Gratluft schnuppern: Von der Planalp zum Brünigpass


Publiziert von Tugark , 25. August 2015 um 00:09.

Region: Welt » Schweiz » Bern » Oberhasli
Tour Datum:22 August 2015
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: Brienzergrat   CH-BE   CH-OW   CH-LU 
Zeitbedarf: 5:45
Aufstieg: 1400 m
Abstieg: 1750 m
Strecke:21.65 km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Mit der Rothornbahn von Brienz auf die Planalp (mit Halbtax/GA 17.50 Fr.)
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Mit der Zentralbahn nach Luzern oder Interlaken - oder mit dem Auto.
Kartennummer:map.geo.admin.ch ;)

Am letzten Wochenende sollte das Wetter sehr schön werden. Da ich sowieso wieder mal so richtig den Kopf verluften wollte, kam mir das gerade recht. Weil ich momentan auf die schlechten ÖV-Verbindungen in meinem Dorf angewiesen bin, ich aber dennoch in die Höhe wollte, habe ich mich auf Hikr.org über gut zu erreichende Höhenwanderungen informiert. Relativ schnell bin ich dann auf den Bericht von Jackthepot gestossen, der eine Höhenwanderung von der Planalp via Brienzer Rothorn auf den Brünigpass beschreibt (Klick). Die tollen Fotos sowie die detaillierte Beschreibung haben mich dann schnell dazu gebracht, diese Tour zu wählen.

Anreise: Um 05.30 Uhr gings aus dem Haus und ich spulte den ersten Kilometer an den Bahnhof ab. Beim ersten Mal umsteigen in Langenthal stiegen bereits mehrere Wanderer ein, und beim Umsteigen in Bern fiel man auf, wenn man keine Bergausrüstung bei sich hatte. Offenbar wollten alle diesen schönen Tag nutzen, wo ja schon bald der Herbst anbrechen könnte. In Interlaken verteilte es sich dann und auf der Brienzer Rothornbahn waren, trotz der ersten Abfahrt um 08.30, schon sehr viele Touristen und es war doch ziemlich eng. Gott sei Dank konnte ich nach einer halben Stunde schon aussteigen und war auch tatsächlich der einzige, der nur bis in die Mittelstation fuhr. Noch kurz die Jacke ausgezogen, und los gings in der bereits brütenden Hitze! (Ein Detail am Rande - da ich als GA-Besitzer noch nie ein Billet auf der App gelöst habe, war das für mich eine Premiere. Als ich dann anstand, bemerkte ich, dass alle ein Papierbillet hatten und der Schaffner nur einen "Klippser". Als ich ihm mein Handy vorhielt, blickte er nur darauf und meinte "Gehen Sie einfach rein, wird schon stimmen". Überprüft hat er nichts :))

Von der Planalp zum Chruterepass: Der Anstieg bis zum Chruterepass ist zunächst relativ unspektakulär. Via Greesgi geht es auf Feldwegen oder gut ausgebauten Wanderwegen auf die Gummialp. Kurz vor den Alphäusern zweigt der Weg in die Wiese ab und geht zunächst weglos steil bergauf. Gerade am Anfang sind die rot-weiss-roten Markierungen etwas spärlich gesetzt, weshalb ich zunächst einfach den direkten Anstieg gewählt habe - nur um dann völlig ausser Atem zu sehen, dass etwas links von mir ein Trampelpfad in weniger steilen Kurven den Berg hinaufschlängelt. Danach geht es um einen Felsvorsprung herum, von dem man einen unglaublichen Tiefblick hat, bevor dann in einem letzten, relativ steilen Stück der Chruterepass (2053 MüM) erreicht wird. Hier mache ich eine kurze Pause und beobachte die Tourengänger, die auf dem Brienzer Grat weiter kraxeln - heute noch nichts für mich, aber nächstes Jahr dann!
Zeitbedarf Planalp-Chruterepass: 1h 15 min (Wegweiser: 2h 20 min)

Vom Chruterepass auf das Brienzer Rothorn: Nun denn, gestärkt mit Mostbröckli beginnt nun der spassige Teil! Zunächst wechselt der Weg auf die Sörenberger Seite, bevor dann im Lättgässli wieder auf die Brienzer Seite gewechselt wird. A propos Lättgässli - im Beschrieb von Jackthepot habe ich noch gedacht, dass die von ihm beschriebene Treppe ja nicht so schlimm sein kann... Aber es ist dann schon nur beim Hingehen imposant, weil man praktisch auf eine Felswand zuläuft und erst kurz vorher die Treppe wahrnimmt, die extrem steil in den Berg gepflanzt ist. Schnaufend und die Stahlseile dankend umklammernd ziehe ich mich nach oben. Von da an ist es nun mehr ein relativ schmaler Weg entlang des Grates, der aber nie gefährlich ausgesetzt ist (Ausrutschen sollte man aber trotzdem nicht...). Den Schongütsch lasse ich aus, weil es dort viel zu viele Leute drauf hat - vom Brienzer Rothorn kommen auch noch weitere dutzend Turnschuhaspiranten, weshalb ich lieber schnell aufs Rothorn laufe. An der Bergstation der Seilbahn gönne ich mir ein Rivella und fülle meinen Camelbak auf - seit der Planalp habe ich bereits 2 Liter getrunken, so heiss wars! Von der Bergstation in 5 Minuten aufs Rothorn, ein Pflichtselfie und dann nichts wie weg - viel zu überlaufen! (Lustig war eine bunt zusammengewürfelte Gruppe von Männern, die sich mit Bier und Schnaps voll laufen liessen - und dann gings ab auf den Brienzer Grat. Wie weit die wohl gekommen sind?)
Zeitbedarf Chruterepass - Brienzer Rothorn: 1h

Vom Brienzer Rothorn via die beiden Arnihaaggen aufs Wilerhorn: Unterhalb des Gipfels zweigt der Weg in Richtung Eiseesattel ab. Von dort sieht man auch den Rest des Tagesprogramms - und ich beginne doch etwas zu zweifeln. Aber hey, das wird schon klappen! Den Eiseesattel erreiche ich in 15 Minuten, obschon auf dem Wegweiser 45 Minuten waren. Aber das ist vermutlich auch für die Gruppe von Sandalen tragenden Touristen, die zuvor auf dem Rothorn waren, etwas gar hoch gegriffen... Vom Eiseesattel gehts dann zügig und relativ steil auf den Arnihaaggen Südwestgipfel. Der ist allerdings nicht so spektakulär und so gehe ich, wie auch Jackthepot, noch auf den eigentlichen Arnihaaggen (2212 MüM). Der kurze, steile und weglose Aufstieg geht über eine ziemlich feuchte Wiese nach oben zum Gipfelkreuz. Oben geniesse ich den Ausblick und die Tatsache, dass ich trotz der Unmengen von Wanderern doch noch einen Gipfel für mich alleine habe! Beim Abstieg passiert es dann leider - ich rutsche auf dem nassen Gras aus und versuche mich mit meiner Hand abzufangen - das klappte zwar und ich landete weich. Weich war's vor allem, weil genau unter meiner Hand ein frisches, braunes Häufchen irgendeines Tieres lag...
Von da geht es wieder auf dem Weg auf den Grat der Zwischenegg. Hier könnte man den eigentlichen Weg, der etwas unterhalb des Grates verläuft, verlassen und ganz auf dem Grat laufen - da ich aber merke, dass ich zügig unterwegs bin und vielleicht noch rechtzeitig zum Grillieren nach Hause komme, will ich aber lieber Tempo machen. Via Gibel geht's auf den Tüfengrat, von welchem man entweder direkt Richtung Brünigpass absteigen oder noch das Wilerhorn mitnehmen kann. Nimmt man das Wilerhorn mit, darf man mit ca. 1 Stunde zusätzlich rechnen - aber es lohnt sich! Nach dem steilen, aber kurzen Aufstieg erreiche ich den letzten Gipfel. Ich packe mein Zvieri aus - und bemerke erst dann die Horde von fliegenden Ameisen, die mich befallen. Irgendwie beginnt es mich überall zu jucken - Einbildung, oder können die beissen? Ich packe jedenfalls schleunigst meine Sachen und mache mich an den Abstieg.
Zeitbedarf Brienzer Rothorn - Wilerhorn: 2h

Vom Wilerhorn zum Brünigpass: Nun beginnt der lange Abstieg... Vom Wilerhorn geht es zunächst auf das Wiler Vorsäss. Der Abstieg vom Wilerhorn ist sehr steil, zum Teil auch relativ ausgesetzt, eng und extrem rutschig. Die veranschlagte Stunde auf dem Wegweiser auf dem Gipfel ist hier wohl angebracht, denn ich glaube nicht, dass man da noch viel schneller runter rennen kann - oder sollte. Vielleicht war ich aber auch einfach langsam müde... Vom Wiler Vorsäss geht es nach einigen lustigen Wegweiser-Umwegen (der Wegweiser zeigt gerade aus, nur um dann vom nächsten Wegweiser 200m später praktisch in die entgegengesetzte Richtung geschickt zu werden) auf Strassen oder gut ausgebauten Wanderwegen zum Brünigpass. Veranschlagt wird auf dem Wegweiser 45 Minuten, weil ich aber bereits das isotonische Getränk aus Rheinfelden am Gaumen schmecken kann, schaffe ich es in 30 Minuten. So reicht es sogar noch auf den 15:50 Zug vom Brünigpass, wo ich mir im Zugbistro nebst dem isotonischen Getränk ein Zentralbahnplättzli mit Käse und Eselwurst gönne.
Zeitbedarf Wilerhorn - Brünigpass: 1h 30 min (Wegweiser: 1h 45 Min)

Fazit: Wie Jackthepot schon gesagt hat - eine sagenhafte Tour, auf der man auch gut mal Gratluft schnuppern kann. Toll ist auch, dass man vom Brienzer Rothorn aus das gesamte Tagesprogramm sieht, ebenso wenn man vom Wilerhorn zurück blickt. Zudem war ich doch recht allein unterwegs, mal abgesehen vom Umkreis von 400m rings um das Brienzer Rothorn herum. Im nächsten Jahr dann den Grat in die andere Richtung!

Fakten:
  • Marschzeit: 5h 45min
  • Zeit inkl. Pausen: 6h 45min
  • Distanz: 21.65 km
  • Höhenmeter: 1400 aufwärts, 1750 abwärts
  • Schwierigkeit: T3 (zumindest ab Chruterenpass bis Wiler Vorsäss, davor T2+ und danach... T1?

Tourengänger: Tugark


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