Via Westflanke auf die wilde Küchlspitze (3147 m)


Publiziert von mabon , 2. September 2015 um 11:56.

Region: Welt » Österreich » Zentrale Ostalpen » Verwallgruppe
Tour Datum:30 August 2015
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: WS+
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Mountainbike Schwierigkeit: L - Leicht fahrbar
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 2 Tage 11:00
Aufstieg: 1800 m
Abstieg: 1800 m
Strecke:St. Anton - Konstanzer Hütte - Küchlspitze und retour
Kartennummer:DAV 28/2

Die Küchlspitze ist ein wilder, schwer zugänglicher 3000er im Verwall. Ein sehr exklusives Ziel ist der schroffe Berg darüber hinaus: Gerade mal fünf bis zehn Gipfelbucheinträge verzeichnet er pro Jahr. Viele Jahre stand dieses Traumziel auf meiner Wunschliste.

Wie so oft fällt dann die Entscheidung, den Gipfel zu erklimmen ad hoc und fast schon aus einer Laune heraus. Ebenso spontan entschloss sich der Schwabenexpress aus Beilstein und Kirchheim/Teck in Person von Grimpeur und dessen Spezl Armin, die Sache zu wagen. 

Die Küchlspitze bietet alles, was das Bergsteigerherz begeistert: wildes wie urwüchsiges Gelände, anspruchsvolle Wegfindung, Einsamkeit, wunderschöne Landschaft und kolossale Aussicht. Letztere ist wirklich sehr hervorzuheben. Die Küchlspitze steht einfach super in der Landschaft. Welch' Fernsicht!

Die erste Schwierigkeit bestand in der Findung des Einstiegs. Wähnt man sich unterhalb der unübersichtlichen Westflanke, wandert das Auge suchend hin und her. Lange begutachteten wir das Wirrwarr aus Klüften und Türmen. Letztlich war es dann aber relativ logisch: Westwärts bis zum oberen Ende des zwar noch auf der Karte eingezeichneten, aber de facto nur noch in Form von kleinen Toteisflecken existenten Kleinen Küchlferners hinan und dann entlang an einer steilen, linksseiten Wandflucht, die sich zusehends zu einer Rinne verengt.

Schon bald kommt die erste Schlüsselstelle: eine nullgriffige, abschüssige Platte, die man auf Reibung überschreitet; immer eingedenk der Gefahr, dass es im Aufstieg rechts bzw. im Abstieg links ziemlich steil runtergeht. Dann noch ein Stück empor und nun zwingend die erste Rinne scharf nach Norden. Hier ist viel Gestein in Bewegung; auch große Blöcke, die teils heikel geneigt drohend ihr Abrutschen ankündigen. Bis knapp zum Ende der äußerst brüchigen Rinne und dann links auf zwei leichten Absätzen zum Ausstieg in die sich nun öffnende Westflanke.

Es wird leichter, unübersichtlich bleibt es aber dennoch; und das, obwohl das Gipfelkreuz jetzt fast immer zu sehen ist. Der direkte Anstieg auf das Kreuz hinzu funktioniert eine Weile recht gut, obwohl immer mal wieder anspruchsvollere 2er-Stellen auftauchen können. Das T6er-Gehgelände ist aber trotzdem stets brenzlig, denn vom Normalbruch abgesehen sind auch die Blockpassagen äußerst heikel, da die Brocken instabil geschichtet sind. Gelegentlich wackeln und wanken die riesigen Steine, sobald wir auf ihnen stehen. Man muss sakrisch aufpassen; auch weil Tritte und Griffe immer mal wieder ausbrechen.

Nach einem weiten Nordschwenk hinweg vom Gipfelkreuz gewinnen wir den Grat und bewegen uns jetzt südwärts wieder auf das Kreuz zu. Nun wird es ausgesetzt und wir müssen eine steile Flanke westseitig durchschreiten. Dann von einem sperrendem Riegel in ein Zwischenkar hinab und die andere Seite wieder hinauf.

Jetzt ist das Kreuz ganz nah. Aber auch in diesem Moment heißt es nochmal aufpassen. Ein Gendarm versperrt den Weg. Er wird am besten südseitig umgangen. Nun noch sehr ausgesetzt ostseitig um den Gipfelvorbau herum und hinauf zur Küchlspitze, auf der wenig Platz herrscht. Richtig entspannen kann ich mich hier nicht, denn neben besagter Enge fällt es auch noch nach allen Seiten steil ab.

Die Aussicht ist hingegen besonders toll. Wir staunen und genießen. Ein Traum! 

Tourengänger: mabon, Grimpeur, Matula

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Kommentare (8)


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AIi hat gesagt:
Gesendet am 2. September 2015 um 12:26
Gratulation zur klasse Tour!

Gruß Ali

mabon hat gesagt: RE:
Gesendet am 2. September 2015 um 12:44
Schönen Dank Ali!

Grimpeur hat gesagt:
Gesendet am 2. September 2015 um 22:11
danke für den schön geschriebenen Bericht und die gut betitelten Bilder. War ne schöne Sache!

Matula hat gesagt:
Gesendet am 3. September 2015 um 14:25
Toller Bericht, war nett mit Euch! Nächstes mal steige ich ganz mit hoch ;-) Gruß der Bademeister :-D

mabon hat gesagt: RE: Wenn...
Gesendet am 3. September 2015 um 15:00
...Du das näxte Mal mit hochsteigst, müsstest Du aber Deinen Namen ändern, weil es dann kein "Fall für zwei" mehr wäre! :-)

Grimpeur hat gesagt: RE:
Gesendet am 4. September 2015 um 06:44
bitte den Namen ändern um Idenditätsverwirrungen auszuschließen :)

ES GIBT NUR EIN ORIGINAL!

Cubemaster hat gesagt: Vielen Dank für den Bericht!
Gesendet am 28. September 2017 um 15:50
Ich habe diesen Sommer die Küchlspitze über die von dir beschriebene Route bestiegen und habe mich dank deines Berichtes so gut zurechtgefunden wie es in der unübersichtlichen Flanke eben möglich ist!

Da für mich der Gipfel eines Berges immer der höchste Punkt ist, war am Gipfelkreuz für mich noch nicht Schluss: Ich habe den Hauptgipfel, den man auf dem Weg zum Kreuz umgeht, auch noch bestiegen und wolte hier noch eine kleine Beschreibung für andere Perfektionisten anhängen:
Aus der Scharte zwischen beiden Gipfeln kraxelt man ostseitig um einige wilde Zacken herum und klettert dann über sehr grobes Blockwerk zum höchsten Punkt (Schwierigkeit maximal II). Das ist zwar ziemlich bröckelig, war für mich aber mit genug Vorsicht gut machbar.

mabon hat gesagt: RE:Vielen Dank für den Bericht!
Gesendet am 29. September 2017 um 06:37
Freut mich sehr, zu hören, dass Dir die Beschreibung hilfreich war.

Sonnig Grüße

mabon


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