Das Rückgrat des Alphubels: Rotgrat


Publiziert von danski , 5. August 2015 um 19:09.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Oberwallis
Tour Datum: 3 August 2015
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: ZS+
Klettern Schwierigkeit: IV (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS 
Zeitbedarf: 9:30
Aufstieg: 1500 m
Abstieg: 2000 m
Strecke:Täschhütte - Tälli - P.3139 - Wyssgrätli - P.3637 - Rotgrat - Alphubel; Abstieg via Alphubeljoch
Unterkunftmöglichkeiten:Täschhütte

Der Alphubel, ein Berg der mich lange nicht zu begeistern vermochte. Wenn, dann mit Skis, ansonsten hielt ich ihn nicht für lohnenswert. Halt, weit gefehlt! Denn auf seiner "Rückseite" hält er ein Juwel versteckt, das einen Vergleich mit grossen Felsanstiegen an anderen Hoheiten nicht zu scheuen braucht. Der Rotgrat macht nicht nur seinem Namen alle Ehre.

Es sollten zweierlei Premieren sein. Meine erste ernsthafte Sommer-Hochtour dieser Saison und dann noch im Team mit Markus, mit dem ich bis anhin nur im Geiste auf allerlei Berge gekraxelt bin. Eine gewisse Verunsicherung meinerseits war nicht ganz zu verleugnen. Keinesfalls wegen Markus, eher plagten mich Zweifel, ob ich der Sache nach längerer Hochtouren-Absenz gewachsen sein würde. Guten Mutes lassen wir uns am Sonntagnachmittag per Taxi auf die Täschalp chauffieren. Die 20 CHF pro Person zahlen wir gerne. Hält man sich an den "Fahrplan", der sich wohl nur telefonisch z.B. hier http://taxi-alphubel.ch/de/ erfragen lässt, reduziert sich der Betrag auf faire 10 CHF pro Fahrgast. Bemerkenswert erscheint mir auch die Tatsache, dass unser Chauffeur Australier ist. Für Unterhaltung während der Fahrt ist also gesorgt. Der Zustieg zur Täschhütte, 2701m, gestaltet sich als lockerer Sonntagsspaziergang. Erstaunlich wenige Gäste sonnen sich auf der aussichtsreichen Terrasse. Wohl auch eine Erscheinung der Frankenstärke, bzw. Euroschwäche. Bevor wir uns die mitgebrachten Biere leisten, steigen wir zum P. 3139 hoch und nehmen einen Augenschein vom Rotgrat, der sich jeweils nur kurz entblösst, um gleich wieder unter Nebelschwaden in Deckung zu gehen. Was wir sehen vermag uns zu überzeugen. Der Neuschnee vom 1. August ist grösstenteils schon wieder geschmolzen und der Fels trocken. Der Morgen kann getrost kommen!

Rotgrat

Tagwache 03:00. Halb so schlimm. Schlimmer noch empfinde ich die Nahrungsaufnahme zu solch früher Stunde, aber ohne Morgenessen geht einfach gar nichts. Lustlos schlingen wir Müesli und trockenes Brot herunter und sind um kurz vor 04:00 startklar. Gleich hinter der Hütte folgen wir dem guten Weg zum P.3139. Nur wenige Stirnlampen blitzen hinter uns auf, doch wir haben bereits einen komfortablen Vorsprung. In leichter II-Kletterei folgen wir zügig via P.3195 dem Wyssgrätli. Erst spät entscheiden wir uns anzuseilen. Unschwierig (II-III) gelangen wir zum Vereinigungspunkt von Wyssgrätli und Rotgrat beim P.3637m. Unterdessen ist die Nacht dem frühen Morgen gewichen und die Berge ringsherum präsentieren sich im besten Licht. Ein guter Zeitpunkt, das Frühstück zu ergänzen. Vor uns zieht sich der Rotgrat noch wenig steil und linker Hand von Firn bedeckt vor uns hin. Wir bleiben auf dem schuttigen Teil des Grates. Ein erster kurzer Aufschwung leitet zu einem weiteren Firnfeld über. Nach diesem zweiten Firnfeld folgt abermals ein Aufschwung, der in schöner Kletterei erklommen wird. Jetzt trennt uns nur noch ein kurzes, gegen Norden steil abfallendes Firnfeld vom "pièce de résistance" der Tour, der steilen und fast 300m hohen "Bastion". Was für ein Anblick! Auf den ersten Blick eher abweisend, doch es lassen sich bei näherer Betrachtung viele Schwachstellen erkennen. Wir benützen für die unschwierige Querung des Firnfeldes Steigeisen. Auf der anderen Seite erwartet uns ein Bohrhaken, an dem wir uns sichern um die Steigeisen wieder loszuwerden. Markus steigt vor. Der Übergang vom Firn auf den Fels erfordert etwas Feingefühl. Auf schuttigen Bändern gewinnen wir Höhe und erreichen die Gratkante, wo das Kletterherz nun definitv heftiger in der Brust zu schlagen beginnt. Ein solider Haken markiert den Anfang der schönsten Kletterstrecke. Ich lasse mir die Gelegenheit nicht nehmen und steige beherzt vor. Was für ein Genuss! Nur die Sonne und Wärme fehlt, doch immerhin gehts ohne Handschuhe. Eine wunderbare Verschneidung inkl. einsamem Borhaken führt steil in die Höhe. Mit Camalots und Schlingen kann die Kletterei bestens gesichert werden. Laut Topo sind die ersten SL mit einer 4a bewertet. Ich klettere bis mir das Material ausgeht, während Markus gleichzeitig folgt. An einem improvisierten Stand wechseln wir den Modus. In weiterhin schöner Kletterei im Bereich 3a-4a gelangen wir unter den ausgeprägten Quarzturm. Die Routenfindung ist nicht immer offensichtlich, aber solange man auf der Rippe bleibt, ist man grundsätzlich gut unterwegs. Nun klettert für eine Weile auch die Sonne mit uns, doch nach dem Quarzturm und einer kurzen Pause tauchen wir wieder in den Schatten ein. Die einfachen III-Gipfelplatten sind mein Job, während Markus am laufenden Seil nachkommt. Nach rund 6.5 Stunden sind die Schwierigkeiten unvermittelt vorbei und ein fast horizontaler Firnspaziergang leitet über zum höchsten Punkt des Alphubels. Warm, windstill und ganz ohne weitere Gesellschaft geniessen wir den Moment. Das Panorama erstreckt sich klar und scharf in alle Himmelsrichtungen, ein Traumtag!

Wir nehmen die gute Spur via Ostflanke als Abstieg, da uns Bergsteiger am Vortag vom SE-Grat wegen fast unbezwingbarem Blankeis abgeraten haben. Naja, beim Blick vom Alphubeljoch auf diesen entpuppt sich das ganze dann als doch eher harmlos. Der Wahrnehmung von Bergsteigern aus "Mainhattan" sollte man eben doch nicht ganz trauen... Rasch und unkompliziert sind wir zurück bei der Hütte, von wo wir mit Freude und Zufriedenheit auf das Tageswerk zurückblicken. Es lief alles wie am Schnürchen und macht mehr Mut und Lust auf weitere Unternehmungen!

Fazit

Eine ausgesprochen interessante Route, die in steiler Kletterei auf den Alphubel führt. Die Felsqualität ist generell erstaunlich gut und es kann oft wirklich schön geklettert werden. Wir haben auf der gesamten Tour 5 Bohrhaken angetroffen. Der Rest darf selber abgesichert werden. Es bieten sich genügend Möglichkeiten für Camalots (0.3 - 0.75), Keile sowie Schlingen. Einziger Wermutstropfen: Der Grat erhält wegen seiner Exposition relativ spät wärmende Sonnenstrahlen. Als Plus darf sicher auch der einfache Abstieg ins Feld geführt werden.

Danke noch an die lustigen BaWüBerger aus Ludwigsburg, die uns mit ihrem brandneuen Meisterwerk deutschter Automobil-Ingenieurskunst nach Täsch mitgenommen haben.

Tourengänger: danski


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