so dass ich dort die (ziemlich brüchigen) Felsen an der linken Seite hinaufkraxelte. (II) Vielleicht ist es ohne Schnee in der Mitte leichter, aber insgesamt ist das Gelände dort ziemlich steil.

Am Grat angelangt eröffneten sich mir tolle Aussichten in alle Richtungen, die man zuerst auch noch im Gehen genießen kann, da der Grat erstmal sehr breit und einfach ist. Je näher man dem (sehr spitzen) Gipfel der Hinteren Stangenspitze kommt, desto schwieriger wird es. (Am letzten Stück bis II, der Fels hat hier oben aber eine bessere Qualität als in der Rinne...) Nach kurzer Kletterei stand ich vor dem gewaltigen, ca. 4 Meter hohen Gipfelblock, der sehr schwierig aussah. Ich umkletterte ihn an der rechten Seite (II) und gelangte zu einem Holzdingsbums, das wohl den Gipfel markiert.

So weit, so gut, aber ich wollte eigentlich schon gerne auf den höchsten Punkt und inspizierte den Gipfelblock genauer. Mir war schnell klar, dass ich nur von der vorderen Seite eine Chance hatte und kraxelte wieder zurück an ihm vorbei. Ich bin nicht der beste Kletterer und stellte fest, dass ich einen dynamischen Kletterzug machen müsste (also mindestens Schwierigkeit III), um hinaufzugelangen. Aber wie würde ich dann wieder herunterkommen? Der Block auf dem ich stand war recht groß und perfekt eben, ich könnte also springen! Ich nahm meinen Mut zusammen und schwang mich hinauf, die oberen eineinhalb Meter sind dann recht einfach, man ist aber doch ziemlich ausgesetzt.

Ich machte ein paar Fotos, hatte aber hier oben aber nicht genug Ruhe für eine Rast, also kletterte ich vorsichtig wieder herunter. Ich hoffte, mich doch irgendwie hinunterlassen zu können, fand aber keinen geeignten Griff, es half also alles nichts: Ich nahm nochmals meinen Mut zusammen, atmete tief durch und sprang die eineinhalb Meter hinunter auf den ebenen Block. Geschafft! Jetzt konnte ich noch eine gemütliche Gipfelrast machen.

Da von Süden einige Wolken herüberschwappten, machte ich mich bald auf den Rückweg. Wie oben schon beschrieben nahm ich das Geröllband, ansonsten stieg ich über den gleichen Weg ab. Den letzten Teil mit dem Fahrrad abzufahren war super! Die Straße lässt sich wirklich gut fahren, wenn ich mich richtig erinnere ist alles asphaltiert.

Einige kurze Bemerkungen:
Zur Schwierigkeit: Wenn man die optimale Route nimmt, sind die Schwierigkeiten sehr überschaubar. Die Stellen, die ich mit II bewertet habe sind auch eher leichte IIer. Für mich wäre dann die Rinne eigentlich die Schlüsselstelle! Wenn weniger Schnee liegt (und das sollte häufig der Fall sein, denn der Sommer 2014 war wirklich fürchterlich) ist es vielleicht auch noch einfacher und man kommt im Wesentlichen mit Ier-Kletterei zum Ziel.
Achtung: Hiermit meine ich nicht den Gipfelblock! Diesen zu erklettern ist deutlich schwieriger und dürfte mit ca. III zu bewerten sein, wobei es auch noch recht luftig ist.
Zur Ausrüstung: Einen Helm sollte man unbedingt dabeihaben, bei Verhältnissen wie ich sie vorgefunden habe sollten auch Steigeisen nicht fehlen.
Zum Zeitbedarf: Ich hatte zu dieser Zeit noch große Probleme mit meinem Knie und habe es deshalb auf zwei Tage aufgeteilt. Mit Fahrrad-Unterstützung sollte es aber auch an einem Tag möglich sein.

Tourengänger: Cubemaster


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Kommentare (2)


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MotorMic hat gesagt:
Gesendet am 23. September 2016 um 15:25
schöner Bericht! Das beschriebene Geröllband habe ich auch erst im Abstieg benutzt; es entschärft den Anstieg durchaus.
Ich glaube, früher im Jahr ist der Anstieg insgesamt angenehmer; bei mir Mitte September war es eine einzige Geröllschinderei - und ich war froh, als ich wieder unten an der Lacke war.

Cubemaster hat gesagt: RE:
Gesendet am 28. November 2016 um 14:24
Auch bei mir war es eine große Geröllwühlerei. Ich bin trotzdem glücklich, dass ich das gemacht habe bevor da noch ein Klettersteig entsteht...


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