Bike, hike, climb, Stockhorn Westgrat


Publiziert von amphibol Pro , 9. August 2015 um 01:28.

Region: Welt » Schweiz » Bern » Simmental
Tour Datum: 6 August 2015
Wandern Schwierigkeit: T2 - Bergwandern
Klettern Schwierigkeit: 4+ (Französische Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-BE 
Zeitbedarf: 4:00
Aufstieg: 600 m
Strecke:Chrindi - Oberstockenakp - Strüssligrat (Einstieg in den Westgrat auf H 2050) - Westgrat bis Stockhorn Gipfel
Zufahrt zum Ausgangspunkt:[sbb, Stockhorn] oder [sbb, Erlenbach]
Zufahrt zum Ankunftspunkt:-
Unterkunftmöglichkeiten:In Erlenbach oder der unmittelbaren Region gibt es einige Hotels. Übernachtungsmöglichkeiten auch hier ersichtlich: [www.wandersite.ch/alpentrekking%20Stockhorn.html#4_mittlist_...]
Kartennummer:1297 Thun 1:25'000

Stockhorn über den Westgrat (plaisir "chum u lueg")


Das Stockhorn ist unser Hausberg. Jeden Morgen fahre ich mit dem Fahrrad zur Hauptstrasse hoch und - jedenfalls wenn ungetrübte Sicht auf das Stockhorn herrscht - schaue ich direkt auf den Stock des Stockhorns - eine faszinierende Wand! Je nach Perspektive ist das Stockhorn eher ein Spitz (Sicht Reutigen), ein Stock (Sicht Thun, Gürbe- und Aaretal) und ein nur wenig steiler Hügel aus der Sicht vom Simmental. Mich fasziniert dieser kalkige steile Stock auch wenn er mit einer Bahn erschlossen ist... Das Stockhorn ist ein erhabener Berg dessen Nordwand hoch über dem Stockental ragt und bereits weit vom Aaretal sichtbar, aber insbesondere für die Region Thun ein Wahrzeichen ist.

Die Stockhornkette?

Rein geomorphologisch oder eher gefühlsmässig verläuft die Stockhornkette, die in Wimmis mit der Simmeflue im Osten beginnt, eigentlich hinter, also südlich der Gantrischgruppe durch. Meiner Meinung nach zieht sie sich (immer noch der Logik der Landschaftsform folgend) nach dem Stockhorngipfel südlich der Gantrischgruppe über den Strüssligrat und den Sattelspitz - durchbrochen durch den Walalpbach, der das Buuschetal bildet weiter zum Widersgrind/Schibe/Märe und danach bis zur Kaiseregg, wo die Kette westlich durch den Janupass ihr Ende findet. Doch in der Literatur ist man sich nicht durch's Band weg einig. Üblicherweise rechnet man den Walalpgrat bis zum Möntschelespitz noch dazu. Doch - wiederum - geomorphologisch betrachtet macht das keinen Sinn, denn von der Ausrichtung und der Betrachtung des reinen Zusammenhangs von Formen, müsste Chrummfadeflue, Homad, Möntschelespitz und Walalp klar der Gantrischgruppe zugeordnet werden. In westlicher Richtung, ab der Chrummfadeflue wird von der Gantrischgruppe gesprochen. Noch etwas grosszügiger, verleitet es mich dazu, dass die Stockhornkette erst im Freiburger Oberland in Charmey bei den Dents Vertes endet. Doch was ist nun richtig? 

Auf diese Frage gibt es sicher mehrere vertretbare Antworten. Die etwas saloppe Definition von einer Gebirgskette ist mit der Aneinanderreihung von Bergen beschrieben. Das heisst, die Stockhornkette kann durchaus in diesem Ausmass gesehen werden, wie ich sie oben beschrieb. Doch an der Definition einer spezifischen Gebirgskette wie jener des Stockhorns hängt natürlich weit mehr. Die Fribourger, die das Stockhorn nicht mal sehen, würden es nur ungern akzeptieren, wenn "ihre" Kaiseregg der Stockhornkette zugeordnet werden würde. Das bedeutet, dass die Definition einer spezifischen Gebirgskette auch abhängig ist, wie ein Gebiet benannt und unter Rücksichtnahme von Kultur und Geschichte geprägt wurde.

Eine weitere definitorische Anwendung, um Gebirgsketten voneinander abzugrenzen und meiner Meinung nach eine nicht unwesentliche Abgrenzungsart, bildet die Geologie. Die Geologie kann - muss aber nicht - eine Gebirgskette von der anderen definitorisch oder geografisch abgrenzen. Wie sieht das nun im Falle des Stockhorns aus? Die Stockhornkette ist nicht an Ort und Stelle aus dem Boden getreten. Die Gesteinsschichten lagen ursprünglich, infolge vormaliger Ablagerung im seichten Beriech (Schelfmeer) des Urmeeres nördlich des Tiefmeeres Thetys wo sie während des Mesozoikums abgelagert wurden (252-66 Millionen Jahren). Dem Mesozoikum untergeordnet sind die drei Zeitabschnitte des Trias, Jura und der Kreide in ebendieser chronologischen Abfolge. Geografisch lässt sich die Region der Ablagerung der heute am Stockhorn zu Tage tretenden Gesteine auf das Gebiet im Bereich des Lago Maggiore zuordnen. Die Abfolge der Gesteinsschichten an der gesamten Stockhornkette, wie auch an der Gantrischgruppe - im wesentlichen das Lias, Dogger und Malm (in derselben Reihenfolge; Unterjura, bzw. schwarzer Jura, Mitteljura, bzw. brauner Jura und Oberjura, bzw. weisser Jura) zu sehen, ist stark unordentlich geprägt, zumal sich die Schichtabfolge von Ort zu Ort unterscheidet. Ein grosser Teil der "préalpes", also vom Chablais auf der französischen Seite des Genfersees bis nach Liechtenstein (helvetische Decken) mit der Nord-Süd-Ausdehnung von rund 50-100Km bestehen teilweise aus denselben Ablagerungssedimenten, die überschoben, zerklüftet und teilweise, wie im Falle der Stockhornkette und der Gantrischgruppe gar aufgestellt wurden. Hier ist nun ein Einblick in die ehemals Schicht für Schicht (laminar) abgelagerte Sedimente quasi von der Seite her möglich. 

Die wesentlichen Gesteinsschichten in der Gegend um das Stockhorn und den Gantrisch stammen also aus Ablagerungsgesteinen aus dem späten Trias (vor 200 Millionen Jahren) und des Jura (206-144 Millionen Jahren). 

Der Lias besteht mehrheitlich aus Kieselkalk, einem sehr hellen, durch die Verwitterung kantigen Kalk, der beispielsweise (nur aus der vergleichsweise jüngeren Zeit in der Kreide abgelagerte Kieselkalk) an der Pilatuskette typisch vorkommt. Der Dogger besteht u.a. aus Kalksedimenten wie Korallenkalke und ist dunkel bis grau mit Versteinerungen und der Malm besteht ausschliesslich aus Kalk, den man typischerweise am Stockhorn selber vorfindet. Grossgeologisch werden diese Schichten den helvetischen Decken zugeordnet. 

Der geologische Ansatz genügt aus diesen Begründungen ebenfalls nicht, die Stockhornkette per Definition aus Gründen der Herkunft, der Ablagerungszeit der Sedimente oder der Gesteinstypologien-, und Art abzugrenzen. Vielmehr dürfte die heutige, uneinheitliche Definition der Stockhornkette aus historischen, traditionell-regionalen und damit geografischen Gründen basieren und keiner strengwissenschaftlichen Gesetzmässigkeit folgen.


Zu unserer Tour - Stockhorn über den Westgrat

Auf dem Stockhorn war ich schon zig mal und da habe ich meine "erste Hochtourenerfahrung" gemacht, auch wenn mir dies erst viel später bewusst wurde. Als kleiner Bub stiegen wir nämlich im Frühjahr eines schneereichen Winters angeseilt mit kleinen Ministeigeisen über den Strüssligrat und dann den exponierten mit Hartschnee bedeckten Weg entlang der Nordwand bis in die Bachegg runter. Die Erfahrung - sofern ich dies heute überhaupt noch zu beurteilen mag - war kaum beängstigen, wie ich das heute mit zunehmender Maturität wohl wahrnehmen würde. In meiner spärlichen Erinnerung mag ich mich nur noch an die doch ausgesetzten Passagen unterhalb des Strüssligrats erinnern, der mit gefrorenem Hartschnee sicher herausfordern war, vor allem in meinem zarten Alter von vielleicht 10 Jahren. Das Stockhorn als Hausberg haben wir danach verschiedentlich besucht, so zum Beispiel mit meinen Eltern ebenfalls im Abstieg über den schneelosen Strüssli-, und Walalpgrat auf die Chatz u Mus und nach Blumenstein runter. Oder durch das Lindental von Niederstocken oder von Reutigen über das Steinig Nacki, Lasenberg und Solhorn oder über die ausgesetzte Nüschlete. Gut in Erinnerung bleibt mir auch der ehemalige Skilift der zum Lasenberg führte, wo wir ein paar Mal Skifahren waren und wovon nur noch ein kleines Holzhäuschen vom Bügelmann als stummer Zeuge übrig geblieben ist. 

[06.07.2015] Wir fuhren von Amsoldingen gegen 09:00 mit den Fahrrädern ins Simmental und gelangten bei grosser Hitze ziemlich verschwitzt bei der Talstation der Stockhornbahnen in Erlenbach an. Nur ein paar Minuten später gondelten wir bis zum Chrindi, der Mittelstation der Stockhornbahn. Von da schlenderten wir gemütlich mit Sack und Pack dem Hinterstockensee entlang, wo wir den Fischern zuschauten. Danach stiegen wir auf die Oberstockenalp, wo wir ganz zufällig meine Eltern trafen und ein Kaffee tranken. Danach stiegen wir bis fast zum Stockhorngipfel wo sich der Weg gegen Westen zum Strüssligrat abzweigt und uns in leichtem Abstieg zum Einstieg in den relativ kurzen Westgrat führte. Wir schwitzen gehörig, denn es war ein sehr heisser Tag mit nur wenigen Wolken. Wir seilten uns an und berggiis stieg die erste Seillänge dem sehr gut abgesicherten Grat in wunderbarem hellen und sehr griffigen Kalk empor. Die ersten zwei Seillängen werden zu recht als 2b taxiert und sind in der Tat nicht schwierig. Es war in der Summe ein sehr angenehmes Klettern und es besteht immer die Möglichkeit etwas schwieriger direkt auf der Gratkante zu klettern oder leicht südlich davon. Ab Seillänge 3 (3b), stiegen wir ein erstes doch schwierigeres Stück vertikal hoch und auf dem Felsen oben wird der Grat luftiger, weil sich der Ausblick über die Nordwand des Stockhorns ergibt. Es folgten nun leicht ausgesetzt einige kleinere Aufschwünge, manchmal mit etwas Luft unter dem Hintern immer direkt auf dem Grat. In der sechsten Seillänge folgt eine Kalkplatte (2b), die einfach zu einem weiteren 3b führt. Danach folgt die "Schlüsselstelle", ein etwas enger Kamin, den man mit einem breiten Ausfallschritt direkt emporsteigt. Oben gibt es eine Kette mit Abseilring und etlichen Bohrhaken die vom Klettergarten der Routen Intenso (6c), Joyce (5c), Sculpture (5c) und Wo isch crux (5c) bestehen. Von da an kann man die letzten etwa 100m gehen am kurzen Seil üben und erreicht eine Art Vorgipfel, wovon aus man auf die Gipfelplattform des Stockhorns sieht. Nur wenige Meter trennten uns vom Gipfel und wir entschlossen uns für einen Kaffeestopp, weil wir unserem Kocher dabei hatten! :-)

Wir genossen die Aussicht und die ausgiebige Rast bei hochsommerlichen Temperaturen und verweilten eine Zeit lang. Danach fuhren wir mit der Gondel runter nach Erlenbach und mit dem Fahrrad wieder nach Hause.

Fazit:
Das Stockhorn und sein Westgrat bietet eine einfache plaisir Kletterei und die Route ist optimal für Mehrseillängen zu üben. Der Westgrat bietet auch unerfahrenen und nicht so begnadeten Kletterern "plaisir" in hohem Grade den man getrost auch mit Bergschuhen klettern kann. Seilhandhabung ist aber Voraussetzung. 

Literatur zur Route "chum u lueg" und zu zig Routen in den verschiedenen Klettergärten am Stockhorn [Jürg von Känel, plaisir west, 2. Auflage 2006]



Tourengänger: amphibol, berggiis


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Kommentare (2)


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Aendu hat gesagt: Stockhorn...
Gesendet am 9. August 2015 um 15:36
....lohnt sich doch immer wieder!!

Gruss, Aendu

amphibol Pro hat gesagt: RE:Stockhorn...
Gesendet am 9. August 2015 um 21:32
definitv! Merci für den Kommentar. :-)
Gruess, Raphael


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