Mont Blanc 4810m, wieder mit Zelt, aber ohne Skis...


Publiziert von donalpi , 5. September 2015 um 19:53.

Region: Welt » Frankreich » Haute-Savoie » Massif du Mont Blanc
Tour Datum: 7 September 1986
Wandern Schwierigkeit: T4- - Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: WS
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: F   I 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 2438 m
Abstieg: 2438 m
Strecke:Les Houches-Col du Mont Lachat-Tramway du Mont Blanc-Le Nid d`Aigle-Baraque forestière de Rognes-Grand Couloir-Ancien Refuge de l`Aiguille du Goûter-Aiguille du Goûter-Dôme du Goûter-Col du Dôme-Refuge Vallot-Les Bosses-Montblanc 4810 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Bahn von Martigny oder Genève nach Chamonix Pw von Martigny über den Col de La Forclaz
Unterkunftmöglichkeiten:Les Houches, Refuge de Tête Rousse, Nouveau Refuge de l`Aiguille du Goûter, "Zelt"
Kartennummer:Massif du Montblanc 2/32 1:25`000

6 Jahre nach dem Versuch mit Ski und Zelt, wo wir nur den Dôme du Goûter erreichten, wollte ich wieder einen Versuch wagen, diesmal im Sommer, d.h. Herbst, aber wiederum mit Zelt, denn ich kannte die Verhältnisse in den Hütten am Montblanc. Mit Willy, meinem langjährigen Seilgefährten, fuhren wir am Samstagmorgen, 6. September 1986 frühmorgens nach Les Houches und mit dem Téléphérique zum Bellevue und wechselten dort in den "Tramway du Mont Blanc", welcher von Saint Gervais herauffährt.
Der Zug war natürlich rammelvoll, zudem einige "Drängler", aber was soll`s, wir erreichten die Endstation beim Nid d`Aigle unbeschadet.
Hier begann dann der grosse Run auf den höchsten Berg der Alpen, wir hatten natürlich mit Zelt und Biwakausrüstung schwere Säcke dabei und marschierten in unserem gewohnten Berglertempo aufwärts.
Ein Pfad führt zuerst zur Baraque forestale des Rognes, dann allmählich aufwärts bis zum kleinen Glacier de Tête Rousse und der etwas rechts davon gleichnamigen Hütte. Von hier an hatte es kleine Schneereste, denn es hatte schon mal geschneit, war ja auch schon September.
Bald gab es schon die ersten Staus, viele, die beim Nid d`Aigle noch leichtfüssig davongeeilt waren kamen schon an ihre Grenzen....Die Szenerie ist grossartig, vor allem wenn man nach oben schaut und an der Gratkante das Refuge du Goûter weit oben erblickt.
Nun sind wir dann bald an der kritischsten Stelle der ganzen Montblancbesteigung: Das "Grand Couloir", wo so viele Unfälle passieren. Kurz unterhalb haben wir schon die Steigeisen angeschnallt und schauen dem ungewöhnlichen Treiben zu. Auch ab und zu kracht es im Couloir, Steine prasseln herunter, die Leute geraten in Panik, sind aber angeseilt, oftmals sogar in Viererseilschaften. Wir warten einen günstigen Moment ab, wo sich niemand im Coluloir befindet, dann laufe ich problemlos schnell hinüber, derweil Willy das Couloir beobachtet und mir sofort zurufen würde, wenn etwas hinunterprasselt. Dann beobachte ich das Couloir und Willy kommt rasch hinüber, alles problemlos. Als wir uns in leichter Kletterei am Grat fortbewegen, hören wir plötzlich das Poltern von Steinen, es befindet sich auch gerade eine Viererseilschaft mitten im Couloir, alle angeseilt....Ein grosser Stein fällt auf einen anderen Stein, zersplittert, dann fliegt ein faustgrosser Stein keine 30 cm neben einem dieser Leute vorbei, alle bewegen sich langsam, sind unsicher....Da sind natürlich wieder viele Leute am Werk die gar nicht hierher gehören, es ist mir nun klar, warum man in Chamonix sogar einen Tunnel unter dem Couloir hindurch plante, weiss nicht, ob das mal realisiert wird.
Jetzt hübsch einem kleinen Grat nach oben, einige Kraxelstellen I sind noch vorhanden, bevor wir die Terrasse der Hütte erreichen. Hier gibt es eine längere Rast und ein Coca, derweil kommt ein Kollege aus Luzern aus der Hütte und gesellt sich zu uns. Wir erfahren auch von ihm, dass morgen Sonntag der Papst  Johannes Paul II mit einem Heli auf den Gipfel geflogen werden soll, auch darum hat es besonders viele Leute....Es ist erst 16 Uhr und wir besorgen uns noch ein Bierchen für unseren Zeltabend am Col du Dôme, der Kollege muss auch schleunigst in die Hütte zurück, denn er hat keinen Schlafplatz, sitzt an einem Tisch und muss auch dort schlafen, ist immerhin noch besser als im Toilettenhäuschen, er darf keine Zeit verlieren, sonst sitzt schon ein anderer an seinem "Schlafplatz" Gottlob haben wir unser Zelt dabei...
Dann noch die letzte Etappe für heute, zuerst rauf zur Aiguille du Goûter, ein bisschen runter und zum Dôme du Goûter 4304 m. bin nun zum zweiten Mal hier oben. Wir verweilen nicht lange und steigen zum Col hinab um einen geeigneten Zeltplatz zu suchen.
Bald ist unser Haus aufgestellt und richtig fixiert, nachts wird es bestimmt stürmen. Es braucht in dieser Höhe auch einige Zeit um ein Süppchen mit Würstli und Tee zu kochen. Wie vermutet stürmt es nachts stark, auch ist in dieser Höhe kaum an einen tiefen Schlaf zu denken.
Frühmorgens, d.h. noch in der Nacht kommen die ersten Berggänger von der Hütte bei uns vorbei, begreiflich, die konnten vielleicht überhaupt nicht schlafen. Zum Frühstück gibt es nur Tee und ein Stück Brot, das genügt vollkommen, brauchen kein Frühstücksbuffet wie derzeit in vielen Hütten üblich.
Das Zelt ist schnell zusammengepackt, denn wir nehmen alles mit zum Gipfel. Auch das Wetter ist noch prächtig, wir sind guten Mutes und erreichen bald das Refuge Vallot, damals noch eine Stinkbude, aber auch dort kommen Leute heraus. Dann beginnt der Aufstieg über die Bosses, die Route ist gut gespurt, einfach zu begehen und gar nicht etwa mit dem Biancograt zu vergleichen.
Wir können sogar noch viele Seilschaften überholen, denen langsam im buchstäblichen Sinne der Schnauf ausgeht. Aber was uns gar nicht gefällt ist der am Gipfel aufziehende Nebel, der Montblanc hält also immer eine Ueberraschung bereit. In diesem kalten Nebel erreichen wir den Gipfel, es geht einfach nicht mehr höher. Shakehands, geschafft! Ein Glücksgefühl, aber leider ohne Aussicht. Auf dem Gipfel hat sich in einem Iglu eine Fernsehequipe verschanzt, sie wollten die Ankunft des Papa filmen, aber in der Zwischenzeit wurde diese Uebung bereits abgebrochen.
Dann schnell runter, bevor die grosse Masse von der Hütte die Bosses erreicht und das kreuzen nicht immer so einfach geht.
Dann noch ein kurzer Bierhalt im Refuge und runter auf der Krete, das Grand Couloir passieren wir wieder wie beim Aufstieg problemlos und dann nur noch runter zum "Tramway du Montblanc" und mit der Seilbahn nach Les Houches.
Es gibt dann noch eine lange Heimfahrt, in Spiez wir dann noch ausgiebig gespiesen und über den Brünig erreichen wir nach Mitternacht unsere Heimat.
Dass wir bei der ganzen Tour doch noch mächtig Glück hatten erfahren wir am Montagmorgen aus den Nachrichten: Kurz nach unserer Passage des Brünigs ging dort ein Erdrutsch runter und verschüttete Strasse und Eisenbahntrassee....

NACHTRAG vom 21. Oktober 2015: Im "Bergsteiger Extra" vom Monat Oktober 2015 steht bei einem Bericht über den Montblanc: "Das Zeltverbot am Montblanc wird mittlerweile streng überwacht", weiss also nicht, ob es heute noch möglich ist, auf dem Plateau unterhalb des Refuge Vallot  zu zelten, vielleicht überwachen einige Politessen diesen Platz und verteilen Bussenzettel....hahahah...


Tourengänger: donalpi


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