Neuner (Pala di Popera) - Tanz auf Messers Schneide, oder: Warum liegt hier so viel Bruch herum?


Publiziert von Kireko , 8. August 2015 um 20:11.

Region: Welt » Italien » Trentino-Südtirol
Tour Datum:22 Juli 2015
Klettern Schwierigkeit: III (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: I 
Zeitbedarf: 7:30
Aufstieg: 1000 m
Abstieg: 1000 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Großer Parkplatz am Kreuzbergpass
Kartennummer:Tabacco 010 - Sextener Dolomiten

Da der Neuner hier noch nicht beschrieben ist (und es allgemein wenig Informationen zu diesem Berg im Netz gibt), möchte ich euch die Beschreibung des Normalwegs nicht vorenthalten - auch wenn ich den Anstieg nicht wirklich empfehlen kann. Andererseits gehört der Neuner zur Sextner Sonnenuhr, ist von daher in meinen Augen ein nicht uninteressanter Gipfel.

Vom Kreuzbergpass geht es erst einmal zum Arzalpensattel, von wo aus ein kleiner, nicht markierter Pfad zum "Einstieg" der Südrinne des Neuners führt. Hier anstrengend, aber ungefährlich hinauf, bis auf der rechten Seite die erste große Schlucht auftaucht. Dieser folgend, durch Bruch und über Kraxelstellen (bis ca. II) bis kurz vor die Neunerscharte. Jetzt wird's spannend: Nach rechts in die Wand, durch den ziemlich am Anfang liegenden Kamin (III-, Schlüsselstelle) und weiter den gelegentlichen Fixpunkten folgend zum Nordgrat. Bis hier hin geht es durch sehr steiles Gelände (obwohl es nur II ist), welches zu allem Überfluss extrem brüchig ist. Auf den kleinen Bändern, die durch die Wand laufen, liegt daher auch ziemlich viel Schutt herum. Über den Nordgrat geht es verhältnismäßig einfach zum höchsten Punkt.

Herunter wird das Ganze noch "spaßiger".

Um euch ein Gefühl zu geben, was mir bei der Tour durch den Kopf gegangen ist, kopiere ich hier einfach das Fazit aus meinem Blogeintrag rein. Dort gibt einen ausführlicheren Bericht.

[rebecca-abenteuerberge.blogspot.de/2015/08/neuner-2582m-uber...]

Das war wohl die bisher wildeste Sache in meiner Bergsteiger"karriere" - und sowas brauche ich so bald auch nicht wieder. In meinem Gefühl hat die Beschreibung im AV Führer mit der Realität der Besteigung nichts zu tun. Dass die Brüchigkeit nicht erwähnt wird, wundert mich sehr. Auch die Steilheit hat mich überrascht. Vielleicht ist aber auch das Dolomitenbergsteigen wirklich ganz anders...

Beschreibung AV Führer: III- (Stelle) und II (eIII+). Steile, gutgegliederte Wand. 150 mH. 1 Std.

P.S.: Da ich mich mit der T-Skala nicht gut auskenne, habe ich auf eine Bewertung verzichtet. Bin aber offen für Vorschläge - sofern man das aufgrund der Bilder beurteilen kann.

Tourengänger: Kireko


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Kommentare (6)


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georgb Pro hat gesagt:
Gesendet am 8. Oktober 2017 um 14:14
Beeindruckender Bericht Rebecca! Hab ihn mir mal aus der Nähe angeschaut und er übt eine gewisse Faszination aus!? Sind die Abseilstellen stabil eingerichtet?
Grüße Georg

Kireko hat gesagt: RE:
Gesendet am 10. Oktober 2017 um 21:18
Hallo Georg,

danke für deinen Kommentar! Aus meiner Erinnerung heraus (es ist ja jetzt schon gut 2 Jahre her) waren da eher nur geschlagene Haken vorhanden - zum Abseilen ein bisschen zu windig, denke ich. Aber verstehe schon, dass der Berg anziehend wirkt :-) Geh halt mal bis zur Neunerscharte und schau dir das Gelände darüber an - man erkennt an dem Punkt glaube ich ganz gut, ob man sich noch weiter traut.

Und berichte dann auf jeden Fall, wie es war, würde mich sehr interessieren!

Viele Grüße

Rebecca

georgb Pro hat gesagt:
Gesendet am 10. Oktober 2017 um 22:46
Du sagst es, man muss hingehn und sich die Sache anschaun. Umkehren zu können ist eine große Tugend, die aber manchmal schwer ist, stimmts? ;-)

Kireko hat gesagt: RE:
Gesendet am 23. Oktober 2017 um 17:50
Ja, manchmal fällt umkehren schwer, aber ich bin da glücklicherweise nicht so empfindlich. Die allermeisten Berge laufen nicht weg :-)

georgb Pro hat gesagt:
Gesendet am 9. November 2017 um 09:39
Hallo Rebecca,
wie du hier siehst, habe ich mich auch am Neuner versucht. Rudi und Harald sind zwei Tage später auf der richtigen Linie zum Gipfel! In beiden Fällen klares T6er Gelände, Stellen bis III, heikles Absturzgelände und wenig bis keine Orientierungspunkte. Sie haben zweimal abgeseilt und eigene Schlingen gelegt, weil die alten Haken nicht mehr zu gebrauchen sind.
Ein exklusiver Gipfel, passt in die Reihe der großen Dolomitenführen!
Nochmal Kompliment zu deiner Tour, Grüße Georg

Kireko hat gesagt: RE:
Gesendet am 19. November 2017 um 14:38
Hey Georg,

vielen Dank für deine Rückmeldung - sehr spannend zu sehen, wie sich andere an dem Berg versuchen und die Schwierigkeit einschätzen! Abseilen hätte ich sicher auch als ganz angenehm empfunden, aber ich hatte ja leider rein gar nichts an Ausrüstung dabei. Klarer Fall von Unterschätzung der Verhältnisse in den Dolomiten würde ich sagen...

Beste Grüße und viel Spaß weiterhin bei deinen Touren

Rebecca


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