Piz Linard Südostgrat


Publiziert von Alpin_Rise , 18. August 2015 um 17:30.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Unterengadin
Tour Datum:29 Juli 2015
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: WS+
Klettern Schwierigkeit: III (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: Piz Linard-Gruppe   CH-GR 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 2200 m
Abstieg: 2200 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Lavin

Über den Piz Linard muss man nicht mehr viele Worte verlieren, der höchste Silvrettagipfel ist viel besungen und auf hikr.org bereits zwei Dutzend Mal beschrieben. Dieser Bericht möchte ausdrücklich auf die Gastfreundschaft und einmalige Lage der Chamanna Linard hinweisen und zugleich den Südostgrat als sehr attraktive, nur wenig schwierigere Alternative zur Normalroute in der steinschlägigen Südflanke anpreisen. Die Route ist wesentlich leichter, als es die gängige Führerliteratur weis machen will. 

Persönlich war ich nach gut besuchten Routen und Hütten im Bergell froh, den promienten Berg (fast) für mich alleine zu haben. Und die jahrelange persönliche Schmach, noch nie auf dem Linard gestanden zu haben, ist jetzt auch vorüber.


Zügig-genussreiche Gratkraxelei auf den umwölkten Silvrettakönig

Am Vorabend im Regen zur Chamana Linard, wo ich äusserst sympathisch und persönlich bewirtet wurde. Die Gäste bestehen nur aus einer einzigen Wandergruppe und einem weiteren Einzelgänger, was mir eine ruhige Nacht beschert.

Am nächsten Morgen versteckt sich der Linard dann in Wolken; als sich um 7.15 ein kleines Fenster öffnet, ziehe ich  los. An den Seen im Glimser Hochtal vorbei folgt man am besten bis auf ca. 2800m dem Normalweg und quert dann in unangenehmem Geröll diagonal aufsteigend zum "grausligen" Couloir - welches sich dann im oberen T5/II erstaunlich bequem begehen lässt. Trotzdem herrscht hier Steinschlaggefahr, wenn man nicht alleine ist.
Den SE-Grat erreicht man ziemlich genau auf 3000m, der gleich folgende Aufschwung erklettert sich am leichtesten leicht östlich (rechts) der Gratkante (II+). Darauf legt sich der Grat zurück und und bietet genüssliche Kletterei in ideal geschichtetem Fels bis zum Gipfel.  Die Route kann aus verschiedenen Sekundärgrätchen gewählt werden. Etwas Gespür für die stabilsten Felsabschnitte ist nützlich: je näher an den Gratkanten, desto besser die Kletterei. Vor dem Gipfel flacht der Grat ab und wird wieder eindeutig.
Von den geringen Schwierigkeiten - sie streifen den 3. Grad höchstens knapp! - überrascht stehe ich um 8:50, 1 Stunde 40 Minuten nach Aufbruch in der Hütte, schon auf dem Piz Linard, leider umwölkt. Als höchster Gipfel zieht mein Standpunkt die Wolken förmlich an - auch eine Stunde später grau in grau im Sektor Nord, vor allem interessieren täte mich der Blick auf das wilde Massiv rund ums Verstanclahorn.

Da niemand in der Normalroute ist, rassiger Geröllsurf-Abstieg über die Südflanke gemeinsam mit dem anderen Solisten am Berg. Dann über den Wanderberg Piz da Gliems (am Gipfel wunderbare Steinmänner und Aussichten!) und einem Teilbad im See zur verdienten Speise im empfehlenswerten Hotel Piz Linard in Lavin.

Anmerkung zum neuen Topoführer Graubünden:
Hier wird die Tour SE-Grat - Abstieg Normalweg mit der Ernsthaftigkeit E3 und ZS/3b eingestuft. Alle drei Angaben halte ich für deutlich zu hoch, sie schrecken nur unnötig ab. Die Tour ist eine prima Einsteigerhochtour der Ernsthaftigkeit E2 und mit  WS+/3a fair eingestuft. Das grösste Gefahrenpotential am Berg ist Steinschlag durch andere Bergsteiger, ein Helm gehört also auf jeden Fall zur Ausrüstung. 

Tourengänger: Alpin_Rise


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